Quantil
Ein
-Quantil ist ein Lagemaß in der Statistik, wobei
eine reelle Zahl zwischen 0 und 1 ist. Das
-Quantil ist ein Wert einer Variablen oder Zufallsvariablen, der die Menge aller Merkmalswerte (salopp "die Verteilung") in zwei Abschnitte unterteilt: Links vom
-Quantil liegt der Anteil
aller Beobachtungswerte oder der Gesamtzahl der Zufallswerte oder der Fläche unter der Verteilungskurve; rechts davon liegt der jeweilige restliche Anteil
. Die Zahl
heißt auch der Unterschreitungsanteil.
Spezielle Quantile sind der Median, die Quartile, die Quintile, die Dezile und die Perzentile.
Als Quantil der Ordnung
oder
-Quantil
(veraltet auch „Fraktil“) wird in der Statistik ein Merkmalswert bezeichnet, unterhalb dessen ein vorgegebener Anteil
aller Fälle der Verteilung liegt. Jeder Wert unterhalb von
unterschreitet diesen vorgegebenen Anteil. Dabei ist der Unterschreitungsanteil
auch als eine reelle Zahl zwischen 0 (gar kein Fall der Verteilung) und 1 (alle Fälle oder 100 % der Verteilung).
Inhaltsverzeichnis |
Definition [Bearbeiten]
Sei
eine Zufallsvariable und
ihre Verteilungsfunktion. Für
wird die Menge aller p-Quantile von
oder von
beschrieben durch
Diese Menge ist ein abgeschlossenes Intervall und hat die obere Grenze
und die untere Grenze
.
Die Funktion
heißt Quantilfunktion oder verallgemeinerte inverse Verteilungsfunktion.
Der Wert
heißt
-Quantil von
oder von
.
Ist
invertierbar, beispielsweise bei stetigen Verteilungen mit streng monotoner Verteilungsfunktion, so ist die Menge einelementig, es fallen obere und untere Grenze zusammen und das p-Quantil ist eindeutig. In der Grafik rechts ist
das eindeutige
-Quantil, ferner ist
das eindeutige
-Quantil,
-Quantil,
-Quantil.
Hat
eine Sprungstelle bei
, also
, so gilt
für fast alle
mit
.
In der Grafik rechts ist 
und daher
.
Ist klar, welche Zufallsvariable gemeint ist, lässt man diese oftmals weg.
Nicht-Eindeutigkeit [Bearbeiten]
Ist
für ein p nicht invertierbar, also ein Stück weit konstant, so gibt die Quantilfunktion das kleinstmögliche p-Quantil an.
- In der Grafik ist
das kleinstmögliche
-Quantil.
ist das größtmögliche
-Quantil.- Jedes
ist ein weiteres
-Quantil.
Beim oft verwendeten 50%-Quantil sind zur besseren Unterscheidung sogar eigene Begrifflichkeiten üblich: Der Untermedian ist
, das kleinstmögliche 50%-Quantil. Der Median ist das mittlere 50%-Quantil. Der Obermedian ist das größtmögliche 50%-Quantil. Diese können deutlich auseinanderfallen.
Beispiel [Bearbeiten]
Das Quantil
(also das 0,3-Quantil) ist der Wert des Punktes einer Verteilung, unterhalb dessen sich 30 % aller Fälle der Verteilung befinden.
Berechnung empirischer Quantile [Bearbeiten]
Empirische Quantile teilen die Daten einer Messreihe prozentual in zwei Teile, sodass
der Daten links vom Quantil und
der Daten rechts vom Quantil liegen. Angenommen die Messdaten sind geordnet in Form einer Rangliste gegeben:
. Sei weiter
. Die Formel für die Berechnung eines p-Quantils ist dann wie folgt:
Dabei ist für eine reelle Zahl
der Wert
die kleinste ganze Zahl, die größer oder gleich
ist (siehe auch: Abrundungsfunktion und Aufrundungsfunktion).[1][2][3]
- Beispiel 1:
- Beispiel 2:
Besondere Quantile [Bearbeiten]
Für einige bestimmte
haben die
-Quantile zusätzliche Bezeichnungen.
Median [Bearbeiten]
Der Median oder Zentralwert entspricht dem Quantil
(0,5-Quantil). Es erfolgt also eine Einteilung aller Fälle der Verteilung in zwei umfangsgleiche Teile. Bei jeder Einteilung in eine ungerade Anzahl von
-Quantilen mit äquidistant-verteilten
(was eine gerade Anzahl umfangsgleicher Teile impliziert) entspricht der Median jeweils dem mittleren Quantil (beispielsweise dem 2. Quartil Q2 oder dem 50. Perzentil P50).
Terzil [Bearbeiten]
Durch Terzile wird die größengeordnete Menge der Werte in drei Abschnitte gleichen Umfangs geteilt: unteres, mittleres und oberes Drittel.
Quartil [Bearbeiten]
Quartile (lat. „Viertelwerte“) sind die Quantile
(0,25-Quantil),
(0,5-Quantil=Median) und
(0,75-Quantil), die auch als Q1 („unteres Quartil“), Q2 („mittleres Quartil“) und Q3 („oberes Quartil“) bezeichnet werden. Sie sind die in der Statistik mit am häufigsten verwendete Form der Quantile.
Der (Inter-)Quartilabstand oder auch (Inter-)Quartilsabstand (engl. interquartile range) bezeichnet die Differenz zwischen dem oberen und dem unteren Quartil, also
und umfasst daher 50 % der Verteilung. Der Quartilabstand wird als Streuungsmaß verwendet.
Siehe auch: Streuung (Statistik)
Quintil [Bearbeiten]
Durch Quintile (lat. „Fünftelwerte“) wird die Menge der Werte der Verteilung in 5 umfangsgleiche Teile zerlegt. Unterhalb des ersten Quintils, d. h. des Quantils
, liegen 20 % der Werte der Verteilung, unterhalb des zweiten Quintils (Quantil
) 40 % usw.
Dezil [Bearbeiten]
Durch Dezile (lat. „Zehntelwerte“) wird die Menge der verteilten Werte in 10 umfangsgleiche Teile zerlegt. Entsprechend liegen dann z. B. unterhalb des dritten Dezils (Quantil
) 30 % der Werte. Dezile teilen ein der Größe nach geordnetes Datenbündel in 10 umfangsgleiche Teile. Das 10-%-Dezil (oder 1. Dezil) gibt an, welcher Wert die unteren 10 % von den oberen 90 % der Datenwerte trennt, das 2. Dezil, welcher Wert die unteren 20 % von den oberen 80 % der Werte trennt, usw. Der Abstand zwischen dem 10-%-Dezil und dem 90-%-Dezil heißt Interdezilbereich.
Perzentil [Bearbeiten]
Durch Perzentile (lat. „Hundertstelwerte“), auch Prozentränge genannt, wird die Verteilung in 100 umfangsgleiche Teile zerlegt. Perzentile teilen die Verteilung also in 1-%-Segmente auf. Daher können Perzentile als Quantile betrachtet werden, bei denen
eine ganze Zahl ist. So entspricht das Quantil
dem Perzentil P97: unterhalb dieses Punktes liegen 97 % aller Fälle der Verteilung.
a-Fraktil [Bearbeiten]
Für
aus
wird das
-Quantil auch als
-Fraktil bezeichnet. Diese Unterteilung wird z. B. in der als „Paretoprinzip“ bezeichneten Vermutung verwendet.
Beispiele [Bearbeiten]
- Wenn eine Schule 141 Schüler hat, so hat derjenige Schüler den Alters-Prozentrang von 50, der älter ist als die 70 jüngeren Schüler, aber jünger als die 70 älteren Schüler. Ein Prozentrang von 50 oder das 50. Perzentil entspricht dem 0,5-Quantil, also dem Median.
Für den Prozentrang ist unerheblich, welche Altersunterschiede zwischen den Schülern bestehen; der Prozentrang gibt nur Auskunft über die Position des Einzelnen innerhalb der Gruppe (Stichprobe). Das Alter der Person mit Prozentrang 50 ist deshalb nicht identisch mit dem Durchschnittsalter der betrachteten Gruppe. Deshalb würde sich am Median auch nichts ändern, wenn man die älteren 70 Schüler durch 70 Rentner ersetzen würde. - In einer Schulklasse sind 13 Aufsätze geschrieben worden, mit der folgenden (sortierten) Notenverteilung:
Aufsatz A B C D E F G H I J K L M Note 1 2 2 2 3 3 3 4 4 4 4 5 6
- Die Noten der Aufsätze D („2“), G („3“) und J („4“) entsprechen jeweils den Quartilen Q1, Q2 (d. h. dem Median) und Q3. Der Durchschnitt ist aber ≈ 3,31 (43/13), eine Zahl, die in der Liste gar nicht vorkommt.
- Wird die Körpergröße eines Kindes als Perzentil ausgedrückt, bedeutet dies, dass die Körpergröße in Bezug auf die Körpergrößen der Altersgenossen angegeben wird. Eine Körpergröße auf dem 20. Perzentil bedeutet beispielsweise, dass 20 % der Kinder gleichen Alters und gleichen Geschlechts nicht größer als das betreffende Kind sind (80 % sind größer).
- Ist
eine exponentialverteilte Zufallsvariable mit Parameter
, so gilt für ihre Verteilungsfunktion
-
für
und
für
.
- Durch Auflösen der Gleichung
nach
erhält man für ihre Quantilfunktion
Siehe auch [Bearbeiten]
- Modus (Statistik)
- Median
- Parameter (Statistik)
- Boxplot zur grafischen Darstellung
- Value at Risk
- Cornish-Fisher-Methode
Literatur [Bearbeiten]
- Hans-Otto Georgii: Stochastik. 2 Auflage. de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3110182823, S. 225 (Definition Quantil, Quartil, a-Fraktil.).
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Berechnung von Median und Quartilen, Medizinische Universität Wien
- ↑ Udo Bankhofer, Jürgen Vogel: Datenanalyse und Statistik: Eine Einführung für Ökonomen im Bachelor, Gabler Verlag, Wiesbaden 2008, S. 39
- ↑ Regina Storm: Wahrscheinlichkeitsrechnung, mathematische Statistik und statistische Qualitätskontrolle, Hanser Verlag, München 2007, S. 118




.
heißt Quantilfunktion oder verallgemeinerte inverse Verteilungsfunktion.
das kleinstmögliche
-Quantil.
ist das größtmögliche
ist ein weiteres 


, so gilt für ihre Verteilungsfunktion
für
und
für
.
nach 