Philip Johnson

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Philip Johnson (Begriffsklärung) aufgeführt.
Philip Johnson 1963
New York State Theater
Sony Building (AT&T Building)

Philip Cortelyou Johnson (* 8. Juli 1906 in Cleveland, Ohio; † 25. Januar 2005 in New Canaan, Connecticut) war ein amerikanischer Architekt und Architekturkritiker.

Er formte zusammen mit Henry-Russel Hitchcock in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts den Begriff International Style für die moderne Architektur jener Zeit. Später wurde er einer der Mitbegründer der Postmoderne und der Dekonstruktivistischen Architektur.

Leben[Bearbeiten]

Philip Johnson wurde als Sohn eines vermögenden Anwalts geboren. Als sein einprägsamstes Erlebnis schilderte er später den Besuch der Kathedrale von Chartres als Kind mit seiner Mutter. Er studierte Philologie an der Harvard University. Von 1930 bis 1936 leitete er die Architekturabteilung am Museum of Modern Art in New York City. 1932 gab er zusammen mit Henry-Russell Hitchcock die Publikation „The International Style: Architecture since 1922“ (deutsch: 1985) heraus, die zu der gleichnamigen Ausstellung erschien. Diese führte anhand von ausgewählten Beispielen der europäischen Architektur des vorangegangenen Jahrzehnts die moderne Architektur auf drei Grundprinzipien zurück: Architektur als Volumen, Regelmäßigkeit als ordnendes Mittel, Dekoration als nicht erlaubt. Obwohl Johnson und Hitchcock viele Aspekte der avantgardistischen Architektur jener Zeit nicht in ihre Betrachtung einbezogen hatten, wurde die neue Stilrichtung schon bald zum feststehenden Begriff in der Architekturgeschichte.

Johnson wird vorgeworfen, in den 1930er Jahren mit den Ideen des Nationalsozialismus sympathisiert zu haben und antisemitische Ideen geäußert zu haben.[1] Bereits 1941 bezeichnete ihn William L. Shirer in seinem Buch Berlin Diary (1934–1941): The Journal of a Foreign Correspondent als Faschisten und Repräsentanten von Charles Coughlins Social Justice.[2][3] In späteren Jahren distanzierte er sich von der Haltung. In einem 54-minütigen Fernsehinterview mit Charlie Rose, vom 8. Juli 1996 wird er darauf angesprochen, darauf äußert er sich in einer Haltung der Reue.

1940 bis 1943 absolvierte Philip Johnson in Harvard ein Architekturstudium bei Walter Gropius und Marcel Breuer. Ab 1942 arbeitete Johnson als freischaffender Architekt in Cambridge. 1946 wurde er wieder Direktor der Architekturabteilung am New Yorker Museum of Modern Art. 1947 organisierte er dort eine Ausstellung über Ludwig Mies van der Rohe. Mit seinem eigenen Wohnhaus, dem Glass House in New Canaan, das lediglich die Nasszelle als gemauerten Kern birgt und vier Außenwände aus Glas besitzt, propagierte er das Konzept vom Einraumhaus. Als Vorbild diente ihm das Farnsworth House von Ludwig Mies van der Rohe. Johnson baute noch weitere großzügige, lichtdurchflutete Bungalows in New Canaan, die in der Tradition des Barcelona-Pavillons von Mies van der Rohe stehen, mit offenen Grundrissen und viel Glas. 1953 gestaltete er den Skulpturenhof des Museum of Modern Art in New York. Zusammen mit Mies van der Rohe errichtete er 1954 bis 1958 in New York das Seagram Building, das als Meilenstein der modernen Architektur gilt.

Zur selben Zeit wechselte Johnson in seinen Entwürfen die Formensprache, radikale Funktionalität wurde von manieristisch-verspielten Formen abgelöst. Im Vordergrund stand nun die Absicht, dem Gebäude eine unverwechselbare Identität zu verleihen. Johnson wurde so zum Wegbereiter der postmodernen Architektur. Farbige Fensterschlitze, symmetrische Rundbogenreihen und geschlossene, schwere Körper finden sich an seinen Bauten der sechziger Jahre.

1967 wurde der Architekt John Burgee sein Geschäftspartner. Gemeinsam bauten Johnson/Burgee ab den 1970er Jahren einige bemerkenswerte Wolkenkratzer, die durch den Einsatz historisierender Architekturzitate an den Fassaden markante Akzente im Stadtbild setzten. Zu seinen Entwürfen gehört das AT&T-Hochhaus in New York City aus dem Jahr 1984, eines der bekanntesten Gebäude im Stil des Postmodernismus. In anderen Bauten verwendete Johnson Elemente der antiken römischen Architektur.

Der Baldachin in der Dachlosen Kirche in New Harmony, Indiana, USA, 1960

Mit der Ausstellung „Deconstructivist Architecture“, die er 1988 mit Mark Wigley am MoMA organisierte, verhalf er der Dekonstruktivistischen Architektur zum Durchbruch.

In Deutschland war Johnson ebenfalls tätig: So schuf er von 1994 bis 1997 in Berlin an der Friedrichstraße, unweit vom ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie entfernt, ein Bürocenter, das seinen Namen trägt.

Nachdem Johnson im Januar 2005 starb, folgte ihm sein langjähriger Lebensgefährte David Whitney einige Monate später am 12. Juni 2005 in den Tod.

Fünf Monate nach Johnsons Tod, am 12. September 2005, wurde posthum der Bau des „Urban Glass House“ in der New Yorker Spring Street begonnen. Die Fertigstellung erfolgte 2006.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Philip Johnson erhielt im Jahr 1961 für die Dachlose Kirche in New Harmony, Indiana, den Ersten Preis des American Institute of Architects. 1979 wurde er als erster mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet.

Bauten[Bearbeiten]

Philip Johnson plante unter anderem folgende Gebäude:

Kunsthalle Bielefeld

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Philip Johnson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert A. M. Stern: Philip Johnson: An Essay by Robert A.M. Stern, online
  2. Kazys Varnelis: We Cannot Not Know Histor: Philip Johnson's Politics an Cynical Survival, Journal of Architectural Education, November 1994 online
  3. I share a double room in the hotel here with Phillip Johnson, an American fascist who says he represents Father Coughlin's Social Justice., Bericht von Shirer
  4. A Modern Garden: The Abby Aldrich Rockefeller Sculpture Garden at the Museum of Modern Art, Museum of Modern Art, New York 2007