Pfarrkirche St. Anna im Lehel

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St. Anna im Lehel

St. Anna Pfarrkirche Muenchen-1.jpg

Konfession: römisch-katholisch
Patronat: Anna
Weihedatum: 22. Oktober 1892
Rang: Pfarrkirche
Pfarrgemeinde: St. Anna im Lehel München-Lehel
Anschrift: St.-Anna-Platz 5, 80538 München

48.14027777777811.587222222222Koordinaten: 48° 8′ 25″ N, 11° 35′ 14″ O


Hochaltar
Die Orgel

Die katholische Pfarrkirche St. Anna im Lehel, errichtet 1887–1892 nach Plänen Gabriel von Seidls, ist die Hauptpfarrkirche des Lehels und gilt als eines der besten Beispiele des Historismus in München.

Lage[Bearbeiten]

Die Katholische Pfarrkirche St. Anna im Lehel (St.-Anna-Platz 5) befindet sich im Zentrum des Lehel gegenüber der Klosterkirche St. Anna im Lehel.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem sich das Lehel bei wachsender Einwohnerzahl immer mehr zu einem (groß-)bürgerlichen Stadtteil entwickelte, erwies sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Klosterkirche St. Anna im Lehel bald als zu klein. Es erwies sich als ein Glücksfall, dass der Platz gegenüber der Klosterkirche St. Anna dem Druckereibesitzer und Förderer von Karl Valentin Franz Erlacher gehörte, der diesen Platz für den Kirchenneubau stiftete. Den beschränkten Münchner Architektenwettbewerb von 1885 für einen Neubau gewann Gabriel von Seidl. Am 30. Oktober 1887 erfolgte die Grundsteinlegung, die Kirche selbst wurde am 22. Oktober 1892 geweiht.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Pfarrkirche St. Anna im Lehel 1944/45 insgesamt viermal getroffen. In den 1950er Jahren baute man die Kirche wieder auf und in den 1970er Jahren fand noch einmal eine Generalsanierung statt. Dabei ist fast die gesamte neoromanische Ausstattung entfernt worden, auch wurden die Fresken, die im Querschiff von Carl Johann Becker-Gundahl stammten, mit Ausnahme der Chorapsis kalt, also weiß, übertüncht. 1984 kehrten die noch auffindbaren Ausstattungsstücke wieder in die Pfarrkirche zurück.

Programm und Konzeption[Bearbeiten]

Gabriel von Seidl wählte als Baustil einen neoromanischen Stil aus, der sich an die rheinische Romanik insbesondere der Kaiserdome anlehnt. Das hat vor allem auch politische Gründe. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 sah man in der Romanik einen Baustil, der die Treue zum dynastischen Kaisertum betont und zugleich eine Kontinuität zum römisch-deutschen Kaisertum des Mittelalters konstruiert.

Der Grundriss der Pfarrkirche zeigt daher eine dreischiffige Pfeilerbasilika, die ein Querhaus und ein Vierungsquadrat besitzt. Im Osten befindet sich eine um ein Joch verlängerte Apsis, an der sich konzentrisch umlaufende Nebenräume befinden. Das Querhaus nimmt vier apsidenförmige Seitenaltäre auf. Das Westwerk wirkt von außen wie ein großer mächtiger Turm, der ein eigenes Querhaus besitzt. Im Inneren ist jedoch erkennbar, dass das Westwerk aus zwei Seitenkapellen und dem Turmgeschoss besteht. Von außen wirkt die Pfarrkirche wie ein Komplex ineinander verschachtelter, kontrastierender Baukörper, der häufig aber als harmonischer empfunden wird als der Baukörper der Evangelisch-Lutherischen Pfarrkirche St. Lukas.

Um mit der damals noch vorhandenen Doppelturmfassade der Klosterkirche St. Anna im Lehel, die im Rundbogenstil errichtet wurde, zu korrespondieren, wählte Gabriel von Seidl eine Einturmlösung. Der Turm erhielt eine zweigeschossige Portal-Ädikula. Sie wird von einem überlebensgroßen Reiterstatue Christi bekrönt, der in seiner Rechten einen Ölzweig, in seiner Linken einen Bogen hält. Das gilt als ikonographische Seltenheit.

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel wurde 1980 von Orgelbau Klais gebaut. Sie hat 2 Manuale und 30 Register. Die Disposition ist wie folgt:[1]

I Hauptwerk C–g3
1. Quintade 16'
2. Principal 8'
3. Bourdon 8'
4. Octave 4'
5. Holzflöte 4'
6. Superoctave 2'
7. Larigot 11/3'
8. Cornet V (ab a) 8'
9. Mixtur V 11/3'
10. Trompete 8'
Tremulant
II Schwellwerk C–g3
11. Rohrflöte 8'
12. Gamba 8'
13. Vox Coelestis (ab c) 8'
14. Principal 4'
15. Spitzflöte 4'
16. Nasard 22/3'
17. Schweizerpfeife 2'
18. Terz 13/5'
19. Sifflet 1'
20. Scharff IV 2/3'
21. Cromorne-Hautbois 8'
22. Clairon Harmonique 4'
Tremulant
Pedal C–f1
23. Principal 16′
24. Subbaß 16'
25. Octave 8'
26. Gedackt 8'
27. Tenoroctave 4'
28. Hintersatz IV 22/3'
29. Posaune 16'
30. Trompete 8'

Glocken[Bearbeiten]

Die große Annenglocke läutet nur an den höchsten Feiertagen. Sie trägt eine für Bochumer Gussstahlglocken ihrer Zeit aufwendige Zier.

Im Jahre 1892 goss Ulrich Kortler aus München-Neuhausen ein achstimmiges Großgeläute in den Schlagtönen as0, c1, es1, f1, g1, as1, b1 und c2 mit einem Gesamtgewicht von 9.619 kg[2], von dem die größte Glocke allein 3.958 kg[2] wog. Die beiden Weltkriege ließen das Geläut auf zwei Glocken schrumpfen; die noch zum Teil im Glockenstuhl hängenden Gusseisenjoche zeugen von den vor den Weltkriegen vorhandenen Glocken. 1950 goss der Bochumer Verein die beiden großen Gussstahlglocken Anna und Maria hinzu.[2]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Schlagton
 
1 Anna 1950 Bochumer Verein 1.900 2.580 b0
2 Maria 1950 Bochumer Verein 1.600 1.570 des1
3 Antonius 1892 Ulrich Kortler 1.284 es1
4 1892 Ulrich Kortler 565 g1
5 Sterbeglocke 1853 Ignaz Bauer a1

Bedeutende Werke[Bearbeiten]

Das Weltgericht: Tympanon-Relief über dem Westportal von Anton Pruska

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/77.164.15.22Informationen zur Orgel
  2. a b c Karl Walter: Glockenkunde. Pustet, Regensburg u. a. 1913, S. 642f.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Klaus Gallas: München. Von der welfischen Gründung Heinrichs des Löwen bis zur Gegenwart: Kunst, Kultur, Geschichte. Dumont, Köln 1979, ISBN 3-7701-1094-3.
  •  Sigfried Grän: Kath. Stadtpfarrkirche St. Anna - Lehel. Schnell und Steiner, Regensburg 1999, ISBN 978-3-7954-4738-0 (Reihe: Kleine Kunstführer/Kirchen und Klöster).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Anna im Lehel (Pfarrkirche) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien