Philipp Brandin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Philipp Brandin (* um 1535 in Utrecht; † 1594 in Nykøbing in Dänemark), war ein niederländischer Architekt, Baumeister und Bildhauer der Renaissance.

Leben[Bearbeiten]

Domschule Güstrow um 1800
Wasserkunst in Wismar
Schloss Güstrow

Über die Lebensdaten Brandins und seine Tätigkeit in den Niederlanden ist wenig bekannt. Vermutlich soll er ein Teil seiner Ausbildung beim Antwerpener Bildhauer Cornelis Floris (1514–1575) absolviert haben, bevor er mit anderen niederländischen Künstlern auswanderte.[1] Erst mit seinem Dienst für die mecklenburgischen Herzöge Johann Albrecht I. in Schwerin und Ulrich in Güstrow sind seine Arbeiten aktenkundig geworden.

Es wird davon ausgegangen, dass Brandin mit anderen niederländischen Künstlern durch Herzog Johann Albrecht I. nach Schwerin berufen wurde, um hier bei der Ausgestaltung des Schlosses mit den herzoglichen Wohnräumen und der Schlosskirche mitzuarbeiten. Von 1563 bis 1569 vollendete er in Schwerin die Innengestaltung der von Johann Baptista Par begonnenen Schlosskirche. Er gestaltete das Taufbecken und schuf mehrere Marmorreliefs mit Historiendarstellungen.

Spätestens seit 1567 war Philipp Brandin mit seiner Familie in Wismar ansässig, es wird sogar vermutet, dass er hier seit Beginn seiner Tätigkeit in Mecklenburg Haus und Werkstatt hatte. Für 1577 ist der Erwerb des Hauses Krämerstraße 19 nachgewiesen, das Nachbarhaus befand sich bereits zehn Jahre im Besitz des aus Antwerpen stammenden Malers Beter Boeckel, und auch in der Bademutterstraße und an der Frischen Grube hatte Brandin für einige Zeit Hausbesitz. Brandins Ehefrau Anna Giese starb 1595 in Wismar, sie hatten vier Kinder.[2]

Von Wismar aus erfüllte Philipp Brandin als freier Meister anfänglich auch andere Aufträge. So wurde 1569–1571 nach seinen Plänen eine Brauerei zum Wohnhaus des Ratsherrn und späteren Wismarer Bürgermeisters Hinrich Schabbell an der Schweinsbrücke umgebaut. Das Schabbellhaus, in dem sich heute das Stadtgeschichtliche Museum befindet, ist ein typisches Beispiel eines Profanbaus der Renaissancezeit in Norddeutschland.

Philipp Brandins Schaffensperiode in Güstrow begann um 1574. Hier entwarf er Pläne für die Domschule am Domplatz. Dieser älteste Schulbau Mecklenburgs wurde 1575 errichtet. Ab 1578 ist seine Mitarbeit als Steinmetz am Güstrower Schloss belegt.

Von 1579 bis 1582 wohnte Brandin wieder in Wismar im Haus an der Frischen Grube 15/15A. Durch den Bau des Schabbellhauses bekannt geworden, bekam er mehrere Aufträge als Baumeister. So beauftragte der Wismarer Rat Brandin mit der Herstellung eines steinernen Wasserkasten. Um 1580 lieferte er die Entwürfe für den wohl bekanntesten Pavillon dieser Zeit, die Wasserkunst auf dem Wismarer Marktplatz. Mit dem für die Wasserversorgung der mittelalterlichen Stadt so wichtigen steinernen Bauwerk wurde aber erst 1594 begonnen. Als obere Wasserkunst wurde sie auf dem Markt als architektonisches Kleinod ein Wahrzeichen der Stadt.[3] Durch den Lübecker Steinmetz wurde sie 1602 fertiggestellt und blieb bis 1897 noch in Betrieb.[4]

1583 gestaltete Brandin in Güstrow das Schauenburgsche Haus am Domplatz 15/16. Die größte Aufgabe in Güstrow war der Bau des Ostflügels des Schlosses. 1587 übernahm er diese Aufgabe von den Brüdern Parr und wurde als Architekt und Steinbildhauer eingesetzt. Da am Fürstenhof eine angespannte Finanzlage herrschte, war Brandin zu strenger Sparsamkeit angehalten und musste seine Pläne ändern.

Brandin wurde von seinem Dienstherren auch zu anderen Arbeiten herangezogen, so gestaltete er 1586 in der Klosterkirche Dobbertin ein Taufbecken, 1590 in der Klosterkirche Ribnitz ein Wandgrabmal der letzten Äbtissin Ursula, Herzogin von Mecklenburg.

Im Wesentlichen arbeitet Brandin mit seinen Gesellen in Güstrow an der Neuausstattung des Güstrower Doms, dessen Restaurierung schon 1565 begonnen hatte. Brandin schuf die Epitaphe und Grabdekmäler aus weißem Marmor der Herzogin Dorothea und des Fürsten Heinrich Borwin II. Sein Hauptwerk im Dom sind die lebensgroßen knienden Figuren des Herzogs Ulrich mit seinen Ehefrauen Elisabeth von Dänemark und der Herzogin Anna von Pommern. Die Figuren sind ebenfalls in weißem Marmor gefertigt. Bevor das Epithaph fertig gestellt war, reiste Philipp Brandin im Auftrag des Herzogs zu dessen Tochter Sophie, die nach dem Tod ihres Mannes, des dänischen Königs Friedrich II., nach Nykøbing auf die Insel Falster vertrieben worden war.[5] Dort leitete Brandin die Umbauarbeiten am königlichen Schloss, besoldet wurde er aber weiterhin von Herzog Ulrich III. Vor Abschluss der Arbeiten verstarb Brandin in Dänemark.

Seine Gesellen Claus Midow und Bernd Berninger vollendeten das Epithaph im Güstrower Dom, übernahmen die Werkstatt ihres verstorbenen Meisters und erwiesen sich in der Folgezeit als dessen erfolgreiche Nachfolger.

Ehrungen[Bearbeiten]

Durch Herzog Ulrich III. von Mecklenburg-Güstrow als Hofdiener mit Hofgesinde außerhalb des Hofes und festem Gehalt ernannt.

  • 1583 Baumeister, Hofbaumeister

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1563–1569 Schwerin, Schlosskirche, Innengestaltung mit Taufbecken und Marmorreliefs.
  • 1569–1571 Wismar, Schabbelhaus.
  • 1574–1575 Güstrow, Dom, Grab und Epithaph für Borwin II., Epithaph der Herzogin Dorothea.
  • 1574–1579 Güstrow, Domschule.
  • 1580 Wismar, Entwurf Pavillon der Wasserkunst.
  • 1583 Güstrow, Domplatz 15/16.
  • 1584–1587 Güstrow, Dom, Epithaph des Herzog Ulrich und seiner beiden Gemahlinnen, 1597–1599 durch Claus Midow und Bernd Berninger erweitert.
  • 1585 Anklam, Marienkirche, Epithaph des Achim von Riebe d. J.
  • 1586 Klosterkirche Dobbertin, Taufbecken.
  • 1590 Ribnitz, Klosterkirche, Epitaph der Herzogin Ursula von Mecklenburg als letzte Äbtissin.

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Sarre: Der Fürstenhof zu Wismar und die norddeutsche Terrakotta-Architektur im Zeitalter der Renaissance. Künstler und Werkmeister in Mecklenburg von 1550 bis 1600. Berlin 1890, S. 35–37.
  • Oskar Gehring: Philipp Brandin, eine biographische Studie über den 1563 bis 1594 tätigen Hauptmeister der mecklenburgischen Renaissance. Diss. phil. Rostock 1921.
  • Gerhard Steiniger: Baumeister in Mecklenburg aus acht Jahrhunderten. Schwerin 1998, ISBN 3-928820-88-5 S. 40–45.
  • Sabine Bock: Brandin, Philipp. In: Biographisches Lexikon für Mecklenburg. Rostock 2009, Band 5, S. 77–79.
  • Carsten Neumann: Der Taufstein der Dobbertiner Klosterkirche aus dem Jahre 1586. In: Kloster Dobbertin, Geschichte - Bauen - Leben. Band 2, Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 2013, ISBN 978-3-935770-35-4 S. 207–213.

Ungedruckte Quellen[Bearbeiten]

  • Landeshauptarchiv Schwerin
    • Steinmetzzeichen des Philipp Brandin, Fürstliche Schlösser und Häuser, 762.
  • Archiv der Hansestadt Wismar
    • 90 Unterlagen zu Philipp Brandin.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Philipp Brandin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sabins Bock: Brandin, Philipp. 2009, S. 77.
  2. Sabins Bock: Brandin, Philipp. 2009, S. 77–78.
  3. Siegfried Berndt: Von Wismars Wasserkünsten. In. Wismarer Beiträge. Schriftreihe des Archivs der Hansestadt Wismar, Heft 8, 19198, S. 2.
  4. Hanff: Vom Treffpunkt zum Wahrzeichen. Wismarer Wasserkunst - ein Bauwerk der Renaissance von Philipp Brandin. Der Blitz, 13. April 2008.
  5. Sabine Bock: Brandin, Philipp. 2009, S. 78.