Pharyngitis

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Pharyngitis (viral)
Einseitge Pharyngitis

Eine Rachenentzündung (auch Pharyngitis, von griechisch pharynx ‚Rachen‘) ist eine Entzündung der Rachenschleimhaut. Sie tritt als Begleiterscheinung von entzündlichen Prozessen im Hals-Rachenbereich in Erscheinung.

Klinisches Bild[Bearbeiten]

Die Pharyngitis ist eine der häufigsten Erkrankungen. Von 1000 Patienten, die zum Arzt gehen, zeigen etwa 200 die Symptome einer Pharyngitis. Sie ist einer der häufigsten Beratungsanlässe in einer allgemeinmedizinischen Praxis.[1]

Die häufigste Ursache für eine Entzündung des Rachens ist eine virale Infektion oft im Rahmen eines grippalen Infekts. Davon muss man die potenziell bedrohlichere bakterielle Infektion unterscheiden.

Nicht-bakterielle Entstehung[Bearbeiten]

Die mit einer Erkältung einhergehende Pharyngitis ist meist von den typischen Viren der Atemwege (Influenza-, Parainfluenza- oder Adenoviren) verursacht. Seltener sind untypische Viren wie Herpes-Simplex-, Coxsackie- und Echoviren beteiligt. Aber auch Viren, die zum Teil systemische Erkrankungen hervorrufen wie Epstein-Barr-, Zytomegalie-, Masern- oder Rötelnviren können eine Pharyngitis hervorrufen.

Entstehung durch Bakterien[Bearbeiten]

Bakterien sind seltener Ursache für eine Pharyngitis. Oft sind dann β-hämolysierende Streptokokken mitbeteiligt. Es können Fieber, Schluckbeschwerden und Hals-, Glieder- und Kopfschmerzen auftreten. Der Rachen und Gaumen und die regionären Lymphknoten sind gerötet, geschwollen und druckschmerzhaft. Kinder, die weitaus häufiger betroffen sind als Erwachsene, klagen oft auch über Übelkeit und Bauchschmerzen.

Formen[Bearbeiten]

Pharyngitis atrophicans et sicca[Bearbeiten]

Es kommt zum Austrocknen der Schleimhaut (lat. sicca ‚trocken‘). Im Hals werden Borken sichtbar. Außerdem vermindert sich das Lymphgewebe (Atrophie). Dieses Gewebe dient der primären Infektabwehr, über Nase oder Mund aufgenommene Erreger werden in den Lymphgeweben abgefangen und abgebaut. Im Rachenbereich bezeichnet man die lymphatischen Organe als Mandeln.

Pharyngitis sicca[Bearbeiten]

Es kommt zum Austrocknen der Schleimhaut. Menschen, die ständig austrocknenden Noxen ausgesetzt sind, wie z. B. Raucher und Straßenarbeiter, können vermehrt Beschwerden zeigen.

Angina lateralis (Seitenstrangangina)[Bearbeiten]

Die Seitenstrangangina ist eine akute Form der Rachenentzündung durch bakterielle Infektion, welche jene Lymphbahnen im Rachenraum befällt, die von der oberen hinteren Rachenwand abwärts verlaufen. Häufige Begleiterscheinungen der Seitenstrangangina sind Ohrschmerz (wegen der Nähe zur Eustachischen Röhre), Schluckbeschwerden und Kopfschmerzen. Die Seitenstrangangina tritt vor allem bei tonsillektomierten Patienten auf.

Therapie[Bearbeiten]

Virale Pharyngitiden heilen in der Regel vollständig aus. Bei hohem Fieber, starken Schmerzen und Schluckstörungen kann eine symptomatische Therapie mit fiebersenkenden oder schmerzlindernden Mitteln nötig sein. Allgemeinmaßnahmen wie körperliche Schonung haben einen positiven Effekt auf die Heilung. Bei bakteriellen Infekten kann die Gabe von Antibiotika indiziert sein.

Eine lokale Kühlung wie z. B. Eisessen oder kalte Wickel vermindert die Schmerzen der entzündeten Bereiche. Hilfreich können speichelproduzierende Maßnahmen wie z. B. Bonbonlutschen oder die Inhalation oder das Gurgeln mit Salzwasser sein, wodurch die Flimmerhärchen und damit der körpereigene Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege angeregt werden.[2] Bei Pharyngitis bakteriellen Ursprungs können Antibiotika eingesetzt werden. Die rotbraunen Wurzeln des Ratanhia-Strauchs werden in der Pflanzenheilkunde (Droge: Ratanhiae radix) als adstringierendes Mittel in Form von Tinkturen eingesetzt.[3] Diese wird bei Entzündungen des Zahnfleisches, Entzündungen im Mund- und Rachenraum wie Stomatitis oder Pharyngitis angewendet, meist als Gurgelmittel oder Einpinselung. Oft wird Ratanhiatinktur zur Anwendung mit Myrrhentinktur gemischt. Ein weiteres Hausmittel zur begleitenden Behandlung sind lokal anwendbare oder inhalative ätherische Öle wie Teebaum- oder Eukalyptusöl. Die Wirkstoffe können antibakterielle sowie antivirale Eigenschaften haben.[4] Die unverdünnte Anwendung von Teebaumöl ist jedoch gefährlich, da beim Verschlucken Lungenschäden entstehen können."[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pharyngitis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nach W. Fink, G. Haidinger: Die Häufigkeit von Gesundheitsstörungen in 10 Jahren Allgemeinpraxis. Z. Allg. Med. 83 (200) 102–108, DOI: 10.1055/s-2007-968157 Zitiert nach "Womit sich Hausärzte hauptsächlich beschäftigen, MMW-Fortschr. Med. Nr. 16 / 2007 (149. Jg.)
  2. http://www.welt.de/6062126
  3. Grazi, Dania: Ratanhia: Von den peruanischen Anden in die Tube. [1], [2] (PDF; 1,0 MB)
  4. [3]Teebaumöl eliminiert Herpesviren, Pharmazeutische-Zeitung online 2001, abgerufen 2.März 2014
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Verwendung von unverdünntem Teebaumöl als kosmetisches Mittel, abgerufen 7. Juni 2014
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!