Peter Lenk

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Die Imperia in der Konstanzer Hafeneinfahrt

Peter Lenk (* 6. Juni 1947 in Nürnberg) ist ein deutscher Bildhauer aus Bodman-Ludwigshafen am Bodensee. Er stellt auf satirische Art direkt heraus von ihm empfundene gesellschaftliche Missstände dar.[1]

Frühe Aktionen[Bearbeiten]

Der Bodenseereiter, Martin Walser auf dem Brunnen in Überlingen
Der Esel auf dem Marktplatz von Biberach
Die Magische Säule in Meersburg
Skulptur Ludwigs Erbe Ludwigshafen am Bodensee, Detail
Ausschnitt Säule und Brunnen in Herrenberg
Gesamtansicht des sogenannten Pimmel über Berlin (eigentlich Friede sei mit Dir) am TAZ-Gebäude in Berlin
Skulptur "Kampf um Europa" von Peter Lenk in Radolfzell am Bodensee (Ausschnitt)

In den 1980er Jahren machte Lenk vor allem durch ungenehmigte Aktionen auf sich aufmerksam. Dazu gehörten

  • die 12 Tonnen schwere Skulptur „Schwäbische Floßfahrer“, unter dem Motto „Wir wollen in Frieden weiterfressen“ auf dem Berliner Kurfürstendamm.[2]
  • anlässlich des 25. Jahrestages des Berliner Mauerbaus die „Mauerkieker“ gegenüber dem Checkpoint Charlie. Im polizeilichen Protokoll erklärt Lenk: „Wenn die Vopos lachen, dann schießen sie nicht“.[3]
  • zur 750-Jahr-Feier in Berlin, als ungenehmigter Beitrag zum Berliner Skulpturen-Boulevard[4] platzierte Lenk die 12 Meter lange „Narrenschiff“-Skulptur auf einem Tieflader mitten auf den Breitscheidplatz gleich neben der Gedächtniskirche. Sein mobiles Monument musste schon am Folgetag entfernt werden, weil an ebendiesem Ort eine kirchliche Kundgebung geplant war und auf dem Schiff auch „zwei verschrumpelte Bischöfe und ein hermaphroditischer Kardinal“ zu sehen waren. Lenk gibt an, dass er damals 105 DM Strafe zahlen musste und einen Punkt in Flensburg wegen „Abstellen von Schiffen auf öffentlichem Straßenland“ erhielt.[5]
  • auf dem Münsterplatz in Bonn errichtete er die Skulptur „Dionysos im Fettnäpfchen“ (eine Anspielung auf Helmut Kohl) mit der Wahlwidmung „Den Siegern 1987“.[6]

Hauptwerke[Bearbeiten]

Zu seinen überregional bekannten Werken gehören die Imperia (1993) in der Konstanzer Hafeneinfahrt, das Triptychon Ludwigs Erbe (2008) am ehemaligen badischen Zollhaus in Ludwigshafen am Bodensee sowie der sogenannte Pimmel über Berlin (2009).

In Konstanz befinden sich darüber hinaus der Konstanzer Triumphbogen (Laubebrunnen) von 1992 und die 14 Meter hohe Betonplastik mit dem Titel „Karriereleiter“ vor dem Bürogebäude Max-Stromeyer-Straße 116 im Businesspark Konstanz.

Einen Eklat provozierte Lenk in Überlingen, wo er nahe der Schiffsanlegestelle den ortsansässigen „Dichterfürsten“ Martin Walser als Figur auf dem Bodenseereiter-Brunnen verewigte, wie er unvorteilhaft als Reiter über den Bodensee auf einem alten Gaul sitzt, mit Schlittschuhen statt Sporen an den Füßen auf dem „dünnen Eis der deutschen Geschichte“ (Lenk), umgeben von eher älteren nackten Wasserjungfrauen.

Ein weiteres Objekt ist der „Esel“ auf dem Marktplatz in Biberach an der Riß.

In Pfullendorf stellte Lenk Graf Lennart Bernadotte, den ehemaligen Besitzer der Mainau, als nackten Schmetterlingsmann auf eine Säule, mit einem riesigen „Bestäuber“ zwischen den Beinen. Der Graf war als fortpflanzungsfreudig bekannt.

Ein weiteres Werk von Lenk steht seit Sommer 2003 in Lauffen am Neckar in der Mitte eines Verkehrskreisels und nennt sich Hölderlin im Kreisverkehr.

In Ravensburg wurde in der Bachstraße vor dem ehemaligen Gasthaus zur Krone ein Denkmal an das Schicksal der „Schwabenkinder“ aus Tirol, Graubünden und Vorarlberg aufgestellt. Auf den Schultern eines kleinen Schwabenkindes sitzen Knecht und Geistlicher in erdrückender Fülle. Die armen „Schwabenkinder“ wurden während des Winters aus ihrer kargen, notleidenden, bergbäuerlichen Umgebung in das reiche Schwabenland auf die Verdingmärkte geführt.

In Stockach sieht man den Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping vierfach auf einem U-Boot salutierend stehen, zu dem Ensemble gehört auch eine dralle Nackte. Und auf dem Giebel der Unteren Apotheke (in der Oberstadt) sitzt sein Ehrenwortbube.

Am 3. Oktober 2004 wurde in der Markgrafenstadt Schopfheim eine monumentale Skulptur Lenks zum Thema „Badische Revolution 1848/1849“ und ihrer Niederschlagung durch preußische Truppen enthüllt. Es sind Figuren aus grauem Beton auf einem 3,50 Meter hohen und 20 Meter langen Schwebebalken. Man erkennt den damaligen baden-württembergischen Ministerpräsident Erwin Teufel 6-fach als preußischen Soldaten mit Pickelhaube auf dem Kopf und bajonettbewehrtem Gewehr. Die Gruppe stürmt auf den undisziplinierten Haufen badischer Revolutionäre zu. Einen davon verkörpert das Mitglied der 1968er-Bewegung, der Kommunarde Fritz Teufel. Er hat sich eine Teufel-Kasperlefigur mit Pickelhaube auf den Daumen gestülpt und zieht damit den Abzug seiner Pistole. Sein Ziel: Die heranstürmenden Teufel-Klone: „Der Teufel schießt mit dem Teufel auf den Teufel“, witzelt Lenk. Weiter erkennt man die badischen Revolutionäre Friedrich Hecker, Gustav Struve, Emma Herwegh (sie zeigt die nackte Kehrseite) und Heckers Hund, einen bissigen Schopfheimer Mischling, der Hecker zulief und ihn begleitete.

Ebenfalls aus dem Jahr 2004 stammen drei Brückenfiguren in Hirsau, die den Gründer des Klosters, Abt Wilhelm, seinen Zerstörer Melac und eine gleichgültige Zeugin zeigen.

Ein weiteres Kunstwerk ist die Magische Säule auf der Hafenmole in Meersburg. In dem filigranen Werk werden Begebenheiten und Persönlichkeiten aus der Geschichte der Stadt Meersburg dargestellt. Auf dem oberen Ende der Säule sitzt Annette von Droste-Hülshoff als freie Möwe; einige Meter unter ihr schwebt der „Meersburger Amor“, der auf den Freiherrn Joseph von Laßberg zielt. Dieser ist als eine Art Don Quichotte der Bodenseegegend dargestellt und erhebt einen Knüppel oder auch eine zusammengerollte Handschrift in Richtung Stadt. Auf einem Ausleger auf der anderen Säulenseite befindet sich ein Käfig, in dem die Wissenschaftler Maximilian Hell, Anton von Störck und Jan Ingenhousz eingeschlossen sind, während auf dem Dach des Käfigs Franz Anton Mesmer mit einem riesigen hufeisenförmigen Magneten in den Händen triumphiert. Rechts unterhalb der Laßberg-Figur befindet sich eine Darstellung der Wendelgard von Halten; am Fuß der Säule treibt der Exorzist Johann Joseph Gaßner vor dem staunenden Publikum diverse Teufel aus, während der Fürstbischof Franz Konrad von Rodt den Blick zum Himmel erhebt und ein Kreuz in der erhobenen Hand hält.

In Herrenberg befindet sich in zentraler Lage das Standbild „Pendelschlag 2000 Jerg Ratgeb, Köche und ein Mops“, welches verschlüsselt die Hinrichtung (Vierteilung) des Malers Jerg Ratgeb im Jahre 1526 aufgrund seiner führenden Teilnahme am Bauernkrieg darstellt. Jerg Ratgeb hat den Herrenberger Altar geschaffen, so dass Lenks Referenz sowohl politisch wie auch künstlerisch begriffen werden kann. In Herrenberg-Gültstein befinden sich zudem mehrere Figuren von Peter Lenk im Außenbereich des Hotel „Römerhof“ (u. a. ein Modell der Imperia und „Perseus“ ohne Schwert).[7]

2008 wurde sein erstes Werk in seiner Heimatgemeinde Bodman-Ludwigshafen enthüllt. Vor dem Rathaus in Ludwigshafen, dem ehemaligen badischen Hauptzollamt am Hafen, befindet sich ein dreiteiliges Relief mit dem Titel „Ludwigs Erbe“. Ausgehend von der Umbenennung Sernatingens in Ludwigshafen in der badischen Zeit werden weitere Ungereimtheiten der Geschichte thematisiert. Unter anderem sind fünf nackte Politiker dargestellt, die sich gegenseitig an die Genitalien fassen.[8] Die auf dem Teilrelief „Global Players“ dargestellten fünf nackten Personen sind Angela Merkel, Gerhard Schröder, Hans Eichel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle.[9][10].

Im November 2009 kommentierte Lenk mit dem in den Medien so genannten[11][12] Pimmel über Berlin, einem Relief an der Fassade des taz-Redaktionsgebäudes, eine langjährige Auseinandersetzung zwischen taz und Bild-Chefredakteur Kai Diekmann.[13]

Eine künstlerische Zusammenarbeit mit seiner Tochter Miriam Lenk ist Ende November 2011 unter dem Titel „Ausgrabungen“ in der Oberen Vorstadt im Albstadter Stadtteil Ebingen (Zollernalbkreis) enthüllt worden. Es enthält Anspielungen auf Claudia Roth, Joschka Fischer, Stefan Mappus und Thilo Sarrazin. Die Skulpturen Strauß und Molch sind von Miriam Lenk.[14]

Eine zwölf Meter hohe Installation aus dem Jahr 2012 in Emmingen-Liptingen ist der Schelmenbaum. Auf dem ersten Ast haben die Mensch-Affen-ähnlichen Plagiatoren erkennbare Gesichtszüge. Auf dem zweiten Baumast symbolisieren die beiden streitenden Narrenzünfte „Buchenberger“ und „Schlehenbeißer“ widerstreitende Strömungen in der Doppelgemeinde. Im oberen Geäst ist die kriechende Figur eines Lebemannes in Richtung einer Schönen mit Irokesenschnitt persifliert. Im Baumwipfel hängt eine Figur kopfüber.[15][16][17]

Im Juli 2013 folgte in Radolfzell die 13 Meter hohe Skulptur „Kampf um Europa“, die die deutsche Europapolitik thematisiert. Hier sind u.a. Angela Merkel, Peer Steinbrück und Andreas Voßkuhle dargestellt. [18]

Künstlerische Philosophie[Bearbeiten]

Seine Werke stoßen immer wieder auf heftige Kritik, da er bewusst Tabus verletzt, zum Beispiel durch die Darstellung nackter Prominenter.[19] Peter Lenk über seine Werke in einem Interview: „Der Boden, um meine Werke in meiner Denkweise zu schaffen, ist nur in Deutschland vorhanden. Die Deutschen sind noch am ehesten zur Selbstironie fähig und auch tolerant genug, meine Provokationen zu ertragen und zu verstehen. Doch auch hier stoße ich oft auf starken Widerstand“.[20]

Gesammelte Freilichtskulpturen[Bearbeiten]

In Bodman am Hang der Kaiserpfalzstraße Richtung Ludwigshafen sind einige seiner Entwürfe und Werke in einer Art Freilichtausstellung zu sehen.[21] Anhand der Objekte lassen sich gewissermaßen die Entwicklungsphasen seiner Kunst begreifen.

Bücher[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Das ist doch Heuchelei.“ Das Sommerinterview von Uli Fricker mit Peter Lenk. In: Südkurier vom 3. August 2012
  2. Aus dem Klappentext zu Peter Lenk: Skulpturen – Bilder Briefe Kommentare
  3. Aus dem Klappentext zu Peter Lenk: Skulpturen – Bilder Briefe Kommentare
  4. kunstbruecke.de: Peter Lenk
  5. IRIS® Media 2010:„Global Players“ statt „Pyronale“
  6. Der Spiegel 7/1987, S. 210. Online-Facsimile
  7. Hotel Römerhof, Gültstein
  8. Mitteldeutsche Zeitung – Wenn Frau Merkel nach Stoibers Penis greift….
  9. Timo Frasch: „Nicht ohne seinen Pimmel“, in: FAZ vom 21. September 2008, Nr. 38, S. 4
  10. „Nackte Kanzlerin tanzt mit Schröder“ in taz.de
  11. ftd.deVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  12. [1] in Frankfurter Rundschau vom 18. Juni 2010
  13. Pimmel über Berlin auf taz.de vom 17. November 2009
  14. Albstädter reagieren positiv auf Lenks Skulpturen. Bildhauer enthüllt Karikaturen von Mappus, Fischer und Sarrazin – Alles streng geheim. In: Schwäbische Zeitung. 20. Dezember 2011
  15. Uli Fricker: Baden-Württemberg: Ein Schelm, wer Gutes dabei denkt. In: Südkurier. 13. Oktober 2012
  16. Uli Fricker: Baden-Württemberg: Zwei Doktoren sind genug. In: Südkurier. 16. Oktober 2012
  17. Gemeinde Emmingen-Liptingen: Lenk-Skulptur. 18. Oktober 2012
  18. [2] Stuttgarter Zeitung vom 13. Juli 2013
  19. Sendung Wunderschön! über den Bodensee mit Tamina Kallert im 3. Fernsehprogramm des WDR vom 17. August 2008, 20:15-21:45 mit einem Interview mit Lenk in seinem Künstler-Garten in Bodman
  20. o.V.: „Nicht um Erlaubnis Fragen, sondern machen“ in: Seesommer Bodensee 2006, S. 8 f.
  21. Diese Freilichtaustellung mit Kommentaren Lenks zur Bedeutung der Darstellungen wird gezeigt innerhalb: Gernstls Deutschlandreise (19). Reisereportage: Von Basel zum Bodensee (2/3). Produktion Bayerischer Rundfunk 2007. Ausgestrahlt von BRalpha am 12. Juni 2010, 20:00-20:15

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peter Lenk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien