Petrarkisches Sonett

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zwei Sonette aus Petrarcas canzionere, Venedig um 1470

Als petrarkisches Sonett bezeichnet man eine Versform, die von dem italienischen Dichter Francesco Petrarca auf der Grundlage in Italien verbreiteter canzoni, einfacher, oft von Musik begleiteter Liedformen (italienisch sonnetto: Klanggedicht) weiterentwickelt und perfektioniert worden ist. Erst im Laufe des 16. Jahrhunderts setzte sich das Sonett auch im nördlichen Europa durch. Sonette wurden in Frankreich (Joachim du Bellay, Pierre de Ronsard) und England (John Milton, Shakespeare) auch nach modifiziertem Schema verfasst. Petrarca selbst verfasste über 300 Sonette. Die gegebene Form eines petrarkischen Sonetts besteht aus vier Strophen mit zwei Quartetten (= eine Oktave) und zwei Terzetten (= ein Sextett).

Von dem italienischen Petrarca-Typ wird in der Verslehre der französische Ronsard-Typ und der englische Shakespeare-Typ bzw. Elisabethanische Typ des Sonetts unterschieden. [1]

Form[Bearbeiten]

Das petrarkische Sonett besteht aus 14 Versen, die jeweils in eine Oktave und ein Sextett aufgeteilt sind. Diese Aufteilung dient der Intention des Werkes, da die einleitende Oktave einen Sachverhalt bzw. ein Problem ansprechen soll, während das Sextett es lösen soll. Das Reimschema innerhalb seines Sonetts war besonders und wird auch heute noch als typisch italienischer Schreibstil bezeichnet. Die Reime wiederholten sich nämlich ständig, so dass Petrarca in seinem Werk immer mit sehr wenigen Reimen arbeitete. Dadurch sollte eine Verknüpfung der einzelnen Verse erreicht werden, welches ebenfalls wieder der Herausstellung der Intention diente. Die Unterteilung der beiden Abschnitte im Sonett wird durch das Reimschema noch zusätzlich verstärkt, da die Oktave immer nach dem Schema "a b b a a b b a" aufgebaut ist und das Sextett variiert. Die häufigsten Formen sind jedoch "c d d c d d", "c d d e c e" und "c d d c c d". Durch Übersetzungen in andere Sprachen sind jedoch im Laufe der Zeit immer mehr Variationen des Reims entstanden. Eine weitere Besonderheit ist, dass sich niemals die letzten beiden Verse des Sonetts reimen.

Kontrast zu Shakespeare[Bearbeiten]

Sonnet 1; Aus:Shakespeares Sonette, Erstdruck 1609
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Die Sonette Petrarcas und Shakespeares bilden einen starken Gegensatz in Struktur und auch in Aussage zueinander. Während Petrarca innerhalb seiner Sonette romantisierende Züge annimmt und Utopien beschreibt, verfolgt Shakespeare das gegenteilige Ziel und drückt Gefühle, wie beispielsweise die Liebe, gerade dadurch aus, dass das Gegenüber nicht perfekt ist. Auch das Reimschema ist bei Shakespeare von Grund auf anders aufgebaut. Shakespeare achtete in seinen Sonetten stark darauf, dass sich kein Reim wiederholte, so dass dies einen kompletten Kontrast zum italienischen Stil darstellt. Außerdem bilden in seinen Werken die letzten zwei Verse ein Reimpaar, s. Artikel Shakespeares Sonette und Sonett mit Erläuterungen des Reimschemas und generalisierten Inhalts Shakespearescher Sonette, welche durchgehend aus 3 Quartetten und einem (zweizeiligen gereimten) heroischen Couplet bestehen.

Quellen[Bearbeiten]

  • Francesco Petrarca. Die schönsten Liebesgedichte. Vierzig Sonette und Canzonen. It. u. deutsch. Hrsg. Jürgen von Stackelberg Frankfurt am Main: Insel, 1997. ISBN 3-45833676-1
  • Francesco Petrarca: Canzoniere. Zweisprachige Gesamtausgabe. München dtv 1993. ISBN 3-42302321-X
  • Francesco Petrarca: Le Rime. Dathlon 2010. (Für iPhone, iPod, iPad)
Enthält die Canzoniere und I Trionfi in italienischer Sprache.

Literatur[Bearbeiten]

  • Julius Walter Lever: The Elizabethan Love Sonnet. London: Barnes & Noble, 1968
  • Nelson Miller: Basic "Sonnet Forms"

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sonett, Grundtypen