Perpignan

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Perpignan (Perpinyà)
Wappen von Perpignan
Perpignan (Frankreich)
Perpignan
Region Languedoc-Roussillon
Département Pyrénées-Orientales (Präfektur)
Arrondissement Perpignan
Kanton Chef-lieu von 9 Kantonen
Gemeindeverband Communauté d'agglomération Perpignan Méditerranée.
Koordinaten 42° 42′ N, 2° 54′ O42.6977777777782.894722222222233Koordinaten: 42° 42′ N, 2° 54′ O
Höhe 8–95 m
Fläche 68,07 km²
Einwohner 120.489 (1. Jan. 2012)
Bevölkerungsdichte 1.770 Einw./km²
Postleitzahl 66000
INSEE-Code
Website http://www.mairie-perpignan.fr
.

Perpignan [pɛʀpiˈɲɑ̃] (auf Katalanisch Perpinyà [pərpiˈɲa]) ist die Hauptstadt des südfranzösischen Départements Pyrénées-Orientales in der Region Languedoc-Roussillon und hat 120.489 Einwohner (Stand 1. Januar 2012). Die Stadt liegt am Golfe du Lion, einem Teil des Mittelmeers, am Fluss Têt an der Autoroute A9 (E15), etwa 70 km südlich von Narbonne und 30 km nördlich der Staatsgrenze zu Spanien. Nordöstlich der Stadt liegt der Flughafen Perpignan-Rivesaltes, der 700.000 Fluggäste pro Jahr befördert. Touristen schätzen die Stadt aufgrund ihres mediterranen Klimas sowie der sehenswerten Altstadt mit ihrem südöstlich gelagerten Kneipenviertel.

Die Universitätsstadt Perpignan verfügt über zahlreiche historische Gebäude, vorwiegend in gotischer Bauweise. Sie ist ein Handelszentrum für Wein und landwirtschaftliche Produkte.

Geschichte[Bearbeiten]

Zwar existierte bereits in römischer Zeit östlich des heutigen Perpignan das Oppidum Ruscino, das laut Titus Livius[1] im Jahr 218 v. Chr. Sammelplatz der Gallier bei Hannibals Durchzug war, doch wird Perpignan erst 927 erstmals urkundlich erwähnt, so dass die Stadt zu Anfang des 10. Jahrhunderts gegründet worden sein dürfte. Nach dem Aussterben der Grafen von Roussillon kam sie 1172 zur Krone Aragón. 1197 erhielt sie das Stadtrecht. Von 1276 bis 1344 war Perpinyà / Perpignan die Hauptstadt des Königreichs Mallorca, wovon heute noch der innerhalb einer gewaltigen Festungsanlage gelegene Palast der Könige von Mallorca zeugt. Der französische König Philipp III. starb am 5. Oktober 1285 in Perpignan, als er sich im Rahmen seines Krieges gegen Peter III. von Aragón auf dem Rückzug von einem missglückten Angriff auf Katalonien befand. 1344 fiel Perpignan wieder an Aragón. Die 1349 von König Peter IV. hier gestiftete Universität ging zur Zeit der Französischen Revolution 1794 ein und wurde erst 1971 wiedereröffnet.

Am 1. November 1408 eröffnete der Gegenpapst Benedikt XIII. in Perpignan ein Spezialkonzil gegen das allgemeine Konzil von Pisa. In Perpignan fand auch im September 1415 eine Zusammenkunft zwischen dem römisch-deutschen König Sigmund, König Ferdinand I. von Aragón und Benedikt XIII. statt. Im März 1475 musste sich die Stadt nach achtmonatiger Belagerung wegen einer dadurch bedingten Hungersnot dem französischen König Ludwig XI. ergeben, sie wurde aber 1493 durch Karl VIII. an Spanien zurückgegeben. Eine weitere, allerdings erfolglose Belagerung durch König Franz I. 1542 bewog Kaiser Karl V., auf einem die Stadt beherrschenden Hügel eine Zitadelle anzulegen, die unter seinem Sohn Philipp II. 1577 vollendet wurde. 1601 wurde das Bistum Elne nach Perpignan verlegt. Während des Dreißigjährigen Krieges eroberten die Franzosen unter Richelieu Perpignan 1642 erneut und erhielten es 1659 durch den Pyrenäenvertrag definitiv abgetreten, woraufhin es dauerhaft bei Frankreich blieb. Ludwig XIV. ließ die Befestigungswerke der Stadt durch Vauban vermehren und verstärken. Während des französischen Revolutionskriegs griffen es die Spanier am 17. Juli 1793 an.

Die Region um Perpignan wird auch als Roussillon (katalanisch Rosselló) oder Nordkatalonien (katalanisch Catalunya del Nord) bezeichnet. In dieser Gegend wird heute wieder mehr katalanisch gesprochen. Etwa 100.000 Bewohner des Roussillon sprechen diese Sprache, die an allen Schulen unterrichtet wird.

Bürgermeister von Perpignan ist seit 2009 Jean-Marc Pujol von der UMP.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • mittelalterliche Stadtbefestigung; von ihr blieb nur der Turm El Castellet (Le Castillet)
  • Palast der Könige von Mallorca (Palau dels Reis de Mallorca; Palais des Rois de Majorque) aus dem 13. Jahrhundert
  • Rathaus/Casa Consolar aus dem 14. und 17. Jahrhundert
  • Kathedrale Sant Joan Baptista / Catedral Sant Joan Baptista (Cathédrale Saint-Jean-Baptiste), erbaut 1324–1509, und der zugehörige Kreuzgang mit Friedhof
    • historisches Glockenspiel (Amédée Bollée); im Glockenturm befindet sich ein historisches Glockenspiel
  • Kirche Sant Jaume/Església de Sant Jaume (Eglise Saint-Jacques), 13. und 18. Jahrhundert
  • Hauptbahnhof im Zentrum der Stadt, gestaltet von dem Maler Salvador Dalí
  • Denkmal zu Ehren von François Arago auf der Place Arago
  • Quai Sébastien Vauban, bekannt für seine alten Häuser und netten Restaurants am Ufer der Basse
  • "Dames de France", geschichtsträchtiges Kaufhaus an der Place de Catalogne
  • Campo Santo; der einem Kreuzgang ähnliche und weltweit einmalige Friedhof befindet sich direkt neben der Kathedrale
  • La Citadelle, gigantische Mauern aus dem 18. Jahrhundert im Stadtteil La Réal
  • Die Loge de Mer, ehemaliges Gerichts- und Zollhaus in typischer Gotik
  • Höhle von Arago; international bekannte Fundstätte von Fossilien des Homo erectus, etwa 20 km nordwestlich der Stadt
Place de la République in Perpignan

Kulturelle Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Filminstitut Jean Vigo: Das Filminstitut Vigo in Perpignan hat sich besonders auf dem Gebiet der nationalen und internationalen Filmforschung über Frankreichs Grenzen hinaus einen Namen gemacht. Die Gründung des Filminstituts im Jahre 1980, das nach dem französischen Filmavantgardisten Jean Vigo benannt wurde, geht zurück auf den von Marcel Oms 1962 ins Leben gerufenen ciné-club traditionnel de Perpignan. Mit Unterstützung des ehemaligen Kulturministers Jack Lang, der sich neben der Quotierung französischer und europäischer Filmproduktionen auch für eine generelle Dezentralisierung kultureller Einrichtungen in Frankreich einsetzte, wurde das L'institut Jean Vigo neben dem Centre National du Cinema (CNC) in Paris zur zweitwichtigsten filmkulturellen Einrichtung des Landes.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften bestehen mit

  • DeutschlandDeutschland Hannover, Deutschland, seit 1960
  • Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Lancaster, England, seit 1962
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Lake Charles, Louisiana, USA, seit 1993
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Sarasota, Florida, USA, seit 1995
  • LibanonLibanon Tyros, Libanon, seit 1997
  • PortugalPortugal Tavira, Portugal, seit 2001[2]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Anekdote[Bearbeiten]

Der Maler Salvador Dalí erklärte scherzhaft, dass bei der Entstehung der Pyrenäen der Bahnhof Perpignan der Angelpunkt, das „Zentrum der Welt“, gewesen sei, um den sich die iberische Halbinsel gedreht habe, daher sei dort der Schriftzug „Centre du monde“ zu sehen. Seit der vollständigen Inbetriebnahme der Schnellbahntrasse nach Spanien 2013 ist die Stadt heute per Eisenbahn schneller von Madrid erreichbar als von der Hauptstadt Paris.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Perpignan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Perpignan – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Livius, Ab urbe condita 21, 24.
  2. www.anmp.pt, abgerufen am 19. August 2013