Peschitta

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Die Peschitta (Ostsyrisch ܦܫܝܼܛܬܵܐ beziehungsweise Westsyrisch ܦܫܺܝܛܬܳܐ ‚die Einfache‘) ist eine Bibelübersetzung in die Syrische Sprache („Ostaramäisch“) beziehungsweise aus Sicht der Assyrischen Kirche des Ostens das ursprüngliche und reine Neue Testament[1]. Ihre ältesten Handschriften stammen aus dem 5. Jahrhundert, doch ihre Anfänge reichen in das 1. Jahrhundert zurück. Sie wird heute in der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und der Assyrischen Kirche des Ostens verwendet.

Begriff[Bearbeiten]

Der Name stammt aus späteren Legenden des syrischen Christentums, die die Peschitta auf König Salomo zurückführten. Seine Bedeutung ist ungewiss: Mit „einfach“ kann im Sinne des lateinischen vulgaris das allgemein Übliche, Gewöhnliche gemeint sein. Vielleicht sollte diese Übersetzung damit von auslegenden Paraphrasen, Mehrfachübersetzungen wie der Hexapla oder umfangreicheren Kanonici wie der Septuaginta unterschieden werden.[2]

Alttestamentliche Bestandteile[Bearbeiten]

Die Peschitta übersetzt einige der jüdischen heiligen Schriften, die das Judentum um 100 als Tanach kanonisiert und die Alte Kirche seit 180 als Altes Testament bezeichnet und übernommen hatte, sehr ähnlich wie die ältesten palästinischen Targumim.

Daraus schloss Arthur Võõbus 1958, den Übersetzern habe ein solches Targum vorgelegen, das seinerseits auf einem eigenständigen hebräischen Urtext beruhte. Ernst Würthwein nahm dagegen eine direkte jüdische Herkunft der Peschitta an, deren Anfänge er auf 40 bis 70 datierte. Denn vor dem jüdischen Aufstand herrschte in Syrien eine zum Judentum konvertierte Dynastie; für sie und ihre Anhänger sei diese Übersetzung nötig geworden. Andere Forscher führen die Peschitta auf Judenchristen der ersten Jahrhunderte zurück, die die levitischen Gebote der Tora nachlässig übersetzt hätten, da sie sie nicht mehr befolgten.

Auf jeden Fall wurde die Peschitta mehrfach und in den einzelnen Büchern sehr unterschiedlich überarbeitet. Die älteste Peschitta-Handschrift zum Tanach aus dem Jahr 464 enthält das 1., 2., 4. und 5. Buch Mose. Spätere Handschriften glichen den Wortlaut immer stärker griechischen Übersetzungen an und zeigen besonders den Einfluss der Septuaginta. Der Codex Ambrosianus aus dem 6. oder 7. Jahrhundert enthält alle Schriften der Septuaginta.[3]

Neutestamentliche Bestandteile[Bearbeiten]

Die Peschitta des Neuen Testaments ist im syrischen Raum im 4. Jh. entstanden[4], nach manchen Autoren allerdings schon bis 145. Sie vereint alle vier Evangelien in einem Buch und löste damit das bisher benutzte Diatessaron ab. Auch andere altsyrische NT-Übersetzungen wie das evangelion da-mephareshe (Evangelium des Getrennten) enthielten diese, wurden aber in der syrischen Kirche nicht verwendet. Bis zur Eingliederung des syrischen Christentums in die byzantinische Reichskirche (ca. 325-400) galten dort nur das Diatessaron und die Paulusbriefe als kanonisch. Danach verdrängte die stärker am griechischen NT orientierte neutestamentliche Peschitta das Diatessaron. Bischof Rabulas (411-435) verschaffte ihr alleinige Geltung, indem er das Diatessaron verbrennen ließ. Lange Zeit galt er auch als ihr Verfasser.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Peshiṭta Institute of the University of Leiden (Hrsg.): Peshitta. The Old Testament in Syriac. Brill Verlag
Part I/1, 1977: Genesis-Exodus, ISBN 90-04-05286-0
Part II/1a, 1982: Job, ISBN 90-04-06342-0
Part II/2, 1978: Judges - Samuel, ISBN 90-04-05873-7
Part II/3, 1980: Proverbs-Wisdom of Solomon-Ecclesiastes-Song of Songs, ISBN 90-04-06065-0
Part II/4, 1980: The book of Psalms, ISBN 90-04-06207-6
Part III/1, 1980: Isaiah, ISBN 90-04-07766-9
Part III/3, 1993: Ezekiel, ISBN 90-04-07314-0
Part III/4, 1993: Dodekapropheton - Daniel-Bel-Draco, ISBN 90-04-06302-1
Part IV/2, 1998: Chronicles, ISBN 90-04-10960-9
Part IV/3, 1973: Apocalypse of Baruch, 4 Esdras, ISBN 90-04-03741-1
Part IV/6, 1972: Canticles or Odes, Prayer of Manasseh, Apocryphal Psalms, Psalms of Solomon, Tobit, 1 - 3 Esdras, ISBN 90-04-03469-2
Part V/1, 1997: Concordance, ISBN 90-04-10664-2

Literatur[Bearbeiten]

  • P. B. Dirksen: An Annotated Bibliography of the Peshitta of the Old Testament. Monographs of the Peshitta Institute Leiden, Brill Academic Publications 1989, ISBN 9004090177 (englisch)
  • P. B. Dirksen, M. J. Mulder (Hrsg.): The Peshitta: Its Early Text and History. Papers Read at the Peshitta Symposium Held at Leiden, 30-31 August 1985. Monographs of the Peshitta Institute Leiden, Vol IV, Brill, 1988, ISBN 9004087699 (englisch)
  • Arthur Vööbus: Peschitta und Targumim des Pentateuchs. Neues Licht zur Frage der Herkunft der Peschitta aus dem altpalästinischen Targum. Etse, Stockholm 1958
  • Aramäisch-Deutsches Neues Testament (ADNT): Verkündigung von Yochanan Zweisprachiges Johannesevangelium Aramäisch-Deutsch, 2009, ADNT, Wallenfels, ISBN 9783938159705
  • Bruce M. Metzger, The Early Versions of the New Testament: Their Origin, Transmission, and Limitations, Clarendon Press, Oxford 1977.
  • Sebastian P. Brock: The Bible in the Syriac Tradition: English Version Gorgias Press LLC: Piscataway 2006, ISBN 1-59333-300-5.
  • M. P. Weitzman: The Syriac Version of the Old Testament. University of Cambridge Press, Oriental Publications, Cambridge 1999. (Dieses Buch enthält nicht den Text der Peschitta, sondern ist ein Werk über die Peschitta.)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Paul D. Younan: History of the Peshitta. Peshitta Aramaic/English Interlinear New Testament, 2000, abgerufen am 15. April 2014 (englisch).
  2. Ernst Würthwein: Der Text des Alten Testaments, 4. Auflage 1973, S. 86
  3. Ernst Würthwein: Der Text des Alten Testaments, 4. Auflage 1973, S. 87f
  4. Kurt Aland u.a. (Hrsg.): Novum Testamentum Graece, 26. Auflage, Deutsche Bibelstiftung Stuttgart, 1981, S. 17*