Phönizianismus

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Der Phönizianismus (französisch Phénicianisme) ist ein Begriff und ein Konzept, welches die eigenständige Identität der Libanesen und des Libanons betont und die Unabhängigkeit von Syrien und den Arabern unterstreicht.

Die Anhänger des Phönizianismus vertreten die Ansicht, dass die Libanesen keine Araber seien, da sie eine eigene Sprache und Kultur besitzen. Sie sehen die Libanesen als Nachkommen der Phönizier an und nennen ihre Sprache Libanesisch.

Geschichte des Begriffs[Bearbeiten]

Der Begriff „Phönizianismus“ geht auf die Intellektuellen und Politiker Michel Chiha und Youssef Al Sauda zurück. Das Aufkommen des Begriffs muss im Kontext der libanesischen Staatsgründung und der Spaltung des französischen Protektoratsgebietes in einen Syrischen und einen Libanesischen Staat in den 1920er-Jahren betrachtet werden. Der Phönizianismus diente dazu, dem neuen Staat und seinen Bewohnern eine eigene Identität zu verschaffen. Das Gegenkonzept wird mit dem Begriff Großsyrien bezeichnet, in dem mehrere Staaten des Nahen Ostens einen gemeinsamen Staat bilden sollen. Dieser Begriff wurde von Henri Lammens Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen und von Antun Saada in den 1930er-Jahren politisiert.

Kritik am Phönizianismus[Bearbeiten]

Kritiker des Phönizianismus verweisen auf ein vom kulturellen und linguistischen Standpunkt arabisches Erbe der Libanesen. Da die phönizische Sprache vor langer Zeit ausstarb, ist ihre Auswirkung auf den modernen libanesischen Dialekt des Arabischen unwesentlich. Dagegen sind heute Einflüsse der Aramäischen Sprache in dem libanesischen Dialekt sehr deutlich. Für eine direkte Abstammung einiger heute im Libanon lebenden Menschen von den Phöniziern gibt es Untersuchungen (siehe The Genographic Project).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Asher Kaufman: Reviving Phoenicia. In search of identity in Lebanon. Tauris, London 2004, ISBN 1-86064-982-3.

Weblinks[Bearbeiten]