Pfarrkirche St. Jodok (Schruns)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pfarrkirche zum Heiligen Jodok, Schruns

Die römisch-katholische Pfarrkirche zum Heiligen Jodok steht am Nordrand der Gemeinde Schruns, im österreichischen Bundesland Vorarlberg.

St. Jodok[Bearbeiten]

Die Schrunser Kirche ist dem Heiligen Jodok geweiht. Er war ein bretonischer Fürstensohn, verzichtete auf seine Herrscherwürde und lebte als Einsiedler, umgeben von zutraulich gewordenen Tieren. Jodok wird später vom Papst in Rom empfangen und nach seinem Tod im Jahr 669 erscheint der Heilige Bauern als Helfer und Fürsprecher.[1]

Er gilt als Gründer der Einsiedelei Runiac (der späteren Benediktinerabtei St-Josse-sur-mer).

Pfarr- und Baugeschichte[Bearbeiten]

Pfarrkirche zum Heiligen Jodok

Erstmals wurde 1433 in einem Zinslibell der Bludenzer Laurentiuskirche eine Kapelle „St. Jossen“ im Pfarrbezirk Bartholomäberg erwähnt, 1482 und 1484 dann die Sankt-Josen-Kirche.[1] 1483 war diese Kapelle dann durch einen am 12. November 1503 geweihten Neubau im gotischen Stil ersetzt worden. Schruns ist eine eigene Pfarre seit 1597 bzw. 1632.
1674 wurde durch Gebhard Steu ein neuer Turm erbaut. Dieser Kirchenbau wurde 1682 durch einen Brand zerstört und 1682/1683 im barocken Stil ersetzt. Ein Soldat soll auf das Schindeldach nach Spatzen geschossen und so das Feuer verursacht haben.[1]

1865 bis 1867 wurde unter Dekan Frick eine neue Kirche, die noch heute stehende Pfarrkirche zum Heiligen Jodok nach Plänen von Johann Mayer erbaut - vom zu klein gewordenen Vorgängerbau blieb einzig der Kirchturm mit Zwiebelhaube bestehen.

Von 1892 bis 1933 war Aegidius Mayer Pfarrer.

In den Jahren 1981 bis 1984 wurde die Kirche durch Konrad Honold unter Pfarrer Herbert Böhler gesamtrestauriert.

Baustil[Bearbeiten]

Ein neuromanischer Bau mit einem flachen Satteldach auf dem Langhaus und dem Chor.

Die Kirche überrascht im Inneren durch ihre reiche Ausstattung mit Bildern und Statuen und sie gehört heute zu den selten gewordenen Kirchen, die noch ganz einheitlich im Nazarenerstil des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts gehalten sind.

Künstler[Bearbeiten]

Deckengemälde von Hans Bertle: „Begegnung mit dem Papst“, „Als Patron der Landleute“ (1905-1907)
Der Heilige Georg im Kampf mit dem Drachen, Konrad Honold

Die Ausschmückung der Kirche ist überwiegend durch die heimische Künstlerfamilie Bertle geschehen: So sind sämtliche Wand- und Deckengemälde des Chorraumes von den Brüdern Franz (* 1828; † 1883) und Jakob Bertle (* 1837; † 1911) in den Jahren 1873/74 erstellt worden. Die fünf großen Deckengemälde und die Deckenbilder zum Leben des Heiligen Jodok im Langhaus wurden zwischen 1905 und 1907 von Hans Bertle, dem Sohn Jakobs, gemalt.

Der Hauptaltar mit seinem Ziboriumüberbau wurde 1873/74 von den Brüdern Anton (* 1834; † 1914) und Ignaz Bertle (* 1837; † 1894) nach den Plänen von Josef Müller geschaffen. Als Anregung mag dabei das Ziborium aus Sant'Ambrogio in Mailand gedient haben. Der Altar wurde im Zentrum des Altarraumes über einem Schrein mit den Reliquien des Heiligen Jodok errichtet.

Der linke Seitenaltar im Chor ist ein neuromanischer Aufbau und ausgestattet mit Figuren von Moritz Schlachter. Der linke Seitenaltar im Chor zeigt ein Relief mit der Kommunionsausteilung des hl. Karl Barromäus.

Die Kirchenfenster in Bleiverglasung wurden Ende des 19. Jahrhunderts von einheimischen Familien gestiftet. Sie stellen Szenen aus dem Leben Jesu dar und werden durch Medaillons über den Fenstern – ebenfalls von Hans Bertle – ergänzt.

Der Schrunser Künstler und Restaurator Konrad Honold (* 1918; † 2007) gestaltete 1965 oberhalb des Kriegerdenkmals an der Außenfassade der Kirche ein farbiges Glasmosaik: Es stellt den Heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen dar.

Orgel[Bearbeiten]

Die heutige Orgel stammt aus der Feldkircher Orgelbauwerkstatt Pflüger (1988). Sie wurde in das alte Gehäuse aus dem Jahre 1867 eingefügt, welches von heimischen Kunsttischlern sorgfältig restauriert wurde. Die Orgel wurde nach der Disposition von Prof. Günther Fetz erstellt und besitzt 41 Register, die auf 3 Manuale und das Pedal aufgeteilt sind.
Sie zählt zu den besten Orgeln Vorarlbergs.

Friedhof[Bearbeiten]

Der Schrunser Friedhof befand sich in alter Zeit rings um die Kirche und wurde im Jahr 1844 an seinem heutigen Platz angelegt. Heute lohnt sich ein Rundgang durch den Friedhof allein wegen der Vielzahl an kunstvoll handgeschmiedeten Grabkreuzen. Entlang der umfassenden Mauer, unter den Arkaden, sind Gemälde aus dem Neuen und Alten Testament von Franz Bertle (1852) und K. Honold verteilt.

Friedhofskapelle

Die Friedhofskapelle wurde 1850 erbaut. Das Deckenbild stammt von Jakob Bertle und stellt „Die Auferstehung Christi“ dar.

Neue Friedhofskapelle

Die Neue Friedhofskapelle wurde 1959/1960 nach Plänen von Architekt Werner Pfeifer (1919–1972) erbaut.

Literatur[Bearbeiten]

  • Montafoner Heimatbuch, Herausgeber: Stand Montafon (1974)
  • Schrunser Pfarrkirche, Herausgeber: Pfarre St. Jodok, Schruns
  • Schruns, St. Jodok; Herausgeber: Kath. Pfarramt Schruns (1997), ISBN 3-89643-065-3
  • Dehio-Handbuch Vorarlberg (1983); ISBN 3-7031-0585-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pfarrkirche St. Jodok (Schruns) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Vorarlberger Nachrichten vom 26./27. August 1989: VN Extra, Schruns

47.0803722222229.9193916666667Koordinaten: 47° 4′ 49″ N, 9° 55′ 10″ O