Peter Høeg

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Peter Høeg (* 17. Mai 1957 in Kopenhagen) ist ein dänischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Als junger Erwachsener orientierte er sich in die künstlerische Richtung, studierte Schauspiel, Tanz und Literaturwissenschaften. 1984 schloss er mit dem Magister Artium in Vergleichender Literaturwissenschaft sein Studium ab. Er arbeitete in einer Vielzahl von Bereichen, u. a. als Schauspieler und Tänzer (Klassisches Ballett). Häufig befand er sich auch auf Reisen, vor allem in der Karibik und in Afrika. Zwischendurch arbeitete er als Matrose auf Yachten reicher Leute und spielte Theater in Afrika. Im Anschluss an diese Reisen gründete er auch eine Stiftung zugunsten von Frauen und Kindern in Entwicklungsländern. Der Autor lebt als freier Schriftsteller in Jütland (Dänemark).

Internationalen Ruhm erlangte er mit der Veröffentlichung des Romans Fräulein Smillas Gespür für Schnee (Frøken Smillas fornemmelse for sne), der vielfach aufgelegt wurde[1], und unter gleichnamigem Titel vom dänischen Regisseur Bille August mit Julia Ormond in der Titelrolle verfilmt wurde. Der Autor hat sich jedoch entschlossen, keine weiteren Verfilmungen seiner Bücher mehr zu erlauben: "Dafür gab es mehrere Gründe, aber einer war, dass ich nicht möchte, dass der bildlichen Phantasie der Leser Grenzen gesetzt werden."[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

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  • 1988 veröffentlichte er seinen Debütroman, an dem er sechs Jahre lang geschrieben hatte: Forestilling om det tyvende århundrede. (dt.: Vorstellung vom 20. Jahrhundert. Hanser, München 1992, ISBN 3-446-16110-4) Darin geht es um die Träume und Ideen der Dänen im Verlauf des 20. Jahrhunderts.
  • 1990 hatte Peter Høeg vor allem eine Sammlung von Erzählungen veröffentlicht unter dem Titel Fortællinger om natten. (dt.: Von der Liebe und ihren Bedingungen in der Nacht des 19. März 1929. Hanser, München 1996, ISBN 3-446-17309-9), Neuauflage als rororo-Taschenbuch: Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3-499-22314-7. Hatte er in einer vorausgegangenen Anthologie von Kurzgeschichten noch mit dem Magischen Realismus Lateinamerikas gespielt, so lehnte er sich hier stilistisch an Karen Blixen an. Die ursprünglich neun Erzählungen befassen sich in Variationen mit dem Thema der Liebe.
  • 1992 Die Handlung des Romans Frøken Smillas fornemmelse for sne. (dt.: Fräulein Smillas Gespür für Schnee. Hanser, München 1994, ISBN 3-446-17683-7) ist in Kopenhagen und Grönland angesiedelt. Die Hauptperson Smilla Jaspersen, die als halbe Grönländerin immer wieder zwischen ihrer Inuit-Herkunft und der dänischen Wahlheimat schwankt, ist eine Mathematikerin und Geographin. Sie kommt einem Verbrechen auf die Spur, als der kleine Inuitjunge, der in ihrem Wohnblock in Kopenhagen wohnt, vom Dach fällt und stirbt. Eine Neuauflage als Taschenbuch erfolgte 1996 bei Rowohlt in Reinbek bei Hamburg, ISBN 3-499-13599-X.
  • 1993 De måske egnede. (dt.: Der Plan von der Abschaffung des Dunkels. Hanser, München 1995, ISBN 3-446-17820-1) Dieser Roman besteht aus zwei Ebenen:
Vordergründig handelt er vom Weg der Hauptperson durch Waisenhäuser, Kinderheime und eine Internatsschule bis zur (rettenden) Adoption in der Pubertät. Gewalterfahrungen, Misshandlungen durch Betreuer und andere Kinder sowie Überlebensstrategien von Schicksalsgenossen zeichnen ein knallhartes Bild der Heimkinder-Realität. An der Internatsschule steigt der Spannungsbogen, weil die Kinder einen Plan erfühlen, nach dem gesteuert wird. Es bleibt aber subtil – die Absichtlichkeit, Motive und Ziele bleiben verborgen.
In diese Rahmenhandlung ist ein Grundthema eingearbeitet: Zeit. Zeit als Mittel gesellschaftlicher Herrschaft und Zeit und Bewusstsein. Der erste Satz des Romans lautet: „Was ist Zeit?“. Auf der Mikro-Ebene sind es z. B. die exakt bemessenen Sprechpausen im Unterricht, mit denen Druck aufgebaut wird. Auf der Makro-Ebene ist es die Vereinheitlichung der Weltzeit und der Wandel der Uhr von einem Kunstwerk-zum-Lobe-Gottes zum gesellschaftlichen Verhaltens-Steuerungs-Instrument (was noch gar nicht so lange her ist). Sporadisch werden Überlegungen zur Verzahnung von Zeitwahrnehmung und Bewusstsein eingestreut – Voraussetzung dafür, dass Zeit überhaupt als wirksames Herrschaftsinstrument eingesetzt werden kann. Von der kindlichen Entwicklung des Zeitgefühls (aus der „Fläche“ in den „Tunnel“ der linearen Zeit geraten) bis zu der herausragenden Bemerkung über die Fähigkeit, überhaupt einen Zeitbegriff entwickeln und reflektieren zu können: dass es einen unveränderlichen Hintergrund geben muss, vor dem Veränderung als Veränderung erfahren werden kann. Letzteres wird sogar in der aktuellen psychologischen Fachliteratur aufgegriffen und zitiert.[3]
Der Roman wirkt autobiografisch. Der Autor hat hier eigene Erlebnisse aufgearbeitet. Der Roman wurde für den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert.
  • 1996 ist der Roman Kvinden og aben. (dt.: Die Frau und der Affe. Hanser, München 1997, ISBN 3-446-18880-0) erschienen. Eine Alkoholikerin rettet einen riesigen Affen vor biologischen Experimenten. Høeg nutzt die Geschichte zur Zivilisationskritik. Der „Affe“ ist in Wirklichkeit Mitglied einer intelligenteren und ethischeren Spezies als der Mensch. Dass er äußerlich in das „Kleid“ eines Affen gehüllt ist, unterstreicht die Bereitschaft der Menschen, an einem vorgefassten Bild / Vorurteil / mentalen Modell festzuhalten.
  • 1997 Die Liebenden einer Nacht. Deutscher Taschenbuch Verlag 1997, ISBN 3-423-20011-1
  • 2001 Reise in ein dunkles Herz (Erzählungen) Rowohlt, Hamburg 2001, ISBN 3-499-22973-0
  • 2006 Den stille pige. (dt.: Das stille Mädchen. Hanser, München 2007, ISBN 978-3-446-20824-7) In einem Interview hat Peter Høeg seinen nächsten, angeblich sehr umfangreichen Roman angekündigt. Er zeigte sich aber nicht erfreut, als seine Interviewpartnerin dies verabredungswidrig öffentlich machte. Darin befindet sich die Hauptperson Kaspar Krone im Dialog mit dem Weiblichen. Auch hier nimmt er das Thema Liebe wieder auf.
  • 2010 Elefantpassernes børn. (dt.: Die Kinder der Elefantenhüter. Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-23552-6) handelt von der Suche zweier Kinder nach ihren Eltern, die zugleich zur Suche nach der Tür wird, „die sich zur Freiheit öffnet“, zur Suche nach den Momenten des Glücks oder denen des Schreckens. Mystik und verschiedene Religionen greifen in die Handlung ein wie auch kriminelles Verhalten.

Bearbeitungen[Bearbeiten]

Der Roman Smillas Gespür für Schnee wurde 1995 von SWF/NDR als Hörspiel produziert.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fräulein Smillas Gespür für Schnee bei DNB
  2. Interview FAZ
  3. Franz Resch (Psychiater) u. a.: Entwicklungspsychopathologie des Kindes- und Jugendalters. Beltz Psychologie Verlags Union, 2. Auflage 1999, S. 186.
  4. HörDat.de