Peter Behrens

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Peter Behrens (um 1913)

Peter Behrens (* 14. April 1868 in Hamburg; † 27. Februar 1940 in Berlin) war ein deutscher Architekt, Maler, Designer und Typograf und gilt als ein führender Vertreter des modernen Industriedesigns.

Er war ursprünglich Maler, wurde dann als Architekt vor dem Ersten Weltkrieg zum Vorreiter der sachlichen Architektur und des modernen Industrie-Designs. Er ist insbesondere bekannt als Mitbegründer des Deutschen Werkbundes und durch seine umfassende gestalterische Tätigkeit für die AEG vor dem Ersten Weltkrieg. Er gilt als Prototyp des Industriedesigners und zugleich als Erfinder des Corporate Design, indem er bei der AEG vom Briefbogen über die Produkte, wie etwa elektrische Teekessel bis hin zu deren Fabrikbauten, alles in einem einheitlichen Sinne gestaltete. Besondere Bedeutung erlangte auch das von ihm geführte Architekturbüro, weil in ihm einige später berühmt gewordene Architekten – unter anderem Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier – quasi zeitgleich gearbeitet hatten. Er war auch für die Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor als Schriftgestalter tätig. Hier entwarf er 1901 auch die „Behrens Antiqua“ und die „Behrens-Schrift“.

Leben[Bearbeiten]

1868–1903[Bearbeiten]

Wohnhaus Behrens in der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe bei Darmstadt (1901 erbaut)
Musikzimmer im Haus Behrens mit Schiedmayer-Flügel

Der Sohn einer evangelischen schleswig-holsteinischen Gutsbesitzerfamilie besuchte ab September 1877 das Christianeum in Altona, das er nach der Quarta Ostern 1882 wieder verließ.[1] Von 1885 bis 1891 studierte er Malerei an den Kunstakademien in Karlsruhe (ab 1885), Düsseldorf (ab 1889) und München. In Düsseldorf war er Schüler des Malers Ferdinand Brütt.[2] München, wo er ab 1892 selbstständig zu arbeiten begann, prägte Behrens besonders als damals anerkanntes Zentrum der Jugendstilbewegung. Im Jahre 1890 unternahm er eine Studienreise in die Niederlande, um sich mit den Werken der dortigen Luminaristen zu beschäftigen. 1893 wurde Behrens Mitbegründer der Münchener Secession, aus der er bald wieder austrat, um unter anderem mit Max Slevogt und Lovis Corinth die Freie Vereinigung Münchner Künstler zu gründen.

1897 war er Mitbegründer der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk. Freundschaften zu Mitgliedern des Pan-Kreises, unter ihnen Otto Erich Hartleben, gaben ihm die Möglichkeit, an deren Zeitschrift mitzuarbeiten und durch Abdruck von Holzschnitten und anderer Arbeiten bekannter zu werden.

Er wandte sich nun eher dem Kunsthandwerk zu, es entstanden Arbeiten aus Glas und Porzellan. Im Jahre 1899 (a. Q.: 1890) heiratete er Lilly Krämer. Im selben Jahr erhielt er eine Berufung an die Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe. Dort fing Behrens an, sich mit Architektur zu beschäftigen. Die Initiative zu einer solchen Künstlergemeinschaft ging auf den hessischen Großherzog Ernst Ludwig zurück, der junge Künstler aus verschiedenen Bereichen nach Darmstadt berief. Als sich die Kolonie 1901 der Öffentlichkeit mit der Ausstellung Ein Dokument Deutscher Kunst vorstellte, war es vor allem das Haus Behrens, das überzeugte. Allerdings stießen sich einige Fachleute an der Tatsache, dass Behrens in Sachen Architektur ein reiner Autodidakt war.

„Indem er jedoch zum Erstaunen der Kritiker seine erste bau- und raumkünstlerische Aufgabe mit hohem Niveau erfüllte, demonstrierte er in hervorragender Weise, daß ein Künstlertyp herangewachsen war, der ungeachtet des Spottes der reaktionären Akademiker über die sogenannten 'Malerarchitekten' wieder zu einer universellen Betätigung in allen Bereichen des Innen- und Außenbaues fähig war. Das Haus des Peter Behrens trug keineswegs den Charakter eines Erstlingswerkes.“[3]

1902 begann Behrens neben seiner Tätigkeit in Darmstadt auch Meisterkurse am Bayerischen Gewerbemuseum[4] in Nürnberg zu halten. Er sah darin die Möglichkeit, die Handwerker mit den Ideen der progressiven Künstler vertraut zu machen. 1903 verließ er Darmstadt und die Künstlerkolonie, wo er sich gegen den (akademisch ausgebildeten) Architekten Joseph Maria Olbrich nicht recht durchsetzen konnte.

Düsseldorf 1903–1907[Bearbeiten]

Um den Posten des Direktors der Kunstgewerbeschule Düsseldorf bewarb sich Behrens am 3. Oktober 1902 bei der Stadt Düsseldorf auf deren Anfrage vom 17. September hin. Unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Wilhelm Marx entschied sich die Stadtverordnetenversammlung am 16. Dezember 1902 für Behrens und gegen seine Mitbewerber Martin Dülfer sowie Wilhelm Kreis, so dass er als 34-Jähriger für ein ungewöhnlich hohes Eingangsgehalt von 6600 Mark am 15. März 1903 seinen Dienst als Direktor der Kunstgewerbeschule antreten konnte.[5]

Schriftzug am Berliner Reichstag

Diese Arbeit gestaltete sich zunächst schwierig, da die Düsseldorfer Kunstszene sehr von der Kunstakademie beherrscht war und viele Autoritäten dort für die künstlerische Auffassung von Behrens wenig Verständnis hatten. Das änderte sich auch nicht, als dieser 1904 an der Großen Gartenbau-Ausstellung in Düsseldorf teilnahm und einen „Architektonischen Garten“ vor dem Kunstpalast vorschlug, zu dessen Gestaltung er mit Entwürfen von Holzzäunen, Pergolen und Löwenbänken bzw. Marmorbänken mit Katzen beitrug.[6][7] Die Treillagen trugen ihm in Düsseldorf den Spottnamen Lattenpitter ein[8] und wurden Mitte der 1920er Jahre unter Wilhelm Kreis bei der Anlage des Ehrenhofs abgebrochen.

Karl Ernst Osthaus, der Direktor des Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe in Hagen, war in diesen Zeiten einer der wenigen, die Behrens unterstützten. Über Osthaus kam Behrens in Verbindung zur Firma Hagener Textilindustrie Gebr. Elbers, für die er in der Folgezeit zahlreiche Entwürfe für Textilien anfertigte. Eine weitere bedeutende Kooperation ging Behrens mit Gustav Gericke ein, für dessen Delmenhorster Linoleum-Fabrik AG er auf der Oldenburger Landesausstellung 1905 den Anker-Linoleum-Pavillon sowie das Corporate Design in Form von Briefbögen, Plakaten und Broschüren entwickelte.[9]

In der Folgezeit richtete Behrens in Düsseldorf auch Schriftkurse ein. Zu diesem Zweck kontaktierte er 1906 über Hermann Muthesius den Briten Edward Johnston, der seit 1902 am Royal College of Art ähnliche Kurse abgehalten hatte. Behrens hatte bereits seit 1901 verschiedene Schrifttypen entwickelt, so Behrens-Fraktur, Behrens-Kursiv und Behrens-Antiqua. Mit Anna Simons zusammen entwarf er 1908 den Schriftzug DEM DEUTSCHEN VOLKE am Berliner Reichstagsgebäude von Paul Wallot. Behrens hatte in Düsseldorf einen großen Kreis von Schülern, die sich später in der Vereinigung Der Ring zusammenschlossen und eine Zeitschrift gleichen Namens herausgaben. Zehn Jahre später, im Jahre 1918, erwirkte Fritz Roeber, der Direktor der Kunstakademie Düsseldorf, die Übernahme der auch durch Behrens’ Wirken renommierten Architekturausbildung der Kunstgewerbeschule, ihrer Dozenten und Schüler.

Auffällig war, dass Behrens als Direktor der Kunstgewerbeschule zwischen März 1903 und August 1907 insgesamt 72 Dienstreisen unternahm, so etwa nach Den Haag, Wien, London, Karlsruhe, München, Dresden, Berlin, Hamburg und Oldenburg, beispielsweise wegen „Besprechungen über die Weltausstellung in St. Louis mit offiziellen Stellen“, wegen der Besichtigung anderer Kunstschulen, der Rücksprache mit Künstlern oder des Baus einer Kunsthalle. Bereits im zweiten Jahr seines Direktorats bat er Theodor von Möller, den Berliner Minister für Handel und Gewerbe, ihn von seiner Unterrichtsverpflichtung, die auf sechs Wochenstunden festgelegt war, zu entbinden, was dieser ihm widerwillig und rügend bewilligte.[10]

Berlin 1907–1921[Bearbeiten]

Peter Behrens: Elektrische Tee- und Wasserkessel für die AEG (1909)
Ein Modell in drei Größen:
1,25 l, 1,0 l und 0,75 l Fassungsvermögen
Sechs Assistenten von Behrens am Arbeitsplatz: (von li.) Mies van der Rohe, Meyer, Hertwig, Weyrather (dahinter), Krämer, Gropius (mit Plan), 1908[11]
Industrieleuchte für die AEG. Das Produkt ist aus Transportgründen zerlegbar
Montagehalle für Großmaschinen, Berlin-Gesundbrunnen (1912)
Peter Behrens: Mannesmann-Haus (seit den 1990er Jahren Vodafone-Hauptverwaltung in Düsseldorf); Vorderfront (1911–1912)

1907 ließ Behrens sich in Berlin als selbstständiger Architekt nieder. Vorher hatte er bereits einige Aufträge zur Innen- und Außengestaltung von Gebäuden übernommen, so 1905 einen Vortragssaal des Folkwang-Museums in Hagen, der eigentlich wie der Rest des Gebäudes von Henry van de Velde hätte ausgeführt werden sollen.

Nachdem Peter Behrens schon vorher kleinere Entwurfsaufträge für die AEG übernommen hatte, wurde er Ende Juli 1907 zum Künstlerischen Beirat der Firma berufen. Für diesen Konzern war er in den Folgejahren auf nahezu allen Disziplinen der Gestaltung tätig, von grafischen Arbeiten wie Werbeprospekten über Produktentwürfe von Haushaltsgeräten bis zu großen Fabrik- und Verwaltungsbauten. Im Rahmen dieser Tätigkeit schuf er nicht nur die Vorentwürfe des heutigen Logos der AEG, sondern beeinflusste das gesamte Erscheinungsbild des Unternehmens.

In Berlin hatten sich bereits einige Architekten angesiedelt, die sich aufgrund von Konkurrenzkämpfen häufig mit Teilhabern zusammenschließen mussten, um zu überleben, so Mebes & Emmerich, Luckhardt & Anker oder Bruno Taut und Franz Hoffmann zu Taut & Hoffmann. Auch Peter Behrens arbeitete in seinem Atelier nicht allein. Mitarbeiter waren Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Charles-Edouard Jeanneret-Gris, der sich ab 1917 Le Corbusier nannte; dazu Max Hertwig, Adolf Meyer, Jean Krämer und Bernhard Weyrather.[11]

Neben seiner Arbeit für die AEG war Behrens auch weiterhin als freier Gestalter tätig. Der Bau seines Privathauses in Potsdam-Babelsberg und die Entwürfe für eine Gartenstadt in Eppenhausen bei Hagen fallen in diese Zeit. Letzteres kam wiederum durch Karl Ernst Osthaus zustande. 1909 entwarf er Weinetiketten für die graphische Anstalt Wilhelm Gerstung. Behrens war auch im Deutschen Werkbund tätig, beispielsweise organisierte er 1910 die dritte Jahrestagung des Werkbundes. 1911 konnte er mit anderen die Absetzung von Hermann Muthesius als Vorsitzendem verhindern. Darüber hinaus war Behrens, als sich der Werkbund 1917 an der Bildung eines Normausschusses der Deutschen Industrie beteiligte, Mitglied eines Unterausschusses für Baunormen.

Fassade der ehem. Dt. Botschaft in St. Petersburg

1911 entwarf Behrens den Bau der Kaiserlichen Deutschen Botschaft in Sankt Petersburg, der in Deutschland vor allem hinsichtlich seiner Monumentalität gerühmt, im Ausland aber, beispielsweise in Frankreich und Russland wegen seiner teutonischen Fassade kritisiert wurde. Drei Jahre später endete die Tätigkeit für die AEG. Im selben Jahr war Behrens Mitglied des Vorstandes der Kölner Werkbundausstellung. 1914 war er Mitunterzeichner des Manifest der 93. 1916 beteiligte er sich an dem vom Werkbund veranstalteten Wettbewerb für das Haus der Freundschaft in Istanbul.

Nach dem Ersten Weltkrieg suchte Behrens unter dem Einfluss der wirtschaftlichen Notlage nach Möglichkeiten für finanzielle Einsparungen beim Bauen. 1918 erschien seine Schrift „Vom sparsamen Bauen“, in der er sich für Typisierung und Verwendung preiswerter Materialien wie z. B. Schlackenbeton einsetzte. Diesen Beton hatte er 1910/11 bereits beim Bau von Arbeiterhäusern in Hennigsdorf eingesetzt, wo er nochmals für die Allgemeine Elektricitätsgesellschaft tätig geworden war.[12] Bei städtebaulichen Entwürfen von Wohnsiedlungen hielt Behrens zudem eine Konzentrierung und Zusammenlegung wichtiger Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kinderhorten, Ladenlokalen usw. für wichtig.

„Peter Behrens bezeichnete die Rolle des Architekten bei den neuen ländlichen Siedlungen als die eines Koordinators, der die Wünsche des Bauherrn und des Benutzers ausgleiche und ausführe. Er wies ausdrücklich jede Absicht zurück, Geschmack von oben aufzudrängen und stimmte mit Gropius überein, daß der Architekt nur für den allgemeinen Plan zuständig sei. Alle Einzelheiten sollten zwischen Handwerkern und Bewohnern ausgearbeitet werden.“[13]

Düsseldorf/Berlin 1921–1940[Bearbeiten]

Max Liebermann: Peter Behrens, 1923
Zentrallager der Gutehoffnungshütte in Oberhausen (1921–1925)
Entwurf für ein Hochhaus über der nie verwirklichten Gibraltardamm-Schleuse

1921 wurde Behrens an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. 1922 wurde er zudem Nachfolger Otto Wagners als Leiter der Meisterschule für Architektur an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Bis 1927 war Behrens hier Direktor der Architekturabteilung. Außerdem verlieh ihm die Leitung der Technischen Hochschule Prag die Ehrendoktorwürde.

In diese Zeit fällt der Entwurf für ein Verwaltungsgebäude der Farbwerke Hoechst AG (1920–1924) in Frankfurt-Höchst. 1925 beteiligte sich Behrens an der Internationalen Kunstgewerbeausstellung in Paris. Ferner hielt er auf der Essener Haupttagung des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine einen Vortrag über den Industriebau als Kulturaufgabe. In diesem und in den zwei darauffolgenden Jahren fand eine große Wanderausstellung seiner Werke und der seiner Wiener Meisterschüler statt, und als Ludwig Mies van der Rohe 1927 die Leitung der Werkbundausstellung in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart übernahm, folgte auch Peter Behrens dessen Aufforderung, sich daran zu beteiligen. Die Deutsche Gasolin beauftragte Behrens 1927, Zapfsäulen und Tankstellen zu entwerfen, um dem Vorwurf der Verunstaltung der Umwelt zu entgehen.[14]

Die Spätphase seines Schaffens in den 1930er Jahren war durch die Konzentration auf städtebauliche Aufgaben gekennzeichnet. Behrens wurde besonders in Berlin tätig, wo solche Aufträge durch die rasche Entwicklung der Stadt und die Probleme des zunehmenden Massenverkehrs nötig waren. Diese Tätigkeit von Behrens umfasste u. a. die Neugestaltung des Alexanderplatzes; die unter anderem der Berliner Stadtbaurat Martin Wagner angeregt hatte. Nach dem Tode von Hans Poelzig 1936 übernahm Behrens die Leitung der Meisterschule für Architektur an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin.

Am 27. Februar 1940 starb Peter Behrens an einem Herzschlag in Berlin. Er wurde auf dem Friedhof Wilmersdorf begraben. Sein Grab ist nicht mehr erhalten.

Werk[Bearbeiten]

Werkuhr aus einer modularen Produktreihe, Gestaltung entsprechend dem Corporate Design der AEG

In der Anfangsphase seines Schaffens versuchte sich Behrens durch verschiedene Reisen Anregungen zu verschaffen. Neben der Hollandreise 1890 wurde er während eines Besuches der École du Petit Boulevard in Paris durch die monochrome Stimmungsmalerei der Schule der Luminaristen beeinflusst. Seine Bilder dieser Zeit sind stark impressionistisch und naturalistisch geprägt. Im Laufe der Zeit verstärkt sich die Ornamentik in seinen Bildern, auch beeinflusst durch seine Arbeit in der Münchner Secession. Die Bilder tendieren in der Folgezeit stark in Richtung des Jugendstils. Techniken sind häufig Öl auf Leinwand oder der Holzschnitt.

Letzteres leitet über zur Periode der Buchdruckkunst. Auch wenn die Erzeugnisse dieser Zeit nach wie vor von der Ornamentik des Jugendstils geprägt sind, finden sich zunehmend geometrisierende Formen. Buchverzierungen sind stark abstrahiert und flächenhaft. Auch die Schrifttypen, die Behrens später entwickelt, gehen in diese Richtung. Seine Werke während dieses Zeitabschnitts sind zwar schwer und kraftvoll, zeichnen sich aber durch eine durchaus sachliche Nüchternheit aus.

„In dieser Zeit überwogen Flächenmuster, Vignetten und Randleisten als Buchschmuck. Durch Schwere, Kraft und Abstraktheit der Form unterschieden sich die Linien bei Peter Behrens von denen der meisten anderen Künstler, die zu einem zarten Blütenspiel neigten.“[15]

Nach der Gründung der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk beginnt Behrens, im kunsthandwerklichen Bereich tätig zu werden. Aus dieser Zeit stammt etwa der Entwurf eines Buffets.[16] Seine Auffassung von Ornamentik verwirklicht er u. a. im Bereich der Glasmalerei und der Porzellankunst. Dies leitet über zur Ära Mathildenhöhe in Darmstadt, eine Künstlerkolonie, die sich signifikant von anderen unterschied, auch weil es in der Residenzstadt keine Kunstakademie, aber eine Technische Hochschule mit Architektur-Abteilung gab. Bei der Mathildenhöhe handelte es sich um keine unabhängige Künstlervereinigung, und die Mitglieder konnten ihren Vorstellungen nur in einem gewissen Maß freien Lauf lassen.

„Die Künstlerkolonie in Darmstadt war kein freiwilliger, gewachsener oder freundschaftlicher Zusammenschluß von gleichgesinnten, ähnlich denkenden Künstlern. Sie war eine von einem Landesherrn einberufene Institution, die bestimmten Zielen und Zwecken dienen sollte. Ihre Gründung und ihr Werdegang ist ein Kapitel landesgeschichtlicher Kulturförderung, das Beispiel fürstlicher Kulturpolitik im wilhelminischen Deutschland.“[17]

Hier in Darmstadt kommt Behrens zum ersten Mal mit der Architektur in Berührung, für die Ausstellung Ein Document Deutscher Kunst (1901) sollen alle teilnehmenden Künstler ihre Häuser einschließlich der Innenarchitektur und der Möbel vollständig selbst entwerfen, „jedoch unter der Bedingung, bei bewußter Ablehnung jeglicher eklektizistischer Elemente ihre künstlerisch-ästhetischen Absichten selbständig und möglichst umfassend darstellen.“ (Kadatz, S. 37). Das Haus Behrens ist hier ein gutes Beispiel für die Gratwanderung des Architekten zwischen Traditionalität und möglichst geringer Ornamentik.

Nach seinem Weggang aus Darmstadt bekommt Behrens über Karl Ernst Osthaus den Auftrag für ein Krematorium in Hagen-Delstern. An diesem Bau ist vielleicht am deutlichsten die eigentlich typische Behrens-Ornamentik zu erkennen. Man sieht mäanderartige Linien in Schwarz und Weiß und stilisierte Schnecken. Behrens mag als Vorbilder florentinische Sakralbauten der Frührenaissance gehabt haben, die er auf einer Reise nach Italien gesehen hatte. Die Aneinander- und Ineinanderreihung von Kreisen und Quadraten im Krematorium in Hagen kann im übertragenen Sinne als Quadratur des Kreises bezeichnet werden.

„Die Quadratur des Kreises gilt gemeinhin als Metapher für den Versuch, das Unmögliche möglich zu machen, als Lösung eines unlösbaren Problems schlechthin. […] Die Quadratur des Kreises ist nicht nur ein mathematisch-geometrisches Problem, sie ist zugleich ein Motto und ein Bild, das für das Werk von Behrens stehen könnte: Der Künstler löste viele der zu seiner Zeit für unlösbar gehaltenen Aufgaben in gültiger Form; er tat dies nicht nur mit dem ihm eigenen Ingenium, sondern auch mit der ihm angeborenen Gemessenheit und Noblesse, was seine Produkte unverwechselbar macht, und er setzte sich dabei schöpferisch mit den Forderungen der Zeit auseinander. So ist es kein Zufall, daß Kreis und Quadrat als elementare Formen viele seiner Schöpfungen geprägt haben und in zahlreichen Variationen in seiner Druckgrafik erscheinen.“[18]

Peter Behrens: Continental AG in Hannover, (heute Technologie-Centrum Hannover)
Vorderfront (1912)

Die Ornamentik behält Behrens noch lange Zeit bei, allerdings wird sie im Laufe der Zeit immer großflächiger und schlichter, so beim Verwaltungsgebäude der Continental AG in Hannover 1912 oder in den Räumen, die er für die Werkbundausstellung 1914 in Köln entwirft. Unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges allerdings entstehen in der Folgezeit etliche Arbeitersiedlungen, die nichts mehr von den Verzierungen der Vorjahre sehen lassen. Sie sind betont einfach gehalten, auch in Anlehnung an die Theorien vom Einsparen bei Bauen.

Nach dem Krieg und in den 1920er Jahren machte Behrens erneut eine Weiterentwicklung durch. Auf der einen Seite lassen die Bauten von Behrens nun vor allem an der Fassade jegliche Struktur vermissen und fallen eher durch kompliziertere Grundrisse auf, wie sich an seinem Terrassenhaus für die Werkbundausstellung in Stuttgart-Weißenhof erkennen lässt. Auf der anderen Seite sind seine Bauten, in erster Linie große Verwaltungs- oder öffentliche Gebäude, ganz im Gegenteil extrem strukturiert, so das Technische Verwaltungsgebäude der Farbwerke Hoechst AG in Höchst. Die Eingangshalle erinnert stark an den Expressionismus, und der Betrachter fühlt sich durch die Raumwirkung an Fritz Langs Metropolis erinnert. Die starke Betonung der Senkrechten ist bei diesem und anderen Bauten dieser Zeit klar erkennbar. Beim Hoechst-Bau sind die Backstein-Vertikalen dazu noch in unterschiedlichen Farben gemauert, ein eindeutiger Hinweis auf den Bauherrn.

In der Spätphase seines Schaffens trat Behrens vor allem durch städtebauliche Entwürfe hervor, der bekannteste dürfte hier die Gestaltung des Alexanderplatzes in Berlin sein. Sie besteht aus zwei den Durchgang zum Bahnhof Alexanderplatz einschließenden Gebäuden, wovon das südöstliche in abgewinkelter Form den Platz einfassen sollte, der, von Straßenbahnlinien durchkreuzt, ein ovales Rasenstück in seiner Mitte hatte. Die Gebäude tragen die Namen „Alexanderhaus“ und „Berolinahaus“

Peter Behrens fand von Einflüssen des Jugendstils ausgehend zu neuen Formen der Architektur, die mit Begriffen wie „strenge Raumgeometrie“, „Verzicht auf Schmuckformen“ umschrieben werden können und die mehr und mehr den reinen Nutzbau in den Mittelpunkt des Interesses rückten, besonders auf dem Gebiet der Industriearchitektur. Behrens gilt als der führende Industriearchitekt seiner Zeit. Auch die zunehmende Technisierung des Lebens und die Entwicklung der Massenproduktion gehörten mit zum Werdegang von Peter Behrens.

Bauten[Bearbeiten]

AEG-Kabelwerk Oberspree (Aufnahme 1958, VEB Werk für Fernmeldewesen)
Mietshaus Bolivarallee 9, Berlin

Buchgestaltung[Bearbeiten]

  • 1901: Festschrift Ein Dokument deutscher Kunst: Die Ausstellung der Künstler-Kolonie in Darmstadt 1901, München 1901[26]

Design (Auswahl)[Bearbeiten]

Aschenbecher in Form der „AEG-Wabe“
Teil einer Trinkglaserie, gefertigt 1901 in der Rheinischen Glashütte Ehrenfeld
  • 1908: Inschrift „Dem Deutschen Volke“ am Berliner Reichstagsgebäude
  • diverse Produkte der AEG, z. B.:
    • Bogenlampe
    • Werks- und Werkstattleuchten
    • Wasserkocher (Produktreihe)
    • Kaffeemaschine (Perkolator)
    • Werksuhr
    • Voltmeter
    • Ventilator

Familie[Bearbeiten]

Peter Behrens war der Vater des Ingenieurs und Erfinders Josef Behrens sowie der Modezeichnerin und Modejournalistin Petra Fiedler (1898–1993)[27], und Großvater des Architekten, Stadtplaners und Designers Till Behrens.

Namensgebungen[Bearbeiten]

Die Fachbereiche für Architektur und Innenarchitektur der Fachhochschule Düsseldorf führen heute gemeinsam die Bezeichnung Peter Behrens School of Architecture.[28] Bereits in den 1960er Jahren hatte es – als eine Vorläuferin der 1971 gegründeten Fachhochschule Düsseldorf – die Peter-Behrens-Werkkunstschule Düsseldorf gegeben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Allgemeine Elektricitätsgesellschaft: 75 Jahre AEG. Festschrift anläßlich des 75jährigen Bestehens. Berlin, Frankfurt a. M. 1958.
  • Kurt Asche (Hrsg.): Die Quadratur des Kreises. Peter Behrens als Architekt und Designer. Oldenburg 1990.
  • Ina Bahnschulte-Friebe: Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt 1899–1914. Darmstadt: Institut Mathildenhöhe 1999, ISBN 3-9804553-6-X
  • Jutta Boehe: Jugendstil im Theater. Die Darmstädter Künstlerkolonie und Peter Behrens. Wien: Phil. Diss. 1968.
  • Gerhard Bott: Darmstadt und die Mathildenhöhe. In: Gerhard Wietek: Deutsche Künstlerkolonien und Künstlerorte. München 1976.
  • Tilmann Buddensieg: Peter Behrens und die AEG. Neue Dokumente zur Baugeschichte der Fabriken am Humboldthain. Sonderdruck aus Schloß Charlottenburg. Festschrift für Margarete Kühn 1975.
  • Tilmann Buddensieg: Industriekultur. Peter Behrens und die AEG. Berlin 1979.
  • Joan Campbell: Der Deutsche Werkbund 1907–1934. Stuttgart 1981.
  • Armin Chodzinski: Kunst und Wirtschaft. Peter Behrens, Emil Rathenau und der dm drogerie markt. Berlin 2007.
  • Michael Eckhoff: 100 Jahre Hagener Krematorium – Ein früher Entwurf von Peter Behrens, kunstdialoghagenwest heft 5, Hagen 2008, ISBN 978-3-932070-98-3.
  • Fritz Helmuth Ehmcke: Behrens, Peter. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 13 f. (Digitalisat).
  • Hans-Joachim Kadatz: Peter Behrens. Architekt, Maler, Grafiker und Formgestalter. Leipzig 1977.
  • Georg Krawietz: Peter Behrens im dritten Reich. VDG, Weimar 1995, ISBN 3-929742-57-8.
  • Bernd Nicolai: Der 'kommende Mann unserer Baukunst'. Peter Behrens und die Begründung der Moderne im späten Kaiserreich. In: Klaus Rheidt, Barbara A. Lutz (Hrsg.): Peter Behrens, Theodor Wiegand und die Villa in Dahlem. Hg. im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts anlässlich seines 175-jährigen Bestehens. Mainz 2004, ISBN 3-8053-3374-9, S. 82–107.
  • Hans-Georg Pfeifer: Peter Behrens. Wer aber will sagen, was Schönheit sei? Beton-Verlag Düsseldorf 1990, ISBN 3-7640-0278-6.
  • Sabine Röck (Michael Kasparek): Die Behrens-Lampe. Die Große Sparbogenlampe der AEG. Berlin 2003.
  • Klaus J. Sembach: 1910 – Halbzeit der Moderne. Stuttgart: Hatje 1992, ISBN 3-7757-0392-6.
  • Alan Windsor: Peter Behrens. Architekt und Designer. (Aus dem Englischen von Kyra Stromberg; Originalausgabe: Peter Behrens, Architect and Designer, 1868–1940. Architectural Press Ltd., London 1981.) Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1985, ISBN 3-421-02833-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peter Behrens – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schulzeugnis von Peter Behrens
  2. Friedrich Tamms: Von Menschen, Städten und Brücken. Econ Verlag, Düsseldorf 1974, ISBN 3-430-19004-5, S. 21
  3. Hans Joachim Kadatz: Peter Behrens – Architekt, Maler, Grafiker und Formgestalter 1868–1940. Leipzig 1977, S. 37.
  4. Peter Behrens
  5. Friedrich Tamms, a.a.O., S. 21.
  6. Alexandra Musiolek: Blühende Gartenräume. Der englische Einfluss auf Gestaltung und Pflanzenverwendung im deutschen architektonischen Hausgarten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diplomarbeit an der Technischen Universität Berlin, Universitätsverlag der TU Berlin, Berlin 2005, ISBN 3-7983-1969-3, S. 49. (online)
  7. Gestiftet waren die Bänke von dem Maler Georg Oeder. – Vgl. Drei neue Paten für städtische Brunnen und Denkmäler. Puschkin-Denkmal, Gröne Jong und 'Marmorbank mit Katzen' unter besonderer Obhut. Presseerklärung der Landeshauptstadt Düsseldorf vom 10. Dezember 2012 im Portal duesseldorf.de, abgerufen am 17. Mai 2014
  8. Wieland Koenig (Hrsg.): Düsseldorfer Gartenlust. Katalog zur Ausstellung des Stadtmuseums Düsseldorf vom 2. Mai bis 11. Oktober 1987, S. 185 f.
  9. Gerhard Kaldewei: „… wenn Delmenhorst nicht ganz und gar in Verruf kommen soll“ – Zur Geschichte und Zukunft der Delmenhorster Industriekultur. In: Hans H. Bass (Hrsg.): Facetten volkswirtschaftlicher Forschung. Festschrift für Karl Marten Barfuß. LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7441-9, S. 33. (online)
  10. Friedrich Tamms, a.a.O., S. 21f.
  11. a b C. Arthur Croyle: Hertwig: The Zelig of Design. (Teaser). (PDF; 9,3 MB) Culicidae Press, 2011, ISBN 978-0-557-72969-2, S. 102.
  12. Hans-Joachim Kadatz: Peter Behrens. Architekt, Maler, Grafiker und Formgestalter. Leipzig 1977, S. 43/48.
  13. Joan Campbell: Der Deutsche Werkbund 1907–1934. Stuttgart 1981, S. 39.
  14. Joachim Kleinmanns: Super, voll! Kleine Kulturgeschichte der Tankstelle. Jonas Verlag, Marburg, 2002. S. 65.
  15. Hans-Joachim Kadatz, S. 12.
  16. Schrank nach einem Entwurf von Peter Behrens. Webseite im Portal duesseldorf.de, abgerufen am 17. Mai 2014
  17. Gerhard Bott: Darmstadt und die Mathildenhöhe. In: Gerhard Wietek: Deutsche Künstlerkolonien und Künstlerorte. München 1976, S. 154.
  18. Kurt Asche (Hrsg.): Die Quadratur des Kreises – Peter Behrens als Architekt und Designer. Oldenburg 1990, S. 6f.
  19. Foto des Bootshauses bei der Berliner Rudergesellschaft Elektra e. V.
  20. [Stadt Frankfurt, Kurzbericht über die Sanierung des denkmalgeschützten der Gebäude Schielestraße 22 und 24-26 http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=3793413&_ffmpar[_id_inhalt]=3313584 ], abgerufen am 21. Oktober 2014
  21. Carsten Krohn: Restaurierung der ehemaligen Deutschen Botschaft in St. Petersburg
  22.  Hiltrud Kier, Landeskonservator Rheinland (Hrsg.): Denkmälerverzeichnis Köln Altstadt und Deutz. 12.1, Rheinland Verlag, Köln 1979, ISBN 3-7927-0455-2, S. 124.
  23. Haus Lewin. In: archINFORM. (mit Bild)
  24. Slowakische Website mit Bildern der Synagoge
  25. Originalpläne von Behrens wieder aufgefunden
  26. Die Ausstellung der Künstler-Kolonie in Darmstadt 1901', abgerufen am 21. Dezember 2013
  27. Mila Ganeva: Women in Weimar Fashion. Discourses and Displays in German Culture, 1918–1933, Camden House, Rochester 2008, S. 199.
  28. Willkommen an der Peter Behrens School of Architecture, Webseite der Fachhochschule Düsseldorf, abgerufen am 16. Mai 2014