Pet Sounds

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Pet Sounds
Studioalbum von The Beach Boys
Veröffentlichung 16. Mai 1966
Label Capitol Records
Format LP, CD
Genre Pop-Rock
Anzahl der Titel 13
Laufzeit 36 m 25 s

Besetzung

Produktion Brian Wilson
Studio Gold Star Studios, Western Recorders und Sunset Sound, alle in Los Angeles
Chronologie
Beach Boys’ Party!
(1965)
Pet Sounds Smiley Smile
(1967)

Pet Sounds ist ein Album der kalifornischen Rockband The Beach Boys. Produziert wurde es von Brian Wilson.

Pet Sounds wurde am 16. Mai 1966 veröffentlicht. Neben den damals in der Rockmusik üblichen Instrumenten wie Gitarre, Bass und Schlagzeug verwendete Wilson Waldhörner, Piccolos, klappernde Löffel, Cola-Dosen, Plastikflaschen, Fahrradklingeln, Aufnahmen von vorbeifahrenden Zügen, bellenden Hunden und Kirchenorgeln, um den Sound zu erweitern. Pet Sounds gilt heute als eines der wichtigsten und einflussreichsten Rockalben.[1]

Die Geschichte des Albums[Bearbeiten]

Brian Wilson, der Songwriter der Band, hatte im Alter von 25 Jahren erklärt, dass er das größte Rockalbum aller Zeiten komponieren und produzieren wolle. Er wolle beweisen, dass er – nicht Lennon/McCartney – der beste Songwriter seiner Generation sei. Seinen kreativen Impuls hatten zum einen Drogen verursacht, aber auch neue Freunde. Viele dieser neuen Freunde waren ebenfalls Musiker, Songwriter oder hatten andere Rollen in der Musikbranche. Zwei seiner neuen Weggefährten waren David Anderle und Van Dyke Parks, die Brian Wilson davon überzeugten, dass Ehrgeiz nicht gleich Wahnsinn sei.

Der erste Schritt für sein „größtes“ Album war, Tony Asher als Mitautor zu engagieren. Asher hatte Anfang der 1960er Jahre zwar einige Lieder geschrieben, hatte sich aber ganz auf das Komponieren und Texten von Werbe-Jingles spezialisiert. Wilson suchte gezielt einen Partner, der nichts mit Sonne, Strand und Meer zu tun hatte – er wollte jemanden, der lyrische und ausdrucksstarke Texte verfassen konnte. Mike Love, der zuvor die meisten Texte für die Beach Boys geschrieben hatte, traute Wilson diese Aufgabe nicht zu. Es war das erste Mal, dass Wilson bewusst nach einem Partner für ein gesamtes Album Ausschau hielt. Die beiden Musiker hatten gezielt nicht den Plan gefasst, ein Konzeptalbum zu erschaffen, sondern ein Gesamtwerk, das sowohl musikalisch als auch textlich zusammenpassen würde, wobei ebendiese Zusammengehörigkeit ein Konzept ergab.

Als die restliche Band, die seit längerem ohne Brian Wilson auftrat, von einer Japan-Tournee heimkehrte, legte er ihr fast fertige Songs vor, die sie nur noch aufzunehmen und einzusingen hatte. Mehrere Monate wurden damit verbracht. Brian Wilson arbeitete mit hervorragenden Studiomusikern zusammen, die als „Wrecking Crew“ bekannt und 2007 in die Musicians Hall of Fame aufgenommen wurde. Als Autodidakt hatte Wilson zwar genaue Vorstellungen von den Arrangements der Stücke, die Notation der einzelnen Instrumente überließ er aber üblicherweise einem seiner Studiomusiker. Wie erhaltene Bänder der Aufnahmen zeigen, war er Vorschlägen seiner Musiker gegenüber aufgeschlossen und übernahm auch offensichtliche Fehler, wenn diese einem Stück dienten und es interessanter machten.

Die Songs von Pet Sounds behandeln erwachsene Gefühle mit zum Teil autobiografischen Inhalten. Das Album sollte die Kindheit und den Verlust der Unschuld aufarbeiten. Teils Symphonie, teils Rhapsodie, teils Gebet, drückt jedes Stück eine Emotion und eine gewisse Stimmung aus, Wilsons intimste Gefühle wurden offengelegt; ebenso seine Wünsche, Träume und Ängste, von Asher in passende Worte gekleidet. Eine tief empfundene Heimatlosigkeit in Zeit und Ort wurde sichtbar und auch der Gedanke, dass sich Menschen dadurch definieren, wie sie auf andere Menschen wirken und sich in der Liebe verwirklichen können. Die Suche nach dem Glück wird schließlich in einer einzelnen Zeile definiert: “God only knows what I’d be without you…”

Die Beach Boys schufen ein Gesamtkunstwerk, das sich sowohl künstlerisch als auch kommerziell als erfolgreich erweisen sollte. Sie festigten die wirtschaftliche Bedeutung der Rockmusik und unterstrichen deren Gültigkeit als eigene Kunstform. Sie forderten die Konventionen heraus, denen Künstler im damaligen Musikgeschäft unterworfen waren, und warfen diese letztlich über den Haufen. Ganz konnten sie sich den Mechanismen allerdings noch nicht entziehen: Die Plattenfirma entschied nicht nur eigenmächtig über die Singleauskopplungen, sondern brachte das Album ohne Wilsons Zustimmung auf den Markt, bevor der wichtige Song Good Vibrations fertiggestellt war. Capitol Records hatte sich zunächst sogar ganz geweigert, das Album zu veröffentlichen. Die Plattenfirma wollte durchsetzen, dass die Beach Boys ihren „Strandthemen“ treu blieben. Bereits drei Wochen nach der Veröffentlichung galt Pet Sounds als Sammlerstück. Brian Wilson wollte God Only Knows als Single veröffentlichen, was die Plattenfirma aber nicht realisierte. Kurzerhand schlossen die Beach Boys einen Vertrag mit EMI, um den Titel in Großbritannien veröffentlichen zu können. God Only Knows kam dort auf Platz 2 der Hitparade.

Pet Sounds wurde auch außerhalb der USA über EMI vertrieben und machte die Beach Boys endgültig zu weltweiten Stars.[2] Es gilt heute als eines der bedeutendsten Rockalben. Das Album erreichte Platz 10 der US-Billboard Charts und Platz 2 in den britischen Charts. Es war weltweit in den Top-10 zu finden. Laut Paul McCartney („Ich glaube, niemand weiß wirklich was über Musik, solange er dieses Album nicht gehört hat“)[3] und Produzent George Martin inspirierte Pet Sounds die Beatles zum Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band.

Pet Sounds wurde im Anfangsstadium der „Goldenen Ära des Rock“ veröffentlicht (etwa 1966 bis 1972). Dies war die Zeit, in der kreative Künstler versuchten, die immer bessere Studiotechnik auszureizen. Im Jahr 1966, das reich an wichtigen Alben war, wurde Pet Sounds neben Revolver von den Beatles das einflussreichste. Es war eines der ersten Album, die aus der Überzeugung entstanden, dass diese Musik auch noch Generationen später gehört und geschätzt werden würde.

Erst Ende 1999, also über 33 Jahre nach Veröffentlichung der Platte, beantragte Columbia Records bei der RIAA die Auszeichnung des Albums mit einer Goldenen Schallplatte. Nachdem dies zunächst wegen angeblich unklarer Verkaufszahlen abgelehnt wurde, wies die Plattenfirma über 670.000 abgesetzte Exemplare seit 1986 nach. In der Folge wurde Pet Sounds am 11. Februar 2000 der Goldstatus verliehen. Da die vorgelegten Zahlen jedoch die 20 Jahre davor nicht belegen, ist davon auszugehen, dass die Gesamtzahl noch deutlich höher liegt.[4]

Titelliste[Bearbeiten]

  1. Wouldn’t It Be Nice (Brian Wilson/Tony Asher) (US-Charts 8)
  2. You Still Believe in Me (Brian Wilson/Tony Asher)
  3. That’s Not Me (Brian Wilson/Tony Asher)
  4. Don’t Talk (Put Your Head on My Shoulder) (Brian Wilson/Tony Asher)
  5. I’m Waiting for the Day (Brian Wilson/Mike Love)
  6. Let’s Go Away for Awhile (Brian Wilson)
  7. Sloop John B. (Trad./Arr. Brian Wilson) (US 3, UK 2, D 1)
  8. God Only Knows (Brian Wilson/Tony Asher) (US 39, UK 2)
  9. I Know There’s an Answer (Brian Wilson/Terry Sachen)
  10. Here Today (Brian Wilson/Tony Asher)
  11. I Just Wasn’t Made for These Times (Brian Wilson/Tony Asher)
  12. Pet Sounds (Brian Wilson)
  13. Caroline, No (Brian Wilson/Tony Asher) (US #32) (als Brian Wilson Solo-Single)

Die Singles[Bearbeiten]

  • Sloop John B. b/w You’re So Good to Me erreichte in den USA Platz 3, in Großbritannien Platz 2. Zudem war dieser Song ein Nr.-1-Hit in Deutschland, Neuseeland, den Niederlanden und Norwegen. Dieser Titel wurde bereits 1965 von den Beach Boys veröffentlicht.
  • Wouldn’t It Be Nice (in den USA mit God Only Knows als B-Seite, God Only Knows erreichte Rang 39 in den USA) erreichte Rang 8 in den USA und Rang 2 in Australien. Brian Wilson wollte die B-Seite, God Only Knows, als eigenständige Single veröffentlichen, womit die Plattenfirma allerdings nicht einverstanden war. Diesen Plan konnte er nur in Europa durchsetzen, wo dieses Lied zum Hit avancierte. Während der 1990er Jahre wurde Mike Love gerichtlich ein Co-Credit zu diesem Stück zugesprochen. Er hatte gegen Ende des Stückes die Worte “Good night my baby, stay tonight” beigesteuert.
  • God Only Knows (mit Wouldn’t It Be Nice als B-Seite), erreichte Rang 2 in Großbritannien, Rang 6 in Norwegen, dazu Rang 11 in den Niederlanden und Rang 22 in Deutschland. Das Lied wurde von den amerikanischen Radiosendern nicht in die Programmlisten aufgenommen, da es das Wort „God“ im Titel enthielt.[2]
  • Caroline, No b/w New Summer Means New Love wurde als Brian Wilsons Solo-Single veröffentlicht. Der Song hieß ursprünglich Carol, I Know, wobei Wilson sich wohl verhört hatte, als sein Texter Tony Asher ihm den Text diktierte. Der Song erreichte Rang 32 in den USA.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1996 wählte das britische Musikmagazin Mojo in Zusammenarbeit mit der Sunday Times Pet Sounds zum „Besten Album aller Zeiten“.[5][6]
  • 1999 platzierte die Zeitschrift spex zusammen mit dem ehemaligen, alternativen Musiksender Viva Zwei das Album auf Platz 1 der Liste der 100 Alben des Jahrhunderts.
  • 1999 sollte das Album mit dem Grammy als „Bestes Album des Millenniums“ ausgezeichnet werden; die Band lehnte den Grammy allerdings ab, um gegen die späte Auszeichnung zu protestieren.
  • Die amerikanische Musikzeitschrift Rolling Stone führt das Album auf Platz zwei seiner „Liste der 500 besten Alben aller Zeiten“.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag zum Album Pet Sounds auf allmusic.com
  2. a b Kingsley Abbott: Die Beach Boys und Brian Wilson, Hannibal, St. Andrä-Wördern 1998, ISBN 978-3-854-45160-0
  3. einestages.spiegel.de: Beach-Boys-Projekt “Smile”. Zugriff am 12. November 2011.
  4. rollingstone.com: Lost Paperwork to Blame for „Pet Sounds“ Meager Sales Numbers
  5. Vorwort des Herausgebers. In: Kingsley Abbott: Die Beach Boys und Brian Wilson, Hannibal, St. Andrä-Wördern 1998, ISBN 978-3-854-45160-0
  6. smileysmile.net: Enter the Smiley Smile 40th Anniversary Contest!, Zugriff am 10. Februar 2008
  7. 500 Greatest Albums of All Time: The Beach Boys, 'Pet Sounds'. In: Rolling Stone. 24. Mai 2012, abgerufen am 17. April 2014 (englisch).