Perkeo

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Perkeo ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Perkeo (Begriffsklärung) aufgeführt.
Perkeo, porträtiert von Johann Georg Dathan

Der kleinwüchsige Perkeo, eigentlich Clemens Pankert, nach anderen Quellen Giovanni Clementi (* 1702 in Salurn; † um 1773/80) war zunächst Hofzwerg, dann Hofmeister und Mundschenk in Heidelberg.

Leben[Bearbeiten]

Ursprünglich kam er aus Salurn in Tirol (jetzt Südtirol), wo ihn der pfälzische Kurfürst Karl III. Philipp in seiner Zeit als Statthalter Tirols um 1716 entdeckt und als Kuriosität mitgenommen hatte. Die Erinnerung an ihn ist von Legenden und Anekdoten umwoben.

Zunächst war er als Hofzwerg an den Hof gekommen, als Kuriosität zur Belustigung des Fürsten und des Hofstaates. Sein Künstlername soll sich daraus ableiten, dass er auf die Frage, ob man nicht noch ein Glas Wein heben könnte, auf italienisch antwortete: „perché no?“ (Warum nicht?).

Seine Aufgabe später als Hofmeister und Mundschenk war, auf den Inhalt des kurfürstlichen Weinkellers und insbesondere auf den Inhalt des Großen Fasses des Heidelberger Schlosses, achtzugeben, mit 221.726 Liter Fassungsvermögen das größte mit Wein gefüllte Fass der Welt. (Das größte Fass der Welt steht in Bad Dürkheim mit einem Fassungsvermögen von 1.700.000 Liter)

Perkeo war für seinen ausgeprägten Weinkonsum bekannt, Wein sei seit Kindesbeinen das einzige Getränk gewesen, das er zu sich genommen habe. Angeblich trank er an einem Tag 20 bis 30 Liter Flüssigkeit. Wahrscheinlich litt er an einem angeborenen ADH-Mangel (siehe Diabetes insipidus). Seine „Zwergenhaftigkeit“ liegt wahrscheinlich in Pseudoachondroplasie begründet.[1]

Perkeo wurde in seinem achten Lebensjahrzehnt erstmals krank. Ein Arzt riet ihm dringlich von Weingenuss ab und empfahl, Wasser zu trinken. Trotz großer Skepsis und Furcht nahm Perkeo diesen Rat an und verstarb am Folgetag.

Rezeption[Bearbeiten]

Statue von Perkeo am Gasthaus Perkeo

Die Schnurren seines Lebens finden sich im Heidelberger Schloss auf Tafeln angeschlagen. Viktor von Scheffel schrieb das Studentenlied Das war der Zwerg Perkeo.

Die Figur des Perkeo gilt zwar als spezifisch für Heidelberg, ist aber auch aus anderen Residenzen der Zeit überliefert. In Heidelberg symbolisiert er die heimische Weinkultur. Seit einigen Jahren feiert Perkeo seine Wiederauferstehung in der Kurpfalz als Traditionsfigur in der Heidelberger Fastnacht, ebenso in Salurn.

Die Beauftragung Perkeos als Fasswächter liest sich bei Reinhard Hoppe wie eine Persiflage:

„In Heidelberg ließ ihm der Kurfürst eine farbige Uniform machen, steckte ihm einen großen Orden an und hängte ihm einen riesigen Kellerschlüssel an die Seite. Perkeo erfreute den ganzen Hofstaat und die Bürger der Stadt durch seine Späße. Schon zu seinen Lebzeiten wurde ihm ein Denkmal errichtet, das er selbst entworfen und angefertigt hatte. Heute steht es an der Wand neben dem Faß, und dabei hängt seine geheimnisvolle Uhr. Zieht nur am Ring, dann könnt ihr das kunstvolle Werk betrachten!“

Reinhard Hoppe: Heimat um Heidelberg [2]

Im Anschluss zitiert Hoppe aus dem Lied von Viktor von Scheffel:

„Das war der Zwerg Perkeo im Heidelberger Schloß,
An Wuchse klein und winzig, an Durste riesengroß.
Man schalt ihn einen Narren, er dachte: ‚Liebe Leut',
Wärt' Ihr wie ich doch alle feuchtfröhlich und gescheut!“

Viktor von Scheffel.[3]

Namenspate[Bearbeiten]

Nach ihm ist ein Gasthaus in der Heidelberger Altstadt benannt: Gasthaus Perkeo. Perkeo ist auch der Name eines Neutronen-Zerfall-Experiments der Universität Heidelberg.[4]

Ingobert Heieck benannte 1982 eine neue Hedera-helix-Sorte der Efeusammlung des Stifts Neuburg in Heidelberg-Ziegelhausen mit dem Sortennamen 'Perkeo'.[5]

Nach Perkeo ist auch eine Rollfilm-Kamera-Reihe der Firma Voigtländer aus den 1950er Jahren benannt: Perkeo 1, Perkeo 2 und Perkeo E. Vorher jedoch gab es noch die Perkeo 4 X 3 in zwei (Sucher)Varianten von 1933 - 35; insgesamt wurden, laut der einschlägigen Literatur, nur 10.000 Stück gebaut. Außerdem war bis 1906, wenn man die Firmenkataloge von Voigtländer zu Rate zieht, noch ein Opernglas mit dem Namen "Perkeo" im Programm.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Laufenberg: Der Zwerg von Heidelberg – Perkeo, Hofnarr auf dem Schloß der Pfälzer Kurfürsten. Biographischer Roman, Stuttgart 1990
    • Taschenbuch-Neuauflage unter dem Titel: Perkeo – Der Zwerg von Heidelberg. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2008, ISBN 978-3-89735-539-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Perkeo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Perkeo – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gudrun Rappold: Zu klein geraten. In: Ruperto Carola, Heidelberg 2/2002
  2. Reinhard Hoppe: Heimat um Heidelberg
  3. Gesamter Liedtext Scheffels.
  4. Perkeo auf uni-heidelberg.de
  5. Sortenbeschreibung auf der Website der Deutschen Efeugesellschaft