Phra Chenduriyang

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Phra Chenduriyang (Piti Wathayakon) (thailändisch: พระเจนดุริยางค์ (ปิติ วาทยะกร); * 13. Juli 1883 in Bangkok als Peter Veit; † 25. Dezember 1968 ebendort) war ein thailändischer Komponist, Kapellmeister, Musiklehrer, -sammler und -arrangeur. Er war teilweise deutscher Abstammung, verließ Thailand jedoch nie und identifizierte sich als „100-prozentiger Thai“. Er ist der Komponist der thailändischen Nationalhymne Phleng Chat, die seit 1932 gespielt wird.[1]

Peter Veits Vater Jacob – ebenfalls ein Musiker – war in Trier geboren, in die Vereinigten Staaten ausgewandert, wo er im Bürgerkrieg aufseiten der Nordstaaten kämpfte, und bereiste später Asien. In Siam (wie Thailand damals noch hieß) ließ er sich während der Regierungszeit König Ramas V. (Chulalongkorns) nieder und wurde Trompetenlehrer am Königshof.[2] Peters Mutter war die Mon Tongyoo.[3] Er besuchte das Assumption College in Bangkok, lernte Klavier und Streichinstrumente. 1917 wurde er vom Amt für königliche Unterhaltung eingestellt und rief das erste westliche Orchester in Siam ins Leben.[1][4] König Rama VI. (Vajiravudh) machte ihn zum stellvertretenden Leiter,[5] später zum Leiter des „Königlichen Westlichen Streichorchesters“ und verlieh ihm den feudalen Ehrennamen Phra Chenduriyang (übersetzt etwa: „bewandert mit Musikinstrumenten“) unter dem er forthin bekannt war. Er war einer der Hauptverantwortlichen für die Verbreitung westlicher Musik in Siam in dieser Zeit[6] und unterrichtete zahlreiche junge Siamesen an westlichen Instrumenten.[1] Andererseits sammelte und notierte er aber auch thailändische Volksmusik, die bis dahin nur mündlich überliefert worden war.

Nach dem Staatsstreich in Siam 1932 (der „Siamesischen Revolution“) beauftragten die neuen Machthaber, die sich „Volkspartei(Khana Ratsadon) nannten, den bisherigen Königlichen Berater für Musik, eine Hymne für die nun konstitutionelle Nation zu komponieren[4] (im absolutistischen Siam diente die Königshymne Phleng Sanrasoen Phra Barami zugleich als Nationalhymne). Phra Chenduriyang wollte sich zunächst weigern, da er ein treuer Gefolgsmann des Königs war, lenkte aber ein. Angeblich soll ihm die von Brahms’ 1. Sinfonie inspirierte Melodie während einer Straßenbahnfahrt eingefallen sein.[3][7] Sein westliches Orchester wurde zu einem Kernbestandteil des Fine Arts Department,[1][8] einer von den Revolutionären eingerichteten Regierungsstelle. 1939 nahm er, während der Thaiisierungskampagne der Regierung, den thailändischem Namen Piti Wathayakon (auch Vadhayakorn geschrieben) an. Zwischen 1940 und 1950 war er Professor an der Silpakorn-Universität in Bangkok. Zu seinen Schülern gehörten der spätere König Bhumibol Adulyadej, Eua Sunthornsanan, Wet Sunthonjamon, Sa-nga Arampir und Saman Kanchanaphalin.[9]

Piti Wathayakon starb am 25. Dezember 1968, im Alter von 85 Jahren, in Bangkok an Herzversagen. Er hinterließ sechs Kinder und 20 Enkel.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Chen Duriyang, anthem composer. In Nicholas Grossman: Chronicle of Thailand. Headline News since 1946. Editions Didier Millet, Singapur 2009, S. 163.
  2. Mandy Radics: Der Auswanderer-Sohn und die Hymne. In: Trierischer Volksfreund, 18. Juli 2009.
  3. a b Gustaf Dietrich: Die thailändische Nationalhymne – ihre Wurzeln reichen nach Trier.
  4. a b Ellen London: Thailand Condensed. 2000 years of history and culture. Marshall Cavendish, Singapur 2008, S. 110.
  5. Mattani Mojdara Rutnin: Dance, Drama, and Theatre in Thailand. The Process of Development and Modernization. Silkworm Books, Chiang Mai 1996, S. 271.
  6. Arne Kislenko: Culture and Customs of Thailand. Greenwood, Westport CT 2004, S. 67.
  7. Rachawadi: A Tale of Two Anthems. In: Thaiways, Band 23, Nr. 19, 10. Januar 2007.
  8. David Horn, Dave Laing, John Shepherd (Hrsg.): Continuum Encyclopedia of Popular Music of the World. Part 2: Locations. Band V, Continuum, London/New York 2005, S. 220.
  9. Lamnao Eamsa-ard: Thai Popular Music. The Representation of National Identities and Ideologies Within a Culture in Transition. Dissertation, Edith Cowan University, Perth 2006 , S. 81–82.