Permissive Gesellschaft

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Permissive Gesellschaft (engl. „permissive society“) ist ein soziologischer Streitbegriff, der ein Gesellschaftsmodell in England in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

Definition[Bearbeiten]

Die permissive Gesellschaft ist eine Gesellschaft maximaler Liberalität mit minimalen Umgangsgrundsätzen. In ihr kann jeder zügellos seine Freiheit entfalten, ohne dabei jemand anderes zu stören, denn der Zustand des Gestörtseins liegt gemäß der p.S. beim Gestörten. Dieser gerät dabei nicht in einen Nachteil, kann seine persönliche Freiheit doch genauso ausleben, indem er allen fremden Eigenarten „permissiv“ gegenüber ist. Dies bedeutet im konkreten Fall: er sollte sie ignorieren.

Herkunft[Bearbeiten]

Die Diskussion um die permissive Gesellschaft kam mit der zunehmenden Multikuturalisierung englischer Großstädte auf, als kulturelle Eigenarten der Einwanderer (wie der Gebetsruf des muslimischen Muezzin, Kleidungsvorschriften der Ethnitäten etc.) in das Alltagsleben autochthoner Engländer Einzug finden wollten. Diese Freiheit wurde dann von verschiedenen neuen Moden und Wellen weiter ausgebaut, unter anderem während der sexuellen Revolution.

In der gesellschaftspolitischen Diskussion versuchten progressive wie konservative Kreise stets den Begriff in der ihr eigenen Lesart zu besetzen. Zum Beispiel lasteten konservative Kreise der permissiven Gesellschaft an, durch ihre Freizügigkeit einen Werteverfall zu verursachen und Verwahrlosung und Anarchie zu begünstigen. Die Befürworter betonten, dass die permissive Gesellschaft ein grundsätzlich defensiver Ansatz sei, dass sie keinesfalls zur Freizügigkeit aufforderte, sondern zur Duldsamkeit.

Wahrnehmung[Bearbeiten]

Das in Deutschland legendäre „englische Pokerface“ sowie die „stiff upper lip“ sind Phänomene dieser inneren Haltung.

Die englische Komiker-Truppe Monty Python hat in zahlreichen ihrer Sketche die permissive Gesellschaft karikiert. In der Regel werden Extremfälle (z. B. Exhibitionismus) schockierten „old Ladies“ gegenübergestellt, die dann über die permissive Gesellschaft diskutieren und dabei zum Teil absurde und unerwartete Lösungsvorschläge pro und contra vorbringen.

In vielen Sketchen von Mr. Bean geht es darum, dass das absonderliche Verhalten des Komikers zwar auf Kosten der anderen Anwesenden geht, diese aber versuchen, ihn bis zur Schmerzgrenze zu ignorieren. Gegenstand ist aber hier nicht die permissive Gesellschaft selbst, sondern ein Sonderling, der immer wieder in Extremsituationen gerät.

Gegenwart der permissiven Gesellschaft[Bearbeiten]

Die Diskussion über die permissive Gesellschaft ist nach dem Aufkommen des aktuellen islamistischen Terrorismus wieder populär geworden. Gerade islamistische Prediger betrachten sie als Provokation und sehen dies in den viel diskutierten Problemen der Einwandererfamilien unter dem Druck der Säkularisation bestätigt (analog natürlich auch Christ-Konservative). Dabei wird gerade mit dem islamistischen Terrorismus von den Vertretern eines Präventions- und Überwachungsstaates eine Aufstellungsdichte von Überwachungskameras und Mikrofonen in den öffentlichen Räumen (Straßen, Plätzen, Bahnhöfen, Ubahnstationen, Schulhöfen) gerechtfertigt, die bei zunehmender Wahrnehmung dieser Maßnahmen, die Existenz der permissiven Gesellschaft für die Zukunft in Frage stellen.