Persona

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Dieser Artikel beschreibt den Begriff Persona in der Psychologie. Zu anderen Bedeutungen siehe Persona (Begriffsklärung).

Persona bezeichnete ursprünglich eine im antiken griechischen Theater von den Schauspielern verwendete Maske, welche die Rolle des Schauspielers typisierte. Der Name ist abgeleitet aus dem Lateinischen (personare = hindurchtönen). Hieraus wiederum abgeleitet ist der psychologische Begriff der Person.

Analytische Psychologie[Bearbeiten]

Abb. 1. Typisch männliche Einstellung der Persona, bei der das äußere Ich dem objektiven Denken, das innere jedoch der subjektiven Gefühlswelt zugewandt ist. Die Hauptfunktion, das Denken, beherrscht hier die Ich-Hülle, die Persona. Die minderwertige Funktion, das Fühlen, kommt hier der Anima zu.

C. G. Jung übertrug den Begriff in die Tiefenpsychologie und bezeichnete damit denjenigen Teil des Ichs, der für ein normatives, sozialverträgliches Verhalten des Individuums gegenüber seiner Umwelt sorgt. Die Eigenschaften der Persona werden daher hauptsächlich durch Anpassung erworben.[1] Anpassung aber erfolgt häufig zu Lasten der Individualität. Die Gefahr der zu starken Anpassung an soziale Gegebenheiten bringe das Individuum in die Gefahr des Konfliktes mit dem unbewussten individuellen Teil seines Ichs. Man kann Persona auch als „äußeren bewussten Charakter“ im Gegensatz zum „inneren unbewußten Charakter“ (Animus und Anima) definieren. Die Persona ist eine Art Hülle des Ichs und stellt konkret z. B. den Polizisten in der Uniform, den Richter im Talar oder den Professor im Hörsaal dar etc. Die Persona ist die Voraussetzung der Möglichkeit zur Kommunikation mit der Außenwelt. Gleichzeitig dient sie auch dem Schutz des „individuellen Ichs“ und gibt ihm die nötige Distanz. Jung arbeitete gern mit begrifflichen Gegensatzpaaren. So gesehen stellt Persona das „kollektive Ich“ bzw. die „äußere Persönlichkeit“ dar, während das „individuelle Ich“ von Jung als Anima oder Animus bzw. als innere Persönlichkeit oder „Seele“ bezeichnet wurde. „Seele“ stellt damit nach Jung einen abgegrenzten Funktionskomplex dar im Gegensatz zum Begriff der Psyche als Gesamtheit aller bewussten Erlebnisqualitäten sowie aller unbewussten Phänomene. Jung sagt, das Ich sterbe, wenn die Persona zu stark werde. Es ist daher vom Standpunkt des seelischen Gleichgewichts und der seelischen Stabilität anzustreben, dass sich beide Ich-Anteile – innerer unbewusster Anteil und äußerer bewusster Anteil – die Waage halten. Ist dies nicht der Fall, so kann sich der Charakter eines Menschen zu seinen Ungunsten verändern, etwa im Sinne eines Massenmenschen (Überwiegen kollektiver Anteile) oder im Sinne eines Einzelgängers (Überwiegen individueller Eigenschaften). Je nach Bedeutung oder je nach Überwiegen bzw. Relativierung des Verhältnisses gegenüber der Gesellschaft können weitere spezifische individuelle Einstellungen als Typen unterschieden werden:

  • der Held (Anerkennung als gesellschaftliches Vorbild),
  • der Erlöser (gesellschaftliche Anerkennung als moralisches oder religiöses Ideal, z. T. gegen herrschende politische Einflüsse),
  • der Rächer (bewusstes Handeln gegen die kollektive Moral aus unterschiedlichen Motiven),
  • der Märtyrer (Opfer der kollektiven Moral),
  • der Ausgestoßene (Ausgrenzung durch die Gesellschaft),
  • der Vamp (habituelle gefühlsmäßige weibliche Einstellung gegen die herrschende intellektuelle männliche Einstellung in der Öffentlichkeit).[2]

Jung betont, dass beim Manne die äußere Einstellung meist mit der Denkfunktion einhergeht, bei der Frau mit dem Fühlen. Die komplementäre innere Funktion ist in der Regel beim Mann unbewusst (vegetativ, körper- und gefühlsbezogen), bei der Frau überlegt, da hier die Denkfunktion als komplementäre Funktion zur Hilfe in emotional kritischen Situationen zur Verfügung steht. Es ist statistisch gesichert, dass Männer eher zu Affekthandlungen neigen, wie z.B. Suizid, als dies Frauen tun.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jung, Carl Gustav: Psychologie und Alchemie. In: Gesammelte Werke, Band XII, Seite 83
  2. Jacobi, Jolande: Die Psychologie von C.G. Jung. Eine Einführung in das Gesamtwerk. Mit einem Geleitwort von C.G. Jung. Fischer Taschenbuch, Frankfurt März 1987, ISBN 3-596-26365-4, Seite 36 ff.
  3. Jung, Carl Gustav: Definitionen. In: Gesammelte Werke. Walter-Verlag, Düsseldorf 1995, Paperback, Sonderausgabe, Band 6, Psychologische Typen, ISBN 3-530-40081-5, Seite 496 ff., § 799-813