Phaeton (Karosseriebauform)

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Ein typischer Phaeton der 1930er Jahre: Horch 930 V von 1939

Der Phaeton war seit der Erfindung des Automobils eine weit verbreitete Karosseriebauform. Der Name „Phaeton“, der von einer Gestalt der griechischen Sagenwelt stammt (→ Phaethon), ging von der Kutsche auf die ersten Automobile oder „Motorkutschen“ über. Gottlieb Daimlers erster Motorwagen 1886 war ein motorisierter Phaeton Americaine, der vom Stuttgarter Kutschenbauer Wimpff & Sohn zugeliefert wurde. Automobile mit Phaeton-Karosserien gehörten als Zwei- oder als Viersitzer zur Angebotspalette nahezu aller Hersteller. Der Boom der Automobile im Phaeton-Design erreichte um 1910 seinen Höhepunkt.

Zweisitzer[Bearbeiten]

Offene Fahrzeuge aus der Zeit von 1900 bis etwa 1914, die auf einer Sitzreihe Platz für zwei Personen boten, wurden Phaeton oder Zweisitzer genannt. Frontscheibe, Türen und Verdeck kamen im Laufe der Jahre dazu oder waren gegen Aufpreis lieferbar. In der Automobil-Welt vom Mai 1907 sind offene Zweisitzer abgebildet und folgenderweise bezeichnet: Adler 4/8 PS und Rex-Simplex als Zweisitzer, Laurin & Klement B als zweisitzig, Cito Citomobil, Ley Loreley und Victoria Zweisitzer als Phaeton.[1] Bei Fahrzeugen mit Frontmotor ist hinter dem Motor eine deutlich sichtbare Spritzwand. Abgelöst wurde der zweisitzige Phaeton ab etwa 1910 durch den zweisitzigen Torpedo, der im Gegensatz zum Phaeton einen sanften Übergang von der Motorhaube zur Frontscheibe sowie eine durchgehende seitliche Karosserie bot.

Nach 1918 kam der Begriff Torpedo aus der Mode. Langsam setzten sich Seitenscheiben und der Begriff Roadster durch.

Viersitzer[Bearbeiten]

Offene Fahrzeuge bis etwa 1914, die auf zwei Sitzreihen Platz für vier Personen boten, wurden Doppelphaeton[2] oder vielfach vereinfacht Phaeton oder Viersitzer genannt. Voraussetzung war, dass alle Sitze nach vorne ausgerichtet waren. Vis-à-vis, Dos-à-dos und Tonneau gehören deshalb nicht dazu. Frontscheibe, Türen und Verdeck kamen im Laufe der Jahre dazu oder waren gegen Aufpreis lieferbar. Anzumerken ist, dass sich die hinteren Türen eher durchsetzten als die vorderen. In der Automobil-Welt vom Mai 1907 ist ein offener Viersitzer des Typs Apollo Piccolo abgebildet und als Doppelphaeton bezeichnet.[1] In der Automobil-Welt vom April 1907 sind zwei weitere offene Viersitzer abgebildet und folgenderweise bezeichnet: Stoewer P 6 als (Doppel-) Phaeton, Horch 50/60 PS als Doppel-Phaeton.[1] Bei Fahrzeugen mit Frontmotor ist hinter dem Motor eine deutlich sichtbare Spritzwand. Abgelöst wurde der viersitzige Phaeton ab etwa 1910 durch den viersitzigen Torpedo, der im Gegensatz zum Phaeton einen sanften Übergang von der Motorhaube zur Frontscheibe sowie eine durchgehende seitliche Karosserie bot.

Nach 1918 wurden die Fahrzeuge wieder Phaeton oder Tourenwagen genannt. Sie verfügten weiterhin über keine seitlichen Scheiben (manchmal Steckscheiben) und boten somit weniger Wetterschutz als ein Cabriolet. Die Nachfrage sank bis zum Zweiten Weltkrieg. Als letzte Variante des Phaeton hielt sich der Kübelwagen.

Triple-Phaeton[Bearbeiten]

Offene Fahrzeuge mit drei Sitzreihen wurden bis etwa 1914 Triple-Phaeton genannt.[2]

Der Begriff „Phaeton“ im Normenwerk des DIN[Bearbeiten]

Nach der deutschen Norm DIN 70011 „Aufbauten für Personenkraftwagen; Benennungen und Begriffe“ vom März 1959 war der „Phaeton (Tourenwagen)“ definiert als offener Personenkraftwagen mit zwei oder mehr Sitzen, zwei oder vier Türen und aufsteckbaren oder einknöpfbaren losen Seitenteilen; das Verdeck musste als zurücklegbares oder versenkbares Scherenverdeck oder als zurücklegbares oder abnehmbares Klappverdeck ausgeführt sein.

VW Phaeton[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2002 griff der Volkswagen-Konzern diese Bezeichnung einer Karosseriebauform für sein PKW-Modell VW Phaeton auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Linz, Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8.
  • Joachim Wachtel (Herausgeber): Facsimile Querschnitt. Frühe Automobil-Zeitschriften. Scherz Verlag, Bern und München, S. 104–105.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Wachtel: Facsimile Querschnitt. Frühe Automobil-Zeitschriften.
  2. a b Linz, Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie.