Pferdeschwemme

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ehemalige Pferdeschwemme an der Leine am Hohen Ufer in Hannover
Pferdeschwemme auf der Festung Marienberg über Würzburg
Intakte Weed in Ippesheim

Eine Pferdeschwemme, auch Weed oder Wette (süddt.) genannt,[1] war eine Stelle in einem Fluss, Bach oder Teich oder eine große Quellfassung, an der Pferde und andere Zugtiere nach der Arbeit ins Wasser geführt, gesäubert und getränkt werden konnten. Im Sommer wurden die erhitzten Pferde in der Schwemme abgekühlt.

Geschichte[Bearbeiten]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Schwemmen bzw. Wetten wurden an ortsnahen Fließgewässern, Teichen oder größeren Quellfassungen angelegt. Ihr Untergrund war meist gepflastert, damit der Boden beim Betreten durch die Tiere nicht aufgewühlt und so das Tränken beeinträchtigt wurde. Beim Zugang zum Wasser befand sich in der Regel eine Vorrichtung zum Anbinden der Pferde oder anderer Zugtiere. Meist dienten die Wetten zugleich, nach der Einführung von Hauswasserleitungen im 19. und 20. Jahrhundert ausschließlich als Löschwasserteich.

Etymologische Herleitung[Bearbeiten]

In Süddeutschland und der Schweiz kennt man den erstmals im fränkischen und wenig später auch im alemannischen Sprachraum nachgewiesenen Ausdruck „Wette“, nördlicher auch Weed oder flämisch Wedde, ein Wort, das ursprünglich die Schwemme und später auch Löschwasserreservoire bezeichnete. Laut Kluge ist es „eine Ableitung von wetten, das heißt 'Tiere in die Schwemme treiben', was seinerseits eine Ableitung von waten ist. Wetten heißt somit wörtlich jemanden oder etwas waten machen, es zu Schwemme und Tränke führen. Dazu ahd. wati (fem.), das aus abstr. 'Schwemmung, Tränkung (des Viehs)' in die örtliche Bedeutung Wasserbehälter, wo das geschieht, übergeführt wurde“.[2]

Orts- und Gewässernamen als Hinweis auf ehemalige Pferdeschwemmen[Bearbeiten]

Viele Gewässer, die als Pferdeschwemme genutzt wurden, tragen die Silbe Ross in ihrem Namen; so etwa der Rossneckar in der Pliensauvorstadt. Auch der Rosenbach auf der Gemarkung Neckarbischofsheim trug ursprünglich den Namen Rossbach, weil er wohl als Pferdeschwemme genutzt wurde.[3] Der Name der böhmischen Gemeinde Koněprusi bedeutet wörtlich übersetzt Pferdeschwemme; ebenso leiteten sich davon die in Mähren vorkommenden Ortsnamen Prusy und Prusinovice ab.[4] Dasselbe gilt für die häufigen Orte namens Marbach, da die Vorsilbe Mar- wie beim Marstall meist von Mähre als Synonym für Ross kommt.

Auf ehemalige Pferdeschwemmen weisen auch die häufig überlieferten Namensbestandteile Wette, Wett und Weed hin: zum Beispiel Bei der Wette, Wettebrunnen, Wetteplatz, Wettegraben, Wettbach oder Weedgasse bzw. An der Alten Weed in Bad Windsheim.

Rückbau und Relikte[Bearbeiten]

In einem Leserbrief vom 17. Februar 1841 äußerte sich ein anonymer Eisenberger Bürger im Eisenberger Nachrichtsblatt über die geplante Umgestaltung der Pferdeschwemme im Ortszentrum.[5] Die Pläne scheinen darauf hinzudeuten, dass man hier vom ursprünglichen Verwendungszweck des Gewässers abgekommen und nur noch bestrebt war, ein Löschwasserreservoir zu erhalten. Ein ähnliches Los erlitt 1925 die Pferdeschwemme bei Gramatneusiedl.[6]

Wette in Markgröningen: im 19. Jhdt. überdacht und mit einem eingehausten Treppenabgang versehen

Überreste einer vermutlich mittelalterlichen Pferdeschwemme wurden 2006 auf der Cadolzburg freigelegt. Erhalten sind die Pflasterung am Grund, die aus Sandsteinen besteht, sowie Abdichtungen aus Lehm und Beckenmauern. Das früheste Zeugnis über diese Pferdeschwemme ist eine Skizze des Landgrafen Moritz von Hessen. Die Schwemme behielt ihr ursprüngliches Aussehen wohl bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bei; später wurde sie als Löschwasserteich genutzt und schließlich, nach Abbruch der Umfassungsmauern, mit Erde verfüllt.[7]

Am Markgröninger Wetteplatz ist die im Mittelalter ausgemauerte Schwemme noch erhalten. Die etwa zwölf mal fünf Meter große Wette wurde im 19. Jahrhundert allerdings durch ein Gewölbe überspannt und mit einem eingehausten Treppenabgang versehen. Fortan wurde sie als Löschwasserreservoir und Brunnen mit Schwengelpumpe genutzt (siehe Bild).

Pferdeschwemmen und Kunst[Bearbeiten]

Der "Rossebändiger" der Marstallschwemme in Salzburg
In Homberg (Efze): von der Schwemme zum Wasserspiel

Vielfach, insbesondere während der Barockzeit, wurden Pferdeschwemmen künstlerisch ausgestaltet. In Altenburg etwa wurde die zum Schloss gehörende Pferdeschwemme im 17. Jahrhundert mit einer Neptunstatue, auf einer Säule stehend, geschmückt.[8]

Die barocke Salzburger Marstallschwemme stammt aus dem späten 17. Jahrhundert und ist mit der Skulptur eines Pferdebändigers von Bernhard Michael Mandl und heute mit Sekkomalerei von Josef Ebner (aus der Mitte des 18. Jahrhunderts) ausgestaltet.[9]

Künstlerisch gestaltet wurde das Thema Pferdeschwemme auch z. B. von Constantin von Mitschke-Collande in seinem Gemälde Pferdeschwemme, das 1926 auf der Internationalen Kunstausstellung in Dresden zu sehen war,[10] oder von Arthur Illies in einer Aquatintazeichnung.[11]

In der Regel waren Pferdeschwemmen jedoch einfach Einrichtungen des täglichen Gebrauchs – ein typisches Beispiel zeigt etwa eine Fotografie aus dem Frankfurter Stadtteil Ginnheim aus dem Jahr 1911.[12] sowie die 1718 erstmals erwähnte und noch intakte Schwemme im mittelfränkischen Ippesheim (siehe Bild).

Pferdeschwemme in Katar

Wiederherstellung und Neubau[Bearbeiten]

Heute werden manche Pferdeschwemmen in ihren alten Zustand zurückversetzt, so auch beim Lenné-Park in Gorgast,[13] oder wie in Homberg (Efze) zur Belebung der Altstadt zum Wasserspiel umgebaut. Gelegentlich werden Pferdeschwemmen neu angelegt, so zum Beispiel im Jahr 2004 am Rückersdorfer Badesee.[14]

Pferdeschwemmen werden heute auch als Trainingseinrichtungen verwendet, um die Kondition von Pferden zu verbessern oder verletzte Pferde während der Rehabilitation zu unterstützen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache. De Gruyter, Berlin 1960, S. 844.
  2. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache. De Gruyter, Berlin 1960, S. 844.
  3. Die Bäche der Neckarbischofsheimer Gemarkung (Memento vom 8. August 2007 im Internet Archive)
  4. http://www.prusy-boskuvky.eu/index.php?page=historie-obce
  5. http://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00072832
  6. Pferdeschwemme auch: Rossschwemme Gramatneusiedl (Memento vom 27. Mai 2007 im Internet Archive)
  7. http://www.haidhausen.org/kultur-muenchen/pferdeschwemme-auf-der-cadolzburg_100132_102647.html
  8. http://www.altenburg.eu/sixcms/detail.php?id=5271&_lang=de
  9. Pferdeschwemme – 1693 nach Plänen Fischers von Erlach erbaut (Memento vom 9. Juli 2003 im Internet Archive)
  10. http://www.deutschefotothek.de/obj30120363.html#%7Chome
  11. http://www.galerie-herold.de/seiten/bildseiten/illiesarthur-bild06.html
  12. http://altfrankfurt.com/Stadtteil/Ginnheim/
  13. http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Seelow/id/179739
  14. www.naturpark-nlh.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pferdeschwemmen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Wette (Weed) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien