Philippe Sands

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Philippe Sands mit Elizabeth Wilmshurst (2013)

Philippe Sands, QC (* 17. Oktober 1960 in London) ist ein britischer Jurist.

Leben[Bearbeiten]

Sands Großvater wurde 1904 im Lemberg geboren[1], seine Mutter floh 1938 als jüdisches Kind aus Österreich nach Frankreich und überlebte in einem katholischen Waisenhaus den Holocaust[2]. Sands wuchs in einer Mittelschichtfamilie in London auf und studierte Jura am Corpus Christi College der University of Cambridge. Danach war er für ein Jahr an der Harvard Law School, wo er die amerikanische Philosophie der Verbindung von juristischen mit politischen Fragestellungen kennenlernte[2]. Sands wurde 1985 Barrister.

Sands hatte Professuren am St Catharine's College in Cambridge, (1984–88), am King's College London (1988–91), an der School of Law der New York University (1994–2003) und an der School of Oriental and African Studies (1989–2002). Seit 2002 ist er Professor für Internationales Recht und Director des Centre on International Courts and Tribunals am University College London. Er ist Mitglied in der Anwaltsgruppe Matrix Chambers im Gray's Inn. 2003 wurde er Queen's Counsel und 2009 wurde er zum Bencher am Middle Temple ernannt.

Sands wurde in der Öffentlichkeit bekannt, als er den US-Präsidenten George W. Bush und den britische Premier Tony Blair der Konspiration und der Verletzung internationalen Rechts im Zweiten Irakkrieg beschuldigte. In seinem Buch Torture Team: Rumsfeld's Memo and the Betrayal of American Values (2008) stellte er fest, dass US-amerikanische Politiker die Folter bei inhaftierten Terroristen einsetzen ließen. Sands vertrat 2011 die Republik Mazedonien im Streit um den Namen Mazedonien mit Griechenland.[3]

Bei rechtshistorischen Forschungen zu den Ursprüngen des internationalen Strafrechts bei zweien seiner Schöpfer, den Juristen und Lembergern Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin, stieß Sands auf Niklas Frank, den Sohn des obersten NS-Juristen Hans Frank, und durch ihn auf Horst Wächter, Sohn des NS-Funktionärs Otto Wächter, der im besetzten Polen Gouverneur des Distrikt Galiziens war. Sands konnte Horst Wächter, der seinen Vater nicht als Kriminellen ansieht und gegen Anschuldigungen verteidigt, zweimal befragen und ihm Dokumente zur Mitwirkung der zivilen Besatzungsverwaltung am Holocaust in Lemberg vorlegen.[1]

Sands lebt mit seiner Frau und drei Kindern in London.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Torture team : Rumsfeld's memo and the betrayal of American values. New York : Palgrave Macmillan, 2008
  • Lawless world : America and the making and breaking of global rules from FDR's Atlantic Charter to George W. Bush's illegal war. New York : Viking, 2005
  • From Nuremberg to The Hague : the future of international criminal justice. Cambridge : Cambridge Univ. Press, 2003
  • Principles of international environmental law. New York : Cambridge University Press, 2003
  • mit Richard L Revesz; Richard B Stewart: Environmental law, the economy, and sustainable development : the United States, the European Union, and the international community. New York : Cambridge University Press, 2000
  • Greening international law. New York : New Press, 1994

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Philippe Sands – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Philippe Sands: My father [i.e. Otto Wächter], the good nazi, Financial Times, 4. Mai 2013, S. 17
  2. a b Harry Kreisler: Political Awakenings: Conversations with History. New York : New Press 2010, S. 318ff
  3. Owen Bowcott; Maya Wolfe-Robinson: Macedonia's Nato and EU hopes given boost by international court of justice, The Guardian, 5. Dezember 2011