Phoebuskartell
Das Phoebuskartell bezeichnet ein Gebiets-, Normen- und Typenkartell, das im Dezember 1924 in Genf von den international führenden Glühlampenherstellern gegründet wurde. Ziel war unter anderem, den technisch bedingten Kompromiss zwischen hoher Lebensdauer und hoher Lichtausbeute von Glühlampen zugunsten höherer Verkaufszahlen festzulegen. Das Kartell existierte nachweislich bis mindestens 1942. Der Name leitet sich von der 1926 in Genf eingetragenen Firma Phoebus S.A. Compagnie Industrielle pour le Développement de l'Éclairage ab, an welcher die Kartellmitglieder Anteile gemäß ihren Marktanteilen hielten.[1]
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[Bearbeiten] Regulierungen durch das Kartell
Neben der Standardisierung der Lebensdauer (geplante Obsoleszenz) wurden Wissenstransfer und uneingeschränkter Patentaustausch zwischen den Mitgliedsfirmen ebenso beschlossen wie Abgleichung der Produktionsmethoden oder Vereinheitlichung von Lampenfassungen und -Sockeln.[2] Zusätzlich teilte man den weltweiten Markt in Untermärkte auf, die lokal begrenzt waren (Gebietskartell). Jedem der Teilnehmer wurde ein so genannter „Heimmarkt“ zugestanden, in dem er, ohne die Konkurrenz der anderen Teilnehmer befürchten zu müssen, seine Produkte vertreiben konnte. Das war effektiv, da die Mitgliedsfirmen des Phoebuskartells auf dem Weltmarkt zu dieser Zeit einen Marktanteil von über 80 % besaßen. So konnte jeder der Teilnehmer fast ohne nennenswerte Konkurrenz seine Produkte verkaufen, weshalb jeder die Preise auch fast nach Belieben ansetzen konnte.
Die Einhaltung der zugewiesenen Kontingente wurde intern ebenso streng überwacht wie die Beachtung der festgesetzten Produktlebensdauer; bei Zuwiderhandeln drohten finanzielle Sanktionen. Eine Tabelle aus dem Jahr 1929 etwa listet exakt auf, wie viel Schweizer Franken eine Firma zu bezahlen hatte, deren Lampen die 1000-Stunden-Grenze überschritten, gestaffelt nach Höhe der darüber hinausgehenden Brenndauer.[3]
[Bearbeiten] Auflösung
Nach dem Eintritt der USA in den Krieg im Jahr 1941 verschwand das Kartell offiziell. Die Ansicht, es habe bis in die 1990er Jahre weiter existiert oder bestehe sogar noch heute, ist etwa unter Gegnern des Vertriebverbots von Glühlampen weit verbreitet; allerdings gibt es für diese These weder Beweise noch Gegenbeweise. Dass die meisten heute erhältlichen Standardglühlampen nicht länger als durchschnittlich 1000 Betriebsstunden halten, wird seitens der Industrie mit einem Kompromiss zwischen Lebensdauer und Lichtausbeute begründet.
[Bearbeiten] Rechtslage
Im Oktober 1942 erhob die US-Regierung Anklage gegen General Electric und andere beteiligte Firmen. Vorgeworfen wurden dem Kartell illegale Preisabsprachen, unlauterer Wettbewerb und Verkürzung der Lebensdauer von Glühlampen.[4] Nach einem elf Jahre dauernden Rechtsstreit wurde General Electric 1953 verurteilt und unter anderem die Reduzierung der Lebensdauer von Glühlampen verboten.[3]
Nach heutiger Rechtslage gilt dieses Kartell als ausnahmslos verbotenes Gebietskartell (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen). Das Bundeskartellamt begründet das Verbot durch das generelle Verbot von Kartellen. Dieses kann nur in einigen Ausnahmefällen auf eine Prüfung der möglichen Kartellteilnehmer hin und nach Anhörung aller Beteiligten genehmigt werden. Ein Gebietskartell ist in jedem Fall illegal, da es
- Unternehmen in ihrem Recht beschneidet, in jeden beliebigen Markt einzusteigen,
- andere Marktteilnehmer benachteiligt, da sie nach wie vor mit allen anderen Teilnehmern konkurrieren müssen und
- auf den neu entstandenen Untermärkten überhöhte Preise zu befürchten sind.
[Bearbeiten] Mitglieder des Phoebuskartelles
Am Phoebuskartell waren alle seinerzeitigen großen internationalen Hersteller von Glühlampen beteiligt, beispielsweise:
- General Electric
- Tungsram
- Associated Electrical Industries (Nachfolger von Thomson-Houston)
- Compagnie des Lampes
- Osram
- Philips
- ELIN (Mitglied im Jahr 1939 [5])
[Bearbeiten] Literatur
- Markus Krajewski: Im Schlagschatten des Kartells. Anmerkungen zu Byron der Birne In: Bernhard Siegert, Markus Krajewski (Hrsg.): Thomas Pynchon. Archiv – Verschwörung – Geschichte, Band 15 von [me:dien^i], herausgegeben von Claus Pias, Lorenz Engell, Joseph Vogl, VDG, Weimar 2003, S. 73–107.
- Markus Krajewski: Vom Krieg des Lichtes zur Geschichte von Glühlampenkartellen. In: Peter Berz, Helmut Höge, Markus Krajewski (Hrsg.): Das Glühbirnenbuch. edition selene, Wien 2001, S. 173–193.
- 100 Jahre OSRAM (Firmenschrift 2006, pdf 4,66 MB), S. 33–34.
[Bearbeiten] Weblinks
- www.metze-research.com
- taz.de: Verehrt, verraten und verglüht
- Centennial Light - die langlebigste Glühlampe der Welt
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Phoebus SA., Compagnie Industrielle pour le Développement de l'Eclairage (Genève), Statuten und Geschäftsordnung, 1926, Genf
- ↑ blogs.taz.de, Das Glühbirnenkartell
- ↑ a b Filmdokumentation Kaufen für die Müllhalde, zuletzt ausgestrahlt auf arte am 28. Januar 2012
- ↑ District Court of the United States, For the District of New Jersey, Civil Action No. 1364, Filed Oct 9 - 1942
- ↑ Rechts- und Eigentumsform (1938-1945), darin Geschäftsbericht der ELIN Aktiengesellschaft 1939. Bestimmt für die einundvierzigste ordentliche Generalversammlung am 24. Juli 1940, Wien 1940, Selbstverlag der Gesellschaft; Web-Seite abgefragt am 2. Oktober 2011