Pfizer

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Pharmakonzern Pfizer, zu anderen Bedeutungen des Wortes „Pfizer“ siehe Pfizer (Begriffsklärung).
Pfizer Inc.
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Rechtsform Incorporated
ISIN US7170811035
Gründung 1849
Sitz New York City, NY, Vereinigte Staaten
Leitung Ian Read
Mitarbeiter ca. 90.000, davon ca. 3.000 in Deutschland (Stand August 2012)[1]
Umsatz 51,6 Mrd. USD (2013)[2]
Branche Pharmazie, Humanmedizin, Tiergesundheit
Produkte Medikamente, ImpfstoffeVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.pfizer.com www.pfizer.de www.pfizerah.com

Die Pfizer Inc. [ˈfaɪzəɹ], ursprüngliche Aussprache [ˈpfizəɹ] ist ein weltweit vertretener Pharmakonzern mit Hauptsitz in New York, NY, Vereinigte Staaten. Gegründet wurde er von Charles Pfizer (eigentlich Karl Pfizer) aus Ludwigsburg. Pfizer wurde 2012 von Novartis als weltgrößtes Pharmaunternehmen abgelöst.[3][4] Im Ranking der 20 Unternehmen mit den weltweit höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) stand im Jahr 2011 Pfizer (nach Toyota, Novartis und Roche) an vierter Stelle.[5]

Wirtschaftliche Lage[Bearbeiten]

Die Firma Pfizer machte im Jahr 2013 weltweit einen Umsatz von 51,6 Mrd. USD; dies bedeutet einen Rückgang gegenüber Vorjahr von 6 Prozent.[2] Bis 2012 war es das größte Pharmaunternehmen der Welt, jedoch wurde es inzwischen von Novartis abgelöst.[4] Nach Umstrukturierungen im Unternehmen und Akquisitionen hat sich die Mitarbeiterzahl weltweit auf ca. 90.000 eingependelt.[1] Pfizer investiert in Forschung und Entwicklung jährlich 7,0 Mrd. USD.[1]

Pfizer in deutschsprachigen Ländern[Bearbeiten]

Deutsche Firmenzentrale des Pharmakonzerns Pfizer

Die Firmenzentrale wurde 2008 von Karlsruhe nach Berlin verlegt.[1] Deutsche Niederlassungen befinden sich in Düsseldorf, Freiburg und Illertissen. In Deutschland beschäftigt Pfizer rund 4000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2010 rund 2,0 Mrd. Euro Umsatz.[1] Die österreichische Niederlassung von Pfizer hat ihren Sitz in Wien und beschäftigt 190 Mitarbeiter.[6] Für den Verkauf und Vertrieb von Medikamenten und Tierprodukten in der Schweiz ist die Niederlassung in Zürich zuständig.[7] Im April 2010 erwarb Pfizer den OTC-Pharmahersteller Whitehall-Much.

Pfizer Illertissen[Bearbeiten]

Am Standort Illertissen stellt Pfizer Manufacturing Deutschland GmbH jährlich mehr als 80 Millionen Packungen fester Humanarzneimittel her. Eine der Kernkompetenzen ist die Verarbeitung hochaktiver Substanzen. Auch das Raucher-Entwöhnungsmedikament Champix (Vareniclin) wird hier produziert. 2008 wurde die neue Fabrik für hochwirksame Arzneiformen mit dem ISPE Award Facility of the year ausgezeichnet.

Pfizer Freiburg[Bearbeiten]

Das Werk in Freiburg betreibt seit Oktober 2009 die damals größte Holzpelletheizanlage in Europa. Es wird damit der für die Medikamentenherstellung nötige Prozessdampf erzeugt.[8]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Firma Charles Pfizer & Company wurde von Karl Pfizer und Charles Erhart 1849 in Brooklyn, New York gegründet. Das erste Produkt war Santonin, ein Mittel gegen Parasiten. Die Firma war sehr erfolgreich und erweiterte sich in den folgenden Jahren um weitere Produktions-, Verwaltungs- und Lagerstätten in New York.

  • 1951 wurden weltweit neue Werke aufgebaut; unter anderem in Belgien, Brasilien, Puerto Rico, Kanada, Kuba und England.
  • 1952 begann Pfizer mit dem Aufbau einer Agrarsparte.
  • 1953 Übernahme der J.B. Roerig & Co., auf Nahrungsergänzungsmittel spezialisiert
  • 1971 Übernahme des deutschen Pharmaherstellers Heinrich Mack in Illertissen
  • 1996 wurden neue Antibiotika an Kindern in Nigeria während einer schweren Meningitis-Epidemie getestet, ohne dass hierfür ausreichende Genehmigungen vorlagen; elf von ihnen starben. Pfizer wurde nach dem Bekanntwerden in New York 2007 von der nigerianischen Provinz Kano verklagt.[9] Die außergerichtliche Einigung 2009 wurde von den Familien der Opfer wegen der Gentests, mit denen ermittelt werden sollte, wer Anspruch auf Entschädigung hat, abgelehnt. Nachdem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im Juni 2010 einen Einspruch von Pfizer abwies, ist der Weg für einen Prozess in den Vereinigten Staaten frei.[10]
  • 2000 Übernahme von Warner-Lambert (ehemals Gödecke), in Freiburg
  • 2003 Übernahme von Pharmacia
  • 2006 Verkauf der Consumer-Sparte an Johnson & Johnson
  • 21. Januar 2007 Ankündigung des Abbaus von 10.000 Arbeitsplätzen zur Einsparung von bis zu 1,5 Mrd. Euro Kosten
  • J. Juli 2007 Ankündigung der Verlegung der Deutschlandzentrale von Karlsruhe nach Berlin[11]
  • 2009 Übernahme von Wyeth[12]
  • 2009 gründete Pfizer mit GlaxoSmithKline ein Joint-Venture für HIV-Medizin .[13]
  • 2010 Übernahme von Whitehall-Much
  • 2012 Verkauf der Babynahrungssparte an den Nestlé-Konzern.[14]
  • Abtrennung und Verkauf der Sparte Tiergesundheit (seither Zoetis)

Produkte[Bearbeiten]

Ausgewählte bekannte und umsatzstarke Produkte der letzten Jahre:

Bekannt wurden einige Präparate durch Marktrücknahmen und eine Einstellung der firmeninternen Forschung und der klinischen Testphasen wie etwa:

Ein neuartiges Arzneimittel zur Therapie des Diabetes mellitus war das inhalative Insulinpräparat Exubera®, dessen Produktion laut Pfizer-Ankündigung vom 18. Oktober 2007 aufgrund zu geringer Verkaufsraten eingestellt wurde.[15]

Im Juni 2010 wurde das Knochenmarkkrebs-Medikament Mylotarg® (Wirkstoff: Gemtuzumab ozogamicin) vom US-Markt genommen, da das im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens in den USA zugelassene Arzneimittel, das Pfizer bei der Übernahme des Pharmakonzerns Wyeth übernommen hatte, ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis zeigte.[16]

Nach Klage eines Generikaherstellers wurde Pfizer im November 2012 vom Obersten Gerichtshof Kanadas das Patent für das Potenzmittel Viagra® (Sildenafil) wieder entzogen, weil die Offenlegung über die Erfindung und deren Funktionsweise nicht stattgefunden habe. Dies sei aber die Voraussetzung, um ein zeitlich begrenztes Verwertungsmonopol in Form des Patentschutzes gewähren zu können.[17]

Verfahren gegen Pfizer in den USA und Nigeria[Bearbeiten]

Laut Angaben nigerianischer Behörden und verschiedener Organisationen testete Pfizer im Jahr 1996 das mittlerweile verbotene Antibiotikum Trovafloxacin (Trovan®) an etwa 200 Kindern aus dem Umkreis von Kano (Nigeria).[18] Durch die Wirkung des zuvor noch nicht am Menschen erprobten Mittels starben fünf Kinder, weitere erlitten Schäden.[19] Zahlreichen Kindern wurde im Rahmen dieser Studie der Zugang zu einem erwiesenermaßen wirksamen Medikament vorenthalten.

Diese Thematik wird in dem Roman Der ewige Gärtner von John le Carré (und der gleichnamigen Verfilmung von Fernando Meirelles) aufgegriffen und verarbeitet.

Der oberste Gerichtshof in den USA ebnete im Juni 2010 die Wege für ein Entschädigungsverfahren, nachdem eine außergerichtliche Einigung zwischen Pfizer und dem Bundesstaat Kano von den Opfern abgelehnt wurde .[20]

Der deutsche Kinderarzt und Infektiologe Juan Walterspiel, der damals bei Pfizer die pädiatrischen Studien leitete, hatte schwerwiegende Kritik an der Planung und Durchführung der Versuche geübt und eine weitere Mitarbeit verweigert. Daraufhin wurde ihm gekündigt.[21] Ein Gerichtsverfahren wurde von der Washington Post aufgegriffen, die die Studie und ihre Fragwürdigkeit thematisierte.[22] Pfizer besteht darauf, dass Walterspiel aus anderen, nicht genannten Gründen gekündigt worden sei und dass die Studie ethischen Normen entspreche.[21] Zurzeit laufen mehrere Verfahren in Nigeria mit zum Teil erheblichen Schadensersatzforderungen.[23] Zwei weitere Klagen sind von nigerianischen Eltern in den USA eingereicht worden. Die Verfahren sind im Januar 2009 in New York wieder aufgenommen worden.[24]

Am 2. September 2009 bestätigte das Unternehmen die Zahlung von 2,3 Milliarden Dollar, um damit einen Streit mit der US-Regierung über unlautere Werbepraktiken zu beenden. Es ging unter anderem um die Werbung für das verschreibungspflichtige Schmerzmittel Bextra. Nach Berichten über starke Nebenwirkungen hatte das Unternehmen das Arzneimittel 2005 vom Markt genommen. Mit dem Vergleich werden auch zivil- und strafrechtliche Vorwürfe rechtswidriger Werbepraktiken im Zusammenhang mit den Medikamenten Zyvox, Geodon und Lyrica beigelegt.

Im Dezember 2010 wurden von WikiLeaks Dokumente veröffentlicht, nach denen Pfizer auch versucht hatte, den nigerianischen Staatsanwalt unter Druck zu setzen, um hohen Strafzahlungen zu entgehen.[25]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pfizer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Zahlen und Fakten auf der deutschen Herstellerseite www.pfizer.de
  2. a b www.pfizer.com, Pressemeldung vom 28. Januar 2014.
  3. Frankfurter Rundschau: Novartis überflügelt Pfizer Artikel vom 15. April 2013, abgerufen am 18. Dezember 2013.
  4. a b IMS Health Infografik: Führende pharmazeutische Unternehmen in Deutschland und weltweit im Jahr 2012 (PDF; 25 kB), IMS Health, Infografik 04/2013, abgerufen am 18. Dezember 2013.
  5. The 2012 Global Innovation 1000 Study, S. 6. (PDF; 773 kB), Bloomberg data, Booz & Company, abgerufen am 25. Juli 2013.
  6. Pfizer Österreich
  7. Pfizer Schweiz
  8. Olaf Völker: Ein „grüner Leuchtturm“ in Freiburg. In: Badische Zeitung vom 5. Oktober 2009.
  9. spiegel.de: Medikamenten-Experiment: Nigeria verklagt Pfizer auf zwei Milliarden Schadenersatz. Vom 30. Mai 2007.
  10. Tests an Kindern in Nigeria: Weg frei für Pfizer-Prozess. (Abgerufen am 30. Juni 2010)
  11. Financial Times vom 22. Januar 2007.
  12. Sueddeutsche: Pfizer übernimmt Wyeth
  13. GlaxoSmithKline und Pfizer gründen Joint-Venture für HIV-Medizin.
  14. Bericht in ZEIT online am 23. April 2012
  15. Herstellerseite www.pfizer.de
  16. Pfizer nimmt Krebsmedikament Mylotarg vom US-Markt. Finanznachrichten.de, abgerufen am 22. Juni 2010.
  17. Eins aus 260 Trillionen. ORF vom 9. November 2012, abgerufen am 9. November 2012.
  18. As doctors fought to save lives, Pfizer flew in drug trial team – Amid African meningitis epidemic, 200 children were picked to test a drug. 11 died, and their families began a fight for justice
  19. Pfizers Versuche an Kindern in Nigeria;
    Hauke Goos: Das Labor der Weißen. In: Der Spiegel. 46 (12. November 2007), S. 112–118.
  20. n-tv : Illegale Tests an Kindern - Pfizer muss sich verantworten. auf: n-tv.de, 30. Juni 2010.
  21. a b Nicole Perlroth: Pfizer’s Nigerian nightmare. Forbes Magazine (9. Dezember 2008), S. 66–68.
  22. Joe Stephens: Where Profits and Lives hang in Balance. Washington Post (17. Dezember 2000 ); S. A01
  23. Oluokun Ayorinde: Settlement On The Way. The News – Nigeria’s leading Newspaper (24. November 2008)
  24. Washington Legal Foundation: Court Reinstates Tort Suit Alleging International Law Violation in Abdullahi v. Pfizer, Inc. (30. Januar 2009; PDF; 21 kB)
  25. www.heise.de: Wikileaks - Andauernde Proteste und neue Enthuellungen.