Peter Huchel

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Peter Huchel (* 3. April 1903 in Lichterfelde bei Berlin, heute Berlin-Lichterfelde; † 30. April 1981 in Staufen; eigentlich Helmut Huchel) war ein deutscher Lyriker und Redakteur.

Leben[Bearbeiten]

Peter Huchel studierte in den Jahren 1923 bis 1926 Literaturwissenschaft und Philosophie in Berlin, Freiburg im Breisgau und Wien. Im Zeitraum von 1927 bis 1930 unternahm er Reisen nach Frankreich, Rumänien, Ungarn und in die Türkei.

Berliner Gedenktafel am Haus Hindenburgdamm 32, in Berlin-Lichterfelde
Gedenktafel am Haus Kreuznacher Straße 52 in Berlin-Wilmersdorf

Im Jahr 1930, in dem er auch den Vornamen Peter annahm, schloss er Freundschaft mit Ernst Bloch, Alfred Kantorowicz und Fritz Sternberg, bevor er sich 1931 in der Künstlerkolonie Berlin am Laubenheimer Platz niederließ, wohnte er zeitweise bei Kantorowicz und Sternberg. Im Zeitraum von 1930 bis 1936 erschienen frühe lyrische Werke, die stark von der märkischen Landschaft geprägt waren, in Die literarische Welt, Das Innere Reich, Die Kolonne und Vossische Zeitung. 1931 veröffentlichte er die Prosastudie Im Jahre 1930 über einen NS-Mitläufer aus dem Kleinbürgertum. 1932 wurde er für den Gedichtband Der Knabenteich mit dem Lyrikerpreis der Kolonne ausgezeichnet. Im selben Jahr lernte er Günter Eich kennen. 1934 heiratete Huchel Dora Lassel, von der er sich aber 1946 wieder trennen sollte.

Von 1934 bis 1940 war er als Hörspielautor unter anderem für den Reichssender Berlin und den Deutschen Kurzwellensender tätig. In Hörspielen wie Die Magd und das Kind (1935) und Margarethe Minde (1939) deutete sich bereits seine Fähigkeit an, Politisches in versteckten Zitaten zu verschlüsseln. Ab 1941 diente er bei der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. 1945 geriet er in sowjetische Gefangenschaft.

Nachdem er einen Lehrgang an der Antifa-Schule Rüdersdorf absolviert hatte, begann Huchel 1945 als Dramaturg und persönlicher Referent des Sendeleiters beim Rundfunk der DDR. Er stieg 1946 zum Chefdramaturgen, dann zum Sendeleiter und 1947 schließlich zum Künstlerischen Direktor auf. In seinen 1948 veröffentlichten Arbeiten aus der Zeit nach 1925 zeigen sich die Kontraste zwischen Kindheitsidylle und Kriegs- und Fluchterfahrungen.

1949 wurde Huchel Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland. Im selben Jahr wurde er Chefredakteur der von Johannes R. Becher und Paul Wiegler gegründeten literarischen Zeitschrift Sinn und Form der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin, deren Mitglied er von 1952 bis 1971 war. 1951 wurde er mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. 1953 heiratete er Monica Rosenthal. 1956 war er als offizieller Vertreter der DDR auf der Biennale der Dichtung in Knokke.

Schon seit Beginn der 50er Jahre wurde Huchel wegen seiner systemübergreifenden künstlerischen Konzeptionen für Sinn und Form angegriffen. Auf Druck von offizieller Seite wurde Huchel 1953 zur Kündigung seines Redaktionspostens genötigt, was nur durch die Intervention Bertolt Brechts verhindert werden konnte. Als sich nach Brechts Tod 1956 die Angriffe auf Huchel wieder verschärften und seine Arbeit bei Sinn und Form in immer größerem Ausmaß behindert wurde, sah er sich 1962 endgültig zum Rücktritt gezwungen.

1963 erhielt er den Fontane-Preis für den im selben Jahr im bundesdeutschen Fischer Verlag erschienenen Lyrikband Chausseen, Chausseen. Da er sich weigerte, diesen West-Berliner Preis abzulehnen, durfte er in der Folgezeit in der DDR weder publizieren noch reisen. So konnte er weder 1965 einem Ruf an den Lehrstuhl für Poetik an die Universität Frankfurt folgen, noch 1968 zur Entgegennahme des Großen Kunstpreises von Nordrhein-Westfalen ausreisen. Ab 1968 wurde auch die an ihn gerichtete Post konfisziert. Die menschenverachtenden Schikanen durch das Stasi-System hat Huchel in seiner Lyrik eindrucksvoll geschildert.

Erst nach Interventionen der West-Berliner Akademie der Künste, der Präsidenten des Internationalen PEN-Zentrums und Heinrich Bölls wurde Huchel 1971 die Ausreise aus der DDR genehmigt und er verließ sein Haus in Wilhelmshorst für immer.

Er lebte in der Folgezeit zunächst in der Villa Massimo in Rom und ließ sich dann in Staufen im Breisgau nieder. 1972 veröffentlichte er den Gedichtband Gezählte Tage mit Werken aus der Zeit nach 1963.

Ehrungen[Bearbeiten]

1972 wurde ihm der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur verliehen, 1974 der Andreas-Gryphius-Preis und der Lessing-Ring zusammen mit dem Literaturpreis der deutschen Freimaurer. 1976 wurde er in den Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste aufgenommen. Im Jahr darauf wurde ihm der Europalia-Preis verliehen. Im Jahre 1979 wurde er mit dem Jacob-Burckhardt-Preis der Basler Johann-Wolfgang-von-Goethe-Stiftung und dem Eichendorff-Literaturpreis ausgezeichnet. Außerdem wurde er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Zu Ehren Peter Huchels wird seit 1984 der vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk gestiftete Peter-Huchel-Preis verliehen.

1992 wurde die Alexander-Abusch-Straße in Berlin-Hellersdorf in Peter-Huchel-Straße umbenannt.[1] Seit 2005 heißt die Hauptdurchgangsstraße von Wilhelmshorst Peter-Huchel-Chaussee. In seinem damaligen Wohnhaus befindet sich eine Gedenkstätte. Auch in Potsdam und Staufen im Breisgau gibt es eine nach ihm benannte Straße.

Wolf Biermann widmete Peter Huchel sein im Jahr 1968 veröffentlichtes Gedicht Ermutigung.

Werke[Bearbeiten]

Gedichte
  • Gedichte. Aufbau, Berlin 1948 (Lizenzausgabe: Stahlberg, Karlsruhe 1950).
  • Chausseen, Chausseen. Gedichte. Fischer, Frankfurt am Main 1963.
  • Die Sternenreuse. Gedichte 1925–1947. Piper, München 1967.
  • Gezählte Tage. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972.
  • Die neunte Stunde. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979.
  • Gesammelte Werke in zwei Bänden. Band 1: Die Gedichte. Band 2: Vermischte Schriften. Herausgegeben und erläutert von Axel Vieregg. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984.
  • Wegzeichen. Ein Lesebuch. Gedichte und Prosa, mit Grafiken und Interpretationen sowie Stimmen zu Huchel. Ausgewählt und herausgegeben von Axel Vieregg. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 1999, ISBN 3-931329-01-1.
  • Langsam dreht sich das Jahr ins Licht. Jahreszeitliche Gedichte aus der Mark Brandenburg/Peter Huchel, mit Fotografie von Sabine Breithor. Ausgewählt und herausgegeben von Axel Vieregg. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 2003, ISBN 3-931329-25-9.
  • Poesiealbum 277: Peter Huchel. Auswahl Bernd Jentzsch. 2007. 2. erweiterte Auflage: Auswahl Axel Vieregg. 2009, ISBN 978-3-931329-77-8.
Briefe

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Mayer (Hrsg.): Über Peter Huchel. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973.
  • Andreas Möller: Peter Huchel. In: Ursula Heukenkamp, Peter Geist (Hrsg.): Deutschsprachige Lyriker des 20. Jahrhunderts. Schmidt, Berlin 2006, ISBN 3-503-07999-8, S. 293–306.
  • Axel Vieregg (Hrsg.): Peter Huchel: Wegzeichen – Ein Lesebuch. Gedichte und Prosa mit Grafiken und Interpretationen sowie Stimmen zu Huchel. 1999, ISBN 3-931329-01-1.
  • Hub Nijssen, Lutz Seiler, Sebastian Kiefer, Ludwig Völker: Peter Huchels Spuren. 4 Essays. In: Sprache im technischen Zeitalter. Nr. 150, Juli 1999, ISSN 0038-8475, S. 136–216.
  • Thomas Götz: Die brüchige Idylle. Peter Huchels Lyrik zwischen Magie und Entzauberung. Frankfurt am Main [u.a.] 1999, ISBN 3-631-34117-2.
  • Hub Nijssen: Der heimliche König. Leben und Werk von Peter Huchel. Nijmegen 1995. Erweiterte Ausgabe: Würzburg 1998.
  • Axel Vieregg: Die Lyrik Peter Huchels. Zeichensprache und Privatmythologie. Berlin 1976.
  • Christoph Meckel: Hier wird Gold gewaschen. Erinnerungen an Peter Huchel. Libelle, Lengwil 2009, ISBN 3-905707-38-1.
  • Christof Siemes: Das Testament gestürzter Tannen. Das lyrische Werk Peter Huchels. Rombach, Freiburg im Breisgau 1996, ISBN 3-7930-9128-7.
  • Peter Walther (Hrsg.): Peter Huchel. Leben und Werk in Texten und Bildern. Insel, Frankfurt am Main, Leipzig 1996.
  • Eduard Zak: Der Dichter Peter Huchel: Versuch einer Darstellung seines lyrischen Werkes. Neues Leben, Berlin 1953.
  • Kurzbiografie zu: Huchel, Peter. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Vertonungen[Bearbeiten]

  • Unter der blanken Hacke des Mondes, 5 Lieder für Bariton und Orchester, 1974–1976 Francis Burt
  • Atmen, durch die Kehle des Schilfrohrs, 17 Lieder für Bariton und Klavier, 1993, Wolfgang Schoor
  • ...zu den zerbrochenen Ziegeln Babels, 3 Gesänge für Bassbariton und Orchester, 1998, Thomas Blomenkamp
  • Über den Jägern jagt der größere Hund, 12 Lieder für Bariton und Klavier, 2007, Tobias Rank

Film[Bearbeiten]

  • 1973: Peter Huchel. Eine Produktion des Saarländischen Rundfunks/Fernsehen (15 Minuten). Buch und Regie: Klaus Peter Dencker

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peter Huchel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter-Huchel-Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)