Peter Schäfer (Judaist)

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Peter Schäfer (* 29. Juni 1943 in Hückeswagen) ist ein deutscher Judaist. Er gilt als einer der führenden Judaisten für die Zeit der Antike und des frühen Mittelalters. Schäfer ist der einzige Wissenschaftler, der sowohl den Mellon Award (2006) als auch den Leibniz-Preis (1994) erhalten hat. Seit 1. September 2014 leitet er in der Nachfolge W. Michael Blumenthals als Direktor das Jüdische Museum Berlin.[1]

Leben[Bearbeiten]

Nach seinem Abitur 1962 am altsprachlichen Zweig des nachmaligen Otto-Pankok-Gymnasiums in Mülheim an der Ruhr studierte Peter Schäfer vier Semester katholische Theologie[2], Philosophie und Judaistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, weitere zwei Jahre mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Hebräischen Universität Jerusalem und zuletzt an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 1968 wurde er in Freiburg bei Arnold Maria Goldberg zum Dr. phil. promoviert. Nach einer Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen habilitierte er sich 1973 in Judaistik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. 1974 erhielt er einen Ruf an die Universität zu Köln auf die außerplanmäßige Professur für Judaistik am Martin Buber-Institut; 1983 wurde er ordentlicher Professor in Köln. 1984 wechselte er an die Freie Universität Berlin und wurde dort Direktor des Instituts für Judaistik.

1992 wurde er Member am Institute for Advanced Study in Princeton und war dort zudem von 1994 bis 1996 Visiting Mellon Professor. 1998 bis 2003 hatte Schäfer an der Princeton University in New Jersey als erster Lehrstuhlinhaber das „Ronald O. Perelman Professorship of Judaic Studies“ inne und war „Professor of Religion“. Von 2005 bis 2013 war er dort auch Direktor des Studienprogramms in Judaistik. An der FU wurde er bis zu seiner Emeritierung (2008) beurlaubt.

Wirken[Bearbeiten]

Peter Schäfer, der fließend Englisch und Hebräisch spricht, war Gastprofessor an mehreren Universitäten und ist in zahlreichen Gremien engagiert. 1983 bis 1985 war er Vorsitzender des Verbandes der Judaisten in der Bundesrepublik Deutschland e.V. Seit 1997 ist er Foreign Member der American Philosophical Society und seit 2006 Fellow an der American Academy for Jewish Research. 2002/2003 wurde er Fellow am Historischen Kolleg in München und 2007/2008 am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Schäfer ist ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und dort in der „Kommission Martin Buber-Werk-Ausgabe“ engagiert.

Schäfer erhielt 1994 den Leibniz-Preis der Deutsche Forschungsgemeinschaft, den höchsten deutschen Wissenschaftspreis. Im Dezember 2006 wurde er mit dem „Andrew W. Mellon Foundation Distinguished Achievement Award“, kurz: Mellon Award, ausgezeichnet für seine maßgebliche Initiative, die Tradition jüdischer Studien in Deutschland wiederzubeleben. Bei dem mit 1,5 Millionen Dollar dotierten Preis handelt es sich um die höchste Ehrung für Geisteswissenschaftler in den USA. Weitere Ehrungen, die Schäfer zuteil wurden, waren der Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft (2008), der Dr. Leopold Lucas-Preis (2014) und der Reuchlin-Preis (2015).

1992 wurde er mit der Ehrendoktorwürde der Universität Utrecht ausgezeichnet und 2007 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Tel Aviv, Israel, geehrt.

Schäfer hat zahlreiche Bücher und wissenschaftliche Arbeiten publiziert.

Würdigung[Bearbeiten]

In der Begründung der Andrew W. Mellon Foundation zur Verleihung des Mellon Award 2006 heißt es, „Prof. Schäfer zähle zu den bedeutendsten Judaistik-Forschern für die Zeit der Antike und des frühen Mittelalters. Der Einfluss seines wissenschaftlichen Werks reiche allerdings weit über das Fach der Judaistik hinaus. So prägten seine historischen und analytischen Arbeiten die Forschung in anderen geistes- und religionswissenschaftlichen Feldern, darunter die Forschung über Mystik, über die Literatur der Renaissance und über das frühe Christentum. Prof. Schäfer habe maßgeblich dazu beigetragen, die Tradition jüdischer Studien in Deutschland wiederzubeleben und damit die Wissenschaftslandschaft in anderen europäischen Staaten beeinflusst.“[3]

Mit dem ihm 2014 zuerkannten Dr. Leopold Lucas-Preis der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen wurde Schäfers „herausragender Beitrag zur Erforschung der Geschichte, der Literatur und der Theologie des antiken und frühmittelalterlichen Judentums“ gewürdigt.[4]

2015 verlieh die Stadt Pforzheim Schäfer den Reuchlin-Preis, um ihn als einen „der bedeutendsten Judaisten unserer Zeit, der sich mit seinen Forschungen zu den christlich-jüdischen Religionsbeziehungen herausragende Verdienste erworben hat“, zu ehren.[5]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Als Autor:

  • Die Vorstellung vom heiligen Geist in der rabbinischen Literatur (= Studien zum Alten und Neuen Testament. Bd. 28). Kösel, München 1972, ISBN 3-466-25328-4 (= Dissertation, Universität Freiburg im Breisgau, 1968/69).
  • Geschichte der Juden in der Antike. Die Juden Palästinas von Alexander dem Großen bis zur arabischen Eroberung. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1983, ISBN 3-460-32021-4. Rezension von Jan Thomas Nelis in: Journal for the Study of Judaism. Volume 14, Number 2, 1983, S. 221–224.
    • 2., durchgesehene Auflage: Geschichte der Juden in der Antike. Mohr Siebeck/UTB, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150218-7
  • Judeophobia: Attitudes toward the Jews in the Ancient world. Harvard University Press, Cambridge 1997, ISBN 0-674-48777-X.
    • Dt. Übersetzung: Judenhass und Judenfurcht. Die Entstehung des Antisemitismus in der Antike. Verlag der Weltreligionen, Berlin 2010, ISBN 978-3-458-71028-8.
  • Jesus in the Talmud. Princeton University Press, Princeton 2007, ISBN 978-0-691-12926-6
  • Die Geburt des Judentums aus dem Christentum. Fünf Vorlesungen zur Entstehung des rabbinischen Judentums (= Tria Corda. Bd. 6). Mohr Siebeck, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150256-9.
  • The origins of Jewish mysticism. Mohr Siebeck, Tübingen 2009, ISBN 978-3-16-149931-9.
    • Dt. Übersetzung: Die Ursprünge der jüdischen Mystik. Verlag der Weltreligionen, Berlin 2011, ISBN 978-3-458-71037-0.
  • The Jewish Jesus: How Judaism and Christianity Shaped Each Other. Princeton University Press, Princeton and Oxford 2012, ISBN 978-0-691-15390-2.

Als Herausgeber:

  • mit Leora Batnitzky Hrsg. der vierteljährlich erscheinenden Fachzeitschrift für Judaistik: Jewish Studies Quarterly (JSQ), Mohr Siebeck, Tübingen.
  • (mit Irina Wandrey) Reuchlin und seine Erben: Forscher, Denker, Ideologen und Spinner. Thorbecke, Ostfildern 2005, ISBN 3-7995-5981-7.
  • Wege mystischer Gotteserfahrung: Judentum, Christentum und Islam (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien, Bd. 65). Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-58006-X.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jüdisches Museum Berlin Pressemitteilung vom 19. Juni 2014: Wechsel an der Spitze des Jüdischen Museums Berlin, abgerufen am 19. Juni 2014
  2. [1] Barbara Beuys in die Zeit Nr. 47 vom 18. Nov. 1994
  3. Renommierter US-Preis für Wissenschaftler der Freien Universität: Judaistik-Professor Peter Schäfer mit Mellon Award 2006 geehrt. Freie Universität Berlin, 12. Januar 2007, abgerufen am 29. August 2014.
  4. uni-protokolle.de vom 15. April 2014: Der Judaist Peter Schäfer erhält den Dr. Leopold Lucas-Preis 2014, abgerufen am 15. April 2014
  5. Pressemitteilung der Stadt Pforzheim vom 12. Februar 2015