Perigord-Trüffel

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Perigord-Trüffel
Truffe noire du Périgord.jpg

Perigord-Trüffel (Tuber melanosporum)

Systematik
Unterabteilung: Echte Schlauchpilze (Pezizomycotina)
Klasse: Pezizomycetes
Ordnung: Becherlingsartige (Pezizales)
Familie: Trüffelverwandte (Tuberaceae)
Gattung: Echte Trüffeln (Tuber)
Art: Perigord-Trüffel
Wissenschaftlicher Name
Tuber melanosporum
Vittad.

Die Perigord-Trüffel (Tuber melanosporum), auch Schwarze Trüffel genannt, ist eine aus Südeuropa stammende Echte Trüffel, die zu den teuersten Speisepilzen der Welt gehört.

Merkmale[Bearbeiten]

Die knolligen dunkelbraunen Fruchtkörper (Ascokarpe) besitzen eine schwarzbraune Oberfläche, die aus pyramidenartig zusammengesetzten Höckern besteht.[1] Sie riechen stark aromatisch und erreichen normalerweise eine Größe von bis zu 10 cm.[2] Wenige Exemplare werden jedoch wesentlich größer und können wie ein Fundstück aus dem Jahr 2012 im Département Dordogne über ein Kilogramm schwer sein.[3] Die zunächst weiße, später dunkle Fruchtmasse wird von weißen Adern durchzogen, die sich im Alter bräunlich färben.[4] Die Sporen sind elliptisch und 22–55 µm mal 20–35 µm groß.[2] Sie sind dunkelbraun gefärbt und mit großen Stacheln besetzt.

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Die Schwarze Trüffel ist der weniger geschätzten Chinesischen Trüffel (Tuber indicum) morphologisch sehr ähnlich. Um beim Handel Verwechslungen oder Betrug entgegenzuwirken, wurde eine RFLP-Analyse entwickelt, mit der sich beide Pilzarten genetisch eindeutig unterscheiden lassen.[5] Äußere Unterscheidungsmerkmale sind die dunkelrote bis dunkelbraune, glattere Schale bei der Chinesischen Trüffel.[6] Die Sommer- (T. aestivum) und Winter-Trüffel (T. brumale), deren Verbreitungsgebiet auch etwas weiter nördlich reicht, besitzen ein helleres Fleisch.

Ökologie[Bearbeiten]

Lebensweise und Phänologie[Bearbeiten]

Schwarze Trüffeln wachsen in einer Bodentiefe von 5–50 cm als Ektomykorrhiza-Pilze an ihren pflanzlichen Symbiosepartnern. Dies sind Steineiche, Stieleiche, Hasel, Kirsch- und andere Laubbäume.[2] Dabei bevorzugen sie lockere Kalkböden.[7][8] Insbesondere für die Symbiose zwischen Tuber melanosporum und Steineichen-Keimlingen konnte gezeigt werden, dass der Pilz in der Pflanze eine erhöhte Photosynthese-Leistung und verstärktes Wurzelwachstum bewirkt. Die verstärkte Photosynthese führt dabei nicht zu einem größeren Wuchs der Pflanzen, sondern zu einer vermehrten Bildung von Zellwandmaterial.[9]

Wirtspflanze mit nahezu vegetationsfreiem Umkreis (brûlé)

Der fast vegetationsfreie Umkreis (französisch brûlé) der Wirtspflanzen ist darauf zurückzuführen, dass T. melanosporum andere Pflanzen an den Wurzeln parasitiert, so dass es aufgrund von Nekrosen in der Wurzelrinde zu einem Absterben der Pflanzen kommt.[10] Zudem kann ein Teil der Duftstoffe die Entwicklung von Pflanzen durch Auslösung von oxidativem Stress beeinträchtigen.[11]

Die Fruchtkörper bilden sich zwischen April und Juni, eine Ernte erfolgt jedoch erst von November bis März.[12]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Wildschweine und die Larven der Trüffelfliege, die sich von den Fruchtkörpern ernähren, scheiden mit ihrem Kot die Sporen unverdaut aus und tragen somit zur Verbreitung der Trüffel bei. Der ausgeschiedene Kot wirkt wohl gleichzeitig als Dünger für die keimenden Sporen. Es finden sich gemeinsame Vorkommen mit der Winter-Trüffel (Tuber brumale), die das Wachstum von T. melanosporum bei hohem Wassergehalt des Bodens begünstigt.[13]

Erst eine 2010 veröffentlichte Untersuchung[14] widerlegte die bis dahin gängige Annahme, dass alle Trüffelarten selbstkompatibel (homothallisch) sind. Es konnte gezeigt werden, dass die Schwarze Trüffel selbstinkompatibel (heterothallisch) ist, das heißt, eine sexuelle Fortpflanzung mit der einhergehenden Fruchtkörperbildung basiert auf der Kreuzung zwischen Myzelien, die einem unterschiedlichen Paarungstyp entsprechen. Bei der Entwicklung von Myzelien unterschiedlicher Paarungstypen an einem Baum dominiert im Laufe der Zeit einer der beiden Paarungstypen. Diese Beobachtung ist von praktischer Bedeutung für die Anlage von Trüffelplantagen: Um größere Trüffelernten zu erreichen, muss sichergestellt werden, dass sich an benachbarten Bäumen Myzelien unterschiedlichen Paarungstyps entwickeln. Zu diesem Zweck können die Keimlinge der Wirtsbäume bereits im Vorfeld gezielt mit dem vorkultivierten Myzel eines Paarungstyps beimpft werden.

Verbreitung[Bearbeiten]

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Schwarzen Trüffel erstreckt sich über verschiedene Regionen in Spanien, Frankreich und Italien, die wahrscheinlich während der letzten Eiszeit den Wirtspflanzen als Refugien dienten. Mittlerweile werden die Trüffeln auch in Australien, Neuseeland und Nordamerika kultiviert.[8]

Bedeutung[Bearbeiten]

Genom[Bearbeiten]

Das 2010 veröffentlichte Genom[15] der Schwarzen Trüffel enthält 125 Millionen Basenpaare. Dabei entsprechen 58 % des Genoms transposablen Elementen. Lediglich 7500 Protein codierende Gene wurden identifiziert. Während der Symbiose werden Gene induziert, die im Abbau pflanzlicher Zellwände und Lipide involviert sind. Daher scheint die Schwarze Trüffel zu Beginn der Symbiose die Zellwände der Wirtspflanze abzubauen.

Aroma und Duftstoffe[Bearbeiten]

Die Fruchtkörper der Schwarzen Trüffel erinnern in ihrem Geruch an Unterholz, Erdbeeren, feuchte Erde oder getrocknete Früchte mit Kakaonote. Der Geschmack, der sich erst nach dem Erhitzen voll entfaltet, ist leicht pfeffrig und bitter.[12] Eine Aufbewahrung bei Zimmertemperatur führt zur Oxidation und Verflüchtigung der Aromastoffe, wohingegen eine Lagerung bei 0 °C eine verstärkte Synthese von Aromastoffen bedingt.[16] Die Fruchtkörper produzieren verschiedene Duftstoffe wie die Alkohole 2- und 3-Methylbutanol, die Aldehyde 2- und 3-Methylbutanal sowie in Spuren Schwefelverbindungen.[16][17] Zu letzteren gehört Dimethylsulfid, das als Lockstoff auf Trüffelhunde und -schweine wirkt.[18] Dieselbe Substanz lockt zudem Trüffelfliegen an, die ihre Eier direkt auf dem Boden über den Fruchtkörpern ablegen. Die schlüpfenden Larven suchen die Trüffeln auf und nutzen sie als erste Nahrungsquelle.[19] Aus Tuber melanosporum und T. magnatum wurden unterschiedliche Hefe-Arten isoliert, die einen Teil der Aromastoffe bilden.[20]

Handel und Verwendung[Bearbeiten]

Trüffelmarkt in Carpentras

Die Suche nach Schwarzen Trüffeln und ihre Kultivierung haben in Südeuropa, vor allem in französischen Gebieten wie Périgord oder Dordogne, eine über 200 Jahre alte Tradition. Mittlerweile legen auch Züchter in Kalifornien, Australien und Neuseeland Trüffelplantagen mit entsprechenden Wirtspflanzen an. Dabei werden zum Beispiel Wurzeln von Haseln mit den Trüffelsporen infiziert, um nach vier bis zehn Jahren die ersten Fruchtkörper ernten zu können. Mit einem Kilopreis zwischen 1000 Euro und 2000 Euro ist die Schwarze Trüffel nach der Alba-Trüffel die zweitteuerste Trüffel und einer der begehrtesten Speisepilze überhaupt.[12] Im Gegensatz zur Alba-Trüffel verliert die Schwarze Trüffel beim Kochen kein Aroma; der Geschmack wird sogar intensiver. Die Schwarze Trüffel wird zur Verfeinerung von Fleisch, Fisch, Suppen und Risotto verwendet.[21]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tuber melanosporum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Ewald Gerhardt: Der große BLV-Pilzführer für unterwegs. 5. Auflage. BLV, München 2011, ISBN 978-3-8354-0644-5, S. 662.
  2. a b c  Hans E. Laux: Der große Kosmos-Pilzführer. Alle Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern. Kosmos, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-440-12408-6, S. 688.
  3. news.orf.at (abgerufen am 16. Juni 2013)
  4.  Bruno Cetto: Täublinge, Milchlinge, Boviste, Morcheln, Becherlinge u.a.. In: Enzyklopädie der Pilze. Band 4, BLV, München 1988, ISBN 3-405-13477-3, S. 477.
  5.  Francesco Paolocci, Andrea Rubini, Bruno Granetti, Sergio Arcioni: Typing Tuber melanosporum and Chinese black truffle species by molecular markers. In: FEMS Microbiology Letters. 153, Nr. 2, 1997, S. 255–260, doi:10.1111/j.1574-6968.1997.tb12582.x.
  6. Angelo Pellegrini: Kleine Trüffelkunde. Auf: www.trueffel-seminar.de
  7. Der Code des Trüffel-Gens ist entschlüsselt. welt.de, abgerufen am 16. Juni 2013.
  8. a b  C. C. Linde, H. Selmes: Genetic Diversity and Mating Type Distribution of Tuber melanosporum and Their Significance to Truffle Cultivation in Artificially Planted Truffiéres in Australia. In: Applied and Environmental Microbiology. 78, Nr. 18, 2012, S. 6534–6539, doi:10.1128/AEM.01558-12, PMID 22773652.
  9.  Andrea Nardinia, Sebastiano Salleo, Melvin T. Tyree, Moreno Vertovec: Influence of the ectomycorrhizas formed by Tuber melanosporum Vitt. on hydraulic conductance and water relations of Quercus ilex L. seedlings. In: Annals of Forest Science. 57, Nr. 4, 2000, S. 305–312, doi:10.1051/forest:2000121.
  10.  I. Plattner, I.R. Hall: Parasitism of non-host plants by the mycorrhizal fungus Tuber melanosporum. In: Mycological Research. 99, Nr. 11, 1995, S. 1367–1370, doi:10.1016/S0953-7562(09)81223-9.
  11.  Richard Splivallo, Mara Novero, Cinzia M Bertea, Simone Bossi, Paola Bonfante: Truffle volatiles inhibit growth and induce an oxidative burst in Arabidopsis thaliana. In: The New phytologist. 175, Nr. 3, 2007, S. 417–424, doi:10.1111/j.1469-8137.2007.02141.x, PMID 17635217.
  12. a b c Schwarze Trüffel. In: Küchenlexikon. huettenhilfe.de, abgerufen am 16. Juni 2013.
  13.  M. Mamoun, J. M. Olivier: Competition between Tuber melanosporum and other ectomycorrhizal fungi under two irrigation regimes. In: Plant and Soil. 149, Nr. 2, 1993, S. 211–218, doi:10.1007/BF00016611.
  14.  Andrea Rubini, Beatrice Belfiori, Claudia Riccioni, Sergio Arcioni, Francis Martin, Francesco Paolocci: Tuber melanosporum: mating type distribution in a natural plantation and dynamics of strains of different mating types on the roots of nursery-inoculated host plants. In: New Phytologist. 189, Nr. 3, 2011, S. 723–735, doi:10.1111/j.1469-8137.2010.03493.x.
  15.  Francis Martin u. a.: Périgord black truffle genome uncovers evolutionary origins and mechanisms of symbiosis. In: Nature. 464, Nr. 7291, 2010, S. 1033–1038, doi:10.1038/nature08867.
  16. a b  Franco Bellesia, Adriano Pinetti, Alberto Bianchi, Bruno Tirillini: The volatile organic compounds of black truffle (Tuber melanosporum Vitt.) from Middle Italy. In: Flavour and Fragrance Journal. 13, Nr. 1, 1998, S. 56–58, doi:10.1002/(SICI)1099-1026(199801/02)13:1<56::AID-FFJ692>3.0.CO;2-X.
  17.  Laura Culleré, Vicente Ferreira, Berenger Chevret, María E. Venturini, Ana C. Sánchez-Gimeno, Domingo Blanco: Characterisation of aroma active compounds in black truffles (Tuber melanosporum) and summer truffles (Tuber aestivum) by gas chromatography–olfactometry. In: Food Chemistry. 122, Nr. 1, 2010, S. 300–306, doi:10.1016/j.foodchem.2010.02.024.
  18.  T. Talou, A. Gaset, M. Delmas, M. Kulifaj, C. Montant: Dimethyl sulphide: the secret for black truffle hunting by animals?. In: Mycological Research. 94, Nr. 2, 1990, S. 277–278, doi:10.1016/S0953-7562(09)80630-8.
  19. Jürg Bischoff: Die Trüffel-Plantage. www.nzz.ch, 31. Dezember 2006, aufgerufen am 16. Juni 2013.
  20.  Pietro Buzzini u. a.: Production of volatile organic compounds (VOCs) by yeasts isolated from the ascocarps of black (Tuber melanosporum Vitt.) and white (Tuber magnatum Pico) truffles. In: Archives of Microbiology. 184, Nr. 3, 2005, S. 187–193, doi:10.1007/s00203-005-0043-y.
  21. Tobias Jochim: Trüffel. gourmetglobe.de, abgerufen am 16. Juni 2013.
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