Philippe Soupault

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Robert Delaunay : Le Poète Philippe Soupault (1922)

Philippe Soupault (* 2. August 1897 in Chaville (Seine-at-Oise) bei Paris; † 12. März 1990 in Paris) war ein französischer Dichter und Schriftsteller. Er war verheiratet mit der Fotografin Ré Soupault.

Biographie[Bearbeiten]

Dadaismus und Surrealismus[Bearbeiten]

Soupault machte in jungen Jahren die Bekanntschaft mit Marcel Proust und Apollinaire; durch letzteren lernte er 1917 André Breton und durch diesen Louis Aragon kennen. Zu dritt gründen diese die Zeitung „Littérature“, die damals noch stark von dada beeinflusst ist (33 Nummern bis 1924).

Darin erschienen die ersten sogenannten automatischen Texte (écriture automatique), beeinflusst durch Pierre Janet. Die von Philippe Soupault und André Breton gemeinsam verfassten automatischen Schreibversuche waren die ersten surrealistischen Texte überhaupt und erschienen 1921 in Buchform als „Les champs magnétiques“ (Die magnetischen Felder).

Während des ersten Weltkriegs entdeckte Soupault in der mathematischen Abteilung einer kleinen Buchhandlung in der Nähe des Pariser Lazaretts im Rive Gauche, in dem er 1917 untergebracht war, zufällig eine Ausgabe der „Gesänge des Maldoror“ von Lautréamont. In seinen Memoiren schreibt er:

„Beim Licht einer Kerze, die mir erlaubt war, begann ich die Lektüre. Es war wie eine Erleuchtung. Gleich am Morgen las ich die ‚Gesänge‘ noch einmal, überzeugt, dass ich geträumt hätte… Am übernächsten Tag besuchte mich André Breton. Ich gab ihm das Buch und bat ihn, es zu lesen. Am folgenden Tag brachte er es zurück, ebenso begeistert wie ich.“

Durch diesen Zufall offenbarte sich Lautréamont den Surrealisten, sie machten ihn schnell zu ihrem Propheten. Damit begann der Siegeszug Lautréamonts. André Gide sah es als bedeutendstes Verdienst von Aragon, Breton und Soupault an, „die literarische und ultraliterarische Bedeutung des erstaunlichen Lautréamont erkannt und verkündet“ zu haben. Für Gide war Lautréamont – mehr noch als Arthur Rimbaud – „der Schleusenmeister der Literatur von morgen“.

Nach dem Zerfall der Pariser Dadaismus-Bewegung gehörte Soupault zunächst zu der ab 1924 agierenden Surrealismus-Bewegung, entfernte sich aber von dieser durch seine zunehmend journalistische Betätigung und seiner Weigerung, die politische Wende der Gruppe zum Kommunismus mitzuvollziehen; außerdem schrieb er Romane, was bei den Surrealisten als verpönt galt, und wurde so 1927 aus der Gruppe ausgeschlossen; trotzdem betrachtete er sich bis zu seinem Lebensende als Surrealist. Er verfasste zahlreiche Romane, Essays und Gedichte.

L’amour fou[Bearbeiten]

Am 7. November 1933 lernte er in der Russischen Botschaft in Paris beim Empfang zur Feier der Oktober-Revolution die deutsche Künstlerin Ré Richter kennen. 1937 heirateten Philippe Soupault und Ré und reisten zum ersten Mal nach Tunesien. Ré Soupault gehörte schon zum Pariser Freundeskreis von Man Ray, Fernand Léger, Florence Henri, Gisèle Freund, Elsa Triolet, Max Ernst, Kiki, Foujita, Sonia und Robert Delaunay, André Kertész und Alberto Giacometti. Die Bauhausschülerin und Freundin der Berliner Dadaisten, ließ ihren französischen Freunden die deutsche künstlerische Avantgarde entdecken. Soupaults Ehe verkörpert diese fündige Kunstteilung.

Philippe Soupault war seit Ende der 1920er Jahre ein berühmter Journalist, der u.a. für «VU», «Excelsior» oder «L’Intransigeant» arbeitete.

Er hielt seine Frau, die beim Bauhaus studiert hatte, für sehr talentiert und überzeugte sie, seine Reportagen zu illustrieren.

Reportagen Zeit[Bearbeiten]

Philippe Soupault bestärkte seine Frau in ihrer fotografische Arbeit. Beide begaben sich im April 1934 auf Reportagereisen nach Deutschland, in die Schweiz und nach England. 1935 waren sie einige Monate in den USA und wieder in Deutschland und Skandinavien. 1936 verbrachten sie einige Wochen in Spanien – vor Beginn des Bürgerkriegs. Philippe Soupault wurde von Léon Blum beauftragt, in Tunis eine antifaschistische Radiostation aufzubauen, «Radio Tunis». In ihrer Freizeit bereisren sie das Land mit Fahrrädern. Sie wollten die Bevölkerung Tunesien kennenlernen, die Realität in Augenhöhe betrachten und mitteilen.

Von der Vichy-Regierung verfolgt – Philippe Soupault saß sechs Monate ohne Prozess im Zuchthaus – konnten sie am 13. November 1942 mit dem letzten Bus Tunis verlassen, einen Tag bevor Erwin Rommels Nazi-Truppen Tunis besetzten.[1]

Ihr Haus in der Rue el Karchani wurde vollständig geplündert. Fast ein Jahr lang blieben sie in Algerien, dann bekam Philippe 1943 von Général Charles de Gaulle den Auftrag, in Nord-, Mittel-, und Südamerika eine neue französische Nachrichtenagentur aufzubauen.

Sie begegneten in New York ihrem Pariser Freundeskreis wieder. Ré begleitete Philippe auf allen seinen Reisen. Sie trafen sich mit Gisèle Freund und Victoria Ocampo in Argentinien.

Sie bereisten Südamerika im Jahr 1944: Mexiko, Bolivien, Kolumbien, Guatemala, Chile, Argentinien und Brasilien. Dann kehrten sie in die USA zurück; über Haiti, Kuba und einen kurzen Aufenthalt in Swarthmore in Pennsylvania, wo Philippe an der Universität lehrte.

1945 trennte sich das Ehepaar Soupault.

Ab 1973 lebten die beiden wieder zusammen, in zwei getrennten Wohnungen in der Résidence d’Auteuil im XVI. Bezirk. Dort führten sie ein karges Leben und erzählten diesbezüglich, dass sie »keine Sammler« seien. Zusammen veröffentlichten sie zahlreiche Märchen-Anthologien.

Im Mai 1981 kam das Ehepaar Soupault nach Heidelberg und lernte den Verleger Manfred Metzner kennen. Der Verlag „Das Wunderhorn“ wurde Philippe Soupaults deutscher Verlag und veröffentlichte eine 10-bändige Soupault-Werkausgabe.

Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Essays[Bearbeiten]

  • Henri Rousseau, le douanier. Des quatre chemins, Paris (1927).
  • Begegnungen mit Dichter und Maler. (1963). Aus dem Französischen von Ré Soupault. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1986, ISBN 3-88423-040-9.
  • Geschichte eines Weißen. Autobiographischer Text, mit Namensregister und Dokumenten, aus dem Französischen von Hans Thill. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1990, ISBN 3-88423-064-6.

Gedichte[Bearbeiten]

  • Rose des vents (= Collection de littérature 5). 1917–1919. Gedichte. Avec quatre dessins de Marc Chagall. Au Sans Pareil, Paris 1920.
  • Bitte schweigt. Gedichte und Lieder 1917–1986. Aus dem Französischen von Roland Erb, mit einem Nachwort von Alain Lance, mit Reproduktionen nach automatischen Zeichnungen und Autographen Soupaults. Lizenz des Kiepenheuer-Verlages, Leipzig, Weimar. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1989, ISBN 3-88423-056-5.

Prosa[Bearbeiten]

  • Der Neger. Roman (1927). Aus dem Französischen von Ré Soupault und mit einem Vorwort von Heinrich Mann. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1982, ISBN 3-88423-021-2.
  • Ein großer Mann. Roman (1929). Aus dem Französischen von Ré Soupault. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1983, ISBN 3-88423-027-1.
  • Das letzte Spiel. Roman. Aus dem Französischen von Ré Soupault. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1984, ISBN 3-88423-032-8.
  • Die letzten Nächte von Paris. Roman (1928). Aus dem Französischen von Ré Soupault. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1982, ISBN 3-88423-032-8 (2. Auflage. ebenda 1987).
  • Die magnetischen Felder. (Les champs magnétiques) mit André Breton, (geschrieben 1919, erschienen 1920). Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort von Ré Soupault. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1990, ISBN 3-88423-045-X.
  • Der schöne Heilige. Roman. Aus dem Französischen von Hans Thill und mit einem Nachwort von François Martinet. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1992, ISBN 3-88423-074-3.
  • Die Reise des Horace Pirouelle. Roman (1925). Aus dem Französischen von Manfred Metzner. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1992, ISBN 3-88423-053-0.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ré Soupault, Eine Künstlerin im Zentrum der Avantgarde, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg, 2011, S.18.

Weblinks[Bearbeiten]