Peter II. (Russland)

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Peter II. Alexejewitsch (russisch Пётр II Алексеевич; * 12. Oktoberjul./ 23. Oktober 1715greg. in Sankt Petersburg; † 18. Januarjul./ 29. Januar 1730greg.[1] in Moskau) war Kaiser[2] von Russland von 1727 bis 1730.

Peter II.

Leben[Bearbeiten]

Er war der Sohn des „unglücklichen“ Zarewitsch Alexei von Russland und dessen Gemahlin Charlotte Christine, Tochter von Herzog Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel.
Nach dem Tod der Zarin Katharina I., der Witwe Peters I., bestieg Peter II. im Alter von zwölf Jahren den Thron als dessen Enkel. Er hatte eine unglückliche Kindheit hinter sich, sein Vater wurde ermordet und seine Mutter war bald nach seiner Geburt gestorben.

Thronerbe[Bearbeiten]

Katharina hatte in ihrem Testament Alexander Menschikow und ihre beiden Töchter Anna und Elisabeth zu Vormündern des Jungen bestimmt. Elisabeth hatte keine politischen Ambitionen; Anna verließ unter Menschikows Druck Russland und ging mit ihrem Mann nach Kiel, wo im Februar 1728 ihr Sohn Peter Ulrich, der spätere Peter III. geboren wurde. Als Kind wuchs Peter überwiegend bei seiner Großmutter, der Zarin Jewdokija, auf. Nach der Thronübernahme dauerte es nicht sehr lange und die Machtkämpfe begannen auf ein Neues.

Regierungszeit[Bearbeiten]

Menschikow, einer der reichsten Männer Russlands, versuchte mit Hilfe des jungen Zaren seine Macht weiter zu stärken. Er arrangierte eine Verlobung seiner Tochter mit Peter II. Doch die einflussreiche Fürstenfamilie der Dolgoruki (siehe unten) verachtete den Emporkömmling und betrieb seine Entmachtung. Am 20. September 1727 wurde er verhaftet und zusammen mit seiner Familie nach Berjosow im damaligen Gouvernement Tobolsk verbannt.

Nun unter dem Einfluss der Dolgorukis stehend, verlegte Peter II. den Hof nach Moskau und wurde dort am 7. März 1728 gekrönt. Im Dezember 1729 verlobte er sich mit Jekaterina Dolgorukowa; die Vermählung wurde auf den 2. Februar 1730 festgesetzt. Ende Januar aber kehrte der Zar krank von der Jagd nach Hause zurück und starb kurze Zeit danach an den Pocken. Mit ihm ging die Stammfolge der männlichen Romanows zu Ende, er hatte zwei Jahre und neun Monate auf dem russischen Thron gesessen. Als Zar und Kaiser war er nur ein Spielball der Drahtzieher Menschikow, Dolgoruki und Golizyn. Peter II. wurde als einziger Zar nicht in der Peter-und-Paul-Kathedrale beigesetzt, sondern in Moskau.

Nachfolge und Machtkampf[Bearbeiten]

Es war dem Obersten Geheimen Rat beim Tode des jungen Zaren nicht gelungen, sich auf einen männlichen Thronfolger zu einigen. Zur Nachfolgerin auf dem Thron fiel die Auswahl auf seine Halbtante 2. Grades (also die Halbcousine seines Vaters), Anna Iwanowna.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieser Artikel wird im Wesentlichen belegt durch die Biografie von Henri Troyat: Peter der Grosse. Zar, Reformer, Despot, Heyne Verlag, München, ISBN 3-453-55148-6, S. 364–365
  • Hans-Joachim Torke (Hrsg.): Die russischen Zaren 1547–1917. Verlag C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-42105-9
  • E.M. Almedingen: Die Romanows – Die Geschichte einer Dynastie, Russland 1613–1917. Verlag Ullstein, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-548-34952-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peter II. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Epitaph am Grab Peters II. Inschrift nach T.D. Panowa: Das Kremlgrab, Moskau 2003 (russisch), S. 83
  2. Im zeitgenössischen Sprachgebrauch des In- und Auslandes blieb es üblich, entgegen Würdeanspruch des Kaiserreichs weiter vom Zaren zu sprechen, um den Fortbestand der spezifisch russischen Wirklichkeit in Form des Moskauer Zarenreiches, das Grundlage des neuen Imperiums war, zu betonen. „Dies führte im 19. Jahrhundert zu einer nicht quellengerechten Begriffssprache in der Literatur und zu einem überkommenen Begriffsapparat in der deutschen Literatur“. Hans-Joachim Torke in: Die russischen Zaren. 1547-1917, S. 8; Hans-Joachim Torke: Die staatsbedingte Gesellschaft im Moskauer Reich, Leiden, 1974, S. 2; Reinhard Wittram: Das russische Imperium und sein Gestaltwandel, in: Historische Zeitschrift Band 187, Heft 3 (Juni 1959), R. Oldenbourg, München 1959, S. 568-593, hier S. 569
Vorgänger Amt Nachfolger
Katharina I. Kaiser von Russland
1727–1730
Anna