Peter Freund (Physiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Peter Freund.

Peter George Oliver Freund (* 7. September 1936 in Timișoara, Rumänien; häufig als P. G. O. Freund) ist ein US-amerikanischer theoretischer Physiker.

Leben[Bearbeiten]

Freund studierte in seiner Heimatstadt Timișoara (Temeswar), mit dem Diplom-Abschluss 1958. Nachdem er in Rumänien als Student bei Demonstrationen in der Folge des Ungarn Aufstands im November 1956 von der Geheimpolizei Securitate beinahe auf der Straße exekutiert wurde, verließ er 1959 Rumänien und ging an die Universität Wien, wo er 1960 mit der Arbeit „Zum Problem der Struktur der Elementarteilchen“ bei Walter Thirring promoviert wurde. Danach war er Assistent von Thirring und ging dann an die Universität Genf. Ab 1963 war er an der University of Chicago, wo er 1965 Assistant Professor wurde und später Professor am Enrico Fermi Institut war. Heute ist er dort Professor Emeritus. 1964 war er am Institute for Advanced Study.

Freund ist Fellow der American Physical Society. Er ist Ehrendoktor der Universität von Timișoara. Er ist auch als Autor von Kurzgeschichten hervorgetreten, veröffentlicht in seinem Buch „West of West End“ (2008) und auch im Online-Literatur-Journal „Exquisite Corpse“. Mit seinem in Rumänien gebliebenen Freund, dem Schriftsteller Radu Ciobanu, schrieb er das Buch „Dialog über den Atlantik“, erschienen in rumänischer Sprache 2006, das ihre unterschiedlichen Schicksale widerspiegelt. In „A Passion for Discovery“ gibt er biographische Skizzen von Physikern und Mathematikern.

Er ist seit 1963 mit einer Psychiaterin verheiratet und hat zwei Töchter. Auf Betreiben von Thirring erhielt er 1961 die österreichische Staatsbürgerschaft, nahm aber nach der Waldheim-Affäre die US-Staatsbürgerschaft an.

Werk[Bearbeiten]

Freund war einer der Pioniere des dualen Modells, aus dem die Stringtheorie entstand. Genauer entdeckte er mit Haim Harari 1968 eine Erweiterung des ursprünglichen dualen Modells, das in deren späterer Interpretation als Stringtheorie geschlossenen Strings entspricht. [1]. Ab Mitte der 1970er Jahre untersuchte er Kaluza-Klein-Theorien und Kompaktifizierungsmechanismen für die Extra-Dimensionen, teilweise mit seinem Studenten Yong Min Cho,[2] und wandte diese Theorien in der Kosmologie an [3]. In Zusammenhang mit seinem Studenten Mark Rubin fand er z. B. spezielle Lösungen der elfdimensionalen Supergravitation aus Produkten kompakter Einstein-Mannigfaltigkeiten[4] mit Anti-de-Sitter Räumen negativer Krümmung (jeweils vier- und siebendimensional).[5].

Er untersuchte auch zahlentheoretische String-Versionen, p-adische Strings[6] und adelische Strings[7], die als Modellversionen zum Test von Vermutungen über die mathematische Struktur von Stringtheorien dienen.[8]

Mit dem Chicagoer Mathematiker Irving Kaplansky klassifizierte er einfache Supersymmetrien[9] und fand mathematische Verbindungen von Supersymmetrien zu Räumen negativer Krümmung (wie Anti-De-Sitter-Räumen).

1985 entdeckte er einen Zusammenhang zwischen bosonischen Strings, die nur in 26 Dimensionen existieren, und Superstrings, die in 10 Dimensionen existieren, was für die Formulierung der heterotischen Strings wichtig wurde[10].

Peter Freund machte in den 1960er Jahren konkrete Vorhersagen für das Verhalten der Wirkungsquerschnitte in den Streuprozessen von Hadronen, die als Freund-Relationen bekannt sind[11]. Mit seinem Studenten Jim Feigenbaum untersuchte er auch das Skalen-Verhalten von Aktienmärkten vor Börsencrashs.[12].

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Freund: A passion for discovery. World Scientific, Singapore 2007, ISBN 978-981-270-646-1.
  • Thomas Appelquist, Alan Chodos, Peter George Oliver Freund: Modern Kaluza Klein Theories. Addison-Wesley, Menlo Park 1987, ISBN 978-020-109-829-7.
  • Peter G. O. Freund: Introduction to supersymmetry. Cambridge Univ. Press, Cambridge 1986, ISBN 0-521-26880-X.

Weblinks[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

  1. Freund, Physical Review Letters, Bd.20, 1968, S.235
  2. Cho, Freund, Physical Review D, Bd.12, 1975, S.1711
  3. Freund „Kaluza Klein Cosmologies“, Nuclear Physics B, Bd.209, 1982, S.1
  4. Riemannsche Mannigfaltigkeiten, in denen der Ricci-Tensor proportional zum metrischen Tensor ist, z. B. Vakuum-Lösungen der Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie
  5. Freund, Rubin „Dynamics of Dimensional Reduction“, Physics Letters B 97, 1980, S.233
  6. Freund, Mark Olson, Physics Letters B, Bd.199, 1987, S.186
  7. Freund, Edward Witten, Physics Letters B, Bd.199, 1987, S.191
  8. Übersichtsartikel L. Brekke, Freund „p-adic Numbers in Physics“, Physics Report, Bd.233, 1993, S.1
  9. Freund, Kaplansky Journal of Mathematical Physics Bd.17, 1976, S.228
  10. Freund „Superstrings from 26 Dimensions?“, Physics Letters B, Bd.151, 1985, S.387
  11. Freund, Physical Review Letters, Bd.15, 1965, S.929
  12. International Journal Modern Physics B, Bd.10, 1996, S.3737