Perikles, Prinz von Tyrus

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Illustration.

Perikles, Prinz von Tyrus (engl. Pericles, Prince of Tyre) ist eine um 1607 entstandene Romanze von William Shakespeare und George Wilkins. Letzterer schrieb wahrscheinlich die ersten neun Szenen. Den Stoff entnahmen sie dem Apollonius-Roman in den Gesta Romanorum.

Handlung[Bearbeiten]

König Antiochus von Antioch hat nach dem Tod seiner Frau seine Tochter zum Inzest verführt. Um die Schöne für sich zu behalten, stellt er jedem Freier, der um die Hand seiner Tochter anhält, ein Rätsel; wer das Rätsel nicht löst, wird hingerichtet. Schon viele Bewerber mussten auf diese Weise ihr Leben lassen, als Perikles, der Prinz von Tyrus, sich um die Tochter bewirbt und des Rätsels Lösung erkennt, nämlich dass Vater und Liebhaber identisch sind. Deshalb bekundet er gegenüber Antiochus: "Few love to hear the sins they love to act" (Sc. 1, 135), spricht aber die Lösung nicht aus, so dass er sein Leben verwirkt hat. Antiochus, erkennend, dass Perikles die richtige Antwort gefunden hat, gewährt ihm 40 Tage vor der Vollstreckung. Perikles flieht nach Tyrus. Da er aber auch hier einen Angriff Antiochus´ fürchtet, übergibt er die Regierung vorübergehend seinem Ratgeber Helikanus und macht sich auf nach Tarsus. Der von Antiochus mit Perikles´ Ermordung beauftragte Thaliart erfährt in Tyrus, dass der Prinz schon abgereist ist, und beschließt, seinem Auftraggeber zu erzählen, Perikles sei zur See ertrunken. - In Tarsus beklagen der Statthalter Kleon und seine Frau Dionyza die anhaltende Hungersnot, als der eingetroffene Perikles ihnen Getreide von seinen Schiffen zur Verfügung stellt. Dieser macht sich nach einer Nachricht Helikanus´ wieder auf den Rückweg, erleidet aber in einem Sturm Schiffbruch und gelangt so nach Pentapolis, wo Simonides König ist.

Perikles nimmt an dem Ritterturnier um die Hand der Königstochter Thaisa teil. Am Abend des ersten Tages lernt er sie auf einem Bankett näher kennen; am folgenden Tag lässt Thaisa den anderen Rittern verkünden, dass sie nicht heiraten wird, worauf diese abreisen. Gegen den anfänglichen Widerstand Simonides´ heiraten Perikles und Thaisa. - Unterdessen sind Antiochus und seine Tochter durch ein Feuer vom Himmel verbrannt worden - eine Strafe für ihre Sünde. In Tyrus versuchten mehrere Lords, Helikanus zu bewegen, sich zum König krönen zu lassen; der jedoch weigerte sich standhaft.

Nachdem Perikles von den Versuchen erfahren hat, seinen Stellvertreter zum König zu machen, begibt er sich mit seiner schwangeren Frau und deren Amme Lychordia auf den Seeweg nach Tyrus. In einem Sturm kommt das Kind zur Welt, die Amme hat jedoch die traurige Nachricht, dass Thaisa tot ist; sie wird in einer Kiste der See übergeben. Da Perikles glaubt, das Kind, das den Namen Marina trägt, werde bis Tyrus nicht überleben, gibt er es Kleon und Dionyza im nahen Tarsus. Inzwischen ist die Kiste auf See gefunden worden, ein Arzt in Ephesus stellt fest, dass die darin entdeckte Person nicht tot ist, und Thaisa kommt wieder zu Bewusstsein. Da sie glaubt, ihren Mann im Leben nicht mehr wiederzusehen, beschließt sie, fortan ein keusches Leben im Tempel der Göttin Diana zu führen.

Jahre sind vergangen: Perikles ist König von Tyrus, Thaisa dient als Diana Geweihte und Marina ist eine junge Frau in Tarsus. Da sie Kleons und Dionyzas eigene Tochter bei weitem aussticht, stiftet Dionyza Leonine an, Marina bei einem Spaziergang am Meer umzubringen. Kurz vor Ausführung der Tat wird sie indes von Piraten ergriffen und an ein Bordell in Mytilene verkauft. Dort müssen allerdings die Bordellbetreiber bald feststellen, dass Marina jeden ihrer Kunden zur Tugend bekehrt, selbst der Statthalter Lysimachus kann dies an sich erfahren. In Tarsus hat Dionyza unterdessen Leonine vergiftet, der den Mord scheinbar auftragsgemäß ausgeführt hat. Als Perikles in die Stadt kommt, zeigen Kleon und Dionyza dem Niedergeschlagenen das angebliche Grab seiner Tochter.

Marina entkommt dem Bordell und gelangt in ein anständiges Haus. Perikles, der seit drei Monaten nicht mehr gesprochen hat, findet nach Mytilene, wo Lysimachus bekundet, eine Frau zu kennen, die ihn wieder zum Reden bringen könne; er läßt Marina holen. In der Tat gelingt es ihr, Perikles wieder zum Sprechen zu bringen. Die beiden stellen fest, dass sie Vater und Tochter sind. Im Schlaf erscheint Perikles die Göttin Diana, die ihm aufträgt, sich zu ihrem Tempel in Ephesus zu begeben. Dort finden sich Perikles und Thaisa wieder. Sie beschließen, zur Hochzeit ihrer Tochter mit Lysimachus zu reisen; danach wollen sie den Rest ihrer Tage in Pentapolis verbringen, während Marina und ihr Mann Tyrus regieren sollen.

Quellen[Bearbeiten]

Die Handlung des Stückes geht auf den Roman Apollonius von Tyrus zurück. Diese Geschichte wurde in zwei Dichtungen verarbeitet, John Gowers Gedicht Confessio Amatis (ca. 1386) und Laurence Twines Prosaerzählung The Patterne of Painfull Adventures (1576). George Wilkins hat wiederum Shakespeares Stück als Vorlage für die Erzählung The Painfull Adventures of Pericles Prince of Tyre von 1608 verwendet. Der Verfasser der Confessio tritt in dem Stück als Erzähler und Kommentator auf. Diese Stilfigur findet sich auch in Barnabe Barnes Tragödie The Devil's Charter (1607) und dem Stück The Travels of the Three English Brothers (1607) von John Day (Dramatiker), William Rowley (Dramatiker) und Wilkins.[1]

Text und Datierung[Bearbeiten]

Titelseite des ersten Quarto aus dem Jahre 1609.

Shakespeare hat das Stück vermutlich in der Zeit zwischen 1606 und 1608 verfasst. Am 20. Mai 1608 hat Edward Blount einen Eintrag im Stationers Register vorgenommen und sich damit das Copyright gesichert. Im folgenden Jahr 1609 hat der Drucker Thomas Creede für den Verleger Henry Gosson den ersten Quartodruck des Pericles besorgt.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Textausgaben[Bearbeiten]

  • William Shakespeare: Pericles, Prince of Tyre. Englisch-Deutsche Studienausgabe. Deutsche Prosafassung, Anmerkungen, Einleitung und Kommentar von Annabarbara Pelli-Ehrensperger. Stauffenburg, Tübingen 2005, ISBN 3-86057-566-X.
  • William Shakespeare: Pericles, Prince of Tyre. (The New Cambridge Shakespeare) Ed. Doreen DelVecchio and Antony Hammond. CUP 1998. ISBN 978-0521297103
  • William Shakespeare: Pericles. (Oxford World's Classics) Ed. Roger Warren. OUP 2003. ISBN 978-0199536832
  • William Shakespeare: Pericles. (Arden Shakespeare Series) Ed. Suzanne Gossett. A&C Black 2003. ISBN 978-1903436851

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Perikles, Prinz von Tyrus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schabert, Handbuch. S. 459.
  2. Schabert, Handbuch. S. 457f.