Pfungstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Pfungstadt
Pfungstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Pfungstadt hervorgehoben
49.8055555555568.6044444444444103Koordinaten: 49° 48′ N, 8° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Darmstadt-Dieburg
Höhe: 103 m ü. NHN
Fläche: 42,77 km²
Einwohner: 23.838 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 557 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64319
Vorwahl: 06157
Kfz-Kennzeichen: DA, DI
Gemeindeschlüssel: 06 4 32 018
Stadtgliederung: 3 Stadtteile und Kernstadt
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kirchstraße 12–14
64319 Pfungstadt
Webpräsenz: www.pfungstadt.de
Bürgermeister: Patrick Koch (SPD)
Lage der Stadt Pfungstadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg
Erzhausen Weiterstadt Griesheim Pfungstadt Bickenbach (Bergstraße) Alsbach-Hähnlein Seeheim-Jugenheim Modautal Mühltal Ober-Ramstadt Messel Eppertshausen Münster (bei Dieburg) Dieburg Roßdorf (bei Darmstadt) Fischbachtal Groß-Bieberau Reinheim Groß-Zimmern Otzberg Groß-Umstadt Schaafheim Babenhausen (Hessen) Darmstadt Bayern Odenwaldkreis Kreis Bergstraße Kreis Groß-Gerau Landkreis OffenbachKarte
Über dieses Bild

Pfungstadt ist eine Stadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg im Regierungsbezirk Darmstadt in Südhessen.

Geographie[Bearbeiten]

Luftbild von West nach Ost

Geographische Lage[Bearbeiten]

Pfungstadt liegt etwa 10 km südwestlich der Stadt Darmstadt an der Modau und an der Bergstraße, ungefähr auf halbem Weg zwischen Frankfurt am Main und Heidelberg.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Pfungstadt grenzt im Nordwesten an die Stadt Griesheim, im Norden und Osten an die kreisfreie Stadt Darmstadt, im Südosten an die Gemeinde Seeheim-Jugenheim, im Süden an die Gemeinde Bickenbach, im Südwesten an die Stadt Gernsheim sowie im Westen an die Stadt Riedstadt (beide Kreis Groß-Gerau).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt gehören neben der Kernstadt noch die Stadtteile Hahn und Eschollbrücken mit ihrem Ortsteil Eich.

Geschichte[Bearbeiten]

Pfungstadt wurde am 18. Mai 785 erstmals urkundlich erwähnt. Danach hat Graf Werinher dem Kloster Lorsch seinen Besitz vermacht. Zeugen waren sein Sohn Nanther und der Lobdengaugraf Warin.[2] Mit dem Niedergang des Klosters Lorsch im 13. Jahrhundert fiel das Dorf in den Besitz der Grafschaft von Katzenelnbogen. Südwestlich der Stadt liegen die Hügelreste der Burg Wellberg. Im Jahre 1442 erfolgte die Einrichtung der Zent Pfungstadt. Durch die Ansiedlung zahlreicher Mühlen entlang der Modau kam es zu erstem wirtschaftlichem Aufschwung. Durch Heirat der Grafschaft Katzenelnbogen 1479 kam der Zentort dann schließlich als Erbe zur Landgrafschaft Hessen. Verwaltungsmäßig ist Pfungstadt in Hessen zeitweise eigenes Amt bzw. gehört zu den Ämtern Darmstadt oder Seeheim. 1821 wird es in den Landratsbezirk Bensheim der Provinz Starkenburg im Großherzogtum Hessen eingegliedert. Bis heute wechselt dann die übergeordnete Verwaltungseinheit mehrfach [3]:

Das Rathaus von Pfungstadt wurde 1614 gebaut und 1618 fertiggestellt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden große Teile der Ortschaft in Schutt und Asche gelegt. Im „Mansfelder Schadensverzeichnis“, welches im Stadtarchiv Darmstadt aufbewahrt wird, wird von Plünderungen und Brandschatzungen berichtet. Mit der Gründung einer Krappfabrik im 18. Jahrhundert beginnt die Industrialisierung Pfungstadts, die ab 1845 durch die Ultramarinfabrik von Wilhelm Büchner und die Pfungstädter Brauerei von Justus Hildebrandt, daneben Zündholz-, Zigarren- und Ziegelsteinproduktion geprägt war. Durch Büchners Aktivitäten im Hessen-Darmstädtischen Landtag wurde Pfungstadt mit einer „Secundärbahn“, die Pfungstadtbahn, an die Rhein-Neckar-Bahn angeschlossen und am 20. Dezember 1886 zur Stadt erhoben. Pfungstadt war aufgrund des armen Sandbodens nie sonderlich bäuerlich geprägt, sondern im Wesen eine Stadt der Handwerker und Arbeiter.

Zwischen 1901 und 1908 errichtete Pfungstadt ein hochmodernes Wasser- und Elektrizitätswerk, dessen Abwärme bereits 1908 über einen mehrere hundert Meter langen Kanal die benachbarte Goetheschule, deren Sporthalle und das neu errichtete Hallenbad, eines der ersten öffentlichen Hallenbäder Hessens, beheizte.

Unmittelbar nach der Besetzung durch amerikanische Truppen im März 1945 begann in Pfungstadt die Produktion der amerikanischen Soldatenzeitung „Stars and Stripes“. Pfungstadts Einwohnerzahl wuchs sehr stark durch den Zuzug von Vertriebenen aus den ehemals deutschen Gebieten im Osten. Es entstanden große Siedlungsgebiete, und auch der Katholizismus spielte danach erstmals eine nennenswerte Rolle. Mit der Währungsreform von 1948 begann ein Aufschwung. Es siedelten sich namhafte Industriebetriebe an oder wurden gegründet, auch der Wohnungsbau wurde gefördert.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Hahn und Eschollbrücken nach Pfungstadt eingegliedert. Die Eingliederung der Gemeinde Hahn erfolgte am 1. Juli 1972 freiwillig. Eschollbrücken mit dem bereits am 31. Dezember 1971 nach Eschollbrücken eingemeindeten Ortsteil Eich wurde am 1. Januar 1977 per Gesetz eingegliedert.[4][5] Durch diese Erweiterung stieg die Bevölkerung von 16.500 auf 22.700 Einwohner an. Seit mehreren Jahren verliert Pfungstadt Einwohner und hat dadurch seine Rolle als größte Stadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg verloren.

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten]

In der Zeit um 1820 hatte die Gemeinde 122 Mitglieder (4,3 % der Gesamtbevölkerung Pfungstadts) und stieg bis zur Reichsgründung auf 260. Zu dieser Zeit gab es in Pfungstadt eine jüdische Schule, an der Chaim Weizmann um 1893 unterrichtete. Durch Abwanderung und Auswanderung nahm die Anzahl der Gemeindemitglieder bis 1933 auf 73 ab. Während der "Reichspogromnacht" wütete der braune Mob auch in Pfungstadt. Die Synagoge entging allein dadurch der Niederbrennung, als ein benachbarter Bauer zwar nicht um seine jüdischen Nachbarn, wohl aber um seine wohlgefüllte Kornscheune direkt neben der Synagoge besorgt war. Der Vorbeter der jüdischen Gemeinde wurde in dieses Nacht aus dem Fenster der Synagoge geworfen, die jüdischen Pfungstädter wurden unmittelbar danach nach dem Ghetto Thesesienstadt verbracht. 1942 wurde der letzte deportierte Pfungstädter Jude ermordet.

Der Name „Pfungstadt“[Bearbeiten]

Die Herkunft des Ortsnamens ist nicht eindeutig belegt. Lange wurde sie auf den vermuteten Namen eines frühen Siedlers (Phungo?) zurückgeführt. Andere führen den Namen auf das althochdeutsche pfung[6] für Beutel oder Geldbeutel zurück. Danach bestünde ein Zusammenhang mit der Ansiedlung eines Kaufmanns.[7]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

        Jahr         Einwohner[3]
1629 202 Hausgesessene
1695 44 Mann
1829 2.799
1939 7.959
1946 9.606
1956 11.681
1961 13.064
1970 17.075
        Jahr         Einwohner
1999 25.823
2000 25.955
2001 26.028
2002 26.038
2003 25.979
2004 25.596
2005 25.600
2006 25.444
2007 25.359
2008 25.075
2009 25.187
2010 25.253
2011 25.242
Pfungstadt: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
2.990
1840
  
3.358
1846
  
3.744
1852
  
3.772
1858
  
3.943
1864
  
4.078
1871
  
4.412
1875
  
4.962
1885
  
5.534
1895
  
5.903
1905
  
6.578
1910
  
6.799
1925
  
7.348
1939
  
7.959
1946
  
9.606
1950
  
10.737
1956
  
11.681
1961
  
13.064
1967
  
16.230
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 hatte folgendes Ergebnis:[8]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
44,8 %
23,6 %
15,9 %
7,1 %
6,0 %
2,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-0,6 %p
-8,3 %p
+7,5 %p
-2,7 %p
+6,0 %p
-1,9 %p
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 44,8 16 45,4 17
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 23,6 9 31,9 12
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 15,9 6 8,4 3
FWG Freie Wählergemeinschaft 7,1 3 9,8 3
UBP Unabhängige Bürger Pfungstadt 6,0 2
FDP Freie Demokratische Partei 2,6 1 4,5 2
gesamt 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 46,3 45,6

Bürgermeister[Bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt folgende Bürgermeister:

  • Karl Ludwig (letzter Amtmann)
  • Philipp Heß, 1821-1841
  • Johann Georg Fey, 1841-1855
  • Johann Georg Ackermann, 1855-1866
  • Ludwig Spalt, 1868-1877
  • Wilhelm Schiemer, 1877-1889
  • Ludwig Lang (NLP), 1889-1916
  • Gemeindesekretär Adam Schwinn (kommissarisch), 1916-1919
  • Adam Schwinn, 1919-1933
  • Georg Steinmetz, 1933-1935
  • Georg Riehl, 1935

Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte bzw. hat die Stadt folgende Bürgermeister:

  • Adam Schwinn, 1945
  • Ludwig Clemenz (SPD), 1945
  • Georg Roth (SPD), 1945–1949
  • Heinrich Gunkel (SPD), 1948
  • Albert Jaeger (SPD), 1949–1958
  • Heinrich Gunkel (SPD), 1958–1974
  • Justus Ahlheim (SPD), 1974–1983
  • Erich Hoffmann (CDU), 1984–1990
  • Horst Baier (SPD), 1990-2013
  • Patrick Koch (SPD) seit 2014

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 9. April 1954 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „Schild geteilt; oben in goldenem Feld ein roter, blaubewehrter, wachsender Löwe; unten in blauem Felde drei silberne Hufeisen (2:1).“[9]

Der Löwe ist das Wappentier der Grafen von Katzenelnbogen. Der Löwe der Katzenelnbogener ist ebenfalls in den Wappen von Darmstadt, Auerbach (Bensheim-Auerbach), Zwingenberg a.d.B. und St. Goar zu sehen.

Flagge[Bearbeiten]

„Auf der weißen Mittelbahn das blau-weiß-blauen Flaggentuches das Wappen der Stadt Pfungstadt.“[9]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Pfungstadt ist verschwistert mit den folgenden Partnerstädten.

Retford Flag of England.svg England, Grafschaft Nottinghamshire seit 1979
Figline Valdarno Flag of Italy.svg Italien, Region Toskana seit 1993
Gradignan Flag of France.svg Frankreich, Département Gironde seit 1996
Hévíz Flag of Hungary.svg Ungarn, Komitat Zala seit 2005


Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

In Pfungstadt gibt es fünf Grundschulen (Erich-Kästner-Schule, Wilhelm-Leuschner-Schule, Goetheschule, Gutenbergschule (Eschollbrücken), Hahner Schule), eine Förderschule (Schillerschule) sowie eine weiterführende Schule (Friedrich-Ebert-Schule).

Friedrich-Ebert-Schule Pfungstadt[Bearbeiten]

FES Pfungstadt von Süden
FES Pfungstadt von Osten

Die Friedrich-Ebert-Schule Pfungstadt ist eine kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und zählt ca. 1400 Schülerinnen und Schüler, sowie ca. 100 Lehrkräfte. Sie befindet sich in der Ringstraße 51-61, im Nordwesten Pfungstadts.

Geschichte und Organisation[Bearbeiten]

Gegründet wurde die Friedrich-Ebert-Schule 1954. Bis 1980 war sie eine traditionelle Haupt- und Realschule und wurde dann um die Förderstufe ergänzt, die sich zunächst in der Goethe- und Lessingschule in der Innenstadt befand.[10] 1982 wurde die Schule in eine kooperative Gesamtschule umgewandelt mit einem gymnasialen Zweig für die Mittelstufe. Durch bauliche Erweiterungen wurde die Förderstufe 1990 in die Ringstraße verlegt, die Räumlichkeiten der Lessingschule ab 1996 durch die neu gegründete gymnasiale Oberstufe genutzt. Ab dem 1. August 2011 gibt es für alle neu Eingeschulten nur noch zwei Schulzweige: den Gymnasialzweig und, aufbauend auf der Förderstufe, den Verbundzweig. Im Verbund bleiben die Schülerinnen und Schüler von Klasse 5 bis Klasse 9 im Klassenverband zusammen und werden von einem festen Team von Lehrkräften bis zu ihrem Schulabschluss begleitet. Eine Differenzierung wird durch das Kurssystem auf verschiedenen Leistungsniveaus möglich.

Sozialwirksame Schule[Bearbeiten]

Das Konzept der Sozialwirksamen Schule, entwickelt von dem Münchner Schulpsychologen Dr. Hopf,[11] soll die Lernkultur der Schule nachhaltig verbessern und wurde 2007 an der Friedrich-Ebert-Schule eingeführt. Die fünf Ziele des Konzepts sind die Verbesserung der Wahrnehmung der schulischen Erziehungsaufgabe, die Entwicklung des Sozialklimas und der Lernkultur, die Vermittlung sozialer Kompetenzen an Schülerinnen und Schüler, die Stärkung ihrer Persönlichkeit und die Verminderung von Aggressivität und Gewalttätigkeit in der Schule.

Verkehr[Bearbeiten]

Pfungstadt liegt zwischen den Autobahnen A 5 und A 67. Außerdem führte die B 426 bis Oktober 2004 noch durch die Ortschaft. Nach über 40 Jahren Planung wurde im Jahr 2000 mit dem Bau der Umgehungsstraße begonnen, welche am 8. Oktober 2004 dem Verkehr übergeben wurde. Die „alte“ Bundesstraße durch den Ort wurde mittlerweile an einigen Stellen zurückgebaut.

Am 10. Dezember 2011 wurde die Pfungstadtbahn wieder in Betrieb genommen. Stündlich wird der Darmstädter Hauptbahnhof in zwölf Minuten erreicht. Weiter fährt die Regionalbahn in den Odenwald bis nach Erbach.

Auch ist Pfungstadt durch die Buslinie P an das Straßenbahn- und Busnetz der Stadt Darmstadt angeschlossen. Die Buslinie PE verbindet Pfungstadt mit seinen Ortsteilen Eschollbrücken, Eich und Hahn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Landschaftliche Sehenswürdigkeiten in Pfungstadt sind unter anderem das Pfungstädter Moor, die Pfungstädter Düne, eine circa 100 Jahre alte Süntelbuche sowie eine sehr alte Ulme (im Volksmund „die Reest“ = Rüster).

Pfungstädter Galgen[Bearbeiten]

Der Pfungstädter Galgen

Geschichte und Entstehung[Bearbeiten]

Der im 14. Jahrhundert erbaute Galgen galt im Mittelalter als Hinrichtungsort, des 1442 erstmals schriftlich erwähnten Zentgerichts Pfungstadt. Die vorerst hölzerne Konstruktion wurde 1603 durch 3 gemauerte und verputzte Säulen ersetzt. Auf den Säulen wurden, durch Seile verbundene, Holzbohlen angebracht, an welchen die Stricke befestigt waren. Es ist anzunehmen, dass der Pfungstädter Galgen damals Verwendung fand, allerdings ist keine Hinrichtung namentlich erwähnt.

Der Galgen heute Die gemauerten Säulen des Galgens sind an der Ortsgrenze von Pfungstadt nach Darmstadt-Eberstadt erhalten geblieben. Rundherum breitete sich das Industriegebiet Pfungstadts immer weiter aus. Das Denkmal liegt auf einem kleinen Hügel und kann jederzeit besichtigt werden. Freiwillige Helfer reinigen regelmäßig das Gelände.

Bauwerke[Bearbeiten]

Altes Rathaus Pfungstadt

Das Alte Rathaus, ein barocker Bau von 1614, der direkt über der Modau errichtet wurde. Es wird heute für Stadtverordnetenversammlungen genutzt (1. Stock). Im Erdgeschoss befindet sich die „Säulenhalle“, die sporadisch für kulturelle Zwecke genutzt wird.

Die Villa Büchner, erbaut als Wohnhaus des Industriellen und Politikers Wilhelm Büchner (1816–1892), dem Inhaber der Pfungstädter „Blaufabrik", 1864 erbaut nach Plänen des Darmstädter Architekten Carl Balthasar Harres. Es handelt sich um ein außerordentliches Bauwerk des Historismus. Raumschnitt, Fenster, Stuckaturen und Wandbemalungen sind erhalten. Von 2006 bis 2009 erfolgte die Renovierung durch die Stadt Pfungstadt. Das Gebäude konnte mit erheblichem kommunalen Aufwand vollständig in den Ausstattungszustand der Bauzeit versetzt werden. Die Beletage dient gelegentlicher bürgerschaftlicher Nutzung für öffentliche und private Veranstaltungen, daneben steht sie auch als weitere Filiale des Standesamtes für Eheschließungen zur Verfügung. Im Souterrain und im weitläufigen Kaffee- und Biergarten begrüßt das Restaurant Strud´l Stub’n. Die Obergeschosse stehen leer und suchen Mieter.

Ehemaliges Pfarrhaus in der Borngasse

Das ehemalige Pfarrhaus, ältestes erhaltenes Steinhaus aus dem 16. Jahrhundert, fällt durch seinen Treppengiebel auf.

Das ehemalige Elektrizitäts- und Wasserwerk in der Brunnenstraße wurde 1901 erbaut und versorgte – mit damals neuartiger Fernheizung – die 250 Meter entfernten Goetheschule (erbaut 1907/1908, eingeweiht 1908) mit Turnhalle und Schwimmbad (eines der ersten öffentlichen Hallenbäder in Hessen). Heute steht das ehemalige E-Werk dank bürgerschaftlichem Engagements unter Denkmalschutz. Trotz Angebote aus der Bürgerschaft entwickelte die Stadt Pfungstadt als Eigentümer bisher kein Nutzungskonzept. Haupthaus und Betriebshalle sind dem Verfall weitgehend preisgegeben.

Ehemalige Synagoge[Bearbeiten]

Das Gebäude der ehemaligen Synagoge in der Hillgasse 8 wurde zwischen 1815 und 1820 errichtet.[12] Auf der restaurierten Decke strahlen goldene Sterne in leuchtendem Blau gemalt mit Wilhelm Büchners Ultramarin. Die Synagoge wurde in der Pogromnacht am 9. November 1938 geplündert und geschändet, die Inneneinrichtung zerstört. Wegen der Nähe anderer Gebäude wurde sie allerdings nicht abgebrannt.

1939 übernahm die Landwirtschaftliche Genossenschaft im Zeichen von „Arisierungen“ das Anwesen für 6000 Reichsmark und nutzte die Synagoge als Fruchtspeicher. Später wurden Geräte und Fahrzeuge untergestellt und ein Scheunentor in eine Seitenwand gebrochen. Weitere Nutzungen waren Wohn- und Lagerhaus und, nach Einbau von Zwischendecken und Wänden, bis 1993 die Nutzung durch fünf Gastarbeiterfamilien.

Erst nach dem Erwerb des Anwesens durch die Stadt Pfungstadt 1990[13] wurde mit Kosten von ca. 1, 2 Mio. Euro das Gebäude entkernt, Instand gesetzt, die Frauenempore wiederhergestellt und das Gebäude renoviert. Dabei wurden Schäden aus der Zeit nach 1938 nicht vertuscht. Seit 2001 ist die ehemalige Synagoge als Kulturhaus ehemalige Synagoge der Öffentlichkeit zugänglich,[13] seit 2011 dient sie als Ort für Ausstellungen, Konzerte und Lesungen.[14]

Evangelische Kirche[Bearbeiten]

Evangelische Kirche Pfungstadt

Die evangelische Kirche Pfungstadt wurde in der Zeit von 1746 bis 1748 nach einem Plan des Pfarrers Johann Conrad Lichtenberg über den Fundamenten mehrerer Vorgängerkirchen neu erbaut. Der mittelalterliche Turm wurde umgestaltet und 1752 vollendet. Eine Inschrift findet sich über der Eingangstür.

In der Zeit von 1890 bis 1897 wurde der barocke Innenraum vollständig verändert und von dem Geschmack des 19. Jahrhunderts geprägt. Dunkel gestrichene Hölzer zogen in die Kirche ein. Auch wurden mit kräftigen Farben und Schablonen der helle Kalkanstrich übermalt. Auch der Fußboden wurde den neuen Farben angepasst.

Aus der Barockzeit erhalten ist nur der hölzerne Engel, der ursprünglich als Kanzelfuß diente. Er wurde im Jahr 2008 restauriert. Die Orgel wurde 1825 durch Johann Hartmann Bernhard erbaut. Sie hat 26 Register und zwei Manuale.[15]

Katholische Kirche[Bearbeiten]

Katholische Kirche Pfungstadt

Für ein paar Dutzend Familien wurde 1912 die Pfarrkirche gebaut, mit etwa 200 Sitzplätzen umfasste sie die gesamte Gemeinde. Die St. Antonius Kirche wurde von Eberstadt aus betreut, die dortige St. Joseph Gemeinde ist die Mutterpfarrei.

Durch die Naziherrschaft wuchs die Mitgliederzahl nach dem Zweiten Weltkrieg, durch Heimatvertriebene, von wenigen hundert auf schlagartig über 3000. Durch Zuzug vieler neuer Familien in den 1990er Jahren stieg die Mitgliederzahl immer höher, 2011 waren es 5215 Gemeindemitglieder.[16]

Älteste noch vorhandene Autobahnbrücke auf der HaFraBa-Magistrale an der A67 bei Pfungstadt von 1934.

Die Pfungstädter Mühlen[Bearbeiten]

Vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) erlebte Pfungstadt eine wirtschaftliche Blüte, die in der Landwirtschaft verbunden mit den zahlreichen Mühlen (14 im Jahre 1630) entlang der Modau begründet war.[17] Weiter unten am Bachlauf der Modau, in Richtung der Mündung, war das Gefälle zu gering für Mühlen. Auch in der Pfungstädter Gemarkung ließ das nur noch mäßige Gefälle der Modau ausschließlich sogenannte unterschlächtige Mühlräder zu. Im Jahr 785 sind drei Mühlen urkundlich nachgewiesen. Die Wasserfallhöhe einer jeden Mühle, so wurde 1461 verfügt, musste drei „Werkschuh“, das entspricht 90 cm, betragen. Dadurch war die Anzahl der Mühlen begrenzt. Die Grafen von Katzenelnbogen, die im 14. Jahrhundert n. Chr. die Herrschaft über Pfungstadt innehatten, legten im sogenannten Mühlenbann genau fest, welche Mühle für welche Ortschaft zuständig war, denn die Müller mussten einen entsprechenden Mühlenzins abführen. Die Müller behielten ihrerseits 1/16 des gemahlenen Getreides (den sogenannten Molter) als Lohn ein. Seit Ende des 17. Jahrhunderts wurden einzelne Mühlen zur Krapp- später zur Ultramarinproduktion eingesetzt.[17]

Die Neumühle stellte 1990 als letzte der Pfungstädter Mühlen ihren Betrieb ein.[17] Eine Reihe von Mühlen sind bis heute erhalten. Eine Tafel und ein historischer Mühlstein an der Kirchmühle, Kirchgasse, erklären die Geschichte der Pfungstädter Mühlen.

Die Pfungstädter Düne[Bearbeiten]

Entstehung und Lage[Bearbeiten]

Die Pfungstädter Düne entstand am Ende der Steinzeit durch das Aufwehen des Flugsandes von Rhein, Main und Neckar. Sie misst zehn Hektar und liegt auf ca. 112 Meter über dem NN-Punkt zwischen Eberstädter Straße, Modau und Rhein-Neckar-Bahn. Man erreicht die Düne entweder über den Feldweg oder über Wanderwege am Galgenberg. Weitere Binnendünen in der Region sind die Eberstädter Escholldüne, die Griesheimer Düne, der Arheilger Stahlberg und der Erzhäuser Heegberg.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Die Pfungstädter Düne ist durch ihre Trockenheit gekennzeichnet und Lebensraum vieler seltener Grasarten, wie Blauschillergras und traubiges Klettengras, und vom Aussterben bedrohter Tierarten, wie zum Beispiel Ödlandschrecken, Zebraspinnen und Zauneidechsen. Aufgrund ihrer bedrohten Bewohner ist das Gebiet seit 1945 Naturschutzgebiet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die Pfungstädter Brauerei feiert jeweils im Sommer ihr Brauereifest. Die größte kommunale Veranstaltung ist die Pungschter Kerb am zweiten Septemberwochenende, deren Abschluss ein Höhenfeuerwerk bildet. Am dritten Adventswochenende findet in der Kirchstraße zwischen dem historischen Rathaus und der evangelischen Kirche ein Weihnachtsmarkt statt.

Freizeit[Bearbeiten]

Die Freizeitanlage Bade SaunaPark im Freizeitzentrum Süd lag in einem Park und bestand aus einem Hallen-Wellenbad, einem Freibad und einer Saunaanlage. Sie wurde im Januar 2014 geschlossen.

In Pfungstadt gibt es zahlreiche Vereine mit unterschiedlichen Freizeit- und Sportangeboten.

Das Naturschutzgebiet Pfungstädter Moor kann zum Spazierengehen genutzt werden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit Pfungstadt verbunden[Bearbeiten]

  • Wilhelm Büchner, (1816–1892), Apotheker, Chemiker, Fabrikant und Politiker, lebte und starb in Pfungstadt
  • Georg Heß, (1832–1909) Politiker und Industrieller, Bruder des Dichters Georg Büchner, lebte von 1845 bis zu seinem Tod in Pfungstadt
  • Georg Raab (1869–1932), erster demokratischer Minister für Wirtschaft und Arbeit in Hessen (Kabinett Ulrich I), lebte von 1885 bis zu seinem Tod in Pfungstadt
  • Chaim Weizmann (1874–1952), später erster Präsident Israels, unterrichtete ab 1892 naturwissenschaftliche Fächer am Pfungstädter „Israelitischen Lehr- und Erziehungsinstitut“
  • Hans-Joachim Heist (* 1949), Schauspieler, bekannt als Kommentator Gernot Hassknecht in der heute-show des ZDF; Stadtverordneter der SPD[19]
  • Friedhelm Kändler (* 1950), Dichter und Bühnenautor, zog 2012 aus seiner Heimatstadt Hannover in das Pfungstädter Künstlerhaus „Wildkind“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Pfungstadt: Vom fränkischen Mühlendorf zur modernen Stadt. Beiträge von Friedrich Battenberg, Eckhart G. Franz, Valentin Liebig. Bearbeitet von Friedrich Battenberg. Verlag: Helène, J., 1985, ISBN 3-9801116-0-1.
  • Abschied ohne Wiederkehr – Jüdisches Leben in Pfungstadt 1933–1945. Stadtarchiv Pfungstadt, 2007, ISBN 978-3-9805103-2-5.
  • Heiner Boehncke, Peter Brunner, Hans Sarkowicz: Die Büchners oder der Wunsch, die Welt zu verändern. Frankfurt a.M. 2008, ISBN 978-3-7973-1045-3 (mit einem ausführlichen Kapitel über Wilhelm Büchner in Pfungstadt).
  • Alfred Nitsche, Günther Jockel: Kennen Sie Pfungstadt? Stadtführer. Hrsg. Isolde Nees, Weststadt Verlag, 2010
  • R. Dreesen, A. Haerle: Briefe aus den Lagern. Briefe der Brüder Lorch aus der Eschollbrücker Zirkusfamilie aus der Lagerhaft. ISBN 978-3-00-045339-7. (Herausgeber AK Ehemalige Synagoge Pfungstadt e. V. 2014)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pfungstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Karl Josef Minst: Lorscher Codex II, Lorsch 1970, S.33-34.
  3. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPfungstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 1. September 2012.
  4. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt vom 26. Juni 1974 In: GVBl.I 1974/22
  5. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 239
  6. Althochdeutsches Wörterbuch, Seite 116 (PDF; 2,9 MB), abgerufen am 10. Mai 2013
  7. Private Geschichtsseite von Heinrich Tischer, abgerufen am 25. April 2013
  8. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  9. a b Staatsanzeiger für das Land Hessen 1954 Amtsblatt Nr. 17 Seite 423
  10. Geschichte der Friedrich-Ebert-Schule Pfungstadt, abgerufen am 24. April 2013
  11. Sozialwirksame Schule: Modell des Schulkonzepts
  12. Geschichte der Synagoge, Arbeitskreis Ehemalige Synagoge e. V., Pfungstadt
  13. a b Ehemalige Synagoge in Pfungstadt, Stadtarchiv Pfungstadt
  14. Denkmal mit Wunden. FAZ vom 8. September 2011, Seite 52
  15. Geschichte der Kirche - Evangelische Kirchengemeinde Pfungstadt
  16. Geschichte - Katholische Gemeinde St. Antonius Pfungstadt
  17. a b c Heimatverein Pfungstadt 1948 e.V. (Hrsg.): "Mühlen auf der Pfungstatter Bach". Heimatkundliche Schriftenreihe Pfungstadt, Heft 6, 2004
  18. Architektur der 50er 60er 70er
  19. Anne Haeming: Heist, kackdreist. In: taz, die tageszeitung, 16. September 2011