Peters-Projektion

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Weltkarte von Arno Peters mit dem von ihm vorgeschlagenen verlegten Nullmeridian in der Beringstraße

Die Peters-Projektion ist ein vom Historiker Arno Peters 1974 veröffentlichter Kartennetzentwurf, eine Variante des flächentreuen Zylinderentwurfs mit zwei längentreuen Parallelkreisen, die identisch ist mit Galls orthographischer Projektion, die der schottische Kleriker James Gall bereits 1855 veröffentlicht hatte. Im Gegensatz zu Galls Erstveröffentlichung erzielte Peters Veröffentlichung, der den Kartennetzentwurf unabhängig neu entwickelt hatte, anhaltende Aufmerksamkeit und führte zu einer vermehrten Verwendung des Netzentwurfs, der heute auch als Gall-Peters-Projektion bezeichnet wird.

Grund für die, wenn auch beschränkte, Durchsetzung war die von Peters angeführte historisch-politische Motivation zur Entwicklung der von ihm besonders für Weltkarten gedachten Projektion: Die in der Regel näher am Äquator liegenden Länder der Dritten Welt sollten gegenüber den in höheren nördlichen Breiten liegenden Industrieländern im korrekten Größenverhältnis dargestellt werden (Flächentreue), was bei den von Peters als „eurozentristisch” empfundenen zum Vergleich herangezogenen Zylinderprojektionen, der Mercator-Projektion oder der quadratischen Plattkarte, nicht der Fall ist. Angesichts des Anspruchs, die Peters-Projektion sei die einzig richtige, entwickelte sich eine teils heftige Kontroverse mit Vertretern der Kartographie, die grundsätzlich bestritt, dass Zylinderprojektionen für geographische Weltkarten geeignet seien und bei der Peters-Projektion besonders die erheblichen Formverzerrungen bemängelte. Die von Kartographen vorgeschlagenen flächentreuen Alternativen, pseudozylindrische oder ähnliche Projektionen, die zu annähernd elliptischen Weltkarten führen, drängten tatsächlich langfristig die Verwendung der Peters-Projektion wieder zurück.

Eigenschaften der Projektion[Bearbeiten]

Gall-Peters-Projektion mit Tissotscher Indicatrix der Verzerrung

Die Peters-Projektion kann als Projektion auf einen Zylinder aufgefasst werden, der die Erde bei 45° Breite schneidet. Sie ist flächen-, lage- und achsentreu, das heißt, dass alle Flächen im gleichen Maßstab abgebildet werden und dass Orte gleicher Breite bzw. Länge auf waage- und senkrechten Linien liegen. Sie ist jedoch weder längen- noch form- und winkeltreu: Nur bei 45° Breite bleiben Quadrate oder Kreise erhalten, am Äquator werden sie demgegenüber mit Nord-Süd- bzw. Ost-West-Abmessungen von 1,4 und 0,7, also einem Seitenverhältnis von 2:1, abgebildet. Bei 60° Breite ist das Verhältnis umgekehrt, in Island erreicht die Verzerrung 1:3 und nimmt dann sehr schnell zu, die Kontur von Spitzbergen ist nicht mehr wiedererkennbar.

Kontroverse zur Anwendung[Bearbeiten]

Im Anschluss an die Veröffentlichung kam es zu hitzigen Debatten, in denen von etablierten Kartographen vor allem Peters’ naive Herangehensweise und technische Fehler kritisiert wurden,[1] während sich Befürworter für die allgemeine Verwendung seiner Projektion einsetzten und ihr teilweise auch Eigenschaften zuschrieben, die sie gar nicht hatte. Der winkeltreuen, aber stark flächenverzerrenden Mercator-Projektion wurde vorgeworfen, sie verschiebe „die Proportionen zugunsten der nördlichen Hemisphäre und damit auch zum Vorteil der weißen Rasse“.[2] Die Nicht-Eignung der 1569 ausdrücklich und ausschließlich „ad usum navigantium“ (zu Navigationszwecken) erschienenen richtungstreuen Mercator-Projektion für geographische Kartenwerke war jedoch bereits Mercator selbst vollkommen klar, so dass sie folglich in seinem umfangreichen Atlas von 1595 nirgends zur Anwendung kam. Entsprechend argumentierten etablierte Kartographen, dass die Kritik am Problem vorbeigehe, da für den angestrebten Zweck wesentlich besser geeignete Kartennetzentwürfe – sowohl als die Mercator- als auch als die Peters-Projektion – zur Verfügung stünden.

Anwendung und Alternativen[Bearbeiten]

Die Peters-Projektion wurde 1980 im Nord-Süd-Bericht verwendet und von mehreren Hilfsorganisationen für ihre Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Sie wurde von verschiedenen Organisationen zeitweise für Weltkarten verwendet, hat sich aber nicht allgemein durchgesetzt. Daneben wurde sie Grundlage des Peters-Atlas.

Meist werden heute Weltkarten mit nicht rechteckiger Grundfläche verwendet. Die Aufgabe der Achsentreue ermöglicht so die von Peters geforderte Flächentreue mit wesentlich geringeren Winkel- und Formverzerrungen: Die Mollweide-Projektion, die punktförmige Pole hat, kann in einfacher oder in der zerlappten Form nach J. P. Goode verwendet werden. Letztere erzielt besonders geringe Verzerrungen, dabei geht allerdings der Zusammenhang der Karte teilweise verloren. Wenn zonale Betrachtungen nicht relevant sind und damit auch die Lagetreue aufgegeben werden kann, ist die Verwendung einer Hammer-Aitov-Projektion mit gekrümmten Breitengraden und dadurch ebenfalls verringerten Formverzerrungen möglich. Die wiederum lagetreue Eckert-IV-Projektion erscheint durch linienförmige Pole in diesem Bereich ähnlich wie die Goode-Zerlappung weniger zusammengedrängt. Häufig zur Anwendung kommt auch Winkel-Tripel-Projektion von Oswald Winkel, die jedoch nicht mehr exakt flächentreu ist, sondern ausgleichend angelegt ist. Dasselbe gilt für die in den USA häufig verwendete Robinson-Projektion, welche wiederum die Lagetreue beibehält und dies mit größeren Formverzerrungen erkauft.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gall-Peters projection – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Jeremy Crampton: Cartography's defining moment: The Peters Projection Controversy 1974-1990
  2. Evangelisches Missionswerk in Deutschland: Die Welt mit anderen Augen sehen – Die Weltkarte des Bremer Historiker Prof. Dr. Arno Peters