Peter Higgs

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Peter Higgs

Peter Ware Higgs, CH (* 29. Mai 1929 in Wallsend, in der Nähe von Newcastle[1][2][3]) ist ein britischer Physiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Higgs ist der Sohn eines Toningenieurs der BBC und ging in Bristol und London zur Schule. Er studierte (Bachelor in Physik mit First Class Honours 1950, Master-Abschluss 1951) und promovierte 1954 am King’s College London bei Christopher Longuet-Higgins (Some Problems in the Theory of Molecular Vibrations). 1954/55 war er an der Universität Edinburgh, 1956 am University College London und ab 1957 am Imperial College London jeweils mit Forschungsstipendien.

Er war kurz Lecturer (etwa vergleichbar einem Lehrbeauftragten) für Mathematik am Imperial College und kehrte 1960 als Lecturer für Mathematische Physik nach Edinburgh zurück. Dort schrieb er auch 1964 die Arbeit, die ihn später berühmt machte. 1970 wurde er Reader (eine Art Professor ohne Lehrstuhl) in Edinburgh, ab 1980 war er Professor für theoretische Physik in Edinburgh, auf einem Personal Chair (eine Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen). 1996 wurde er emeritiert.

Er ist Fellow der Royal Society of Edinburgh (1974), der Royal Society (seit 1983) und des Institute of Physics (seit 1991). 1981 erhielt er mit T. W. B. Kibble die Hughes-Medaille der Royal Society, 1984 ebenfalls mit Kibble die Rutherford Medal des Institute of Physics. 1997 erhielt er dessen Dirac-Medaille. 1997 erhielt er mit Robert Brout und François Englert den High Energy and Particle Physics Prize der European Physical Society und 2004 erhielten alle drei den Wolf-Preis in Physics. 2010 wurden Peter Higgs, Robert Brout, François Englert, Gerald Guralnik, Carl R. Hagen und T. W. B. Kibble mit dem Sakurai-Preis geehrt. Higgs ist Ehrendoktor von Bristol (1997), Edinburgh (1998) und Glasgow (2002).

Higgs ist Vater zweier Söhne.

Werk [Bearbeiten]

Bekannt wurde er durch seine Arbeiten, die insbesondere zu dem nach ihm benannten Higgs-Mechanismus führten (veröffentlicht 1964[4]). Dabei handelt es sich um eine Verallgemeinerung der von Philip W. Anderson entwickelten Ideen zur Festkörperphysik (insbesondere der Supraleitung) auf die relativistische Quantenfeldtheorie.[5] Seine im Nachhinein berühmte Arbeit wurde zunächst von den europäischen Physics Letters zurückgewiesen (nachdem diese vorher allerdings eine erste Arbeit von Higgs publizierten, in der er auf eine Lücke im Goldstonetheorem hinwies), er veröffentlichte sie dann in den US-amerikanischen Physical Review Letters, wobei er in einem Zusatz das erste Mal das später nach ihm benannte Higgs-Teilchen erwähnte.[6] Die Arbeit stieß zunächst auf Skepsis, ihre Bedeutung wurde aber von Freeman Dyson erkannt, der Higgs 1965 zum Vortrag ans Institute for Advanced Study einlud. Unabhängig von Higgs wurde der Effekt von François Englert und Robert Brout in Brüssel und Gerald Guralnik, Carl R. Hagen und T. W. B. Kibble am Imperial College in London zur selben Zeit gefunden. Als das Standardmodell Ende der 1960er Jahre entwickelt wurde, setzte sich aber Higgs’ Name für den Effekt durch,[7] der dadurch damals sehr bekannt wurde. Nach Higgs eigenen Aussagen fand er damals aber keinen Anschluss mehr an die stürmische Entwicklung der theoretischen Elementarteilchenphysik Anfang der 1970er Jahre.[8]

Fast 50 Jahre nach Higgs' Veröffentlichung erklärten Wissenschaftler des europäischen Kernforschungszentrums CERN, es sei ihnen erstmals mit großer Wahrscheinlichkeit gelungen, ein Boson mit einer Masse von etwa 125 GeV/c² nachzuweisen, bei dem es sich um das lang gesuchte Higgs-Boson handeln könnte.[9] Dieser Nachweis gelang mit zwei unabhängigen Detektoren, den LHC-Experimenten ATLAS und CMS. Bei der Pressekonferenz, die am 4. Juli 2012 im CERN abgehalten wurde, war Peter Higgs selbst anwesend.

Siehe auch: Higgs-Boson

Literatur [Bearbeiten]

  • Higgs My life as a boson. The story of the Higgs, in Michael Duff, James Liu (Herausgeber) 2001 - A spacetime odyssey, World Scientific 2002, S. 86-89

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Peter Higgs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise, Fußnoten [Bearbeiten]

  1. http://www.telegraph.co.uk/science/science-news/3338770/Prof-Peter-Higgs-profile.html
  2. http://www.guardian.co.uk/science/2007/nov/17/sciencenews.particlephysics
  3. http://technology.timesonline.co.uk/tol/news/tech_and_web/article4138003.ece
  4. Higgs: Broken symmetries, massless particles and gauge fields. In: Physics Letters. Band 12, 1964, S. 132; Broken symmetries and the masses of gauge bosons. In: Physical Review Letters. Band 13, 1964, S. 508
  5. Higgs weist in seiner in den Physical Review Letters veröffentlichten Arbeit explizit auf Andersons Arbeit hin.
  6. Auf Drängen des Referees Yōichirō Nambu nahm er zu der zuvor erschienenen Arbeit von Englert und Brout Stellung.
  7. zuerst benannte Benjamin Lee das neue hypothetische skalare Teilchen auf der Rochester-Konferenz in Berkeley 1966 nach Higgs, vgl. Nobelist Steven Weinberg Praises Professor Carl Hagen and Collaborators for Higgs Boson Theory (Laudatio auf Hagen an der Rochester University)
  8. Ulrich Schnabel: Das Teilchen Higgs. Peter Higgs. In: Zeit. 4. September 2008
  9. CERN experiments observe particle consistent with long-sought Higgs boson. Pressemitteilung von CERN. 4. Juli 2012. Abgerufen am 6. Juli 2012.