Photovoltaik-Freiflächenanlage

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Eine Photovoltaik-Freiflächenanlage

Unter einer Photovoltaik-Freiflächenanlage versteht man eine Photovoltaikanlage, die nicht auf einem Gebäude oder an einer Fassade, sondern ebenerdig auf einer freien Fläche aufgestellt ist. Eine Freiflächenanlage ist ein fest montiertes System, bei dem mittels einer Unterkonstruktion die Photovoltaikmodule in einem bestimmten Winkel zur Sonne (Azimut) ausgerichtet werden. Neben diesen fest montierten Freiflächenanlagen gibt es auch nachgeführte Anlagen, sogenannte Tracker-Systeme, die dem Stand der Sonne folgen.

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Gemessen am Gesamtmarkt für Photovoltaikanlagen in Deutschland machen ebenerdig errichtete Anlagen einen vergleichsweise kleinen Teil aus: Gegen 2010 hieß es, ihr Anteil in Deutschland liege seit Jahren konstant zwischen 10–15 Prozent. 2008 wurden vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg 286 Freiflächenanlagen mit 486 Megawatt auf 1.800 ha Fläche gezählt. Später stieg der Anteil der Freiflächenanlagen, insbesondere in Monaten mit hohem Zubau kurz vor Absenkungen der Einspeisevergütungen. So entfiel in den Monaten Juni und September 2012 vermutlich die Mehrzahl der neu installierten PV-Leistung in Deutschland auf Freiflächenanlagen. Bundesweit wurden in diesen Monaten jeweils um die 330 MW neue PV-Anlagen mit über 10 MW Leistung gemeldet, kleinere Freiflächenanlagen kommen noch dazu.[1] Ende 2012 ging der Anteil der Freiflächenanlagen wieder deutlich zurück.

Vergütung[Bearbeiten]

In Deutschland kann Strom von Freiflächenanlagen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet werden. Die Vergütung fällt für diese Anlagenart geringer aus als bei Photovoltaikanlagen, die auf oder an Gebäuden montiert sind. 2009 betrug die Vergütung 31,94 Cent je eingespeister Kilowattstunde (kWh) Strom, 2010 ist sie für neue Anlagen auf 28,43 Cent gesunken.[2] Ab Januar 2013 beträgt sie 11,78 Cent, fallend mit Abschlägen von 2,5 % monatlich. Eine Vergütungspflicht besteht nur unter besonderen Voraussetzungen.

Standorte[Bearbeiten]

Das EEG in Deutschland sieht eine Anwendung der Vergütungssätze für versiegelte Flächen, Konversionsflächen aus wirtschaftlicher oder militärischer Nutzung vor[3]. Eine Versiegelung liegt bei einer Oberflächenabdichtung des Bodens vor. Daher wird auch Strom aus Anlagen an Straßen, Stellplätzen, Deponieflächen, Aufschüttungen, Lager- und Abstellplätzen und Ähnlichem vergütet. Zu Konversionsflächen können beispielsweise Abraumhalden, ehemalige Tagebaugebiete, Truppenübungsplätze und Munitionsdepots zählen. Die Errichtung von Freiflächenanlagen auf Grünflächen wurde zunächst auf solche begrenzt, die in den drei vorangegangenen Jahren als Ackerland genutzt wurden, um die Beeinträchtigung von Natur und Landschaft möglichst gering zu halten. Die Unterkonstruktion von Solarkraftwerken versiegelt meist nur einen Bruchteil der Naturfläche, oft bei weniger als 0,05% der eigentlichen Ackerfläche. Zu einer Aufwertung der ökologischen Qualität trägt dann u.a. der Platz zwischen den einzelnen Reihen bei, der benötigt wird, um einer Abschattung einzelner Modulreihen bei niedrigem Sonnenstand entgegenzuwirken. Gegen 2011 wurde dann die Vergütung bei Nicht-Konversions-Grünflächen auf Flächen beschränkt, die im Abstand bis zu 110 Metern längs von Autobahnen oder Schienenwegen liegen.

Vor Baubeginn durchlaufen Freiflächenanlagen meist einen Genehmigungsprozess in der Gemeinde. Um eine Fläche nutzen zu können, muss diese im Flächennutzungsplan in ein „Sondergebiet Solar“ geändert werden. Notwendig ist außerdem ein Bebauungsplan, der auf der entsprechenden Fläche Baurecht schafft[4]. Die Bauleitplanung obliegt der Gemeinde. Sie prüft Raumbedeutsamkeit und Umweltverträglichkeit des Vorhabens und sollte dabei alle Bürger und Träger öffentlicher Belange (TÖB) einbeziehen. Wichtige Entscheidungsgrundlage ist neben Anlagengröße, Flächenverbrauch und Technik der Grünordnungsplan des Bauherrn. Er beschreibt, wie die geplante Freiflächenanlage in die Landschaft integriert und diese dabei ökologisch aufgewertet werden soll. Nach Anhörung aller beteiligten Parteien verabschiedet die Gemeinde den Bebauungsplan. Anschließend erfolgt die Baugenehmigung[5].

Freiflächen und Umweltschutz[Bearbeiten]

Gemeinsam mit der Naturschutzorganisation NABU hat die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) 2005 einen Kriterienkatalog für die naturverträgliche Errichtung von Freiflächenanlagen veröffentlicht. Die hier formulierten ökologischen Kriterien gehen über das gesetzlich geforderte Mindestmaß hinaus. Diese Selbstverpflichtung sollte von Projektierern und Betreibern bei der Standortwahl und dem Betrieb von ebenerdig errichteten solaren Großanlagen berücksichtigt werden[6].

Öffentliche Debatte um Freiflächenanlagen[Bearbeiten]

Im Gegensatz etwa zu Atom- und Kohlekraftwerken stehen Freiflächenanlagen seltener in der Diskussion. Dennoch bemängeln Kritiker unter anderem den unnötigen Verlust von Flächen, die anderweitig genutzt werden könnten, und führen ästhetische Aspekte an. Befürworter argumentieren hingegen mit dem im Vergleich zur landwirtschaftlich genutzten Gesamtfläche verschwindend geringen Anteil der Anlagen und der Schaffung von Naturlebensraum und Erhaltung der Biodiversität. Ferner führen Befürworter an, dass Freiflächenanlagen im Vergleich zu Aufdachanlagen besonders günstigen Solarstrom produzieren und damit den Verbraucher entlasten[7].

Die größten Solaranlagen[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Mit 54 MW gehörten die Freiflächenanlage in Straßkirchen (fertiggestellt im Dezember 2009) und der Solarpark Lieberose auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lieberose in der brandenburgischen Gemeinde Turnow-Preilack mit 53 MW zum Zeitpunkt der Errichtung zu den größten Anlagen in Deutschland.

Der Solarpark auf dem Flugplatz Neuhardenberg mit 145 MW ist seit dem Baubeginn am 30. September 2012 der größte in Deutschland. Der Netzanschluß wurde im März 2013 realisiert.

Europa[Bearbeiten]

Im Juli 2008 wurde die damals größte Freiflächenanlage der Welt mit 60 MW (Watt Peak) im spanischen Olmedilla fertiggestellt.

Ende 2011 galt die Anlage auf dem ehemaligen Militärflugplatz Eberswalde/Finow in der Gemeinde Schorfheide im deutschen Bundesland Brandenburg mit 84,5 MW als die größte Freiflächenanlage Europas.[8]

International[Bearbeiten]

Im Oktober 2011 wurde der gerade in Betrieb genommene Solarpark bei Sarnia in Ontario, Kanada als weltweit größter mit 80 MW bezeichnet.[9]

In Kalifornien sollte laut Planungsstand Ende 2011 ein 550 MW Solarpark bis 2015 gebaut werden[10], in der Planung waren außerdem Projekte mit 663 MW (Calico Solar Project I), 1200 MW (Needle Mountain Solar Park) und 2.700 MW (Westlands Solar Park)[11].

Gegenwärtig ist das weltweit größte Projekt der Solarpark Agua Caliente in Yuma County (Arizona), der im August 2012 mit 247 MW fertiggestellt wurde und bis auf 397 MW ausgebaut werden soll. In Indien entsteht die voraussichtlich größte Freiflächenanlage im Bundesstaat Gujarat: Auf einer Fläche von 20 km² wurden bis April 2012 insgesamt 214 MW installiert, der Ausbau soll bis auf 500 MW erfolgen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Monatliche Veröffentlichung der PV-Meldezahlen durch die Bundesnetzagentur: http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1912/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetGas/ErneuerbareEnergienGesetz/VerguetungssaetzePVAnlagen/VerguetungssaetzePhotovoltaik_Basepage.html?nn=135464#doc149586bodyText1
  2. Solar is future: http://www.solar-is-future.de/solarstrom-fuer-ihr-unternehmen/planung-ihrer-anlage/einspeiseverguetung-mit-dem-eeg/
  3. EEG-Gesetzestext: http://www.bgbl.de/Xaver/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&bk=Bundesanzeiger_BGBl&start=//*%5B@attr_id=%27bgbl108s2074.pdf%27%5D
  4. Begründung zu dem Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien: http://premium.solarfoerderung.de/download/count.cfm?ID=107
  5. Joule 02/2009 Printausgabe
  6. Umweltkriterien NABU: http://www.nabu.de/themen/energie/erneuerbareenergien/solarenergie/04300.html
  7. Solarserver: Bayerns Umweltminister Söder besucht Photovoltaik-Zentrum: "Die Sonne ist das Öl des 21. Jahrhunderts!": http://www.solarserver.de/news/news-11485.html
  8. 84,5 MW Solarpark in Brandenburg: http://www.solarserver.de/solar-magazin/nachrichten/aktuelles/2011/kw35/solarhybrid-arbeitet-am-groessten-photovoltaik-kraftwerk-europas-freiflaechenanlage-finowtower-wird-auf-845-mw-erweitert.html
  9. 80 MW Solarpark in Ontario: http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Kanadische-Provinz-Ontario-setzt-weiter-auf-Solarstrom/56274/2
  10. 550 MW Solarpark in Kalifornien: http://www.solarserver.de/solar-magazin/nachrichten/aktuelles/2011/kw49/photovoltaik-in-kalifornien-first-solar-verkauft-550-megawatt-solarpark-topaz-an-midamerican-energy-holdings-kraftwerk-wird-solarstrom-fuer-160000-haushalte-erzeugen.html
  11. Liste US-Projekte: http://www.seia.org/galleries/pdf/Major%20Solar%20Projects.pdf