Phenylisothiocyanat

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Strukturformel
Strukturformel von Phenylisothiocyanat
Allgemeines
Name Phenylisothiocyanat
Andere Namen
  • Isothiocyanatobenzol (IUPAC)
  • Phenylsenföl
  • Thiocarbanil
  • Edman-Reagenz
Summenformel C7H5NS
CAS-Nummer 103-72-0
PubChem 7673
Kurzbeschreibung

farblose bis gelbliche, tränenreizende Flüssigkeit von beißendem, senfartigem Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 135.19 g·mol−1
Dichte

1,13 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

−21 °C [2]

Siedepunkt

221 °C [2]

Dampfdruck

10 mbar (20 °C) [2]

Löslichkeit

Zersetzung in Wasser [2]

Brechungsindex

1,6492 (23 °C)[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
05 – Ätzend 06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301​‐​311​‐​330​‐​314​‐​317​‐​334Vorlage:H-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze​‐​410
P: 301+310​‐​303+361+353​‐​305+351+338​‐​320​‐​361​‐​405Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze​‐​501 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][2]
Giftig
Giftig
(T)
R- und S-Sätze R: 23/24/25​‐​37
S: 28​‐​36/37​‐​45
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Phenylisothiocyanat (PITC) ist eine chemische Verbindung, die als Reagenz für die chemische Analytik (Edman-Reagenz) und die organische Synthesechemie verwendet wird. Der andere Name Phenylsenföl ist auf die Verwandtschaft mit dem Geschmacksträger des Senfs, dem Allylisothiocyanat (CH2=CH−CH2N=C=S), zurückzuführen.

Darstellung[Bearbeiten]

Anilin reagiert mit Kohlenstoffdisulfid in Ethanol und fein verteiltem Kaliumhydroxid als Katalysator zu Diphenylthioharnstoff. Diese Reaktion verläuft vermutlich über die Zwischenprodukte Phenyldithiocarbaminsäure und Phenylisothiocyanat unter Abspaltung von Schwefelwasserstoff. Aus dem gebildeten Diphenylthioharnstoff wird im nächsten Schritt bei der Einwirkung von Säuren unter Abspaltung von Anilin Phenylisothiocyanat gebildet:[5]

Synthese von Phenylisothiocyanat

Eine weitere Methode zur Darstellung von Phenylisothiocyanat geht ebenfalls von Anilin und Kohlenstoffdisulfid in konzentrierter Ammoniak-Lösung aus. Das als Zwischenprodukt isolierte Salz Ammoniumphenyldithiocarbamat wird mit Bleinitrat in Phenylisothiocyanat überführt:[6]

Synthese von Phenylisothiocyanat

Eigenschaften[Bearbeiten]

Phenylisocyanat ist eine farblose bis gelbliche Flüssigkeit von beißendem, senfartigem Geruch, die die Augen zu Tränen reizt.[1] Bei Normaldruck siedet die Verbindung bei 221 °C[2] Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend

\log_{10}\left(P(T)/\text{bar}\right) \;=\; A-\frac{B}{T+C} \qquad\text{mit}\qquad\begin{cases}A = 4{,}44210\\B = 1930{,}513~\textrm{K}\\C = -58{,}467~\textrm{K}\end{cases}

im Temperaturbereich von 320 K bis 491 K.[7]

Die Verbindung reagiert heftig mit Alkoholen, Aminen, Säuren, Basen, Wasser und Oxidationsmitteln.[2]

Verwendung[Bearbeiten]

Es wird als Laufmittel in der Umkehrphasen-Hochleistungsflüssigkeitschromatographie zur Analyse von sekundären Aminen eingesetzt und in der Synthesechemie als Reagenz im Edman-Abbau verwendet und daher „Edman-Reagenz“ genannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Phenylisocyanat. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 13. Juni 2014.
  2. a b c d e f g h i j Eintrag zu Phenylisothiocyanat in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 15. September 2010 (JavaScript erforderlich).
  3. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-428.
  4. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5.  L. F. Fieser, M. Fieser: Lehrbuch der organischen Chemie. 3 Auflage. Verlag Chemie, 1957, S. 703.
  6.  F. B. Dains, R. Q. Brewster, C. P. Olander: Phenyl isothiocyanate. In: Org. Syn. Coll. Vol. 1, 1941, S. 447 (HTML-Version, abgerufen am 19. September 2010).
  7.  D. R. Stull: Vapor Pressure of Pure Substances Organic Compounds. In: Ind. Eng. Chem. 39, 1947, S. 517–540., doi:10.1021/ie50448a022