Phaidra

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Phädra ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Phaedra aufgeführt.

Phaidra (griechisch Φαίδρα, die Strahlende), übliche deutsche Schreibweise Phädra, ist in der griechischen Mythologie die zweite Gattin des Theseus, des Königs von Athen. Ihre Eltern sind Minos und Pasiphaë, ihre Schwester ist Ariadne. Sie ist die Enkelin des Sonnengottes Helios.

Der Mythos[Bearbeiten]

Phaidra, Gemälde von Alexandre Cabanel

Phaidra wird von Aphrodite verzaubert, wodurch sie sich in ihren Stiefsohn Hippolytos verliebt. Dieser weist ihre Liebe zurück. Phaidra begeht daraufhin Selbstmord, hinterlässt vorher jedoch auf einem Täfelchen die falsche Beschuldigung, Hippolytos habe ihr nachgestellt.

Als Theseus zurückkehrt und Phaidra tot vorfindet, verflucht er Hippolytos, worauf dieser mit seinem Wagen flieht. Auf Bitten Theseus' sendet Poseidon ein Meeresungeheuer, das die Pferde am Wagen des Hippolytos scheu macht. Hippolytos stürzt vom Wagen, verfängt sich in den Zügeln und wird zu Tode geschleift.

Verwandte Mythen[Bearbeiten]

Parallelen finden sich in anderen europäischen Mythen, z.B. im irischen Fingal Rónáin („Ronans Verwandtenmord“). Auffällig ist auch die thematische Verwandtschaft zur biblischen Geschichte von Josef und der Frau des Potiphar. Eine weitere Parallele in der Dichtung des Orients ist die indische Kunala-Erzählung.

Rezeption[Bearbeiten]

Literarische Verarbeitung[Bearbeiten]

Der Stoff wurde häufig literarisch bearbeitet:

Musik[Bearbeiten]

Als Oper wurde der Stoff u. a. von Jean-Philippe Rameau, Hippolyte et Aricie 1733, Johann Simon Mayr, Fedra 1820, beide nach Jean Racine, und Ildebrando Pizzetti, nach einem Libretto von Gabriele D’Annunzio, sowie 2007 von Hans Werner Henze vertont – Phaedra.

Der Stoff inspirierte ebenfalls Benjamin Britten, der als sein letztes Vokalwerk eine Kantate zur Phaidra-Thematik verfasste, die er der Sopranistin Janet Baker zueignete. Sie sang die Kantate in der Uraufführung beim Aldeburgh Festival 1976.

Im Song „Some Velvet Morning“ von Lee Hazlewood, den er zusammen mit Nancy Sinatra eingespielt hat, wird ebenfalls auf den Mythos angespielt (Album "Nancy & Lee", 1968).

Die Band Tangerine Dream, Vorreiter in der elektronischen Musik, betitelte 1974 ein für ihren späteren Musikstil prägendes Album „Phaedra“; das Album gehört bis heute zu den erfolgreichsten Produktionen der Gruppe (u.a. ein komplett neu eingespieltes Remix-Album 2005).

Film[Bearbeiten]

Bildende Kunst[Bearbeiten]

Antike Darstellungen des Mythos finden sich auf marmornen Sarkophagen, beispielsweise im Musée d'Arles Antique in Arles, in der Kirche San Clemente in Rom und in Agrigent.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Phaidra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Ovid, Heroides, IV
  2. Ovid, Metamorphosen, XV, 497–546
  3. Interpretation bei Jean Firges: Jean Racine. Phèdre. Die Dämonie der Liebe, Exemplarische Reihe Literatur und Philosophie, 23. Sonnenberg, Annweiler 2008 ISBN 978-3-933264-50-3. Unter anderem mit einem Stammbaum der Götter- und Heldengestalten. Bild des Racine in einem undatierten Kupferstich von Victor Pollet, nach einem Bild von Jean-Auguste-Dominique Ingres, S. 196
  4. Fedra (Dramma mitologico dell'Antica Grecia) in der Internet Movie Database (englisch)
  5. Phädra in der Internet Movie Database (englisch)