Philosophenproblem

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Aufbau des Philosophenproblems

Beim Philosophenproblem (engl. Dining Philosophers Problem) handelt es sich um ein Fallbeispiel aus dem Bereich der Theoretischen Informatik. Damit soll das Problem der Nebenläufigkeit erklärt werden und die Gefahr der Verklemmung von Prozessen. Das Problem wurde von Edsger W. Dijkstra formuliert.

Aufbau[Bearbeiten]

Fünf Philosophen sitzen an einem runden Tisch, und jeder hat einen Teller mit Spaghetti vor sich. Zum Essen von Spaghetti benötigt jeder Philosoph zwei Gabeln. Allerdings waren im Haushalt nur fünf Gabeln vorhanden, die nun zwischen den Tellern liegen. Die Philosophen können also nicht gleichzeitig speisen. Damit ein Philosoph essen kann, braucht er zwei Gabeln. Er darf nur die beiden Gabeln nehmen, die rechts und links von ihm liegen.

Ablauf[Bearbeiten]

Die Philosophen sitzen am Tisch und denken über philosophische Probleme nach. Wenn einer hungrig wird, greift er zuerst die Gabel links von seinem Teller, dann die auf der rechten Seite und beginnt zu essen. Wenn er satt ist, legt er die Gabeln wieder zurück und beginnt wieder zu denken. Sollte eine Gabel nicht an ihrem Platz liegen, wenn der Philosoph sie aufnehmen möchte, so wartet er, bis die Gabel wieder verfügbar ist.

Solange nur einzelne Philosophen hungrig sind, funktioniert dieses Verfahren wunderbar. Es kann aber passieren, dass sich alle fünf Philosophen gleichzeitig entschließen zu essen. Sie ergreifen also alle gleichzeitig ihre linke Gabel und nehmen damit dem jeweils links von ihnen sitzenden Kollegen seine rechte Gabel weg. Nun warten alle fünf darauf, dass die rechte Gabel wieder auftaucht. Das passiert aber nicht, da keiner der fünf seine linke Gabel zurücklegt. Die Philosophen verhungern.

Variante: Jeder hungrige Philosoph nimmt die zwei nächsten verfügbaren Gabeln, unabhängig davon, ob sie zuletzt von einem Nachbarn benutzt wurden. Damit wird z. B. der Fall möglich, dass je zwei Philosophen immer denselben anderen zwei Philosophen ihre Gabeln übergeben und der fünfte Philosoph verhungern müsste.

Anwendung[Bearbeiten]

Das Szenario der fünf (gelegentlich auch nur drei oder vier) speisenden Philosophen wird oft gebraucht, um das Problem der Interprozesskommunikation und Ressourcenverwaltung bei der Entwicklung von Betriebssystemen zu illustrieren. Das Beispiel soll darstellen, was passieren kann, wenn parallele Prozesse auf die gleichen Ressourcen angewiesen sind und gleichzeitig darauf zugreifen. Dann kann es passieren, dass alle blockiert sind und auf ein Ereignis warten, das durch diese Blockade nie eintreffen wird. Ein solcher Zustand wird als Deadlock oder Verklemmung bezeichnet.

Zur Lösung des Problems werden typischerweise Mutexe oder Semaphore zur Sequentialisierung verwendet, zum Beispiel nach dem Peterson-Algorithmus oder dem Dekker-Algorithmus.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Abraham Silberschatz & James L. Peterson: Operating Systems Concepts. Addison-Wesley 1988, ISBN 0-201-18760-4
  • K. Mani Chandy & Jayadev Misra: The Drinking Philosophers Problem. In: ACM Transactions on Programming Languages and Systems. Vol. 6, No. 4, Oktober 1984, S. 632–646 (PDF; 960 kB)
  • Edsger W. Dijkstra: Hierarchical ordering of sequential processes. In: Acta Informatica. 1(2), 1971, S. 115–138 (PDF; 1,0 MB)
  • Daniel J. Lehmann & Michael O. Rabin: On the Advantages of Free Choice: A Symmetric and Fully Distributed Solution to the Dining Philosophers Problem. In: Principles Of Programming Languages 1981 (POPL ’81). 1981, S. 133–138

Weblinks[Bearbeiten]