Phil Spector

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Phil Spector (2009)

Harvey Phillip „Phil“ Spector (* 26. Dezember 1939[1] in New York) ist ein US-amerikanischer Musikproduzent. Berühmt wurde er in den frühen 1960er Jahren durch den besonders vollen Klang („Wall of Sound“) der von ihm produzierten Songs.[2] Als erster unterlegte er den Liedern eine intensive Hintergrundinstrumentierung – z. B. durch mehrere, verhallte Schlagzeuge und starke Chor- und Orchesteruntermalung – eine Technik, die in der Folgezeit von zahlreichen Musikern kopiert wurde.

2009 wurde Spector wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von mindestens 19 Jahren verurteilt.

Karriere[Bearbeiten]

Spector wurde als Sohn einer jüdischen Familie der unteren Mittelklasse in der Bronx in New York City geboren. Er begann seine Karriere im Musikgeschäft als Songwriter, Gitarrist und Sänger in dem von ihm gegründeten Trio „The Teddy Bears“, das 1958 den Hit To Know Him Is to Love Him hatte - Spector ist im Hintergrund zu hören. Den Titel des Liedes entnahm er dem Text auf dem Grabstein seines Vaters. Der große Erfolg öffnete ihm Türen, und binnen weniger Jahre stieg er zu einem wohlhabenden, exzentrischen Plattenproduzenten auf, der für einige Jahre mit seinen Ideen die Pop-Musik bedeutsam mitprägte und vielen Musikern Impulse gab, die auf unzähligen Produktionen wiederzuerkennen sind.

Im Aufnahmestudio entwickelte sich Spector zu einem Meister seines Fachs, der unter anderem mit Künstlern wie den Ronettes, Crystals, The Righteous Brothers, Beatles, George Harrison, John Lennon und den Ramones arbeitete. Zusammen mit Jeff Barry und Ellie Greenwich schrieb er auch einige noch heute sehr populäre Pop-Klassiker. So stammen die Songs River Deep – Mountain High (Originalinterpreten Ike und Tina Turner) und Be My Baby (Original von den Ronettes) aus der Feder dieses Trios. Bekannt wurde auch die von Spector bearbeitete Version des Klassikers Unchained Melody in der Fassung mit den Righteous Brothers, von denen er noch viele andere Hits produzierte, etwa You’ve Lost That Lovin’ Feelin’. Spector spielte außerdem Gitarre und Bass bei der Aufnahme des Lieds Play with Fire der Rolling Stones.

Nachdem es Mitte der 1960er Jahre etwas ruhiger um Spector geworden war, erlebte er 1970 ein Comeback, als er von Allen Klein, dem Manager der Beatles, den Auftrag erhielt, das Album Let It Be zu überarbeiten. Hierbei kam es zu deutlichen musikalischen Meinungsverschiedenheiten speziell zwischen John Lennon und Paul McCartney über Spectors Vorgehensweise. Während Lennon die Tätigkeit Spectors positiv sah, lehnte McCartney den intensiven Einsatz von Streichern und Backgroundsängerinnen ab. In der Folge nahm Spector zwischen 1970 und 1972 mehrere Solo-Alben von John Lennon, Yoko Ono und George Harrison auf, darunter Imagine und All Things Must Pass. Mit George Harrison bearbeitete er dessen Lied My Sweet Lord, das später gerichtlich als Plagiat beurteilt wurde. Seitdem wird Spector immer wieder vorgeworfen, dass er die Ähnlichkeit mit dem Lied He’s So Fine von The Chiffons hätte bemerken müssen. 1969 spielte Spector eine kleine Nebenrolle als Drogendealer in dem Spielfilm Easy Rider.

1977 produzierte er für Leonard Cohen das Album Death of a Ladies’ Man, wobei er sich mit dem Singer-Songwriter zerstritt und letztlich ein komplett nach seinen eigenen Vorstellungen gestaltetes Album ablieferte. Darüber hinaus zeichnete er in diesem Jahrzehnt unter anderem verantwortlich für das Konzertalbum Concert for Bangladesh (1971), die Single seiner Ehefrau Ronnie Spector Try Some, Buy Some (1971, geschrieben von George Harrison), Dions Album Born to Be with You (1975) und das Ramones-Album End of the Century (erschienen Januar 1980). 1981 produzierte er das Album Season of Glass von Yoko Ono. Für seine besonderen Leistungen wurde Spector 1989 in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen.

Privatleben[Bearbeiten]

Spector sorgte seit den 1970er Jahren weniger wegen seiner Musik für Schlagzeilen, sondern tauchte immer wieder mit negativen Zwischenfällen in den Nachrichten auf. So reichte seine Frau Ronnie (ehemaliges Mitglied der Ronettes) 1972 die Scheidung ein, nachdem Spector sie während der Ehe häufig misshandelt und psychisch gequält hatte.

Am 3. Februar 2003 wurde die Polizei durch einen Notruf von Spectors Chauffeur zu dessen Haus Pyrenees Castle in Alhambra (Kalifornien) gerufen, wo die Schauspielerin Lana Clarkson durch einen Revolverschuss in den Mund zu Tode gekommen war. Spector sprach von einem „Selbstmord aus Versehen“, als Clarkson „die Waffe geküsst“ habe. Der Chauffeur hatte Spector in seinem Notruf allerdings mit den Worten zitiert: „Ich glaube, ich habe jemanden umgebracht“. Spector blieb gegen eine Kaution von 1 Million Dollar auf freiem Fuß.

Eine erste Hauptverhandlung ab 19. März 2007 endete am 26. September 2007 ohne Ergebnis, da nur zehn der zwölf Geschworenen für eine Verurteilung stimmten. Am 20. Oktober 2008 begann ein weiteres Verfahren mit der Auswahl einer neuen Jury, die eigentliche Hauptverhandlung fand am 26. März 2009 statt. Als Zeugen wurden unter anderem fünf Frauen gehört, die aussagten, vor bis zu 30 Jahren von Spector mit einer Schusswaffe bedroht worden zu sein.

Am 19. April 2009 befand die Jury Spector des Totschlags (second-degree murder) für schuldig, woraufhin er in Haft genommen wurde. Am 29. Mai 2009 wurde eine Freiheitsstrafe von 19 Jahren bis zu lebenslang festgesetzt. Am 5. Juni 2009 wurde Spector in die „Behandlungseinrichtung für Rauschmittelmissbrauch und Staatsgefängnis“ (SATF-CSP) in Corcoran (Kalifornien) überstellt.[3] Er ist dort auf einer Station für Gefangene untergebracht, die, beispielsweise durch ihre Prominenz, als gefährdet gelten.[4] Spectors Berufung wurde am 2. Mai 2011 verworfen (B216425).[5] Sein Einspruch gegen diese Entscheidung scheiterte am 17. August 2011 vor dem Obersten Gerichtshof Kaliforniens (S193961 Petition for review denied).[6]

Diskografie (Auszug)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Phil Spector/Diskografie

Ein Auszug der Alben, an denen Phil Spector als (Co-)Produzent, Musiker oder Komponist beteiligt war:

Biografischer Film[Bearbeiten]

Im Jahr 2013 erschien der von HBO produzierte Film Der Fall Phil Spector von David Mamet über den Prozess. Spector wurde dabei von Al Pacino dargestellt, weitere Darsteller waren Helen Mirren, Jeffrey Tambor und Chiwetel Ejiofor.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Phil Spector birth certificate in: Christie’s vom 17. Dezember 2004, abgerufen am 3. Mai 2011
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAnklage nennt Phil Spector einen "teuflischen Verrückten". Spiegel Online, abgerufen am 24. April 2009.
  3. CDCR# G63408 http://inmatelocator.cdcr.ca.gov/search.aspx
  4. Phil Spector moved to California prison. auf: CNN.com
  5. Erfinder der «Wall of Sound» wegen Mordes verurteilt in: Tages-Anzeiger vom 3. Mai 2011
  6. Richter bestätigen lange Haft: Phil Spector scheitert erneut n-tv-Artikel vom 18. August 2011
  7. "Phil Spector" von David Mamet. filmstarts.de, abgerufen am 3. Juli 2013.