Pertrochantäre Femurfraktur

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Klassifikation nach ICD-10
S72.10 Femurfraktur: Trochantär, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Pertrochantäre Femurfraktur ist der medizinische Fachbegriff für einen Knochenbruch des Oberschenkelknochens im Bereich zwischen Trochanter major (großer Rollhügel - siehe Oberschenkelknochen) und Trochanter minor (kleiner Rollhügel).

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Fraktur kommt meist bei älteren Menschen bei Sturz auf die entsprechende Hüfte vor. Bei Hochenergietraumen (z.B. Verkehrsunfällen oder Stürzen größerer Höhe) tritt die Fraktur auch bei jüngeren Personen auf. Pertrochantäre Frakturen machen etwa 45 Prozent der proximalen Femurfrakturen aus und sind somit genau so häufig wie Schenkelhalsfrakturen.[1] Das Durchschnittsalter liegt bei 70-80 Jahren. Frauen sind sehr viel öfter betroffen, weil sie postmenopausal eine erhöhte Inzidenz für Osteoporose haben.

Symptome[Bearbeiten]

Meist bestehen spontane Schmerzen mit Verstärkung der Beschwerden durch Bewegung im Bereich der betroffenen Hüftregion. Das betroffene Bein ist bei Vorliegen einer Frakturverschiebung (=Dislokation) verkürzt und/oder nach außen rotiert. Die Außenrotation und Verkürzung ist meist nicht so ausgeprägt wie beim Vorliegen einer dislozierten, medialen Schenkelhalsfraktur. Die Beweglichkeit ist meist schmerzbedingt deutlich eingeschränkt bis komplett aufgehoben. Es besteht eine Druck- und Klopfschmerzhaftigkeit über dem Trochanter major. Im Bereich des proximalen (=körpernahen) Oberschenkel kann durch eine Einblutung in die Muskulatur eine ausgeprägte Schwellung entstehen.

Diagnostik[Bearbeiten]

Eine Röntgenaufnahme des Hüftgelenkes in zwei Ebenen bestätigt die Diagnose.

Behandlung[Bearbeiten]

Früher erfolgte die Behandlung von Oberschenkelfrakturen mit einer Streckvorrichtung. Die damit verbunden Komplikationen durch die lange Bettlägerigkeit wie Lungenentzündungen (Pneumonie) und Thrombose führten zu einer hohen Sterblichkeit.

Heute erfolgt die Versorgung chirurgisch durch eine Osteosynthese. Lediglich Abrissfrakturen am Trochanter werden konservativ behandelt. Häufig angewendete Implantate sind der Gammanagel, der proximale Femurnagel, Gleitnagel oder ähnliche sowie die dynamische Hüftschraube (DHS) oder eine perkutane Kompressionsplatte (PCCP). Die Dynamische Hüftschraube ist nur dann Mittel der Wahl, wenn der Trochanter minor als mediale Abstützung nicht frakturiert ist, beziehungsweise wieder rekonstruiert werden kann. Bei nicht rekonstruierbarer medialer Abstützung kommt regelhaft eine Markraumschienung z.B. mittels Gammanagel oder proximalem Femurnagel zum Einsatz. Eine pertrochantäre Fraktur mit bestehender Arthrose des Hüftgelenkes sollte mit einer Totalendoprothese versorgt werden.[1] Ob eine Duokopfprothese bei Patienten über 70 Jahren verwendet werden sollte, oder ob "knochenschonend" operiert werden sollte, ist Momentan Gegenstand kontroverser Diskussionen in der Fachliteratur.

Komplikationen[Bearbeiten]

Durch den Blutverlust im Bereich des Knochenbruches kann es zu einem Blutmangel kommen, so dass Blutübertragungen notwendig werden können. Weitere mögliche Komplikationen sind Wundheilungsstörungen, Thrombosen, Pneumonien, Ausbrechen des Osteosynthesematerials und andere.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b B. Weigel / M. Nerlich: Praxisbuch Unfallchirurgie. (Band 1) Springer, 2005, ISBN 3-540-41115-1


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