Peter von Scholten

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Peter von Scholten, Generalgouverneur
Peter von Scholten in jungen Jahren
Scholtens Elternhaus in Viborg
(Sankt Mogens Gade 3)

Peter Carl Frederik (Friedrich) von Scholten (* 17. Mai 1784 auf dem königlichen Klostergut Vestervig bei Thisted, Dänemark; † 26. Januar 1854 in Altona) war königlich dänischer Generalmajor deutscher Abstammung und der letzte Generalgouverneur von Dänisch-Westindien.

Leben[Bearbeiten]

Er entstammte einer Offiziersfamilie und war der Sohn des Casimir Wilhelm von Scholten (1752–1810), damals Hauptmann beim kronprinzlichen Regiment und später Generalmajor und Gouverneur von Saint Thomas und Saint John, und der Katherina Elisabeth de Moldrup, auch Møldrup (1764–1804).[1][2] Scholten wurde auf dem königlichen Klostergut Vestervig geboren, dem Wohnsitz der Familie seiner Mutter.[3] Zunächst lebte Scholten im Elternhaus in Viborg (Region Midtjylland). Seine frühesten Kopenhagener Jahre erlebte er in der Boldhusgade 4 gegenüber dem Schloss Christiansborg. Als achtjähriger Junge begann er seine militärische Laufbahn auf der Landkadettenakademie. Das Lernen fiel ihm schwer und er war kein Bücherwurm; verglichen mit seinem hohen sozialen Stand, besaß er später nur eine winzige Bibliothek. Sein Vater nahm ihn als zwanzigjährigen Fähnrich nach einem Heimaturlaub mit nach Saint Thomas. Hier trat er am 13. August 1804 unter seinem Vater, der 1803 (bis 1807) zum zweiten Mal Gouverneur der Insel geworden war, als Unterleutnant an.

Nach Ausbruch des Krieges gegen England (1807) und einem kurzen Aufenthalt als Kriegsgefangener dort kehrte Scholten 1808 wieder zurück nach Kopenhagen und wohnte zeitweilig am Amagertorv Nr. 50. Am 31. Oktober 1810, im Todesjahr seines Vaters, heiratete Kammerjunker Peter von Scholten in der Kopenhagener Garnisonkirche die 24-jährige Anne Elisabeth (Lise) Thortsen (* 20. Mai 1786 in Kopenhagen; † 1. Mai 1849 ebenda). Aus dieser Ehe entstammten drei Töchter. 1814 zog es ihn zurück nach Saint Thomas und er erhielt einen Wunschposten als gut dotierter Warenkontrolleur und Posthalter. Bis zum Tode von König Frederik VI. konnte er sich immer diskreter königlicher Protektion sicher sein. Da er als gut aussehender junger Mensch auch Wert auf elegante Uniformen und einen aufwendigen Lebensstil legte, spielten die finanzielle Seite des Lebens stets eine große Rolle in seinem Leben. Ehefrau Lise war ihm nach Saint Thomas gefolgt, aber sie nahm 1816 einen Besuch in England zum Anlass, ihn zu verlassen und für immer in ihre Heimatstadt zurückzukehren.

In den folgenden Jahren wurde Scholten - wie zuvor seinem Vater - mehrere Male das Amt des Gouverneurs von Saint Thomas und Sait John übertragen - das erste Mal vom 1. Juli 1818 bis 11. Februar 1820, das zweite Mal vom 1. April bis 9. Juli 1820 und das dritte Mal vom 1. April bis zum 3. März 1826.[4]

Nach einem Heimaturlaub reiste er im Juli 1827 ein weiteres Mal nach Dänisch-Westindien. Denn mit Wirkung vom 14. Juli war er zum ersten Mal Generalgouverneur mit Sitz in Christiansted auf Saint Croix geworden. Zunächst bekleidete er dieses Amt bis zum 24. April 1831. Ein zweites Mal war er Generalgouverneur vom 19. Juli 1832 bis 1834 und ein drittes Mal vom 14. Januar 1836 bis zum 6. Juli 1848. Dazwischen hatte beide Male Johannes Søbøtker (1777–1854) dieses Amt übernommen.[5]

Scholten war zeitweilig der am höchsten besoldete Beamte Dänemarks. Seine Familie leistete sich deshalb 1831 eine teure Kopenhagener Wohnung in der vornehmen Bredgade Nr. 45, direkt neben der ersten US-Gesandtschaft. Scholten wünschte sich aber eigenen Grundbesitz und kaufte das kleine Haus Nr. 13 am Kongens Nytorv. Aber auch dieses Domizil war von vornehmer und teurer Eleganz geprägt.

Auf Sankt Croix holte Scholten die freie Farbige Anna Elizabeth Heegaard (1790–1859) zu sich – wie damals durchaus üblich unter Kolonialbeamten und Plantagenbesitzern. Gemeinsame Nachkommen bekamen sie allerdings nicht. Er und seine Lebensgefährtin kauften den wunderbar gelegenen Landsitz Bülowsminde. Zur glamourösen Hofhaltung hier gehörte auch Bruder Frederik, ein geschickter Aquarellmaler, der zur selben Zeit als Zollverwalter nach Dänisch-Westindien versetzt worden war.

Als aufgeklärter Humanist war Scholten wie viele liberale Dänen erklärter Gegner der Sklaverei. Deshalb erleichterte er ab 1830 Schritt für Schritt die Rechtslage der Sklaven und Freineger. Ein königlicher Erlass von 1847, der erst nach zwölf Jahren die Aufhebung der Sklaverei für alle Nachkommen von Sklaven versprach, und Unruhen auf der benachbarten französischen Insel bewirkten 1848 einen Sklavenaufstand auf der Insel Sankt Croix. Generalgouverneur von Scholten nahm dies zum Anlass, auf eigene Initiative, also ohne Anweisung der Regierung, am 3. Juli 1848 allen westindischen Sklaven die Freiheit zu schenken. Diese unglaublich kühne Handlung – besonders gegenüber den Plantagenbesitzern – wird ihm nicht leichtgefallen sein, denn er erlitt kurz darauf einen Nervenzusammenbruch.

Am historischen 14. Juli 1848, auf den Tag genau 21 Jahre nach seinem Antritt als Generalgouverneur, - inzwischen war im Januar König Christian VIII. gestorben und König Frederik VII. regierte in Kopenhagen - verließ Scholten für immer seine geliebten Inseln und wählte seinen festen Wohnsitz in Kopenhagen. Die Zeitung Fædrelandet und die tonangebenden Liberalen warfen ihm eine zögerliche und halbherzige Sklavenbefreiungspolitik in Westindien vor, während die Regierung gegen ihn Anklage erhob wegen Amtsversäumnissen. Ein gerichtlicher Untersuchungsausschuss enthob ihn seines Amtes und entzog ihm – besonders penibel – seine Pension. Dieser Rechtsstreit war der Höhepunkt vieler gerichtlicher Schritte, die nach dem Tod seiner Gönners König Frederik VI. (1839) gegen den stolzen und beneideten „Herrscher über die westindischen Inseln“ angestrengt worden waren. Scholten legte wie üblich Berufung ein beim Obersten Gericht, wo er einstimmig freigesprochen wurde.

Scholtens Grabmal auf dem Assistens Kirkegård in Kopenhagen

Peter von Scholtens Ehefrau Lise starb 1849. Vielleicht deshalb zog der Witwer zu seiner Tochter Elisabeth Katharina (1811–1859) und deren Ehemann General Peter Heinrich Claude du Plat (1809–1864) nach Altona, der dort Stadtkommandant war. Hier starb Scholten im Alter von 69 Jahren. Sein Leichnam wurde in die Heimat überführt und vorläufig in der Kapelle der Holmens Kirke aufgebahrt, bis er dann in dem neogotisch rosa gestrichenem Mausoleum (gebaut um 1825) der Familie von Scholten in der deutsch-reformierten Abteilung des Assistens Kirkegård endgültig bestattet wurde. Die Beisetzung war rein privat und wurde in der Presse kaum vermerkt.

Auch seine Ehefrau und zwölf andere Familienmitglieder fanden in diesem Mausoleum und der darunter befindlichen Krypta ihre letzte Ruhe. Heute gibt es hier nur noch seinen Sarg und den seiner Ehefrau. Die letzte von mehreren Restaurierungen war im Jahr 2009.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carlo Christensen: Peter von Scholten, a chapter of the history of the Virgin Islands. Verlag G. Nielsens bogtr., 1955.
  • Hermann Carl Johannes Lawaetz, Anne-Luise Knudsen: Peter von Scholten, West Indian period images from the days of the last Governor General. Poul Kristensen Publishing, 1999, ISBN 87-7851-085-6.
  • Hermann Konrad Eggers: Die von Scholten. In: Der Deutsche Herold. Band 14, 1883.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Scholten war ein Nachkomme jenes Jobst Scholten (1644–1721), der sich in Amsterdam dem Ingenieuroffizier Henrik Ruse anschloss und später Oberbefehlshaber der dänischen Armee sowie zweiter und letzter dänischer Generalgouverneur von Vorpommern und Rügen wurde. - Das Geschlecht «von Scholten» führte seit dem 17. Jahrhundert das Adelsprädikat «von». - Quelle: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XIII, S. 70, Band 128 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2002, ISBN 3-7980-0828-2 (formal falsche ISBN).
  2. Scholten hatte insgesamt acht Geschwister, darunter seinen Bruder Emil (1786–1873), der später Adjutant bei König Frederik VI. wurde und Peter entsprechend protegieren konnte. - Quelle: Familienangaben
  3. Personendaten
  4. Gouverneure der US Virgin Islands
  5. Generalgouverneure der US-Virgin Islands