Phenazin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Struktur von Phenazin
Allgemeines
Name Phenazin
Andere Namen

Dibenzopyrazin

Summenformel C12H8N2
CAS-Nummer 92-82-0
PubChem 4757
Kurzbeschreibung

gelber Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 180,21 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

172–177 °C[1]

Siedepunkt

360 °C[1]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][5]
Gesundheitsschädlich
Gesundheits-
schädlich
(Xn)
R- und S-Sätze R: 22​‐​68
S: 36/37
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Phenazin ist eine polycyclische aromatische chemische Verbindung mit zwei Stickstoffatomen im mittleren der drei Ringe. Diese Struktur liegt auch im Pyrazin als Einzelring vor. Phenazin ist ein gelber Feststoff[1] und ist Ausgangsstoff für viele abgeleitete Verbindungen, die als Farbstoffe (z. B. Neutralrot, Safranin, Eurhodin, Indulin, Pyocyanin, Mauvein) dienen.

Vorkommen[Bearbeiten]

Einige Phenazinderivate besitzen eine antibiotische Wirkung und werden deshalb von vielen Bakterien (z.B. Pseudomonas aeruginosa, Streptomyces, Pantoea agglomerans) synthetisiert und zur Verteidigung ihres Lebensraums in die Umgebung abgegeben.[6] Die Biosynthese der beiden sechsgliedrigen Kohlenstoffringe der Phenazine erfolgt auf dem Shikimisäureweg der Aromatenbiosynthese über Chorisminsäure.[6][7][8]Fast 100 solcher in der Natur vorkommenden Verbindungen sind inzwischen identifiziert.[9]

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Eine klassische Methode zur Synthese von Phenazin ist die Reaktion von Nitrobenzol und Anilin bei der Wohl-Aue-Reaktion (1901).[10][11] Es sind aber noch weitere Methoden bekannt:

Verwendung[Bearbeiten]

Phenazin ist Ausgangsstoff für viele Farbstoffe (auch als Azin-Farbstoffe bezeichnet) wie Neutralrot, Safranin und Mauvein, wobei der Ring mit den beiden Stickstoffatomen als Chromophor auftritt. Phenazin-Farbstoffe enthalten im Allgemeinen die Struktur von Phenazin als Grundgerüst für diese Farbstoffklasse. Der Phenazinring und Phenazinderivate sind wichtige Ausgangsstoffe für die industrielle Herstellung von Pestiziden, Riechstoffen und Arzneistoffen. Phenazin ist weiterhin ein Komplexbildner.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Datenblatt Phenazin bei AlfaAesar, abgerufen am 9. März 2010 (JavaScript erforderlich).
  2. Phenazin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 30. Mai 2014.
  3. Datenblatt Phenazine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 18. April 2011 (PDF).
  4. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. a b Forschungsbericht 2006 - Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie: Die Biosynthese von Phenazinen.
  6.  G. S. Byng, J. M. Turner: Isolation of Pigmentation Mutants of Pseudomonas phenazinium. In: Journal of General Microbiology. 97, Nr. 1, 1. November 1976, S. 57–62, doi:10.1099/00221287-97-1-57 (Volltext).
  7. G.S. Byng u. J.M. Turner Biochem. J. 164 (1977) 139–145.
  8. Strukturgestützte Untersuchungen zur Phenazin-Biochemie. Version vom 12. August 2012 im Internet Archive.
  9. A. Wohl, W. Aue, Ueber die Einwirkung von Nitrobenzol auf Anilin bei Gegenwart von Alkali, in: Chem. Ber., 1901, 34, 2442–2450; doi:10.1002/cber.190103402183.
  10. I. J. Pachter and M. C. Kloetzel: The Wohl-Aue Reaction. I. Structure of Benzo [a] phenazine Oxides and Syntheses of 1,6-Dimethoxyphenazine and 1,6-Dichlorophenazine, in: J. Am. Chem. Soc., 1951; 73(10), 4958–4961; doi:10.1021/ja01154a144.
  11. C. Ris: Ueber das Phenazin, in: Chem. Ber. 1882, 19, 2206–2208; doi:10.1002/cber.188601902128.
  12. M. L. Tomlinson: The preparation of 2:2′-diaminodiphenylamines and 2:2′-diacetamidodiphenylamines and their behaviour on oxidation, in: J. Chem. Soc., 1939, 158–163; doi:10.1039/JR9390000158.