Pfirsich

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Pfirsich
Illustration Prunus persica0.jpg

Pfirsich (Prunus persica)

Systematik
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Spiraeoideae
Tribus: Steinobstgewächse (Amygdaleae)
Gattung: Prunus
Art: Pfirsich
Wissenschaftlicher Name
Prunus persica
(L.) Batsch

Der Pfirsich (aus lateinisch malum Persicum, dieses wiederum von griechisch μῆλον Περσικόν mêlon Persikón ‚persischer Apfel‘; botanischer Name Prunus persica) ist eine Pflanzenart der Gattung Prunus und gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Seine Früchte werden Pfirsiche genannt und zählen zum Steinobst.

Merkmale[Bearbeiten]

Der Pfirsich ist ein Baum, der Wuchshöhen von 1 bis zu 8 Meter erreicht. Seine Zweige sind gerade und kahl. Junge Zweige sind auf der Sonnenseite rot und auf der von der Sonne abgewandten Seite grün. Die Langtriebe besitzen eine Endknospe. Seitenknospen sind zumindest bei starken Langtrieben in der Regel zu dritt in Blattachseln vorhanden. Die Knospen sind behaart. Die Laubblätter sind lanzettlich, 8 bis 15 Zentimeter lang, 2 bis 4 Zentimeter breit und spitz bis lang zugespitzt. Ihre Basis ist breit keilförmig. Der Blattrand ist in der Regel doppelt und mehr oder weniger fein gezähnt. Die breiteste Stelle der Blattspreite befindet sich in der Mitte oder etwas oberhalb. Blattober- und Unterseite sind dunkelgrün und kahl. In Knospenlage sind die Blätter gefaltet. Der Blattstiel hat eine Länge von 1 bis 1,5 Zentimeter.[1]

Die meist einzelnen Blüten sind sehr kurz gestielt oder fast sitzend. Sie sind am Grund von Knospenschuppen umgeben und entfalten sich noch vor den Blättern. Ihr Durchmesser beträgt 2,5 bis 3,5 Zentimeter. Der Blütenbecher ist glockig, Länge und Breite sind ungefähr gleich. Die Kelchblätter sind ganzrandig und an ihrer Außenseite wollig behaart. Die Kronblätter sind bis zu 2 Zentimeter lang, oval und meist ganzrandig. Sie sind meist tief, selten blass rosa gefärbt. Die ungefähr 20 Staubblätter sind geringfügig kürzer als die Kronblätter. Sie sind meist rötlich gefärbt, selten auch gelb.[1]

Schemazeichnung Pfirsichfrucht
Das Innere eines Pfirsichkerns

Die meist kugelige Steinfrucht hat einen Durchmesser von 4 bis 10 Zentimetern und eine Längsfurche. Sie ist blassgrün oder gelb, auf der Sonnenseite rötlich überlaufen und oft mit einer samtigen Behaarung bedeckt, aber dennoch glatt. Das Fruchtfleisch ist saftig, dickschichtig und blaßgrün oder orange. Der Steinkern hat meist fast die Form einer Kugel, eine dicke Schale, tiefe Furchen und ist sehr hart.[1]

Die Blütezeit liegt in Mitteleuropa im April.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[1]

Sorten[Bearbeiten]

Kriterium: Fruchtfleischfarbe / Art der Kernlösung[Bearbeiten]

Es gibt weiß-, gelb- und rotfleischige Sorten und darunter solche, die steinlösend („Freestones“, „Kerngeber“) und nichtsteinlösend („Clingstones“, „Durantien“) sind.

Sorten[Bearbeiten]

Es gibt zahlreiche Pfirsichsorten, z. B.:

  • Benedicte
  • Diniert
  • Früher Alexander
  • Früher Roter Ingelheimer
  • Red Haven
  • Revita
  • Roter Ellerstädter (= Kernechter vom Vorgebirge / Vorgebirgspfirsich)
  • Rekord aus Alfter (= Rekord von Alfter)
  • Suncrest
  • South Haven
  • Roter Weinbergpfirsich – Weinbergspfirsiche haben ein dunkelrotes, sehr festes Fruchtfleisch und eine dunkle, pelzige Haut. Das Fruchtfleisch ist meist weniger süß als das anderer Sorten, hat aber einen intensiveren Pfirsichgeschmack und Geruch. Daher wird er selten roh gegessen, sondern überwiegend zu Marmelade oder Likör verarbeitet oder in Gläsern eingekocht.
  • Weißer Ellerstädter

Varietäten[Bearbeiten]

Plattpfirsich[Bearbeiten]

Plattpfirsiche sind eine Form der Pfirsiche
Plattpfirsich

Eine Varität ist der Plattpfirsich (Prunus persica var. platycarpa), der in Spanien paraguayo (Plural: paraguayos) bzw. paraguaya genannt wird. Plattpfirsiche werden in den letzten Jahren unter der Bezeichnung „Wildpfirsiche“, „Adelsbergpfirsiche“[2], „Bergpfirsiche“ oder „Weinbergpfirsiche“ häufiger im Obsthandel (meist zu höheren Preisen als „Rundpfirsiche“) angeboten.

Nektarine[Bearbeiten]

Die Nektarine (Prunus persica var. nucipersica) stellt ebenfalls eine Varietät oder Mutation des Pfirsichs mit glatter Schale und im Mittel kleineren Früchten dar. Von dieser gibt es ebenfalls zahlreiche Sorten.

Eine neuere Hybride ist die Nectavigne. Diese ist aus einer Kreuzung der Nektarine und dem Lyonaiser Weinbergpfirsich entstanden.

Anbau[Bearbeiten]

Pfirsiche unterliegen der Vernalisation und benötigen daher mehrere hundert Stunden Winterkälte, um zu gedeihen. Andererseits kann die frühe Blüte (in Westeuropa schon im März) von Spätfrösten in Mitleidenschaft gezogen werden. Winterregen begünstigt den Pilzbefall durch Taphrina deformans (Kräuselkrankheit), weswegen Pfirsiche in Europa kaum ohne Fungizideinsatz angebaut werden. In Mitteleuropa liegt die Blütezeit im April, und der Pfirsich wird vor allem in Weinbaugebieten angebaut. Vermehrt wird der Pfirsich vorwiegend durch Okulation.

Saftreife, aromatische Pfirsiche lassen sich in Mitteleuropa im Prinzip nur im eigenen Garten ernten. Die gekauften Pfirsiche werden in der Regel noch im harten Zustand vom Baum genommen, damit sie den Transport überstehen können. Solche Früchte reifen aber nicht vollkommen nach und das typische Pfirsicharoma ist nicht so stark ausgeprägt.

Pfirsiche benötigen regelmäßigen Rückschnitt, da sie sonst von innen verkahlen.[3]

Anbaugebiete[Bearbeiten]

Die Hauptanbaugebiete für Pfirsiche sind China, Italien und Spanien.[4]

„Žganica“ (Schganiza), eine Art der Rakia bzw. Obstbrand aus Pfirsichen hergestellt in Međimurje, NordKroatien

Die Anbaufläche für Pfirsiche in Italien nahm von 60.957 ha im Jahr 2006 auf 57.588 ha im Jahr 2011 ab.[5]

Verwendung[Bearbeiten]

Große Mengenanteile der Pfirsichfrüchte werden frisch als Obst vermarktet. Pfirsiche in Hälften oder Schnitzen sind eine verbreitete Form der Obstkonserve. Die Kerne werden aus der Schale gelöst, zu Persipan verarbeitet und in der Aromatisierung von Spirituosen verwendet.

Es gibt auch einige Beschreibungen zur arzneilichen Verwendung des Pfirsichs. Beispielsweise empfahl Hildegard von Bingen die unreife Frucht samt Kernen, die Blätter, die Wurzel, das Harz und die Rinde zur äußerlichen Anwendung bei tränenden Augen, Kopfschmerzen und Gicht. Der Samen kann in großen Mengen giftig sein, da er etwa 6,5 % Blausäure abspaltendes Amygdalin enthält. Die Blätter enthalten ein verwandtes Blausäureglykosid.[6]

Die gummiähnliche Ausscheidung der Frucht wurde bis zur Herstellung synthetischen Klebers in manchen Gegenden als Klebstoff verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Einzelne Pfirsichblüte
Pfirsichblüten

Ursprungsland des Pfirsich ist China, wo seine Kultur schon 2000 v. Chr. bekannt war. Er gelangte dann über Persien nach Griechenland und in weiterer Folge durch die Römer nach Mitteleuropa.

Symbolik[Bearbeiten]

In China gilt der Pfirsich als Symbol der Unsterblichkeit. In der daoistischen Mythologie baut die Königmutter des Westens (Xiwangmu) die Früchte in einem entlegenen Gebirgstal an, wo sie nur alle tausend Jahre reif werden. Ein berühmtes Werk des Dichters Tao Yuanming trägt den Titel Der Pfirsichblütenquell und berichtet von einer idealen Gesellschaft fernab der Zivilisation. Daneben sind mit dem Bild des Pfirsichs verschiedene sexuelle Konnotationen verbunden.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Aufgeschnittener Pfirsich
100 g Pfirsich enthalten[7][8]
kcal kJoule Wasser Fett Kalium Calcium Magnesium Vitamin C
41 170–176 87 g 0,1 g 205 mg 8 mg 9 mg 10 mg
Tagesbedarf eines Erwachsenen bei 100 g[7]
Kalium Calcium Magnesium Vitamin C
9 % 1 % 3 % 13 %

Krankheiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Hildemar Scholz, Ilse Scholz: Prunoideae. In: Hans. J. Conert u.a. (Hrsg.): Gustav Hegi. Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band 4 Teil 2B: Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2 (3). Rosaceae 2. Blackwell 1995, S. 446-510. ISBN 3-8263-2533-8
  2. Bastian et al.: Meine Heimat: Chemnitz und Umgebung. Schreiter, Arnsfeld, 2009.
  3. Rudolf Metzner: Das Schneiden der Obstbäume und Beerensträucher. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, 12. Aufl. 1966.
  4. http://www.ulmer.de/Sorten-und-Anbau-Pfirsich-und-Nektarine,QUlEPTcwOTk0MSZNSUQ9MzIxMA.html
  5. _http://www.fruchthandel.de/newsnet/aktuelle-news/einzelmeldung-newsmail/italien-anbauflaechen-fuer-pfirsiche-und-nektarinen-ruecklaeufig/44258bf2ca267e62da7df45d2a5733e2/
  6. Harald Nielsen: Giftpflanzen. Franckh'sche Verlagshandlung (Kosmos Feldführer) 1979, ISBN 3-440-04715-6.
  7. a b EU-Nährwertkennzeichnungsrichtlinie (Richtlinie 90/496/EWG)
  8. Rewe Nährwerttabelle Pfirsiche und Nektarine. In: foodnews.ch. Abgerufen am 9. November 2012.
  9. http://141.20.115.193/gartenbau/ob/Module/Steinobst.pdf.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Manfred Fischer (Hrsg.): Farbatlas Obstsorten. 2. Auflage. Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-5547-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pfirsich (Prunus persica) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien