Pfaff (Unternehmen)

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Pfaff Industriesysteme und Maschinen AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung Vorgängerunternehmen: 1862
durch Georg Michael Pfaff, aktuelles Unternehmen: 2009
Sitz Kaiserslautern, Deutschland
Mitarbeiter 180 (Dezember 2014)
Branche Maschinenbau
Website pfaff-industrial.com
Pedal-Nähmaschine aus den 1930er Jahren, die bis heute (2009) ohne Reparatur in Benutzung ist.

Die Pfaff Industriesysteme und Maschinen AG ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Kaiserslautern. Es beschäftigt rund 180 Mitarbeiter in Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Verwaltung.[1] Die Produkte werden über eigene Vertriebstöchter sowie Partner weltweit vertrieben.

Geschichte[Bearbeiten]

G.M. Pfaff AG[Bearbeiten]

1862 bis Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Notgeldschein der Fa. Pfaff von 1922, mit Überdruck von 1923

Gegründet wurde das Unternehmen vom Instrumentenmacher Georg Michael Pfaff (1823–1893). 1862 verkaufte er seine erste Nähmaschine, die heute im Deutschen Museum in München steht.

Rund 10 Jahre später gab er die Herstellung von Blechblasinstrumenten auf und baute das Unternehmen zu einem führenden Nähmaschinenhersteller aus, der jährlich etliche Tausend Nähmaschinen verkaufte. 1874 wurde von G.M. Pfaff eine Krankenunterstützungskasse gegründet, kurz darauf eine betriebliche Rentenkasse. 1885 eröffnete Pfaff eine Verkaufsfiliale in London, während das Kaiserslauterer Werk weiter wuchs. 1891 produzierten 400 Arbeiter rund 25.000 Maschinen pro Jahr. Nach dem Tod von Georg Michael Pfaff im Jahr 1893 übernahm sein älterer Sohn Georg Pfaff (1853–1917) das Unternehmen. Unter seiner Leitung wurde das Werk weiter ausgebaut und zwischen 1896 (Baubeginn 1894) und 1906 an den Galgenberg am damaligen westlichen Stadtrand von Kaiserslautern verlagert.

1907/08 wurden die ersten Industrienähmaschinen gefertigt, während die bis dahin hergestellten Nähmaschinen sowohl im Haushalt als auch in Industrie und Handwerk eingesetzt worden waren. 1910 schenkte Georg Pfaff die millionste Pfaff-Nähmaschine dem Historischen Museum in Speyer. 1913 belief sich der mengenmäßige Exportanteil bereits auf 60 %.

Bis zu Georg Pfaffs Tod im Jahr 1917 exportierte das Unternehmen in 64 Länder. In der Folge führte seine Schwester Lina (1854–1929) das Unternehmen weiter (siehe dazu die Pfaff-Dokumentation). Ihre soziale Einstellung fand ihren Niederschlag in der Einrichtung einer Hinterbliebenenkasse, dem Bau der ersten Pfaff-Siedlung (Wohnungen für Werksangehörige) und in der Errichtung des Pfaff-Bades am damaligen Wittelsbacher-Platz. Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1926 übernahm Karl Pfaff (1888–1952), Sohn des jüngeren Sohns Jakob Pfaff (1856–1889) des Unternehmensgründers, die Geschäftsleitung. Das Unternehmen beschäftigte jetzt 2600 Mitarbeiter und führte erneut eine Pensionskasse ein. Täglich verließen 300 Maschinen das Werk. Die Montage erfolgte am Fließband. 1936 wurde die dreimillionste Pfaff-Nähmaschine hergestellt.

Während des Zweiten Weltkriegs konnte nur eingeschränkt produziert werden. Pfaff fertigte nun auch Schlösser für Maschinengewehre. 1944 wurden ca. 60 % des Werkes bei einem Bombenangriff zerstört, jedoch nach dem Krieg rasch wieder aufgebaut.

Zweiter Weltkrieg bis 1998[Bearbeiten]

Knopflochmaschine von Pfaff (1953)
Eine Pfaff-Textilmaschine auf der Technischen Messe in Leipzig 1953

1951 kam die erste tragbare Koffer-Haushaltsnähmaschine mit variablem Freiarm auf den Markt. 1952 verstarb Karl Pfaff unerwartet. Das Unternehmen wurde unter dem Vorstandsvorsitzenden Hugo Lind weiter ausgebaut, der den ersten drucköl-umlaufgeschmierten Industrie-Schnellnäher schuf. 1956 wurde das ELTE-Werk in Landstuhl übernommen, 1957 das Unternehmen Gritzner-Kayser AG in Karlsruhe, aus dem das Werk Karlsruhe-Durlach hervorging.

Die Einführung der G. M. Pfaff AG an der Frankfurter Wertpapierbörse erfolgte 1960. Im selben Jahr entwickelte Pfaff die erste Maschine mit Fadenabschneider und stellte den ersten ölfreien Schnellnäher für „trockenes“ Arbeiten vor. 1967 führte das Unternehmen die erste Zickzack-Maschine mit 6.000 Stichen/min ein und präsentierte 1968 den weltweit ersten Aufnäherautomat für Jeanstaschen sowie 1973 den ersten programmierbaren Konturenautomaten der Welt.

Seit den 1980er Jahren hatte das Unternehmen unter Besitzerwechseln und Schwierigkeiten aufgrund der Krisen der Schuh- und Bekleidungsindustrie als wichtigste Abnehmer zu leiden, die durch gravierende Managementfehler noch verstärkt wurden. 1988 wurde die Aktienmehrheit von Wolfgang Schuppli übernommen. 1993 veräußerte er das Unternehmen an Semi-Tech (Global) Co. Ltd. Diese verkaufte die Aktienmehrheit 1997 an ihre damalige Tochtergesellschaft Singer, wodurch der Singer/Pfaff-Konzern entstand.

Pfaff Industriemaschinen AG[Bearbeiten]

1999 bis 2007[Bearbeiten]

1999 geriet der Konzern in eine bedrohliche Wirtschaftslage und musste Insolvenz anmelden. Das hatte die Trennung von Pfaff und Singer zur Folge. Deshalb erfolgte im selben Jahr die Weiterveräußerung der Sparte Haushaltsnähmaschinen mitsamt den Rechten an der Marke „Pfaff“ an Husqvarna Viking aus Schweden. Der Bereich Industriemaschinen firmierte seither als Pfaff Industriemaschinen AG und ging 2001 an Rimoldi aus Italien und 2002 zu 95 % an Bianchi Marè (die restlichen 5 % hielt die Merchant Bank Efibanca aus Mailand). Marè mit Sitz in der Nähe von Mailand war einer der größten Händler von Pfaff-Industrienähmaschinen.[2] Die Marke „Pfaff“ durfte unter einer Lizenz von Husqvarna Viking weiter genutzt werden.

Bald darauf folgte man dem weltweiten Asientrend der Textilindustrie: Die Vereinigung mit dem chinesischen Nähmaschinenhersteller Zoje Sewing Machine Co. Ltd. zum Joint-Venture-Unternehmen Shanghai Pfaff-Zoje Machinery Industry LTD. erfolgte. Somit werden Pfaff Nähmaschinen heute vor allem in China gefertigt, während hochtechnologische Geräte für das Nähen und Schweißen in der Industrie weiter zum größten Teil in Deutschland produziert wurden.

Um das Engagement in China weiter auszubauen, gründete Pfaff in Taicang, in der Nähe von Shanghai, ein eigenes Werk und übernahm alle Anteile des Joint Ventures Shanghai Pfaff-Zoje Machinery Industry Ltd. Das zu 100 % eigene Unternehmen in Taicang ist für die Pfaff-Gruppe ein Hauptpfeiler in der Produktions- und Marktstrategie und das zukünftige Herzstück der China-Aktivitäten. 2008 wurden rund 20.000 Pfaff-Industrienähmaschinen und die dazugehörenden Steuerungen und Antriebe im Werk Taicang gefertigt.

2004 wurden wieder schwarze Zahlen geschrieben. Dieser Trend setzte sich 2005 fort. Ende 2005 übertrugen die bisherigen Aktionäre Bianchi Marè (Mailand) und Efibanca (Rom) ihre Aktien vollständig an die deutsche Investmentgesellschaft GCI BridgeCapital AG (München). Durch die Transaktion mit der GCI gelang es, bilanzielle Altlasten zu bereinigen und eine positive Eigenkapitalquote von rund 30 % herzustellen. Im Januar 2007 wurde die Pfaff Industrie Maschinen AG erstmals wieder mit einem Eröffnungskurs von 2,42 Euro am Kapitalmarkt notiert.

Das Werksgelände am Rand der Kaiserslauterer Innenstadt war wegen der Verkleinerung des Unternehmens zu großen Teilen ungenutzt. Eine effektive und damit kostengünstige Fertigung war im veralteten Werk nicht mehr möglich. Zudem gehört das Werksgelände nicht mehr dem Unternehmen, sondern den Alteigentümern Bianchi Marè, so dass hohe Mietzahlungen fällig wurden. Deshalb erfolgte im Oktober 2007 der Spatenstich für einen Neubau im Kaiserslauterer Industriegebiet Nord. Dieser Neubau war bezugsfertig, konnte jedoch durch die Pfaff Industriemaschinen AG nicht mehr bezogen werden, da durch die Insolvenz des Unternehmens hierfür keine Mittel vorhanden waren. Zwischenzeitlich wurde der Neubau durch das Nachfolgeunternehmen bezogen.

2008 bis 2009[Bearbeiten]

Am 4. August 2008 wurde bekannt, dass GCI nur noch 62 % der Aktienanteile des Unternehmens hält. 12 % wurden an die Mailänder Banco Popolare übertragen. Hintergrund dieses Geschäfts war ein Besserungsschein, der der Bank als Hausbank der Alteigentümer Bianchi Marè während der Sanierung gewährt worden war. Zeitgleich gab GCI bekannt, dass man nur noch eine Minderheitsbeteiligung an Pfaff halten wolle und mit verschiedenen Investoren (darunter ein Finanzinvestor und zwei Unternehmen aus der Maschinenbaubranche) Verhandlungen über den Verkauf der Aktienmehrheit führe. Am 11. September 2008 beantragte das Unternehmen beim Amtsgericht Kaiserslautern die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.[3] Dem Antrag wurde am 2. Januar 2009 entsprochen.[4] Zum Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den bereits als vorläufigen Insolvenzverwalter tätigen Kaiserslauterer Rechtsanwalt Paul Wieschemann. Der Geschäftsbetrieb der Pfaff Industrie Maschinen AG wurde durch den Insolvenzverwalter fortgeführt, die Beschäftigten wechselten zu großen Teilen in eine Auffanggesellschaft.

Vier potentielle Investoren gaben Angebote zur Weiterführung des Betriebs ab, darunter der deutsche Nähmaschinenhersteller Dürkopp-Adler, die chinesischen Nähmaschinenhersteller Typical und Jack sowie der mittelständische Maschinenbauunternehmer Joachim Richter aus Konken. Letztgenannter wurde von den Mitarbeitern, der Gewerkschaft IG Metall und der Lokalpolitik favorisiert, da in seinem Fortführungskonzept die größte Zahl von Arbeitsplätzen am Standort Kaiserslautern erhalten werden sollten.

Pfaff Industriesysteme und Maschinen AG[Bearbeiten]

Ab 2009[Bearbeiten]

Am 26. März 2009 erhielt Richter den Zuschlag für das Unternehmen, welches ab dem 16. April 2009 als Pfaff Industriesysteme und Maschinen AG firmierte. Die Finanzierung erfolgte über ein Konsortium regionaler Sparkassen, die wiederum teilweise durch eine Bürgschaft des Landes Rheinland-Pfalz abgesichert worden sind. Mit zunächst 160 Mitarbeitern wurden im Kaiserslauterer Stammwerk Industrienäh- und Textilschweißmaschinen gefertigt. Mittelfristig sollte sich die Mitarbeiterzahl auf 300 erhöhen, die sich größtenteils aus den Mitarbeitern der Pfaff Industriemaschinen AG i.L. rekrutieren sollten. Der Umzug in das neue Pfaff-Werk im Kaiserslauterer Industriegebiet Nord wurde vollzogen. Hier sollten zukünftig neben Näh- und Schweißmaschinen auch Sondermaschinen gebaut werden. Der Fokus sollte hierbei auf hochwertige Geräte für den europäischen und amerikanischen Markt gerichtet werden.[5] Pfaff ist seit der Übernahme durch Richter, der zudem Synergien mit seinem Unternehmen Joachim Richter Maschinenbau nutzen wollte, wieder auf Fachmessen vertreten.

Am 12. Mai 2012 kündigte Richter aufgrund von Verlusten im Geschäftsjahr 2011 eine Umstrukturierung des Unternehmens an. Seit Mai 2011 kooperiert man mit dem taiwanesischen Unternehmen Chee Siang Industrial Co. LTD. Ein weiterer Partner im asiatischen Raum wurde angekündigt. Am 23. August 2012 übertrug Richter seine Anteile an Pfaff an eine Treuhand und verzichtete damit auf Mitsprache bei der weiteren Entwicklung des Unternehmens.

März 2013: Neuer Eigentümer SGSB Group[Bearbeiten]

Am 6. März 2013 wurde das Unternehmen an die chinesische SGSB Group Co. Ltd. verkauft, die auch Eigentümerin des bisherigen Pfaff-Konkurrenten Dürkopp ist.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Pfaff gewann 2006 den IMB INNOVATION AWARD 2006 für die Lösung Programmiertes Schweißen mit 100 % Parameterkontrolle. 2007 prämierte die Expertenjury des interzum award 2007 eine neu entwickelte PFAFF- Polsternähmaschine mit der Auszeichnung BEST OF THE BEST im Themenbereich Polstermöbelfertigung und Bedding. Im gleichen Jahr verlieh die Initiative Mittelstand PFAFF den Innovationspreis 2007 Industrie für die Lösung Ultraschall-Schweißmaschine PFAFF 8310 Cut & Seal.

Literatur[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

  • Die Geschichte der Pfaff-Nähmaschinen - Feinstich aus der Pfalz. Dokumentarfilm, Deutschland, 2014, 44:40 Min., Buch und Regie: Utz Kastenholz, Kamera: Stefanie Vier, Produktion: SWR, Reihe: Geschichte im Südwesten, Erstsendung: 30. November 2014 bei SWR, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pfaff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. PFAFF Industriesysteme und Maschinen AG. In: pfaff-industrial.de, aufgerufen am 1. Dezember 2014.
  2. Jürgen Zirbik: Zick-Zack. In: brand eins, 2003, Heft 6.
  3. Benno Stieber: Nähmaschinen-Hersteller Pfaff ist zahlungsunfähig. In: Die Welt, 11. September 2008.
  4. jr/DP/wiz: Insolvenzverfahren für Maschinenbauer Pfaff eröffnet. In: Handelszeitung, 2. Januar 2009.
  5. Druckausgabe der Tageszeitung Die Rheinpfalz vom 15. April 2009, Regionalausgabe Kaiserslautern
  6. ShangGong (Europe) Holding Corp. GmbH übernimmt 100% der Anteile an der Pfaff Industriesysteme und Maschinen AG Kaiserslautern. In: duerkopp-adler.com, 9. April 2013, aufgerufen am 1. Dezember 2014.