Peter-Jürgen Boock

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Peter-Jürgen Boock (* 3. September 1951 in Garding) ist ein deutscher Ex-Terrorist[1][2] und war Mitglied der Rote Armee Fraktion (RAF). Er war an der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer und der Ermordung des Bankiers Jürgen Ponto beteiligt. Vor seiner Verhaftung im Januar 1981 sagte er sich von der RAF los. Boock wurde zu einer mehrfach lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. 1998 wurde er auf Bewährung entlassen. Seit seiner Haftzeit betätigt er sich als Autor.

Leben[Bearbeiten]

Nach Beendigung der Realschule 1968 begann Boock eine Lehre als Maschinenschlosser, die er jedoch nach wenigen Wochen abbrach. Auch aufgrund von permanentem Streit mit dem Vater – laut Boock ein „überzeugter Nazi“[3] – verließ er sein Elternhaus und zog im Juni 1968 in eine Kommune in den Niederlanden. Nach einer Festnahme wegen Drogenbesitzes und einem Selbstmordversuch wurde er nacheinander in diverse Erziehungsheime eingewiesen,[4] so auch in das Jugendheim Beiserhaus in Rengshausen. Dort lernte der 17-Jährige im Juni 1969 Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Thorwald Proll kennen. Diese engagierten sich damals, während sich ihr Brandstiftungsverfahren in der Revision befand, in einem Projekt (Heimkampagne) von Pädagogikstudenten für Heimkinder. Boock war besonders von Baader tief beeindruckt, lief aus dem Erziehungsheim weg und zog mit Unterstützung von Baader und Ensslin in deren Umfeld nach Frankfurt am Main.[5] In Frankfurt nahm Boock zunehmend harte Drogen, von denen er nach eigenen Angaben 1972 loskam, was vielfach bestritten wird. 1973 heiratete er Waltraud Liewald.

Mitglied der RAF[Bearbeiten]

Während des Stammheimer Prozesses nahm Boock erneut Kontakt zur RAF auf. Seit spätestens 1975 war er im Untergrund. Im Süd-Jemen erhielt er 1975 eine terroristisch-militärische Ausbildung, die unter anderem Geiselnahme und Flugzeugentführung beinhaltete. Nach umstrittenen Berichten war Boock bis 1976 heroinabhängig.

Am 30. Juli 1977 fungierte Boock als Fluchtwagenfahrer bei der als Entführung geplanten Ermordung von Jürgen Ponto. Als Techniker der RAF bereitete Boock den Anschlag auf die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am 25. August 1977 mit vor, indem er einen Raketenwerfer baute. Dieser versagte jedoch, weil der den Zünder auslösende mechanische Wecker nicht aufgezogen war. Boock sagte später hierzu aus, dass ihm im Vorfeld Zweifel an der Aktion gekommen seien und er die Aktion absichtlich sabotiert habe. Das Gericht glaubte ihm dies jedoch nicht.

Das sogenannte Kommando Siegfried Hausner der RAF, dem auch Boock angehörte, entführte am 5. September 1977 in Köln den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, um die Freilassung der inhaftierten RAF-Terroristen zu erzwingen. Boock gehörte 14 Tage lang zu Schleyers Bewachern, dann setzte er sich nach Bagdad ab, wo er die Entführung der Lufthansamaschine Landshut mit vorbereitete. Im September 2007 gab Boock zu, nach der Erstürmung der Landshut der Ermordung von Schleyer zugestimmt zu haben, die dann von Rolf Heißler und Stefan Wisniewski ausgeführt worden sei.[6] Am 11. Mai 1978 wurde Boock zusammen mit Brigitte Mohnhaupt, Sieglinde Hofmann und Rolf Clemens Wagner in Jugoslawien verhaftet. Die jugoslawische Regierung lieferte sie aber nicht an die Bundesrepublik aus, sondern ließ sie im November 1978 nach Aden im Jemen ausfliegen.

Verhaftung und Ausstieg[Bearbeiten]

Im Februar 1980 sagte sich Boock von der RAF los. Am 22. Januar 1981 wurde er in Hamburg verhaftet. Boock behauptete, bei der RAF nur ein „kleines Licht“ gewesen zu sein, und behauptete seine Unschuld. Er wurde wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der Beteiligung an der Ermordung von Jürgen Ponto und der Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer, am 7. Mai 1984 bzw. im November 1986 zu einer mehrfach lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. In der Haft begann Boock, seine Erinnerungen niederzuschreiben. 1988 stellte er einen Antrag auf Begnadigung. Bundespräsident Richard von Weizsäcker führte in der Haftanstalt ein Gespräch mit Boock, lehnte aber in der Folge eine Begnadigung wegen Zweifeln an dessen Reue ab.

Durch Aussagen der in die DDR geflohenen und nach dem Ende der SED-Diktatur in der DDR im Juni 1990 verhafteten RAF-Terroristen erhob der Generalbundesanwalt im Juni 1991 erneut Anklage gegen Boock. Im Mai 1992 gestand Boock, bislang über seine Tatbeteiligung bei der Schleyer-Entführung gelogen zu haben.[7] Er ist einer der Entführer, die mit Schnellfeuergewehren das Feuer auf Schleyers Begleiter eröffnet haben.[8] Dies verneinte er in der Sendung Anne Will vom 22. November 2009 nicht.

Nach 17 Jahren Haft wurde Boock am 13. März 1998 aus der Sozialtherapeutischen Anstalt Hamburg-Bergedorf entlassen, in welcher er zuletzt inhaftiert war. Die Entlassung auf Bewährung beruhte auf einem Beschluss des 2. Strafsenates des Oberlandesgerichtes Stuttgart vom 7. März 1995. Peter-Jürgen Boock lebt als freier Autor in der Schweiz, nachdem er zuvor seinen Wohnsitz in Freiburg im Breisgau gehabt hatte. Sein Auftreten und seine Aussagen werden häufig in Zweifel gezogen. So galt laut Heribert Prantl Boock dem Bundeskriminalamt als der „Karl May der RAF“, Kurt Rebmann warf ihm immer wieder ein „taktisches Verhältnis zur Wahrheit“ vor.[9] Nachdem er Aussagen über Tatbeteiligte bei der Ermordung von Siegfried Buback und der Entführung von Hanns Martin Schleyer gemacht hatte[10], bezichtigen ihn ehemalige Mitglieder der RAF der Geltungssucht.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.focus.de/politik/deutschland/raf/peter-juergen-boock_aid_132642.html
  2. http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Frueherer-RAF-Terrorist-Boock-versteckte-sich-im-Ihme-Zentrum
  3. Butz Peters, Tödlicher Irrtum, die Geschichte der RAF, Aragon, Berlin, 2004, ISBN 3-87024-673-1, S. 126
  4. Heike Haarhoff: Justizskandal im Jugendheim – Das Leiden von Glückstadt, in tageszeitung, 18. Januar 2008
  5. Butz Peters, Tödlicher Irrtum, die Geschichte der RAF, Aragon, Berlin, 2004, ISBN 3-87024-673-1, S. 126 ff
  6. Spiegel-Online: Boock nennt Namen von Schleyers mutmaßlichen Mördern (7. September 2007)
  7. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13681061.html
  8. Stern 26/1997 vom 19. Juni 1997, Der Deutsche Herbst
  9. Süddeutsche Zeitung: Wisniewski? Stefan Wisniewski? (22. April 2007)
  10. ARD: Die RAF, Teil 2 – Der Herbst des Terrors (9. September 2007)