Kaiserpfalz Gelnhausen

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Kaiserpfalz zu Gelnhausen 2005
Kaiserpfalz
Kaiserpfalz zu Gelnhausen 1912

Die Kaiserpfalz Gelnhausen, auch Barbarossaburg genannt, geht wie die 1170 gegründete und in engem funktionalen Verbund damit stehende Stadt Gelnhausen auf Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) zurück. Die Anlage diente dem Ausbau des Reichsbesitzes an einer wichtigen Überlandstraße.

Geschichte[Bearbeiten]

Der genaue Baubeginn der Pfalz ist wissenschaftlich immer noch sehr umstritten und die Diskussion kreist um die Frage, ob der Bau der Pfalz bereits einige Jahre vor der programmatischen Gründung der königlichen Stadt 1170 anzusetzen ist.[1] Verschiedene mit Hilfe der Dendrochronologie gewonnene Daten weisen auf die Jahre um 1170 hin, in denen der Untergrund durch Einschlagen von Eichenpfählen für die Mauerfundamente tragfähig gemacht wurde.[2]

Vermutlich wurde der Bau der Pfalz von den Herren von Büdingen geleitet, die ungefähr zeitgleich die Burg Büdingen als eigenen Wohnsitz in der Nähe errichteten.

Die Pfalz Gelnhausen war 1180 Schauplatz des großen Hoftages zu Gelnhausen, auf dem Heinrich dem Löwen in Abwesenheit der Prozess gemacht und seine Länder neu aufgeteilt wurden. In den folgenden Jahren fanden dort weitere Hoftage statt. Ob zu dieser Zeit der heute als Ruine erhaltene Palas bereits soweit fertiggestellt war, dass er als Versammlungsraum nutzbar war, ist nicht gesichert, wird aber vermutet. Die große Zahl verschedener Steinmetzzeichen lässt auf eine relativ große Zahl von gleichzeitig auf der Baustelle arbeitenden Bauleuten und damit einen schnellen Baufortschritt schließen.[3]

Die Pfalz war zur Stauferzeit eine Reichsburg, hatte einen Burggrafen und Burgmannen, als Zubehör verfügte sie über den Büdinger Wald, in dem die Burgbewohner noch bis in das 19. Jahrhundert Holzrechte (Bau- und Brennholz) hatten. Der Niedergang der Pfalz setzte schon im 14. Jahrhundert ein, als 1349 Kaiser Karl IV. die Burg mit der Stadt an den Grafen von Schwarzburg versetzte und sie nie auslöste. Im Jahr 1431 erwarben der Graf von Hanau und der Pfalzgraf Ludwig III. Pfalz und Stadt von Graf Heinrich von Schwarzburg. Ende des 16. Jahrhunderts hatten die Grafen von Isenburg in Birstein das Burggrafenamt an sich gebracht, sie residierten aber nicht in der Burg. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Stadt und Pfalz stark zerstört. Kaiserliche und schwedische Truppen brannten das Hauptgebäude der Pfalz nieder.

Nach dem Aussterben des Hauses Hanau im Jahre 1736 fiel Gelnhausen an die Landgrafen von Hessen-Kassel. Die Pfalz wurde bis 1811 als Steinbruch genutzt; aufgrund ihrer Baufälligkeit musste 1856 die Kapelle teilweise abgerissen werden. Um 1810 gehörte die Pfalz zu den ersten Bauwerken aus der Epoche der Romanik in Deutschland, die die Aufmerksamkeit der kunstinteressierten Gelehrten fand.[4]

Ende des 19. Jahrhunderts und während des 20. Jahrhunderts wurden erste Sicherungsarbeiten durchgeführt, um die Reste der Pfalz für die Nachwelt zu erhalten. Ebenfalls erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Burg aufgelöst und in die Stadt Gelnhausen eingegliedert.

Architektur[Bearbeiten]

Die ehemals von der Kinzig umflossene Wasserburg wurde mit 12.000 Eichenpfählen gegründet (Pfahlgründung). Sie besteht aus einer Kernburg und der Vorburg, in der ehemals die Anwesen der mit der Burghut beauftragten Burgmannen lagen. Heute sind nur noch Teile der Anlage erhalten, darunter die vollständige Ringmauer, die reich geschmückte Hoffassade des Palas und Reste der Burgkapelle. Diese Bauteile gehören zu den bedeutendsten Profanbauten der Romanik in Mitteleuropa.

Die Pfalz gehört zur Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen und ist gegen Eintrittsgeld öffentlich zugänglich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Biller: Kaiserpfalz Gelnhausen. Die vor 1170 gegründete und 1180 fertiggestellte Pfalz des Stauferkaisers Friedrich I. Barbarossa. 1. Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 2000, ISBN 3-7954-6253-3.
  • Günther Binding: Pfalz Gelnhausen. Eine Bauuntersuchung. H. Bouvier, Bonn 1965 (Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft. Band 30).
  • Waltraud Friedrich: Kulturdenkmäler in Hessen. Main-Kinzig-Kreis II.2. Gelnhausen, Gründau, Hasselroth, Jossgrund, Linsengericht, Wächtersbach. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Theiss, Wiesbaden/ Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8062-2469-6, S. 507–511 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland).
  • Alfons Zettler: Gelnhausen als Gründung Kaiser Friedrichs I. Barbarossa. In: Herzner, Volker; Krüger, Jürgen (Hrsg.): Burg und Kirche zur Stauferzeit. Akten der 1. Landauer Staufertagung 1997. Regensburg 2001, S. 47–55.
  • Fred Schwind, Reichsstadt und Kaiserpfalz Gelnhausen, in: Patze, Hans (Hrsg.): Der Reichstag von Gelnhausen. Ein Markstein in der deutschen Geschichte 1180 - 1980. Marburg 1981, S. 73–95.
  • Gerd Strickhausen: Burgen der Ludowinger in Thüringen, Hessen und dem Rheinland. Studien zu Architektur und Landesherrschaft im Hochmittelalter. Hessische Historischen Kommission Darmstadt [u.a.], Darmstadt 1998, ISBN 3-88443-061-0 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. Nr. 109), S. 247–249.
  • Joachim Ehlers: Zur Datierung der Pfalz Gelnhausen. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte, 18 (1968), S. 94–130.
  • Bernhard Hundeshagen: Kaiser Friedrichs I. Barbarossa Palast in der Burg zu Gelnhausen. Eine Urkunde vom Adel der von Hohenstaufen und der Kunstbildung ihrer Zeit. Mainz 1819. (Probeblatt 1810, Digitalisat bei Google-Books, Ausgabe von 1819)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaiserpfalz Gelnhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe zur Frage der Bauzeit: Binding, Ehlers, Strickhausen, Zettler
  2. Strickhausen S. 248f.
  3. Gottfried Kiesow: Die Kaiserpfalz. In: Bei der Burg Gelnhausen eine neue Stadt. Barbarossastadt Gelnhausen (Hrsg.), 1995, ISBN 3-924417-09-1.
  4. Hundeshagen, Bernhard: Kaiser Friedrichs I. Barbarossa Palast in der Burg zu Gelnhausen. Eine Urkunde vom Adel der von Hohenstaufen und der Kunstbildung ihrer Zeit. Mainz 1819.

50.29.1955555555556Koordinaten: 50° 12′ 0″ N, 9° 11′ 44″ O