Pfarrkirchen

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Dieser Artikel befasst sich mit der deutschen Stadt Pfarrkirchen im Rottal; zu den gleichnamigen österreichischen Orten siehe Pfarrkirchen im Mühlkreis und Pfarrkirchen bei Bad Hall.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Pfarrkirchen
Pfarrkirchen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Pfarrkirchen hervorgehoben
48.43251666666712.938381Koordinaten: 48° 26′ N, 12° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Rottal-Inn
Höhe: 381 m ü. NHN
Fläche: 52,33 km²
Einwohner: 11.952 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 228 Einwohner je km²
Postleitzahl: 84347
Vorwahl: 08561
Kfz-Kennzeichen: PAN, EG, GRI, VIB
Gemeindeschlüssel: 09 2 77 138
Stadtgliederung: 95 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Stadtplatz 2
84347 Pfarrkirchen
Webpräsenz: www.pfarrkirchen.de
Bürgermeister: Wolfgang Beißmann (CSU)
Lage der Stadt Pfarrkirchen im Landkreis Rottal-Inn
Geratskirchen Zeilarn Wurmannsquick Wittibreut Unterdietfurt Triftern Tann (Niederbayern) Stubenberg (Niederbayern) Simbach am Inn Schönau (Rottal) Roßbach (Niederbayern) Rimbach (Landkreis Rottal-Inn) Reut Postmünster Pfarrkirchen Mitterskirchen Massing Malgersdorf Kirchdorf am Inn (Bayern) Julbach (Inntal) Johanniskirchen Hebertsfelden Gangkofen Falkenberg (Niederbayern) Ering Egglham Eggenfelden Dietersburg Bad Birnbach Bayerbach (Rottal-Inn) Arnstorf Landkreis Landshut Landkreis Dingolfing-Landau Landkreis Deggendorf Landkreis Passau Landkreis Altötting Landkreis Mühldorf am Inn ÖsterreichKarte
Über dieses Bild
Pfarrkirchen vom Gartlberg

Pfarrkirchen ist die Kreisstadt des niederbayerischen Landkreises Rottal-Inn in Deutschland.

Wahrzeichen der Stadt sind die Wallfahrtskirche Gartlberg und das Wimmer-Ross auf dem Stadtplatz, das an die lange Pferdetradition der Stadt erinnert. Die Bronze-Plastik wurde 1966 von Hans Wimmer geschaffen.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Fluss Rott im Rottal. Der Hauptort zieht sich nördlich der Rott, über die Höhen des Galgenberg und des Gartlberg bis zum Reichenberg als homogene Bebauung.

Südlich der Rott schließt sich der Stadtteil Mooshof mit dem angrenzenden Gewerbe- und Industriegebiet an. Die übrigen Ortsteile liegen als Einzelorte in der Umgebung. Die Fläche ist von der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung geprägt.

Pfarrkirchen liegt an der B 388, die vom 50 km entfernten Passau in die 125 km entfernte Landeshauptstadt München führt. Außerdem befindet sich die Stadt 65 km südlich von Straubing, 30 km südwestlich von Vilshofen an der Donau, 40 km westlich von Schärding, 22 km nördlich von Braunau am Inn und 80 km von Salzburg entfernt.

Einwohner[Bearbeiten]

Die Stadtgemeinde Pfarrkirchen hat mit ihren rund 12.000 Einwohnern – einschließlich Umgebung mit etwa 14.000 Einwohnern – das größte Einzugsgebiet im Landkreis. Zur Stadtgemeinde gehören die vormals eigenständigen Gemeinden Reichenberg mit ca. 2800, Untergrasensee mit ca. 1700 und Waldhof mit ca. 600 Einwohnern.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Pfarrkirchen hat 95 amtlich benannte Ortsteile:[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde Pfarrkirchen als pharrachiricha Ende des 9. Jahrhunderts und ist demnach nach seiner Kirche benannt. Der Ort kam 1262 zusammen mit der Burg Reichenberg zum Herzogtum Niederbayern, und damit in den Besitz der Wittelsbacher. 1317 wurde es von den niederbayerischen Herzögen mit Marktrechten versehen und 1862 zur Stadt erhoben. Die Burg Reichenberg war Sitz des Vitztums „an der Rott“.

Sitz Grub (Pfarrkirchen)
Schloss Reichenberg (Pfarrkirchen)

Durch die Eröffnung der „Rottalbahn“ von Neumarkt-Sankt Veit über Eggenfelden und Pfarrkirchen nach Pocking erhielt der Ort am 1. September 1879 Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Seit der Gebietsreform, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat, ist Pfarrkirchen die Kreisstadt des Landkreises Rottal-Inn.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Reichenberg, Untergrasensee und Waldhof eingegliedert.[3]

Politik[Bearbeiten]

Altes Rathaus (erbaut um 1500)

Stadtrat und Bürgermeister[Bearbeiten]

Zusammensetzung des Stadtrates in der Legislaturperiode 2014-2020:[4]

Partei / Liste CSU Freie Wähler SPD JL-BL
Sitze 11 6 4 3
Stimmenanteil 45,84 % 22,92 % 18,15 % 13,10 %

1. Bürgermeister der Kreisstadt Pfarrkirchen ist seit dem 1. Mai 2014 Wolfgang Beißmann (CSU). Er setzte sich in der Stichwahl am 30. März 2014 mit 58,7% gegen seinen Konkurrenten von den Freien Wählern durch. Beißmann ist Nachfolger von Georg Riedl (CSU), der aus Altersgründen bei der Kommunalwahl 2014 nicht mehr antreten konnte und 24 Jahre lang an der Spitze der Stadt stand.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Pfarrkirchen pflegt Partnerschaften mit

Losere Partnerschaften gibt es mit den beiden österreichischen Gemeinden namens Pfarrkirchen: Pfarrkirchen bei Bad Hall und Pfarrkirchen im Mühlkreis.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wahrzeichen der Stadt sind die 'Wallfahrtskirche Gartlberg' und das 'Wimmer-Ross'.

Die Stadtpfarrkirche
Blick auf den Turm des alten Rathauses durch die Beine des Wimmer-Rosses
Das Wimmer-Ross auf dem Stadtplatz mit dem neuen (links) und dem alten Rathaus (hinten)
  • Stadtbefestigung: Der Stadtkern ist von einer Kastanienallee umgeben, die auf der Krone des Ringwalls der alten Befestigungsanlage angelegt wurde. Der nordöstlich gelegene, ca. 115 Meter lange Stadtweiher ist ebenfalls ein Relikt der damaligen Befestigung. Diese bestand aus der Stadtmauer, dem Wassergraben, dem Wehrwall und dem Vorgraben. Vor allem im westlichen Teil der Ringallee ist die Stadtbefestigung mit Mauer, Turm und Schanzanlage am besten erhalten.
  • Stadtpfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus: Die Stadtpfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus aus dem frühen 14. Jahrhundert prägt das Stadtbild der Altstadt. Die zunächst im romanischen Stil erbaute Kirche wurde im 15. Jahrhundert im Stil der Spätgotik in eine dreischiffige Kirche umgebaut. Weitere Umbauten fanden 1860 und 1971 statt. Die Pfarrkirche hat einen 67 m hohen Kirchturm. Ursprünglich war die Kirche zweitürmig, der südliche Turm brannte 1648 aus und wurde abgetragen.
  • Altes Rathaus: Das barocke alte Rathaus (um 1500 erbaut) besitzt einen achteckigen Kuppelturm mit Uhr und Glocke.
  • Stadtplatz: Am Stadtplatz zeigen die Wohnbauten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert - weitab vom eigentlichen Kerngebiet - den Inn-Salzach-Stil: Vor Grabendächern liegen horizontal abschließende Fassaden. Viele dieser Gebäude beherbergen Marien- oder Heiligenfiguren in außenliegenden Mauernischen. Diese wurden nach der Belagerung durch das österreichische Infanterieregiment Nr. 49 des General Bernklau[5] an den Gebäuden angebracht, die im österreichischen Erbfolgekrieg durch dessen Beschuss mit erhitzten Kanonenkugeln unversehrt blieben. Einige dieser Kugeln sind neben dem Haupteingang der Gartlbergkirche als Votivgabe zu sehen.
  • Trabrennbahn: In Pfarrkirchen befindet sich die älteste Trabrennbahn Bayerns. Sie wurde am 22. September 1895 eröffnet. Neben den an Pfingsten stattfindenden Trabrennen werden auch hochklassige, internationale Sandbahnrennen ausgerichtet.
  • Wimmer-Ross: Das Wimmer-Ross auf dem Stadtplatz, eine 1966 geschaffene Bronze-Plastik von Hans Wimmer, erinnert an die lange Pferdetradition der Stadt.
  • Marienwallfahrtskirche: Die Marienwallfahrtskirche auf dem Gartlberg wurde zwischen 1661 und 1715 im barocken Stil erbaut. Sie beherbergt neben üppigem Kircheninventar eine Vielzahl von Votivgaben, die einen guten Überblick über die Stadthistorie geben. Von der Stadt bis zur Kirche auf dem Gartlberg führt ein Kreuzweg mit 15 Stationen.
  • Sender Pfarrkirchen: Der Sendemast der Deutschen Telekom AG für UKW und TV, mit einer Höhe von 164 Metern gehört zur Gemeinde Postmünster, prägt aber die südliche Horizontlinie der Stadt.
  • Die Pfarrkirchner „Wall-Street“: Um 1800 verlor der Befestigungswall seine Bedeutung, da die Mauer durch die Veränderung der Kriegsführung (moderne Waffen) keinen Schutz mehr bot und die ansteigende Zahl der Bevölkerung innerhalb der Mauern keinen Platz mehr fand. 1803 wurden 365 Obstbäume auf dem alten Befestigungswall angepflanzt.
    Zwischenzeitlich durch Pappeln (1828) ergänzt, entstand 1876 die auch jetzt noch bestehende Kastanienallee, die im wahrsten Sinne des Wortes die Pfarrkirchner „Wall-Street“ bildet. 1905 wurden beim Bau der Höheren Landwirtschaftsschule (Gymnasium) die Wassergräben aufgeschüttet. Reste des Stadtgrabens sind am Stadtweiher zu sehen. Die Friedenseiche an der Südostecke wurde 1871 gepflanzt.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Pfarrkirchen

Panoramaaufnahme von Pfarrkirchen. In der Mitte ist die Pfarrkirche erkennbar, rechts der Gartlberg mit der zweitürmigen Wallfahrtskirche.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Pfarrkirchen sind zahlreiche klein- und mittelständische Betriebe angesiedelt. Neben dem größten Möbelhaus der Region ist die Stadt auch Produktionsstandort großer Lebensmittelvermarkter. Zusammen mit einem Unternehmen zur Formteilveredelung sowie einem Holzverarbeiter bilden sie die größeren Produktionsbetriebe.

Daneben gibt es eine Vielzahl an Groß- und Einzelhandelsbetrieben sowie leistungsfähigen Handwerksfirmen mit teilweise hochspezialisierten Berufsbildern oder überregionaler Bedeutung.

Einen weiteren wichtigen Arbeitgeber stellen die zahlreichen Ämter, Behörden und Schulen dar. Neben Bundesbehörden sind auch Dienststellen des Landes und die Verwaltungseinrichtungen von Kreis und Kommune vertreten.

Pfarrkirchen ist auch Standort eines geriatrisch spezialisierten Krankenhauses mit über 160 Betten.

Bildung[Bearbeiten]

Der Schulstandort Pfarrkirchen umfasst neben Grund-, Mittel- und Realschule auch ein Gymnasium mit angeschlossenem Internat, eine sonderpädagogische Einrichtung und eine Fach- und Berufsoberschule. Pfarrkirchen ist Berufsschulstandort und besitzt eine Landwirtschaftsschule sowie verschiedene Berufsfachschulen mit überregionaler Bedeutung.

Verkehr[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger:
Söhne und Töchter

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. bayerische-landesbibliothek-online.de
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 552.
  4. Wahlenportal Stadt Pfarrkirchen
  5. Constantin von Wurzbach: Bärnklau, Johann Leopold Freiherr zu Schönreith. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 1, Verlag L. C. Zamarski, Wien 1856, S. 117.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pfarrkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien