Perfektiver Aspekt

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Der perfektive Aspekt – oft auch perfektivischer Aspekt oder einfach Perfektiv genannt – ist ein Verbalaspekt, der Handlungen, Zustände und Geschehen als abgeschlossen, einmalig, überschaubar und in sich geschlossen markiert. Im Gegensatz dazu steht der imperfektive Aspekt.

Die germanischen Sprachen hatten einst ein Imperfektiv-Perfektiv-System. Im Althochdeutschen etwa existierte das Präfix gi-, der Vorläufer des ge-Partizipialpräfixes. Es brachte bei Verben den perfektiven Aspekt zum Ausdruck und wurde erst in späterer Zeit in ein obligatorisches Morphem uminterpretiert. In einem Fall wie gemacht drückte ge- also ursprünglich die abgeschlossene Handlung aus, tritt heute aber als obligatorischer Bestandteil des Partizips II auf. Verben wie werden, kommen, finden, die schon von ihrer Bedeutung her perfektiv sind, wurden deshalb im Partizip II nie mit einem zusätzlichen ge- versehen – ein Zustand, der sich bis heute in vielen deutschen Dialekten erhalten hat.

Im Ungarischen wird der perfektive Aspekt durch das Verbalpräfix meg- ausgedrückt. Dieses ist das häufigste Verbalpräfix der Ungarischen Sprache. Beispiele:

  • megtalál – (nach dem Suchen) finden
  • megszólal – beginnen zu sprechen (das Perfektiv drückt hier den Beginn einer Handlung aus; szólal bedeutet sprechen)

Im heutigen umgangssprachlichen Neuhochdeutschen können ‚doppelte Perfektbildungen‘ wie „Michael Stich hat in Wimbledon bereits gewonnen gehabt“ als perfektiv interpretiert werden (vgl. Rödel 2007). Für das Russische führt Comrie (1996) den Satz an: "On umiral (d. i. imperfektiv), no ne umer (d. i. perfektiv)", mit folgender Übersetzung: Er lag im Sterben (imperfektiv), starb (perfektiv) aber nicht.

In der chinesischen Sprache wird 了 'le' benutzt, um anzuzeigen, dass eine Handlung abgeschlossen ist.

Quellen[Bearbeiten]

  • Bernard Comrie: Sprache und Sprachen: Universalien und Typologie, in: Lang/Zifonun: Deutsch-typologisch, Berlin/New York 1996.
  • Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart/Weimar 2005.
  • Michael Rödel: Doppelte Perfektbildungen und die Organisation von Tempus im Deutschen, Tübingen 2007.