Peter Rosei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Peter Rosei (2009)

Peter Rosei (* 17. Juni 1946 in Wien) ist ein österreichischer Romancier und Essayist.

Leben[Bearbeiten]

Peter Rosei ist der Sohn eines Eisenbahnbeamten und einer Ladenbesitzerin. Er wuchs in Wien auf, wo er das Gymnasium besuchte und seine Reifeprüfung mit Auszeichnung bestand. Anschließend studierte er an der Universität Wien Jus. 1968 promovierte er dort zum Doktor der Rechtswissenschaften. Von 1969 bis 1971 war er Sekretär und Manager des Wiener Malers Ernst Fuchs. Danach leitete er für kurze Zeit einen Schulbuchverlag. Seit 1972 lebt er als freier Schriftsteller in Wien, von 1975 bis 1981 in Bergheim bei Salzburg, danach wieder in Wien. Aus der Salzburger Zeit datierte seine enge Freundschaft mit H. C. Artmann, die bis zu dessen Tod andauerte. Weiters gehörten Gerhard Amanshauser und Helmut Eisendle zum Salzburger Freundeskreis. Rosei unternahm und unternimmt immer wieder ausgedehnte Reisen, ja er gilt als der Reisende schlechthin. Unter anderem war er Writer in Residence an amerikanischen Universitäten, unterrichtete in Japan, zuletzt auch an der Universität für Angewandte Kunst in Wien sowie an der Universität Wien. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Mit seiner Frau Christiana lebte er in Italien und übersetzte aus dem Italienischen. Der Bildhauer Franz Rosei ist ein Bruder Peter Roseis.

Peter Rosei hat eines der umfangreichsten Werke der neueren Literatur deutscher Sprache geschaffen. Neben Bernhard, Handke und Jelinek ist sein Werk durchaus repräsentativ für die Literatur dieser Zeit. Sein schriftstellerisches Debüt hatte Rosei 1972 mit dem Erzählband Landstriche, seinen ersten großen Erfolg 1977 mit dem Roman Wer war Edgar Allan? In den siebziger Jahren zählte er mit Autorinnen und Autoren wie Barbara Frischmuth, Alois Brandstetter, Franz Innerhofer, Gernot Wolfgruber und Gert Jonke zu einer Art „Residenz-Kultur“, gewissermaßen das österreichische Gegenstück zur deutschen „Suhrkamp-Kultur“. Von 1990 bis 2005 erschienen seine großen Prosaprojekte beim renommierten Stuttgarter Verlag Klett-Cotta. Der Verlag legte auch eine mehrbändige Ausgabe des frühen Werkes vor. Später kehrte Rosei wieder zum Residenz Verlag zurück. Nebenher verfasste Rosei Gedichte, zahlreiche Hörspiele, auch Filmdrehbücher, darunter zum Film Wer war Edgar Allan?, bei dem Michael Haneke Regie führte. Obgleich es durchaus stilistische und motivische Kontinuität erkennen lässt, gliedern deutliche Zäsur das Werk Peter Roseis. Die Eindrücklichkeit und Musikalität seiner Prosa sind unverwechselbar. Dominierte in den frühen Publikationen ein nüchterner, protokollarischer Ton, der Gesellschaft wie Natur mit radikalem Pessimismus schilderte – stellvertretend sei der Entwurf für eine Welt ohne Menschen (1975) genannt –, wich er später einer eher melancholischen bzw. sarkastischen Betrachtungsweise. Zugleich wurden die Bücher auf einen größeren Handlungsspielraum hin angelegt. Das Neue an der späteren Vorgehensweise war insbesondere der Versuch, durch multiperspektivisches Erzählen eine Totalität gesellschaftlicher Wirklichkeit zu schaffen. „Im so verfassten Kunstwerk tritt der Erzähler zurück, schafft freie Urteilsräume für den Leser.“ Mehrfach sind die späteren Bücher Roseis in Zyklen organisiert, wie etwa das 15000-Seelen-Projekt aus den achtziger Jahren oder zuletzt auch die Wiener Dateien, beginnend mit dem Roman Wien Metropolis (2005). Darin versucht Rosei die österreichischen Befindlichkeiten in einer globalisierten Welt beispielhaft darzustellen. Seine Philosophie als Künstler hat Rosei in zahlreichen Essays konkretisiert. Vor allem sind hier seine Beiträge zu einer Poesie der Zukunft (1995) zu nennen. Nebenher hat er als engagierter Zeitgenosse zu den gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Verhältnisse in Österreich und der Welt immer wieder Stellung genommen.

Peter Rosei, der bis zu seinem Austritt von 1973 bis 1978 der Grazer Autorenversammlung angehörte, erhielt u. a. 1973 den Rauriser Literaturpreis, 1980 den Literaturpreis des Kulturfonds der Landeshauptstadt Salzburg, 1986 das Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien, 1987 den Literaturpreis der Salzburger Wirtschaft, 1991 den Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, 1993 den Franz-Kafka-Preis, 1997 den Literaturpreis der Stadt Wien, 1999 den Anton-Wildgans-Preis und 2007 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

Werke[Bearbeiten]

Peter Rosei liest aus Das große Töten (2009)
  • Landstriche, Salzburg 1972
  • Bei schwebendem Verfahren, Salzburg 1973
  • Wege, Salzburg 1974
  • Entwurf für eine Welt ohne Menschen. Entwurf zu einer Reise ohne Ziel, Salzburg 1975
  • Klotz spricht mit seinem Anwalt, München 1975
  • Der Fluß der Gedanken durch den Kopf, Salzburg 1976
  • Wer war Edgar Allan?, Salzburg 1977 (1984 verfilmt von Michael Haneke, mit Paulus Manker und Rolf Hoppe)
  • Nennt mich Tommy, München 1978
  • Von hier nach dort, Salzburg/Wien 1978
  • Alben, Erlangen 1979
  • Chronik der Versuche, ein Märchenerzähler zu werden, Weinheim 1979
  • Innenhof, St. Pölten 1979 (zusammen mit Johann Kräftner)
  • Das Lächeln des Jungen, Salzburg/Wien 1979
  • Regentagstheorie, Salzburg/Wien 1979
  • Das schnelle Glück, Salzburg/Wien 1980
  • Frühe Prosa, Salzburg/Wien 1981
  • Die Milchstraße, Salzburg/Wien 1981
  • Tage des Königs, Frankfurt am Main 1982
  • Versuch, die Natur zu kritisieren, Salzburg/Wien 1982
  • Reise ohne Ende, Frankfurt am Main 1983
  • Komödie, Salzburg/Wien 1984
  • Landstriche, Wege, Verstreutes, Reinbek bei Hamburg 1984
  • Mann & Frau, Salzburg/Wien 1984
  • Franz und ich, Stuttgart 1985
  • 15000 Seelen, Salzburg/Wien 1985
  • Die Wolken, Salzburg/Wien 1986
  • Der Aufstand, Salzburg/Wien 1987
  • Unser Landschaftsbericht, Salzburg/Wien 1988
  • Die Schuldlosen, Frankfurt am Main 1990
  • Rebus, Stuttgart 1990
  • Aus den Aufzeichnungsbüchern, Stuttgart 1991
  • Der Mann, der sterben wollte samt einer Geschichte von früher, Stuttgart 1991
  • Tage des Königs, Uraufführung, Regie: Martin Kušej, Schauspielhaus Graz
  • Fliegende Pfeile, Stuttgart 1993
  • Beiträge zu einer Poesie in der Zukunft, Graz 1995
  • Persona, Stuttgart 1995
  • Kurzer Regentag, Wien/Bozen 1997
  • Verzauberung, Frankfurt am Main 1997
  • Naturverstrickt, Wien 1998
  • Viel früher, Graz 1998
  • Liebe & Tod, Wien 2000
  • St. Petersburg, Paris, Tokyo ..., Wien 2000
  • Album von der traurigen und glücksstrahlenden Reise, Graz 2002
  • Liebe / Kunst / Natur, Uraufführung im Rahmen des Donaufestivals, Regie und Ausstattung: Eva Hosemann - Stephan Bruckmeier
  • Dramatisches I, Wien 2002
  • Dramatisches II, Wien 2004
  • Wien Metropolis, Stuttgart 2005
  • Die sog. Unsterblichkeit, Wien 2006
  • Österreichs Größe, Österreichs Stolz. Ideentheater, Wien 2008
  • Das große Töten, St. Pölten/ Salzburg, 2009
  • Geld!, St. Pölten/ Salzburg, 2011
  • Madame Stern, St. Pölten/Salzburg/Wien 2013
  • Die Globalisten, St. Pölten/Salzburg/Wien 2014

Herausgeberschaft[Bearbeiten]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Literatur/Auswahl[Bearbeiten]

  • Wilhelm Schwarz (Hrsg.): Gespräche in Kanada, Frankfurt am Main 1992
  • Gerhard Fuchs, Günther A. Höfler (Hrsg.): "Dossier Peter Rosei", Graz 1994
  • Walter Vogl (Hrsg.): "Basic Rosei", Wien 2000
  • Clemens K. Stepina (Hrsg.): Advanced Rosei, Wien 2011

Archiv[Bearbeiten]

Der Großteil von Peter Roseis Manuskripten, Briefen und anderen Materialien befindet sich seit 2010 als Vorlass in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek. Kleinere Konvolute sind im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek und in anderen Sammlungen aufbewahrt.

Weblinks[Bearbeiten]