Peter Walter (Biochemiker)

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Peter Walter, 2008

Peter Walter (* 5. Dezember 1954 in Berlin) ist ein deutsch-amerikanischer Biochemiker und Molekularbiologe. Er ist seit 1983 Professor an der University of California, San Francisco und darüber hinaus seit 1997 Mitglied des Howard Hughes Medical Institute. Für seine Forschungen zur Faltung und zum Transport von Proteinen, zur Regulation der Bildung von Zellorganellen sowie zur Fusion von Zellmembranen wurde er unter anderem in die National Academy of Sciences und in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen. Im Jahr 2009 erhielt er den renommierten Canada Gairdner International Award.

Leben[Bearbeiten]

Peter Walter wurde 1954 in damaligen West-Berlin geboren und begann 1973 ein Studium der Chemie an der Freien Universität Berlin.[1] Nach dem Vordiplom wechselte er 1976 mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in die Vereinigten Staaten an die Vanderbilt University in Nashville, an der er sein Studium ein Jahr später mit einem Master of Science in organischer Chemie abschloss. Anschließend promovierte er von 1977 bis 1981 an der Rockefeller University in New York im Labor des späteren Nobelpreisträgers Günter Blobel.

Nach Abschluss seiner Doktorarbeit blieb er zunächst als Postdoktorand in Blobels Labor, bevor er 1982 Assistenzprofessor an der Rockefeller University wurde. Bereits ein Jahr später wechselte er an die University of California (UCB) in San Francisco, an der er eine Professur für Biochemie und Biophysik und später auch die Leitung der Abteilung für Biochemie und Biophysik übernahm. Seit 1997 gehört er darüber hinaus dem Howard Hughes Medical Institute an.

Peter Walter ist verheiratet mit einer Chemikerin aus Mexiko und Vater von zwei Töchtern. Er hat wie seine Frau die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen.[2]

Wissenschaftliches Wirken[Bearbeiten]

Peter Walter (links) zusammen mit Julian Lewis, Alexander Johnson und Martin Raff, Mitautoren des Lehrbuchs Molecular Biology of the Cell

Peter Walter entdeckte im Rahmen seiner Promotion den Signal Recognition Particle, einen Ribonukleoprotein-Komplex, der am Proteintransport in das endoplasmatische Retikulum von Eukaryoten und in die Plasmamembran von Prokaryoten beteiligt ist. Schwerpunkt der Arbeiten in seinem Labor an der UCB wurde die Untersuchung der Mechanismen der Proteinfaltung, des Transports von Proteinen an ihre Zielorte innerhalb von Zellen, der Regulation von Größe und Zahl der Organelle in den Zellen sowie der Fusion von Zellmembranen.

Seit den 1990er Jahren hat er grundlegende Beiträge geleistet zur Entdeckung und Aufklärung der Unfolded Protein Response (UPR), eines zytoprotektiven Signalweges, der im endoplasmatischen Retikulum als zelluläre Stressreaktion zum Schutz vor Fehlern in der Proteinfaltung fungiert. Er gilt außerdem als Mitentdecker des Enzyms Ire1, einer Serin-Threonin-Kinase und Endoribonuclease mit zentraler Bedeutung im Rahmen der UPR, und erforscht unter anderem, wie Ire1 falsch gefaltete Proteine erkennt.

Peter Walter wirkt als Mitautor des von Bruce Alberts herausgegebenen Lehrbuchs Molecular Biology of the Cell, das weltweit zu den am weitesten verbreiteten Standardwerken im Bereich der molekularen Zellbiologie zählt. Darüber hinaus ist er Mitglied des Editorial Boards der Fachzeitschriften PLoS Biology, Journal of Biology sowie Proceedings of the National Academy of Sciences, und gilt als Unterstützer des Open-Access-Konzepts bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Peter Walter wurde 2002 in die American Academy of Arts and Sciences und 2004 in die National Academy of Sciences aufgenommen. Seit 2004 gehört er außerdem der European Molecular Biology Organization an, seit 2006 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Im Jahr 2009 erhielt er für seine Untersuchungen zur Proteinfaltung den mit 100.000 Kanadischen Dollar dotierten Canada Gairdner International Award sowie die E.B.-Wilson-Medaille, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Amerikanischen Gesellschaft für Zellbiologie.

Darüber hinaus wurde er unter anderem mit dem Eli Lilly Award in Biological Chemistry, der von der American Chemical Society für herausragende Forschungsleistungen in Biochemie vor dem 38. Lebensjahr vergeben wird, sowie dem Passano Award, dem Searle Scholar Award, einem Research Fellowship der Alfred P. Sloan Foundation, dem Wiley Prize in Biomedical Sciences, dem Stein & Moore Award und der Otto-Warburg-Medaille ausgezeichnet. Im Dezember 2011 wurde ihm der Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis für 2012 zuerkannt. 2012 erhielt er auch den Ernst Jung-Preis für Medizin.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Molecular Biology of the Cell. 5. Auflage. New York 2008; deutsche Ausgabe: Molekularbiologie der Zelle. 4. Auflage. Weinheim 2004 (als Mitautor)
  • Essential Cell Biology. 3. Auflage. New York 2009 (als Mitautor)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Angaben zum Leben von Peter Walter beruhen vor allem auf einer Veröffentlichung der Leopoldina; Siehe dazu: Michael Kaasch und Joachim Kaasch, Halle (Saale) 2007; mit Ergänzungen aus: ASCB Newsletter. Januar 2005, S. 32–34 und PNAS. 103(14)/2006, S. 5259–5261
  2. Siehe dazu: ASCB Newsletter. Januar 2005, S. 33
  3. Siehe dazu: PNAS. 103(14)/2006, S. 5261

Literatur[Bearbeiten]

  • Prof. Ph.D. Peter Walter. In: Michael Kaasch, Joachim Kaasch (Red.): Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina. Neugewählte Mitglieder 2006. Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, Halle (Saale) 2007, S. 52
  • ASCB Profile: Peter Walter. In: ASCB Newsletter. Ausgabe vom Januar 2005. Herausgegeben von der American Society for Cell Biology, S. 32−34, ISSN 1060-8982
  • Tinsley H. Davis: Profile of Peter Walter. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 103(14)/2006. United States National Academy of Sciences, S. 5259–5261, ISSN 1091-6490

Weblinks[Bearbeiten]