Petersburger Damm

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Der Damm verbindet die Insel Kotlin beidseitig mit dem Festland.

Der Petersburger Damm (russisch Комплекс защитных сооружений Санкт-Петербурга от наводнений, kompleks zaščitnych sooruženij Sankt-Peterburga ot navodnenij) ist ein Hochwasserschutzdamm, der quer durch die Newabucht gebaut wurde, um die russische Stadt Sankt Petersburg vor Überschwemmungen zu schützen. Er führt von Malaja Ishora (Малая Ижора) im Süden über den westlichen Teil der Insel Kotlin, auf der sich die Stadt Kronstadt befindet, bis ins nördlich gelegene Sestrorezk (Сестрорецк). Über das Bauwerk verläuft eine Autobahn als Teil des Autobahnrings um St. Petersburg.[1]

Das Dammsystem von Norden aus gesehen (bei Sestrorezk), Blick auf die Nordtore, 2005

Baubeginn für das gigantische Projekt war 1978. Im Gegensatz zu den meisten Überflutungen durch Flüsse rühren die Überschwemmungen an der Newa nicht daher, dass der Fluss von seinem Oberlauf mehr Wasser mitbringt, sondern es sind Sturmhochwasser, bei denen Westwind in den Finnischen Meerbusen drückt und den Abfluss des Wassers verhindert oder in extremen Fällen die Fließrichtung umkehrt. Seit Gründung der Stadt 1703 wurden 297 Überschwemmungen registriert, davon drei mit einem Anstieg des Wasserspiegels um mehr als drei Meter.

Nach der größten Überschwemmung von 1824 erarbeitete der Ingenieur Basen (Пётр Петрович Базен) den Plan eines Schutzdammes durch den Finnischen Meerbusen, das jedoch damals für nicht ausführbar gehalten wurde.

Später wurden weitere Projekte zum Hochwasserschutz der Stadt entwickelt, darunter eine westliche Variante ungefähr auf der Trasse des heutigen Schutzdammes und eine östliche Variante entlang des westlichen Uferstreifens der Stadt. Die westliche Variante wurde in den 1960er Jahren vom Staatlichen Hydrologischen Institut Leningrads unter N.E. Kondratjew entwickelt.

1979 begannen die Arbeiten zur Aufschüttung des Dammes gemäß der westlichen Variante.[1] Im Dezember 1984 wurde die Insel Kotlin von Norden her mit dem Festland verbunden. Die Konstruktion wurde in den 1990er Jahren aus Gründen des Umweltschutzes abgebrochen:[1] Der Damm störte die Zirkulation des Küstenwassers, große Teile des Wassers standen still, die Wasserqualität sank erheblich.[2] Befürchtungen gingen dahin, dass die gesamte Bucht sich in einen Sumpf verwandeln könnte. Aufgrund dieser Bedenken einerseits und des dringend gewünschten Hochwasserschutzes anderseits war das Projekt in der Stadt sehr umstritten.

Sturmflutwehr am Schiffsdurchlass (Nordhälfte des Tores; noch in Bau: Stand August 2009)

Der Weiterbau des bis dahin zu etwa 60 % fertiggestellten Bauwerkes begann 2006.[1] Das Projekt bestand aus neun Bauabschnitten (Losen):

  • А1: Betonarbeiten am Wasserdurchlass В-1;
  • А2: Damm Д-3;
  • А3: Schiffsdurchlass С-1, der daruntergelegene Tunnel und ein Teil des Dammes Д-4;
  • А4: Schiffsdurchlass С-2, einschließlich Straßenbrücke;
  • А5: elektromechanische Arbeiten an allen Bauwerken;
  • А6: Fertigstellung des Wasserdurchlasses В-2 mit Teilen der Dämme Д-1 und Д-2;
  • А7: Ausschachtungsarbeiten;
  • А8: Fertigstellung der Dämme Д-4 — Д-11;
  • А9: Fertigstellung der Wasserdurchlässe В-3 — В-6.

Im August 2011 wurde der 25 Kilometer lange und knapp drei Milliarden Euro teure Schutzwall vor St. Petersburg offiziell eingeweiht, nachdem er bereits 2010 in Betrieb genommen worden war.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Mega-Damm soll St. Petersburg vor Überflutung schützen, Spiegel Online, 13. August 2011. Abgerufen am 15. August 2011
  2. Umstrittenes Deichsystem an der Newa-Mündung bei Petersburg ist fertig, Schwäbisches Tagblatt, 13. August 2011. Abgerufen am 15. August 2011

Literatur[Bearbeiten]

  • Susanne Luber, Peter Rostankowski: Überschwemmungsschutz für Leningrad. In: Osteuropa. Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens, Jg. 30 (1980), Heft 1, S. 58–63.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Petersburger Damm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

60.00638888888929.748333333333Koordinaten: 60° 0′ 23″ N, 29° 44′ 54″ O